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Archiv für die Kategorie „Coaching Lotse“

Das Pilgern hat es auch zum Tag geschafft. Der 25. Juli ist dem „Gehen im Angesichte Gottes“ zugewiesen. Wir denken heute an den älteren Jakobus und damit automatisch an den Jakobsweg. Wie oft wurde ich gefragt: „Du bist doch auch den Jakobsweg gegangen?“ Immer musste ich verneinen. Teils vehement. Nein, es war der Franziskusweg nach Assisi. „Ah, ist das nicht dasselbe?“, war sicher die Nachfrage. Für solche Leute habe ich es dabei belassen. Sie haben ohnehin eher das weite Gehen vor Augen gehabt, das mich persönlich bisher geprägt hat. 28 Tage von Bregenz nach Rust. Alleine. Weitgehen ist heilsam war die Erfahrung 2004. 54 Tage von der Haustür im Mühlviertel nach Assisi. Davon 40 Tage alleine. 14 Tage zusammen mit meiner Frau. „Ist pilgern alleine oder mit anderen zusammen besser?“, war bei meinen Vorträgen die meist gestellte Frage. „Besser, schlechter verlierst du beim Gehen. Es ist einfach anders“, war meine Antwort. Eine schwere seelische Kränkung habe ich 2009 „ausgegangen“. Dafür bin ich heute noch dankbar. Dann: 26 Tage von der Haustüre nach Thüringen ins Kloster Volkenroda. Alleine. Im März und April teilweise im Schnee. 2011 war ich beruflich falsch abgebogen. Am Weg 2012 wurde ich in meine heutige Aufgabe bei den Orden nach Wien gerufen. Wien war zwar nie mein Ziel, aber ich bin dort angekommen. Ich wollte auch beim Pilgern nach Wittenberg und angekommen bin ich in Volkenroda. Die Via Porta hat mich „verführt“. Das Gehen hat viel gelöst – bei mir. Und dass ich dann im November 2015 als Klimapilger 22 Tage von Wien bis Salzburg gegangen war, war sicher im „gemeinsamen Gehen, Pilgern mit einer starken Intention“ (Weltklimagipfel in Paris) verknüpft. Eine eigene Erfahrung, jeden Tag mit anderen Leuten unterwegs zu sein. Es hat mich fast überfordert.

Pilgerpfade

Unsere Pilgerungen „hinüber auf den Pöstlingberg“ seit unserer Kindheit kommen hoch. Einige Pilgereien nach Mariazell und die vielen Bergwochen haben mir erahnen lassen, wie es wäre, „wenn es einmal weit ginge“. Andere Pilgerziele wie Maria Taferl, der Benediktweg oder der Marienweg im Pinzgau fallen mir noch ein. Es waren spontane Erfahrungen. Dass ich bei einigen Pilgerpfaden mitwirken durfte, macht mich heute noch glücklich: Pilgerpfad entlang der Sakramente in Unterweißenbach, Johannesweg oder Barbaraweg in der Slowakei. Natürlich waren prägend auch die Begegnungen mit den Jerusalempilgern und anderen Menschen, „die die gehenden Seelenschwingungen mittragen“. Und wenn ich diese Zeilen schreibe, denke ich immer wieder an Stefan Ernst, der gerade jetzt etwa 5 Monate von der Haustüre hier im Bergdorf 5.500 km zum Nordkap unterwegs ist. Im September ist er dort. Wenn ich seine Emails an Freunde (da darf ich auch dabei sein) lese, bricht meine Seele innerlich auf und sagt: „Es wird im Gehen gelöst“, „Das Leben kommt mir entgegen“ und „Im Gehen ist Jetzt“. Der Welt-Pilgertag möge viele Menschen daran erinnern, beitragen, dass Menschen sehen, erleben, spüren und sich darauf einlassen: Das Gehen ist die Geschwindigkeit der Seele.

