Kaineder News

Archiv für die Kategorie „Coaching Lotse“

Weitwandern auf dem Marienweg in Rumänien von DO 24. August bis SA 2. September 2017″ steht in der Ausschreibung von Weltanschauen. War es vor zwei Jahren der Barbaraweg in der Slowakei, so wird es heuer der Marienweg in Rumänien sein, den wir als „Weltanschauen-Gruppe“ begehen.

Zum Weg heißt es: „Der Weg führt durch die wunderschöne siebenbürgische Mittelgebirgslandschaft, durch kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint und die Feldarbeit großteils noch ohne Traktor erledigt wird, durch einsame Wälder und über Hochalmen, wo man stundenlang auf keine menschlichen Behausungen trifft. Wahrscheinlicher ist da schon die Begegnung mit einer Schafherde und den dazugehörigen Hunden oder mit viel Glück auch die Begegnung mit einem Braunbären, von denen es in den Karpaten noch sehr viele gibt. Die beiden letztgenannten Tatsachen sind auch der Grund, warum die Pilgerwanderung in diesem Jahr erstmals zusätzlich mit einheimischen Begleitern gemacht wird. Und die Sprache: denn viele Menschen in diese abgelegenen Region sprechen einfach nur ungarisch und rumänisch. Mit unseren Begleitern können wir auch ins Gespräch kommen über die aktuelle Lebenssituation im Land und erfahren mehr über Land und Leute.“

Weltanschauen heißt für mich: hinschauen, hinhören, hineinfühlen in die Gegend und die Menschen, die dort wohnen. So lernt sich jede und jeder selber besser kennen, so entdecken, stärken, ermutigen und erfreuen wir einander auch in der Gruppe. Ich lade einfach wieder ein zum Mitgehen auf diesem Weg, der uns sicherlich viel Neues eröffnen wird, dort und da, hier und jetzt. Die Rucksäcke tragen wir selber. Der Weg kommt uns wie das Leben entgegen. Ich freue mich schon darauf.

Anmeldung hier

unnamedMeine 24-tägige Offline-Zeit ist zu Ende. Das Smartphone lag abgeschaltet daheim zusammen mit dem Laptop. Das TV-Gerät im großzügigen Zimmer meines Kurhotels Bärenhof in Bad Gastein war der Bademantelhalter. Radio gab es keines. Wollte ich auch nicht. Über drei Wochen Null Internet. Ich habe es genossen. Es hat mich vertieft, wacher und wirklicher gemacht. Ich wurde reduziert in jeder Hinsicht. Und wesentlicher, ruhiger. „Ich würde das keine drei Tage aushalten. Schon nach einem Tag im Urlaub juckt es und ich muss nachschauen.“ So ein befreundeter Journalist am Telefon, nachdem ich die Rückrufe auf die Anrufe in Abwesenheit gestartet hatte. „Es war ein ganz großes Geschenk und genau zur richtigen Zeit“, meinte ich. Erzählt habe ich ihm, dass die SN und DIE ZEIT in der Druckausgabe meine einzigen „Medienpartner“ waren. Und natürlich einige Bücher und gezielte Zeitschriften, denen ich mich schon lange widmen wollte. In der dritten Woche hat DIE ZEIT in einer Beilage ganz groß über eine Doppelseite die Frage gestellt, meine Frage gefragt: „Wer bist du, wenn du mit dir allein bist?“. Und genau diese Frage hat ihre Antworten bekommen, weil ich meine „digitalen Kochlöffel“ alle konsequent 100%ig weggelegt habe. Ich durfte mir „unabgelenkt“ begegnen. Tag für Tag.

Was ist entstanden?

Im Rückblick und nicht erst jetzt merke ich, dass ich mit einer neuen Wahrnehmung da bin. Ich wusste immer, dass Digital emotional kalt ist. Das kann die Seele nicht wärmen. Sie macht sie hungriger. Die tiefe Achtsamkeit und Empathie geht verloren, ist auch mir zum Teil verloren gegangen. Und doch verfallen so viele Menschen unkritisch diesem „Zug der Zeit“ und hängen an ihren Geräten. „Aufmerksamkeitszertäubung“ nennen das gute Beobachter. Und ein Geschäftsführer hat zu meinem Offline-Dasein gemeint: „Recht hast du. Wir halten das alle miteinander ohnehin nicht mehr lange aus.“  Und bei mir selber habe ich gespürt, wie Langsamkeit in mein Leben eingekehrt ist. Das hat mir ermöglicht, viel tiefer hinzuhören in Gesprächen, auch auf die Stille. Ich spürte auf einmal keine Getriebenheit mehr, sondern konnte selbst die zeitweise Langeweile in meinem Zimmer genießen. Langeweile ist ja ein Fremdwort geworden, ein Unwort der „Bespassungsgesellschaft“. Gerade in diesen Zeiten haben meine Gedanken-Gänge unglaublich viel Freiraum vorgefunden und neue Facetten aufgemacht. Und beim Gehen in den Gasteiner Bergen nahmen die Augen die Natur, das wunderschöne Panorama auf, weil ich keine Kamera zücken konnte, die im Smartphone daheim integriert lag. Einfach da sein, schauen, wahrnehmen, hinhören auf die Stille der Natur, den Berggipfel jetzt genießen und nicht erst später am Foto. Ich bin da. Jetzt. Genau auf diesem Quadratmeter Erde, eingespannt und getragen zwischen Welt und Himmel.