„Jeden Tag raus: Das hat mir gut getan.“ Es gibt Tage, da bewegen sich die Gedanken und der Blick ganz nahe an der Dankbarkeit. Heute ist so ein Tag. Die beschriebene Erfahrung mit „raus“ stammt von einem jungen krebskranken IT-Experten aus Berlin, beschrieben in der Beilage der ZEIT. Gerade an „Engstellen“ des Lebens, bei Übergängen oder grundsätzlichen „Infragestellungen“ hat die Tiefe des Lebens Gelegenheit aufzuleuchten. Was ist wesentlich? Was hilft mir, uns? Was tut uns (miteinander) gut? An den Übergängen, den Engstellen, den Zwischenräumen entsteht jene Erkenntnis und Erfahrung, die sich genauso für einen gelungenen Alltag eignet. Und „Hochzeiten“ können ebenso Weite ermöglichen und letztendlich auf das wenige Wesentliche reduzieren, zurückführen helfen. Was kann mir also gut tun?

Heilsame Fantasie. Schöne Gedanken beruhigen den Körper. Der Mensch neigt dazu, sich als Opfer der Umstände zu sehen und bekommt damit einen frustrierten Blick. Sudern ist die Folge. Das zieht hinunter. Wenn ich in die Berge gehe, dann übe ich immer wieder, mir Bilder „abzuspeichern“, die den Alltag aufheben. Schöne Bilder lassen langsamer atmen und angeblich sinkt der Blutdruck. Ein Gefühl der Ruhe stellt sich ein.

Kräfte gut einteilen. Wir sind begrenzt. Ebenso unsere Kräfte und Möglichkeiten. Wer daher seine Vorhaben, seine Aufgaben so einteilt, dass die Kräfte reichen, spürt eine tiefe Zufriedenheit. Ein Zuwenig an Herausforderung ist allerdings mindestens so mühsam wie ein Zuviel. Das Maß finden. Beim Gehen spüre ich das genauso. Ein Schweißperle auf der Stirn zeigt von einer guten „Betriebstemparatur“. Die Anstrengung ist nicht anstrengend.

An die frische Luft. Da haben wir es. Siehe oben. Die Energie kommt aus der Bewegung. Und jetzt breche ich eine Lanze für die Bewegung in frischer Luft und weniger auf eingeschachtelten Fittnessgeräten. Es ist die „frische Luft“ (Sonne, Nebel, Wind, Regen), die die Seele mitnährt und weniger die Videos vor dem Laufband. Dort wird der Mensch eher zur funktionierenden Maschine und da in der Luft zum lebendigen Teil des Kosmos der Natur. Also: Raus, wenn es irgendwie geht.

Die Natur als Apotheke. Andere sagen: Medizin aus der Knolle. Mir ist schon klar, welch großer Segen von den „chemischen Medikamenten“ ausgeht und ausgegangen ist. Sie wurden für den wirklichen Krankheitsfall gemacht. Mittlerweile gehören sie zum „Dauerbetrieb“ des Menschen. Dabei hat die Natur für alles ein Kraut wachsen lassen. Schon alleine die Beschäftigung mit den natürlichen Kräutern, Knollen, Blüten oder Heilpflanzen macht uns mental offen für den natürlichen Zugang zu einem gesunden Leben.

Die Kraft der Berührung. Unser Körper ist so ausgestattet, dass er auf zärtliche Berührung warm reagiert. Ich finde es immer wunderbar, wenn unser fast dreijähriges Enkerl mit einem Pinsel daherkommt, das Leiberl auszieht und sagt: „Bitte“. Dann fahre ich mit dem Pinsel zart über seine Haut und er wird ganz ruhig, er genießt und genießt und spürt sich damit selber. So kann er loslassen. Es sind diese Berührungen, die aufbauen.

Die geerdete Spiritualität. Immer wieder begegne ich Menschen, die sich schwer tun mit „dem Glauben“. Sie erleben die Rituale der Kirchen als hohl und floskelhaft. Die Sprache ist unverständlich und trifft nicht ihre Lebenserfahrung, ihre Sehnsucht. Worin liegt aber diese tiefe Sehnsucht? Wenn ich gefragt werde, was mir wesentlich erscheint, dann sage ich immer : Der Mensch möge spirituell geöffnet bleiben. Wer sich zwischen Himmel und Erde aufgehoben fühlt, spürt diesen tiefen Halt, ein Aufgehoben sein. Aus meiner Sicht hat Jesus den Menschen damals (und heute) ganz konkret geholfen, sich aufzurichten, aufzuschauen, sich hineinnehmen zu lassen in diese Liebe Gottes.  Es bleibt die Liebe, die gut tut – auch wenn wer mit „Gott“ nicht kann.

Weitwandern auf dem Marienweg in Rumänien von DO 24. August bis SA 2. September 2017″ steht in der Ausschreibung von Weltanschauen. War es vor zwei Jahren der Barbaraweg in der Slowakei, so wird es heuer der Marienweg in Rumänien sein, den wir als „Weltanschauen-Gruppe“ begehen.

Zum Weg heißt es: „Der Weg führt durch die wunderschöne siebenbürgische Mittelgebirgslandschaft, durch kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint und die Feldarbeit großteils noch ohne Traktor erledigt wird, durch einsame Wälder und über Hochalmen, wo man stundenlang auf keine menschlichen Behausungen trifft. Wahrscheinlicher ist da schon die Begegnung mit einer Schafherde und den dazugehörigen Hunden oder mit viel Glück auch die Begegnung mit einem Braunbären, von denen es in den Karpaten noch sehr viele gibt. Die beiden letztgenannten Tatsachen sind auch der Grund, warum die Pilgerwanderung in diesem Jahr erstmals zusätzlich mit einheimischen Begleitern gemacht wird. Und die Sprache: denn viele Menschen in diese abgelegenen Region sprechen einfach nur ungarisch und rumänisch. Mit unseren Begleitern können wir auch ins Gespräch kommen über die aktuelle Lebenssituation im Land und erfahren mehr über Land und Leute.“

Weltanschauen heißt für mich: hinschauen, hinhören, hineinfühlen in die Gegend und die Menschen, die dort wohnen. So lernt sich jede und jeder selber besser kennen, so entdecken, stärken, ermutigen und erfreuen wir einander auch in der Gruppe. Ich lade einfach wieder ein zum Mitgehen auf diesem Weg, der uns sicherlich viel Neues eröffnen wird, dort und da, hier und jetzt. Die Rucksäcke tragen wir selber. Der Weg kommt uns wie das Leben entgegen. Ich freue mich schon darauf.

Anmeldung hier

unnamedMeine 24-tägige Offline-Zeit ist zu Ende. Das Smartphone lag abgeschaltet daheim zusammen mit dem Laptop. Das TV-Gerät im großzügigen Zimmer meines Kurhotels Bärenhof in Bad Gastein war der Bademantelhalter. Radio gab es keines. Wollte ich auch nicht. Über drei Wochen Null Internet. Ich habe es genossen. Es hat mich vertieft, wacher und wirklicher gemacht. Ich wurde reduziert in jeder Hinsicht. Und wesentlicher, ruhiger. „Ich würde das keine drei Tage aushalten. Schon nach einem Tag im Urlaub juckt es und ich muss nachschauen.“ So ein befreundeter Journalist am Telefon, nachdem ich die Rückrufe auf die Anrufe in Abwesenheit gestartet hatte. „Es war ein ganz großes Geschenk und genau zur richtigen Zeit“, meinte ich. Erzählt habe ich ihm, dass die SN und DIE ZEIT in der Druckausgabe meine einzigen „Medienpartner“ waren. Und natürlich einige Bücher und gezielte Zeitschriften, denen ich mich schon lange widmen wollte. In der dritten Woche hat DIE ZEIT in einer Beilage ganz groß über eine Doppelseite die Frage gestellt, meine Frage gefragt: „Wer bist du, wenn du mit dir allein bist?“. Und genau diese Frage hat ihre Antworten bekommen, weil ich meine „digitalen Kochlöffel“ alle konsequent 100%ig weggelegt habe. Ich durfte mir „unabgelenkt“ begegnen. Tag für Tag.

Was ist entstanden?