Und wie weiter?

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Beitrag von Richard David Precht in der ZEIT vom 22. September 2016 gelesen: „Unsere gereizten Seelen“. Precht schreibt dort, dass Europa keine User und Konsumenten braucht, sonder StaatsbürgerInnen. Gerade die digitale Welt deformiert uns Menschen dazu, „nur mehr über Geld nachzudenken, Preise zu vergleichen und auf Kosten anderer zu profitieren“. Nicht der zufriedene Mensch ist das Ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene. Ein kurzfristiger „Hyperkonsumismus“ wird in den Mittelpunkt des Seins gestellt auf Kosten langfristigen Denkens. Eine „zittrige Seele“, wie wir sie heute so oft vorfinden, findet keine Ruhe in sich selber, findet auch das Du nicht mehr. Die Seelen, so sie nicht ohnehin verschüttet sind, werden durch Werbung, digitale Medien und das ständige Mehr immer neu „gereizt“. Dieser ständige Reiz von außen macht sie selber wieder zittrig. Und genau diese kollektive Nervosität erleben wir unter dem Anschein von „digitalen Freundschaften und Followern“. Bisher hat meine Offline-Zeit noch niemand in Frage gestellt, sondern auf verschiedenen Ebenen haben mir Menschen dazu gratuliert, sind neugierig geworden. Was gibt es Schöneres, als auf das Wesentliche reduziert Beziehungen, Familie und Freundschaften img_2479analog zu leben. Auch wenn sich der Mainstream beschleunigt, so werde ich langsamer leben. Meine Arbeitskollegin hat mir auf mein erstes Email zurückgeschrieben: „WELCOME BACK! (in reality – ehm – virtuality)“. Das ist der Punkt. Reality nicht mit Virtuality verwechseln. Smartphone weglegen und einfach offline gehen. Einmal am Tag ins digitale Gasthaus „Facebook“ schauen. Whatsapp ausschließlich für Familie verwenden. Sonntag ausschließlich haptisch gestalten und das Festnetz wieder mehr betätigen. Außerdem: Die Abende gehören dem Gespräch und der tatsächlichen Begegnung – ohne „Geräte“. Außerdem sind alle meine handschriftlichen Briefe bisher als „Sensation, Seltenes“ empfunden. Und diese Rückmeldungen kamen auch handschriftlich. Als Karte oder Brief. Die digitale Welt hat viele Menschen „übernommen“, dabei sind diese Erfindungen nur Hilfsmittel. Deshalb raus aus dem Mittelpunkt damit. Das heißt: Sich nicht dauernd stören lassen und die digitalen Kochlöffel gezielt weglegen, hinausgehen aus der digitalen Küche und Mensch und Natur direkt begegnen.

 

_img_2415„Das schaffst du nie“, meinte im Spätsommer ein befreundeter Pressefotograf in Kärnten. Wir sind uns bei PfinXten begegnet. „Wetten: Eine Flasche Rioja“, schlug er vor. Ich habe eingeschlagen. Und ich werde es machen. Seit 1997 bin ich defacto online. Mein Arbeitskollege und Freund Stefan Greifeneder hat mir damals die „aufkeimende digitale Welt“ zugänglich gemacht. Die Aufgabe als diözesaner Internetverantwortlicher hat mich direkt hinein gestossen. Als „early adapter“ wurde ich manchmal bezeichnet. Die Neugierde auf Neues hat mich schon oft in „Gegenden“ gebracht, die für viele neu und unbekannt waren. Meine jetzige Neugierde gilt mir selber. Wer und was bin ich, wenn ich gänzlich offline bin? Was stellt sich innerhalb der drei Wochen in meinem Leben neu ein, wenn ein wichtiger Teil des Lebensvollzuges abgeschnitten ist. Ich bin selber neugierig gespannt und freudig gelassen. Ich weiß: Es wird mir gut tun.