Im Rückblick und nicht erst jetzt merke ich, dass ich mit einer neuen Wahrnehmung da bin. Ich wusste immer, dass Digital emotional kalt ist. Das kann die Seele nicht wärmen. Sie macht sie hungriger. Die tiefe Achtsamkeit und Empathie geht verloren, ist auch mir zum Teil verloren gegangen. Und doch verfallen so viele Menschen unkritisch diesem „Zug der Zeit“ und hängen an ihren Geräten. „Aufmerksamkeitszertäubung“ nennen das gute Beobachter. Und ein Geschäftsführer hat zu meinem Offline-Dasein gemeint: „Recht hast du. Wir halten das alle miteinander ohnehin nicht mehr lange aus.“  Und bei mir selber habe ich gespürt, wie Langsamkeit in mein Leben eingekehrt ist. Das hat mir ermöglicht, viel tiefer hinzuhören in Gesprächen, auch auf die Stille. Ich spürte auf einmal keine Getriebenheit mehr, sondern konnte selbst die zeitweise Langeweile in meinem Zimmer genießen. Langeweile ist ja ein Fremdwort geworden, ein Unwort der „Bespassungsgesellschaft“. Gerade in diesen Zeiten haben meine Gedanken-Gänge unglaublich viel Freiraum vorgefunden und neue Facetten aufgemacht. Und beim Gehen in den Gasteiner Bergen nahmen die Augen die Natur, das wunderschöne Panorama auf, weil ich keine Kamera zücken konnte, die im Smartphone daheim integriert lag. Einfach da sein, schauen, wahrnehmen, hinhören auf die Stille der Natur, den Berggipfel jetzt genießen und nicht erst später am Foto. Ich bin da. Jetzt. Genau auf diesem Quadratmeter Erde, eingespannt und getragen zwischen Welt und Himmel.

Und wie weiter?

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Beitrag von Richard David Precht in der ZEIT vom 22. September 2016 gelesen: „Unsere gereizten Seelen“. Precht schreibt dort, dass Europa keine User und Konsumenten braucht, sonder StaatsbürgerInnen. Gerade die digitale Welt deformiert uns Menschen dazu, „nur mehr über Geld nachzudenken, Preise zu vergleichen und auf Kosten anderer zu profitieren“. Nicht der zufriedene Mensch ist das Ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene. Ein kurzfristiger „Hyperkonsumismus“ wird in den Mittelpunkt des Seins gestellt auf Kosten langfristigen Denkens. Eine „zittrige Seele“, wie wir sie heute so oft vorfinden, findet keine Ruhe in sich selber, findet auch das Du nicht mehr. Die Seelen, so sie nicht ohnehin verschüttet sind, werden durch Werbung, digitale Medien und das ständige Mehr immer neu „gereizt“. Dieser ständige Reiz von außen macht sie selber wieder zittrig. Und genau diese kollektive Nervosität erleben wir unter dem Anschein von „digitalen Freundschaften und Followern“. Bisher hat meine Offline-Zeit noch niemand in Frage gestellt, sondern auf verschiedenen Ebenen haben mir Menschen dazu gratuliert, sind neugierig geworden. Was gibt es Schöneres, als auf das Wesentliche reduziert Beziehungen, Familie und Freundschaften img_2479analog zu leben. Auch wenn sich der Mainstream beschleunigt, so werde ich langsamer leben. Meine Arbeitskollegin hat mir auf mein erstes Email zurückgeschrieben: „WELCOME BACK! (in reality – ehm – virtuality)“. Das ist der Punkt. Reality nicht mit Virtuality verwechseln. Smartphone weglegen und einfach offline gehen. Einmal am Tag ins digitale Gasthaus „Facebook“ schauen. Whatsapp ausschließlich für Familie verwenden. Sonntag ausschließlich haptisch gestalten und das Festnetz wieder mehr betätigen. Außerdem: Die Abende gehören dem Gespräch und der tatsächlichen Begegnung – ohne „Geräte“. Außerdem sind alle meine handschriftlichen Briefe bisher als „Sensation, Seltenes“ empfunden. Und diese Rückmeldungen kamen auch handschriftlich. Als Karte oder Brief. Die digitale Welt hat viele Menschen „übernommen“, dabei sind diese Erfindungen nur Hilfsmittel. Deshalb raus aus dem Mittelpunkt damit. Das heißt: Sich nicht dauernd stören lassen und die digitalen Kochlöffel gezielt weglegen, hinausgehen aus der digitalen Küche und Mensch und Natur direkt begegnen.

 

_img_2415„Das schaffst du nie“, meinte im Spätsommer ein befreundeter Pressefotograf in Kärnten. Wir sind uns bei PfinXten begegnet. „Wetten: Eine Flasche Rioja“, schlug er vor. Ich habe eingeschlagen. Und ich werde es machen. Seit 1997 bin ich defacto online. Mein Arbeitskollege und Freund Stefan Greifeneder hat mir damals die „aufkeimende digitale Welt“ zugänglich gemacht. Die Aufgabe als diözesaner Internetverantwortlicher hat mich direkt hinein gestossen. Als „early adapter“ wurde ich manchmal bezeichnet. Die Neugierde auf Neues hat mich schon oft in „Gegenden“ gebracht, die für viele neu und unbekannt waren. Meine jetzige Neugierde gilt mir selber. Wer und was bin ich, wenn ich gänzlich offline bin? Was stellt sich innerhalb der drei Wochen in meinem Leben neu ein, wenn ein wichtiger Teil des Lebensvollzuges abgeschnitten ist. Ich bin selber neugierig gespannt und freudig gelassen. Ich weiß: Es wird mir gut tun.

Auszeit für haptische und analoge „Selbstbegegnung“

_img_2417Meine dreiwöchige Auszeit werde ich dazu nutzen, auf jegliche „algorithmus-basierte Kommunikation“ zu verzichten. Das bedeutet: kein Smartphone, kein Laptop, kein Email, kein Fernsehen, kein Fotoapparat. Nichts dergleichen. Selber zeichnen. Sich erzählen lassen. Nachfragen. Gespräche ohne „lauernde Geräte“. Diese Sehnsucht liegt schon länger in der Luft, in meiner Umgebung. Mein Freund und Follower auf Twitter Thomas schreibt gestern auf mein Posting dort auf Twitter: „Ich bin einer, der immer wieder knapp vorm Abwenden ist.“ Worauf hat er reagiert? Ich habe die Diskussion „zum Netz“ auf ServusTV nur kurz mitbekommen. Aus meiner Sicht kam dabei die zentrale Aussage von Sybille Hamann. Ich habe mein Smartphone (in diesem Fall als Second Screen) genommen und sie auf Twitter so zugänglich gemacht, geteilt: „Viele wenden sich ab. ist nicht das Volk.“  Es ging um Scheinwelten, um Hasspostings, um Lügen und Verunklimpfungen, „die sich rasend verbreiten“. Es ist die Schnelligkeit und es sind die Dummheiten, die uns zusetzen. Es ist das „angebunden sein“, weil wir festgelegt haben, dass die Reaktionszeit nur mehr Minuten dauern darf. Die Medienwelt hat das Nachdenken und Verweilen eliminiert. Emotionen werden aus dem Netz geholt, geschürt, aufgebauscht und wieder zurückgerülpst. Jahrelang ist für SocialMedia das „digitale Gasthaus“ mein Bild. Ich gestehe: Das Gasthaus hat sich ausgedehnt ins Arbeitszimmer und Wohnzimmer. Mein Esstisch kennt seit geraumer Zeit kein digitales Gerät mehr und die Nacht ist auf Flugmodus. Jetzt könnte ich länger ausholen. Braucht es aber nicht. Seit etwa zwei Jahren spüre ich in mir den Wunsch, ganz konsequent über drei Wochen „offline zu gehen“. Immer wieder kam in den letzten Tagen von Menschen ein erstaunter und genauso bewundernder Blick: „Was? Dann kann ich dir praktisch nur einen Brief schreiben?“ „Stimmt!“ „Klar: Und posten und bloggen geht dann auch nicht.“ „Stimmt.“ Die meisten: „Ich bin gespannt, was du erzählen wirst.“ „Ich auch.“ Und die Flasche Rioja steht in jedem Fall – nach dem Fest des hl. Franziskus im Oktober. Bis dorthin geht total offline.  Ich mit mir.