Auszeit für haptische und analoge „Selbstbegegnung“

_img_2417Meine dreiwöchige Auszeit werde ich dazu nutzen, auf jegliche „algorithmus-basierte Kommunikation“ zu verzichten. Das bedeutet: kein Smartphone, kein Laptop, kein Email, kein Fernsehen, kein Fotoapparat. Nichts dergleichen. Selber zeichnen. Sich erzählen lassen. Nachfragen. Gespräche ohne „lauernde Geräte“. Diese Sehnsucht liegt schon länger in der Luft, in meiner Umgebung. Mein Freund und Follower auf Twitter Thomas schreibt gestern auf mein Posting dort auf Twitter: „Ich bin einer, der immer wieder knapp vorm Abwenden ist.“ Worauf hat er reagiert? Ich habe die Diskussion „zum Netz“ auf ServusTV nur kurz mitbekommen. Aus meiner Sicht kam dabei die zentrale Aussage von Sybille Hamann. Ich habe mein Smartphone (in diesem Fall als Second Screen) genommen und sie auf Twitter so zugänglich gemacht, geteilt: „Viele wenden sich ab. ist nicht das Volk.“  Es ging um Scheinwelten, um Hasspostings, um Lügen und Verunklimpfungen, „die sich rasend verbreiten“. Es ist die Schnelligkeit und es sind die Dummheiten, die uns zusetzen. Es ist das „angebunden sein“, weil wir festgelegt haben, dass die Reaktionszeit nur mehr Minuten dauern darf. Die Medienwelt hat das Nachdenken und Verweilen eliminiert. Emotionen werden aus dem Netz geholt, geschürt, aufgebauscht und wieder zurückgerülpst. Jahrelang ist für SocialMedia das „digitale Gasthaus“ mein Bild. Ich gestehe: Das Gasthaus hat sich ausgedehnt ins Arbeitszimmer und Wohnzimmer. Mein Esstisch kennt seit geraumer Zeit kein digitales Gerät mehr und die Nacht ist auf Flugmodus. Jetzt könnte ich länger ausholen. Braucht es aber nicht. Seit etwa zwei Jahren spüre ich in mir den Wunsch, ganz konsequent über drei Wochen „offline zu gehen“. Immer wieder kam in den letzten Tagen von Menschen ein erstaunter und genauso bewundernder Blick: „Was? Dann kann ich dir praktisch nur einen Brief schreiben?“ „Stimmt!“ „Klar: Und posten und bloggen geht dann auch nicht.“ „Stimmt.“ Die meisten: „Ich bin gespannt, was du erzählen wirst.“ „Ich auch.“ Und die Flasche Rioja steht in jedem Fall – nach dem Fest des hl. Franziskus im Oktober. Bis dorthin geht total offline.  Ich mit mir.

11_PanoIMG_0446Wir hatten vor, einen gemütlichen Tag zu verbringen. Und doch wollten wir uns einer Herausforderung stellen. Nein, nicht stellen, sondern eine Herausforderung gehen. Bei uns in Oberösterreich heißt es etwas, wenn einer oder eine sagt: „Ich war am Traunstein.“ Dieser Berg steht ganz massiv und mächtig im Voralpenland. Er ist weit nicht der höchste Berg, aber er hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er steht alleine als erster Berg vor der Alpenkette. Dahinter sind höhere Berge und doch redet man vom Traunstein (1.691m). Er ist viel begangen und die Gedenktafeln der Verunglückten werden immer mehr. 1.200 Höhenmeter im steilen Gelände unterschätzen viele. Aber wir wollen es heute gemütlicher angehen. Also rundherum.

Gegen den Uhrzeiger

1Moralm_IMG_0428Der Blick auf die Uhr zeigt am Umkehrparkplatz am Ende der Ostuferstraße, dass wir nicht zu nachtschlafener Stunde aufgestanden sind. 9 Uhr. Los geht es Richtung Moaralm. Nach einer Stunde ständig ansteigender Forststrasse sind wir da, wo ich noch nie war. Der „leichtere Abstieg“ vom Traunstein geht über die „Moaralm“ und doch kommt man daran nicht vorbei, weil sie nicht direkt am Weg ins Tal zum See liegt. Heute  kommen wir von der anderen Seite und setzen uns auf eine Buttermilch vor die Hütte. Wunderbar. Buttermilch ist aus meiner Erfahrung ein tolles Getränk für Geher und Wanderer. Da ist vieles, alles drinnen, was uns „Ergänzungsnahrungsmittel“ – oder wie man das nennt – versprechen. Ganz natürlich, so wie hier. Einige sind schon da an diesem Samstagvormittag. Die Hütte ist urig und äußerst liebevoll gepflegt. Es geht weiter. Der Katzenstein (1.379m) ist schon im Blick. Auch wenn es ein Rundherum ist, so wollen wir diesen Gipfel „mitmachen“. Beim Aufstieg auf die Hohe Scharte hinüber zum Laudachsee  verlieren wir ihn wieder aus den Augen, den markanten Katzenstein. Er wird unser höchster Punkt und gleichzeitig der schönste Blick auf den, den wir umrunden, den Traunstein. Spaziergang ist es keiner auf den Gipfel, der von der Laudachsee-Seite als fast unbesteigbar erscheint. 2FensterIMG_0436Vorbei am berühmten „Laudachseefenster“ geht es steil bergauf. Oben angekommen, sehen wir lauter entspannte und fröhliche Gesichter. Diese Aussicht sucht ihresgleichen. Der Traunstein vor uns, der Laudachsee gleich unter den Zehen, wenn man sich ganz nach vorne wagt, Seen rundherherum und die Getreidefelder im Voralpenland angelegt wie ein kreatives Schachbrett. Die GipfelgeherInnen helfen sich gegenseitig beim Gipfelfoto aus. Es ist wieder so eine Erkenntnis: Auf den Bergen habe ich noch nie wirkliche Ungustl getroffen. Den Abstieg bis hinunter zum Laudachsee nehmen wir sehr vorsichtig. Es ist ab der Scharte die Nordseite des Berges und daher immer feucht unter den Bergschuhen. Der Steig ist aber gut gesichert und 2013 saniert worden. Die Ramsaualm am Laudachsee erwartet uns mit dem Gastgarten mit Panorama-Rückblick auf das, was wir schon geschafft haben, den Katzenstein. Der gespritzte Most ist wirklich sauer. Das Essen dafür schneller da, als die Bauchspeicheldrüsen als Vorbereitungszeit dafür bräuchten.