11_PanoIMG_0446Wir hatten vor, einen gemütlichen Tag zu verbringen. Und doch wollten wir uns einer Herausforderung stellen. Nein, nicht stellen, sondern eine Herausforderung gehen. Bei uns in Oberösterreich heißt es etwas, wenn einer oder eine sagt: „Ich war am Traunstein.“ Dieser Berg steht ganz massiv und mächtig im Voralpenland. Er ist weit nicht der höchste Berg, aber er hat ein Alleinstellungsmerkmal: Er steht alleine als erster Berg vor der Alpenkette. Dahinter sind höhere Berge und doch redet man vom Traunstein (1.691m). Er ist viel begangen und die Gedenktafeln der Verunglückten werden immer mehr. 1.200 Höhenmeter im steilen Gelände unterschätzen viele. Aber wir wollen es heute gemütlicher angehen. Also rundherum.

Gegen den Uhrzeiger

1Moralm_IMG_0428Der Blick auf die Uhr zeigt am Umkehrparkplatz am Ende der Ostuferstraße, dass wir nicht zu nachtschlafener Stunde aufgestanden sind. 9 Uhr. Los geht es Richtung Moaralm. Nach einer Stunde ständig ansteigender Forststrasse sind wir da, wo ich noch nie war. Der „leichtere Abstieg“ vom Traunstein geht über die „Moaralm“ und doch kommt man daran nicht vorbei, weil sie nicht direkt am Weg ins Tal zum See liegt. Heute  kommen wir von der anderen Seite und setzen uns auf eine Buttermilch vor die Hütte. Wunderbar. Buttermilch ist aus meiner Erfahrung ein tolles Getränk für Geher und Wanderer. Da ist vieles, alles drinnen, was uns „Ergänzungsnahrungsmittel“ – oder wie man das nennt – versprechen. Ganz natürlich, so wie hier. Einige sind schon da an diesem Samstagvormittag. Die Hütte ist urig und äußerst liebevoll gepflegt. Es geht weiter. Der Katzenstein (1.379m) ist schon im Blick. Auch wenn es ein Rundherum ist, so wollen wir diesen Gipfel „mitmachen“. Beim Aufstieg auf die Hohe Scharte hinüber zum Laudachsee  verlieren wir ihn wieder aus den Augen, den markanten Katzenstein. Er wird unser höchster Punkt und gleichzeitig der schönste Blick auf den, den wir umrunden, den Traunstein. Spaziergang ist es keiner auf den Gipfel, der von der Laudachsee-Seite als fast unbesteigbar erscheint. 2FensterIMG_0436Vorbei am berühmten „Laudachseefenster“ geht es steil bergauf. Oben angekommen, sehen wir lauter entspannte und fröhliche Gesichter. Diese Aussicht sucht ihresgleichen. Der Traunstein vor uns, der Laudachsee gleich unter den Zehen, wenn man sich ganz nach vorne wagt, Seen rundherherum und die Getreidefelder im Voralpenland angelegt wie ein kreatives Schachbrett. Die GipfelgeherInnen helfen sich gegenseitig beim Gipfelfoto aus. Es ist wieder so eine Erkenntnis: Auf den Bergen habe ich noch nie wirkliche Ungustl getroffen. Den Abstieg bis hinunter zum Laudachsee nehmen wir sehr vorsichtig. Es ist ab der Scharte die Nordseite des Berges und daher immer feucht unter den Bergschuhen. Der Steig ist aber gut gesichert und 2013 saniert worden. Die Ramsaualm am Laudachsee erwartet uns mit dem Gastgarten mit Panorama-Rückblick auf das, was wir schon geschafft haben, den Katzenstein. Der gespritzte Most ist wirklich sauer. Das Essen dafür schneller da, als die Bauchspeicheldrüsen als Vorbereitungszeit dafür bräuchten.

Der Gschliefgraben zeigt die Naturgewalten

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Aktiver -Gschliefgraben

0_Pano_IMG_0469Von jetzt geht es bergab. Zuerst hinüber Richtung Gründberg. Eine Wegmarkierung weist den Weg „Ostufer – Hoisn“. Der Gschliefgraben wurde durch die Rutschungen international bekannt. Den gilt es hinunterzugehen. Und zu unserer Überraschung: Er rutscht noch immer. Oben sehen wir die in den Graben aufgrund von Dauerrutschungen hineingefallenen Bäume. Wir haben das Gefühl: Der Mensch will einen Berg stoppen, der durch Wasser angetrieben, sein Material in Richtung See abschiebt. Werden die aufwändig gemachten Entlastungsgerinne die nächsten 1.000 Jahre halten. Der Berg wird schieben und der Mensch sich dagegen wehren. Persönlich glaube ich, dass es der Machbarkeitswahn des technokratisch denkenden Menschen ist, „gegen die Natur in diesen Dimensionen“ vorgehen zu können. Wir haben investiert, alle Technik eingesetzt, politisch Verantwortung übernommen. Der Berg wird es nicht hören. Vernünftiger wäre es gewesen, wegzugehen von der Bedrohung, einen neuen Ort mit den Menschen zu suchen und „den Berg einfach zu lassen“. Ich meditiere im steilen Hinuntergehen diese Grundfrage, die den Verantwortlichen nicht oft genug gestellt werden kann: Warum agiert ihr gegen die Natur? Warum schafft ihr so wenige Strukturen, die der Natur und dem biotischen Prinzip erwachsen? Die Fachtagung Weltkirche hat 2016 das Thema: „Schöpfung in Gefahr! Aufstehen gegen Raubbau und Gier!„. Der Gschliefgraben zeigt etwas von dem „nicht wahrhaben wollen der Kräfte der Natur“. Warum baut der Mensch Häuser dorthin, wo die Natur keine haben will? Der flache Querweg führt uns zurück zum Umkehrparkplatz. Um 17 Uhr schwimmen wir im See. Spätestens im Wasser spüren wir: Es war ein gemütlicher Tag und die Gewitter haben gewartet, bis wir beim Hois’nWirt unter dem Schirm Platz genommen haben. Ein Rundgang mit Gipfel, den wir weiterempfehlen.

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Am Katzenstein

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Beim Hois’n Wirt

1IMG_0243Es ist ja nicht so, dass ich beim #Profitreff des PRVA DAS Wundermittel gehört hätte, wie heute angesichts der Digitalisierung die JournalistInnen leichter erreicht werden können. Nachdem ich doch über einen längeren Zeitraum in der Medienbranche tätig bin und sich Erfahrungen angesammelt haben, habe ich fast den Eindruck: Der persönliche Kontakt, die persönliche Beziehung, das persönliche Kennen ist das Kontinuum durch alle medialen Veränderungen und Tools, die jeweils gerade benutzt werden. Das braucht Zeit. Und das ist aus meiner Wahrnehmung beruhigend. Auch JournalistInnen, die in der Info-Flut fast untergehen, brauchen zum Einsortieren eine „face to face“ Begegnung davor, als Basis, als „Priorisierungslatte“. Und da geht es um Sympathie, Vertrauen und Einschätzungshilfe. „Email funktioniert nicht mehr“, meint etwa Corinna Milborn von Puls4 angesichts der Menge an Presseaussendungen und Zusendungen per Email. Es gibt allerdings keinen Email-Ersatz. Genau deshalb sind die „haptischen Begegnungen“ kurz und bündig so wichtig. Deshalb sitze ich auch hier – sogar in der ersten Reihe. Aber das war beim Ankommen so wie in der Kirche: Vorne frei.

Was zählt?