Der Gschliefgraben zeigt die Naturgewalten

5_GschliefIMG_0474

Aktiver -Gschliefgraben

0_Pano_IMG_0469Von jetzt geht es bergab. Zuerst hinüber Richtung Gründberg. Eine Wegmarkierung weist den Weg „Ostufer – Hoisn“. Der Gschliefgraben wurde durch die Rutschungen international bekannt. Den gilt es hinunterzugehen. Und zu unserer Überraschung: Er rutscht noch immer. Oben sehen wir die in den Graben aufgrund von Dauerrutschungen hineingefallenen Bäume. Wir haben das Gefühl: Der Mensch will einen Berg stoppen, der durch Wasser angetrieben, sein Material in Richtung See abschiebt. Werden die aufwändig gemachten Entlastungsgerinne die nächsten 1.000 Jahre halten. Der Berg wird schieben und der Mensch sich dagegen wehren. Persönlich glaube ich, dass es der Machbarkeitswahn des technokratisch denkenden Menschen ist, „gegen die Natur in diesen Dimensionen“ vorgehen zu können. Wir haben investiert, alle Technik eingesetzt, politisch Verantwortung übernommen. Der Berg wird es nicht hören. Vernünftiger wäre es gewesen, wegzugehen von der Bedrohung, einen neuen Ort mit den Menschen zu suchen und „den Berg einfach zu lassen“. Ich meditiere im steilen Hinuntergehen diese Grundfrage, die den Verantwortlichen nicht oft genug gestellt werden kann: Warum agiert ihr gegen die Natur? Warum schafft ihr so wenige Strukturen, die der Natur und dem biotischen Prinzip erwachsen? Die Fachtagung Weltkirche hat 2016 das Thema: „Schöpfung in Gefahr! Aufstehen gegen Raubbau und Gier!„. Der Gschliefgraben zeigt etwas von dem „nicht wahrhaben wollen der Kräfte der Natur“. Warum baut der Mensch Häuser dorthin, wo die Natur keine haben will? Der flache Querweg führt uns zurück zum Umkehrparkplatz. Um 17 Uhr schwimmen wir im See. Spätestens im Wasser spüren wir: Es war ein gemütlicher Tag und die Gewitter haben gewartet, bis wir beim Hois’nWirt unter dem Schirm Platz genommen haben. Ein Rundgang mit Gipfel, den wir weiterempfehlen.

3Gipfel_IMG_0440

Am Katzenstein

7_hoisnIMG_0485

Beim Hois’n Wirt

1IMG_0243Es ist ja nicht so, dass ich beim #Profitreff des PRVA DAS Wundermittel gehört hätte, wie heute angesichts der Digitalisierung die JournalistInnen leichter erreicht werden können. Nachdem ich doch über einen längeren Zeitraum in der Medienbranche tätig bin und sich Erfahrungen angesammelt haben, habe ich fast den Eindruck: Der persönliche Kontakt, die persönliche Beziehung, das persönliche Kennen ist das Kontinuum durch alle medialen Veränderungen und Tools, die jeweils gerade benutzt werden. Das braucht Zeit. Und das ist aus meiner Wahrnehmung beruhigend. Auch JournalistInnen, die in der Info-Flut fast untergehen, brauchen zum Einsortieren eine „face to face“ Begegnung davor, als Basis, als „Priorisierungslatte“. Und da geht es um Sympathie, Vertrauen und Einschätzungshilfe. „Email funktioniert nicht mehr“, meint etwa Corinna Milborn von Puls4 angesichts der Menge an Presseaussendungen und Zusendungen per Email. Es gibt allerdings keinen Email-Ersatz. Genau deshalb sind die „haptischen Begegnungen“ kurz und bündig so wichtig. Deshalb sitze ich auch hier – sogar in der ersten Reihe. Aber das war beim Ankommen so wie in der Kirche: Vorne frei.

Was zählt?

Unternberg im Lungau

Unternberg im Lungau

Es werden Basics ausgeführt: „Wer tut etwas? Wer trägt etwas zur Lösung bei? Gibt es bei der Geschichte ein Augenzwinkern?“. Das sieht Milborn als ihren Zugang für das Fernsehen. Natürlich: Relevanz, medientaugliche Personen als ExpertInnen oder ProtagonistInnen sind der Stoff, aus dem bewegte Bilder werden. „Eine Geschichte muss wirklich gut sein, damit wir ein Kamerateam rausschicken können.“ Der Luxus, auf Verdacht zu drehen, kostet einfach zu viel. Die Chefredakteurin des Branchenmagazins „Horizont“ stellt ihre Wahrnehmungen und Tipps so zur Verfügung: Wirklich gut teasern, alles personalisieren und eine große Zielgruppengenauigkeit entwickeln ist wesentlich. „Basteln sie einen medienspezifischen Zugang zu einzelnen JournalistInnen und Medien.“ Es erinnert mich an unsere Serie „viel mehr wesentlich weniger„. Es wird klar: Nicht viel ist entscheidend, sondern das Wenige soll wesentlich sein. Auch in der Presse- und Medienarbeit. Die Kommunikationschefin der DiBa-Bank Andrea Hansal hat sich zum Ziel gesetzt: „Ich will nicht nerven.“ Daher vorher klar fragen: Was ist überhaupt eine Geschichte? Wem gebe ich etwas? Wir sind wieder bei der Zielgenauigkeit. Und: „Es ist alles kleinteiliger, aber auch spannender geworden.“ Sie weiß von den „Frustfaktoren“ der Medienschaffenden: Zeitmangel, Relevanzmangel und keine Bilder und Grafiken zur Verfügung. Aber bitte nicht an das Email anhängen. Im Web abrufbar machen. Nichts Neues, aber wieder einmal gut, es so auf den Punkt gebracht zu hören. Und dann hören wir ein wenig aus der aktuellen Einschätzung: „Das, was ganz tot ist, ist die Pressekonferenz.“ Außer es ist ein ganz mächtiges Thema. Aber Relevanz lässt sich damit nicht steigern. „Jeder ist auf der Suche nach DEM Punkt und deshalb sind spezielle Treffen oder Hintergrundgespräche hoch im Kurs.“ Neuerdings boomen auch „informelle Treffen“. Aus meiner Sicht entsteht dort Involvierung und Neugierde wird geschürt. Wir sind am Punkt: Was macht JournalistInnen neugierig? Ganz einfach: Eine persönlich spannend erzählte „Geschichte“. Das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Beruhigend und herausfordernd zugleich.

 

Am Hochkönig 2015

Am Hochkönig 2015

Seit Jahren gehen wir über die Berge. Es ist keine fixe Gruppe. Wir werden – so ist mein Eindruck – jedes Jahr neu und bunt zusammengewürfelt. Jedes Jahr ein wenig anders. Unser Ziel ist es, von Hütte zu Hütte die verschiedenen Wege in den Alpen zu begehen. Mittlerweile ist es schon eine lange Liste, die ich aufzählen könnte. Im Sommer 2016 führt uns der Weg von Obertauern nach Bad Gastein. Der 02-er Weitwanderweg und der Kärntner Grenzlandweg sind unsere Markierungen.

Ein bunter Haufen

Die Gruppe ist immer um die 12 Personen groß, ganz unterschiedliche Berufe und fast jedes Alter. Es geht nicht um „sportliche Leistung“, sondern um Gehen, Staunen, Erleben, Gespräche, Singen und die „Kraft der Gruppe“. Wir schlafen normalerweise auf Lager. Die Plätze sind avisiert. Jede und jeder geht auf eigene Gefahr und zusammen mit dem eigenen Rucksack. Kosten: Jeder und jede bezahlt seine oder ihre Sachen (Übernachtung, Essen, Fahrt) selber. Der Mitgliedsausweis bei einem alpinen Verein ist von Vorteil. Wer mitgehen möchte, schreibt ein Email !

Ingolstädter Hütte 2015

Ingolstädter Hütte 2015

#Tag1 SA: 13. Aug 2016
Anreise mit Zug und Bus > Aufstieg zur Südwiener Hütte (1.802m).
Abfahrt in Linz 8:48 RJ und Ankunft um 12:03 Obertauern Passhöhe.

#Tag2 SO: 14. Aug 2016
Übergang zur Tappenkarsee Hütte (1.820m).

#Tag 3 MO: 15. Aug 2016
Übergang zur Osnabrücker Hütte (2.026 m).

#Tag4 DI: 16. Aug 2016
Übergang zum Hannoverhaus (2.565m).
Im Vorbeigehen liegt der Gr. Ankogel (3.252m) oder davor der Kl. Ankogel (3.097m) am Weg.

#Tag5 MI: 17. Aug 2016
Übergang zur Hagenauer Hütte (2.446m).

#Tag6 DO: 18. Aug 2016
Übergang und Abstieg nach Sportgastein.
Bus und Zug nach Linz (Bad Gastein Abfahrt 14:17 Ankunft Linz 17:28)

Wer nicht aus Linz anreist, ist Treffpunkt am SA 13. August 216 um 12.00 Uhr in Obertauern, Passhöhe.

Außerdem: Für diese Woche 2016 ist schönes Wetter bestellt. Aber es ist ohnehin so, wie es ist.

9IMG_2659Der Zug kam später an in Regensburg. Der Anschlusszug nach Wiesau in der Pfalz war weg. Der nächste geht über eine Stunde später. Warten am Bahnhof. Die Zeit vergeht recht schnell, weil ich Flüchtlingen helfe, dem Automaten Fahrkarten nach Hamburg Altona zu entlocken. Es geht weiter. Der Zug ist fast voll. Es sind Lederhosen und Dirndlkleider mit mehr oder weniger fröhlichen Menschen eingestiegen. Woher? Oktoberfest. Ankunft in Wiesau um 23.11 Uhr. Der nachmittägliche Anruf bei einem Taxler hat gelautet: Da steht ein Taxi vor dem Bahnhof oder es ist die Nummer angegeben, die sie anrufen können.

Niemand hebt ab

9IMG_2681Wir steigen aus. Es ist die ganze Fahrt schon finster. Draußen. Drinnen ist es zum Teil halblustig. Oktoberfest. Auf der 1 1/2 stündigen Fahrt leeren sich die Sitzplätze. Ich lese im Tagebuch von meinem Gehen am Grünen Band 2012. Ab morgen werde ich das dreitägige Klösterreich-Pilgern zum Jubiläum begleiten. Die Via Porta ist unser Pfad. Ein drittes Mal bin ich in der Zisterzienserinnen-Abtei an der tschechischen Grenze. Das erwartet mich morgen. Ich freue mich darauf. Aber heute muss ich noch die 12 Kilometer von Wiesau nach Waldsassen schaffen. Der Zimmerschlüssel ist hinterlegt. Alleine: Weit und breit kein Taxi, kein Auto. Ich rufe drei Mal die Nummer auf der Tafel. Es hebt niemand ab. Ich stehe da. Alleine. Die Straßenbeleuchtung ist matt. Was tun? Meine Erfahrung aus dem Gehen: Es gibt für alles eine Lösung. Ich gehe in Richtung Stadtmitte. Schon bald ist links eine Pension angeschrieben. Die Haustüre ist hell, alle Fenster aber dunkel. Hier bleiben ist die Idee und morgen früh weiterkommen.

Ich wollte nur schauen

9IMG_2711Aber wie hineinkommen? Einfach anläuten. Ich bleibe gelassen, weil ich ganz fest drinnen spüre: Es gibt eine Lösung. Ich sehe sie nur noch nicht. Ich schlendere etwas verloren vor dem Haus. Ein weißer kleiner Kastenwagen steht davor. Es geht jemand herum. Ich starte los auf diese Person, ob er eine Idee für mich hat, „weiterzukommen“. Ich frage ihn, ob er von hier ist. „Nein, ich wohne in dieser Pension.“ Ich gestehe ihm, dass ich noch um diese Zeit nach Waldsassen gehöre. „Das wird schwierig, da kann ich nicht helfen. Auch bei uns in der Pension ist niemand mehr da. Sie sehen, alles finster.“ „Gut“, sage ich, „ich werde schon irgendwie weiterkommen. Danke.“ Ich sage aus dankbarem Herzen „Danke und gute Nacht“ und drehe mich um, ziemlich ratslos. „Halt, ich kann sie doch nicht so hier stehen lassen. Kommen sie, steigen sie ein, ich fahre sie nach Waldsassen.“ „Echt? Das wäre fein.“ Er räumt gleich den Beifahrersitz frei und lässt mich einsteigen. Den Rucksack verstauen wir hinten bei den technischen Dingen. Wir starten los. Wir erzählen einander auf der 12 km langen Fahrt ein wenig von unserem Leben. Er ist Güterwagen-Kontrollor bei der DB. Seine Aufgabe ist es, die zusammengestellten Güterwagen zu überprüfen, ob technisch alles OK ist. Er ist aus Thüringen und übernachtet hier in der Pension. Er wollte nur schauen, ob beim Auto alles abgesperrt, in Ordnung ist. „Ja, und ein bisschen Luft wollte ich noch schnappen.“ Ich erzähle von meinem Vorhaben morgen, von meinem Gehen 2012 und 2013 mit der Pilgergruppe von Weltanschauen hier ab Waldsassen. Wir hätten 100 km fahren können. Das Gespräch wurde immer persönlicher. „Hier links, dort ist die Basilika.“ Wir haben die Abtei und das Gästehaus St. Joseph erreicht. Es ist schnell gegangen. „Was bin ich schuldig?“. „Nichts.“ „Danke, sie sind ein Engel.“ Den Namen haben wir nicht ausgetauscht. Er fährt in die Dunkelheit und ich suche meinen hinterlegten Schlüssel, den ich sofort finde.

 

1_8_IMG_1295IMG_2417„Innere Einkehr“ nennen die OÖNachrichten im Reiseteil unsere Erfahrungen am neu geschaffenen Barbaraweg in der Mittelslowakei Ende September. Mit 29 Frauen und Männer waren Gerlinde und ich als erste größere Gruppe unterwegs. Auf allen Ebenen „genährt“ sind wir heimgekommen: körperlich, mental und spirituell. Durchschnittlich 21 Kilometer und 1000 Höhenmeter pro Tag sind am neuen Barbaraweg in der Mittelslowakei zu schaffen. „Wo man früher Gold und Silber abgebaut hat, lässt es sich jetzt trefflich pilgern.“ Wir waren gemeinsam unterwegs, um unsere „eigenen Schätze“ zu heben. So hat Welt der Frau und Weltanschauen eingeladen. In jedem Fall wurde wieder klar, welche Kraft das gemeinsame Gehen und Pilgern freilegt. Vielleicht ist die Geschwindigkeit geringer, die Motivation und das Durchhaltevermögen werden enorm gesteigert, „genährt“. Gerlinde und ich waren im Vorfeld bei der Entstehung auch angedockt.

Eine wertvolle Gegend zugänglich machen

1_8_IMG_1449Vorbei an aufgelassenen Bergbaustollen, entlang sanfter Hügelkämme, durch Laubwald führen die neun vorgesehenen Tagesetappen in schmucke Dörfer und Städte wie Banska Bystrica, Kremnica, Zvolen und Banska Stiavnica. Hat man hier früher Gold, Silber und Kupfer abgebaut, so geht eine 29-köpfige Weltanschauen-Gruppe den inneren Schätzen nach. Sie pilgert. Vollmond löst von Osten her die im Westen untergehende Sonne ab. Das Wetter ist warm, manche sagen heiß. Der Abend fühlt sich gut an. Das Kesselgulasch wird von der Enkelin des Herbergvaters über dem Feuer umgerührt. Die Pilgergruppe hat auf der Terrasse mit Blick auf die Goldstadt Kremnica Platz genommen. Slowakisches Bier oder Radler löschen den Durst nach sechs Stunden Gehzeit am geografischen Mittelpunkt Europas vorbei. Der dritte Tag ist vom Gehen her immer der „stärkste“. Der Körper braucht Zeit, sich einzugehen. Die Markierungen sind klar und leicht zu finden. Der Turm der hl. Barbara, der Patronin des Bergbaues, gibt dem Weg die charakteristische Markierung. Bergbau hat die Gegend geprägt, reich gemacht, mit großem kulturellen Erbe beschenkt. Nord-Ungarn und Monarchie sind Worte, die immer wieder fallen. Blütezeiten und Niedergang wechseln einander ab. Heute atmet die Gegend wie nach einem längeren Schlaf tief durch. Aufwachen. Der Barbaraweg ist ein Indiz dafür. Man will diese wertvolle Gegend zugänglich machen. Für Geher und Pilger. Die Schätze im Berg begegnen den Schätzen in den Herzen der Menschen. Das Kesselgulasch nährt Geist, Seele und den Körper.

Common Church am geografischen Mittelpunkt Europas

1_8_IMG_1251Gestartet ist die Pilgergruppe in der Barbarakapelle in der deutschen Kirche in der Kreisstadt Banska Bystrica. Hinauf über das Bergbaudorf Spania Dolina, wo ein privates Bergbaumuseum erste Einblicke in die Geschichte der Region vermittelt, ist Stare Hory das Tagesziel. Dort entspringt „heiliges Wasser“. Das hat den Ort zu einem der drei großen Wallfahrtsorte in der Slowakei gemacht, Trinkflaschen werden gefüllt. Der zweite Tag führt die Pilger auf Waldwegen, auf der etwas gefährlichen Eisenbahntrasse auf mehr als 1200 Höhenmeter nach Skalka. Das Ski- und Langlaufzentrum ist wie ausgestorben. In der Abendsonne ist der Blick ins weite Land vom höchsten Punkt des Barbaraweges aus überwältigend, erhebend. Die Tagesetappe war 28 Kilometer. Alle haben es geschafft. Sind geschafft. Da hört sich der Weg zum angekündigten Kesselgulasch am dritten Tag mit 18 Kilometern und großteils „hinunter“ gut an. Die Kirche am geografischen Mittelpunkt Europas ist ein besonderes Zeichen. Warum? Vier Orte konnten sich keine eigene Kirche leisten. Genau in der Mitte haben sie ihre Gemeinschaftskirche errichtet. Common Church. Gemeinsam denken und handeln. Das täte Europa gut. Common Europe. Die Gruppe hat ihr Thema: Einheit in der Vielfalt. Gemeinsames Gehen braucht genau das Gespür für das Wir. Die Kräfte des Einzelnen werden vom mentalen Gummiringerl, das die Gruppe umfasst, zusammengehalten: Rücksicht, Ermutigung und Antrieb.

Wir sind die Premiere

1_8_IMG_1535Die 29 Frauen und Männer sind die erste größere Gruppe, die diesen heuer am 1. Mai eröffneten Pilgerweg geht. Der Johannesweg im Mühlviertel stand ein wenig Pate. Der Barbaraweg füllt allerdings eine ganze Gehwoche und ist doppelt so lang. Daher immer wieder die Frage: Wie ist der Weg? Bis auf einen kleinen Zwischenfall über eine Bahnbrücke (morsche Bretter) nur positiv. Der Kirchturm von Kremnica ist ein Muss. Die enge Wendeltreppe aus Stein, das Seil zum Anhalten und die Aussicht, die Übersicht, bleiben in Erinnerung. Bisher begleiten die Pilgergruppe wunderbare Wege, schöne Aussichten, vielfältigste Natur und gastfreundliche Menschen. Ein Nachschlag beim Kesselgulasch ist genauso angebracht wie das abendliche Glas slowakischen Weins. Die vierte Tagesetappe stellt sich als die anspruchvollste heraus. Wiesenwege, weite Waldstrecken, freies Gelände durch das Hron-Tal unter Autobahn, Schnellstraße und Zug durch hinauf und hinunter in den Thermalort Sklene Teplice liegen unter den Füßen. Annähernd 30 Kilometer. An diesem Septembertag ist es heiß. Dazu verliert die Gruppe aus gemeinsamer Unachtsamkeit für eine halbe Stunde die Markierung. Lagen davor noch alle vergnügt unter den Obstbäumen in der abendlichen Sonne, so weichen Fröhlichkeit und Leichtigkeit der Müdigkeit. Einige sehen beim Abstieg deshalb die knorrigen Eichenbäume nicht mehr, der Weg in der felsenlosen Schlucht wird als anstrengend erlebt.

Thermalbad mit erfrischenden Anwendungen

1_8_IMG_1654Nach zehn Stunden Gehen ist die Dusche und ein Abendessen der Himmel der Pilger. Morgen ist Rasttag. Durchatmen. Das Thermalbad wird genossen. Es tickt noch etwas kommunistisch. Alles geregelt. Ordnung muss sein. Das beginnt bei der Frühstückszeit. Aber die Gruppe ist Welt anschauen und kann es als Erfahrung einordnen. Wer das Fremde nicht zulässt, bleibt daheim. Die verschiedenen Anwendungen des warmen Thermalwassers und die Massagen bauen auf für den Weg in die Weltkulturerbestadt Banska Stiavnica. Es braucht fünf Stunden am Weg dorthin. Begleitet wird die Gruppe von einer Herde Fleckvieh am Weg. Bevor die Stadt selber sichtbar wird, taucht das ausgeklügelte Teich- und Wassersystem der ehemaligen Silberstadt auf. Heute wird der Rucksack abgelegt, die Badesachen ausgepackt, das Wasser spendet Abkühlung. An der mächtigen Dreifaltigkeitssäule in der Stadt erwartet uns wieder der versierte und einfühlsame Fremdenführer Branislav Stancik, ein Mitkreator des Barbaraweges.

Einfach eine schöne Stadt

1_8_IMG_1819Die erste technische Montanhochschule der Welt wurde hier von Kaiserin Maria Theresia errichtet. Die Stadt Banska Stiavinica ist ursprünglich, etwas avantgardistisch, die Cafes – einfach schön. Gut, dass hier in den vergangenen Jahrzehnten niemand investieren konnte. So wird jetzt das Alte mit viel Liebe Gästen zugänglich gemacht. Wir trinken Kaffee um 1,20 Euro und abends Bier um 1,60 Euro. Und die Unterkünfte – überall sehr sauber, gutes Essen und freundlich. Auch der Kalvarienberg der Silberstadt ist ein Gesamtkunstwerk und gehört sicherlich zu den Highlights des Weges hinüber nach Svaty Anton. Der Weg führt direkt durch die Wohnsilos, die allerdings durch ihre Farbe nichts an vermuteter Trostlosigkeit ausstrahlen. Wiesen und Felder rundum sind von extensiver Bewirtschaftung geprägt.

Viel Weltkulturerbe am Weg

1_8_IMG_1824Sieben Gehtage stehen der Pilgergruppe zur Verfügung. Ein Tag Anreise und ein Tag Abreise mit dem Zug macht zusammen mit einem Relaxtag im Thermalwasser 10 Tage. Das übersichtlich gestaltete Begleitheft zum Barbaraweg kennt neun Etappen. Der sechste Gehtag wird nach fünf Gehstunden mit dem Linienbus nach einem ausführlichen Schwimmen in der Wasseranlage von Bansky Studenec nach Zvolen abgeschlossen. Das Busnetz ist sehr gut ausgebaut. Zwei Mitglieder der Gruppe wollen das Ziel Zvolen gehend erreichen. Nach sechs Stunden treffen sie auf die Gruppe: Der Weg ist gehend machbar. Hier zeigt sich, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen der Pilger und Pilgerinnen in einer großen Gruppe bremsen. Der letzte Tag war vom Wetterumschwung geprägt. Es war Kälte, in der Nacht hat es zu regnen begonnen. Eine Wohltat für die Natur.

Enttäuschender Pfarrer und gastfreundliche Hochzeitsgesellschaft

0_OÖN_IMG_1952Die Holzkirche in Hronseck ist Weltkulturerbe. Die Mesnerin der evangelischen Gemeinde sperrt gerne auf. Kein Eisennagel, nur Holz hält die zweistöckige Kirche zusammen. Alle haben sich regenfest gemacht. Nach kurzer Zeit ist aber der Regen zu Ende. Fünf Stunden geht es noch über weite Hügel und erhebende Weitsichten zurück ans Ziel, zum Ausgangspunkt, die Barbarakapelle in der deutschen Kirche von Banska Bystrica. Dort angekommen, macht der forsche Pfarrer einen Strich durch die Rechnung. Er verweist uns Pilger resch aus der Kirche. Eine enttäuschende Erfahrung für Menschen, die durch den gemeinsamen Weg spirituell und mental geöffnet wurden. Aber: Ein Brautpaar, das gerade in dieser Kirche geheiratet hat, geht mit einem Schnapserl auf die Pilger zu, die Fremden. Verwerfung in der Kirche und pure Gastfreundschaft der einfachen Menschen. Wir singen der Hochzeitsgesellschaft mehrstimmig ein Lied: „Viel Glück und viel Segen.“

Die hl. Barbara gibt dem Weg den Namen

1_8_IMG_1923Benannt wurde der Weg nach der Schutzpatronin der Bergbauleute – der heiligen Barbara. Sie war eine Christin, die fest zu ihrer Überzeugung gestanden ist. Sie musste dafür sogar ihr Leben geben. Die alten Bergbaustädte in der Mittelslowakei wurden ursprünglich von deutschen Siedlern gegründet. Daher befinden sich auf der Strecke Orte wie die „goldene Stadt“ Kremnitz mit der ältesten Münzprägeanstalt der Welt und die „silberne“ Stadt Schemnitz (Banská Stiavnica), die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde. In der „kupfernen“Stadt Neusohl (Banská Bystrica) wurde einst Kupfer gefördert. Würde mich wer fragen, wie ich den Weg in einem Satz zusammenfassen würde: „Der 190 Kilometer lange neue Barbaraweg erschließt entlang einzigartiger Naturparadiese, historischer Bergbaustädte, geschützter Kulturdenkmäler und kunstvoll verzierter Kirchen in den Begegnungen das eigene Herz.“

1_8_IMG_1240OÖN-Artikel
Weltanschauen Reisen
Welt der Frau Magazin
Der Barbaraweg ist bereit (Links)
Als sehr hilfreichen Kontakt zum Barbaraweg empfehle ich den Fremdenführer Branislav Stancik.

Eine Studentin hat die Gruppe mit einer Videokamera begleitet.

 

 

Archive