Unternberg im Lungau

Unternberg im Lungau

Es werden Basics ausgeführt: „Wer tut etwas? Wer trägt etwas zur Lösung bei? Gibt es bei der Geschichte ein Augenzwinkern?“. Das sieht Milborn als ihren Zugang für das Fernsehen. Natürlich: Relevanz, medientaugliche Personen als ExpertInnen oder ProtagonistInnen sind der Stoff, aus dem bewegte Bilder werden. „Eine Geschichte muss wirklich gut sein, damit wir ein Kamerateam rausschicken können.“ Der Luxus, auf Verdacht zu drehen, kostet einfach zu viel. Die Chefredakteurin des Branchenmagazins „Horizont“ stellt ihre Wahrnehmungen und Tipps so zur Verfügung: Wirklich gut teasern, alles personalisieren und eine große Zielgruppengenauigkeit entwickeln ist wesentlich. „Basteln sie einen medienspezifischen Zugang zu einzelnen JournalistInnen und Medien.“ Es erinnert mich an unsere Serie „viel mehr wesentlich weniger„. Es wird klar: Nicht viel ist entscheidend, sondern das Wenige soll wesentlich sein. Auch in der Presse- und Medienarbeit. Die Kommunikationschefin der DiBa-Bank Andrea Hansal hat sich zum Ziel gesetzt: „Ich will nicht nerven.“ Daher vorher klar fragen: Was ist überhaupt eine Geschichte? Wem gebe ich etwas? Wir sind wieder bei der Zielgenauigkeit. Und: „Es ist alles kleinteiliger, aber auch spannender geworden.“ Sie weiß von den „Frustfaktoren“ der Medienschaffenden: Zeitmangel, Relevanzmangel und keine Bilder und Grafiken zur Verfügung. Aber bitte nicht an das Email anhängen. Im Web abrufbar machen. Nichts Neues, aber wieder einmal gut, es so auf den Punkt gebracht zu hören. Und dann hören wir ein wenig aus der aktuellen Einschätzung: „Das, was ganz tot ist, ist die Pressekonferenz.“ Außer es ist ein ganz mächtiges Thema. Aber Relevanz lässt sich damit nicht steigern. „Jeder ist auf der Suche nach DEM Punkt und deshalb sind spezielle Treffen oder Hintergrundgespräche hoch im Kurs.“ Neuerdings boomen auch „informelle Treffen“. Aus meiner Sicht entsteht dort Involvierung und Neugierde wird geschürt. Wir sind am Punkt: Was macht JournalistInnen neugierig? Ganz einfach: Eine persönlich spannend erzählte „Geschichte“. Das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Beruhigend und herausfordernd zugleich.

 

Am Hochkönig 2015

Am Hochkönig 2015

Seit Jahren gehen wir über die Berge. Es ist keine fixe Gruppe. Wir werden – so ist mein Eindruck – jedes Jahr neu und bunt zusammengewürfelt. Jedes Jahr ein wenig anders. Unser Ziel ist es, von Hütte zu Hütte die verschiedenen Wege in den Alpen zu begehen. Mittlerweile ist es schon eine lange Liste, die ich aufzählen könnte. Im Sommer 2016 führt uns der Weg von Obertauern nach Bad Gastein. Der 02-er Weitwanderweg und der Kärntner Grenzlandweg sind unsere Markierungen.

Ein bunter Haufen

Die Gruppe ist immer um die 12 Personen groß, ganz unterschiedliche Berufe und fast jedes Alter. Es geht nicht um „sportliche Leistung“, sondern um Gehen, Staunen, Erleben, Gespräche, Singen und die „Kraft der Gruppe“. Wir schlafen normalerweise auf Lager. Die Plätze sind avisiert. Jede und jeder geht auf eigene Gefahr und zusammen mit dem eigenen Rucksack. Kosten: Jeder und jede bezahlt seine oder ihre Sachen (Übernachtung, Essen, Fahrt) selber. Der Mitgliedsausweis bei einem alpinen Verein ist von Vorteil. Wer mitgehen möchte, schreibt ein Email !

Ingolstädter Hütte 2015

Ingolstädter Hütte 2015

#Tag1 SA: 13. Aug 2016
Anreise mit Zug und Bus > Aufstieg zur Südwiener Hütte (1.802m).
Abfahrt in Linz 8:48 RJ und Ankunft um 12:03 Obertauern Passhöhe.

#Tag2 SO: 14. Aug 2016
Übergang zur Tappenkarsee Hütte (1.820m).

#Tag 3 MO: 15. Aug 2016
Übergang zur Osnabrücker Hütte (2.026 m).

#Tag4 DI: 16. Aug 2016
Übergang zum Hannoverhaus (2.565m).
Im Vorbeigehen liegt der Gr. Ankogel (3.252m) oder davor der Kl. Ankogel (3.097m) am Weg.

#Tag5 MI: 17. Aug 2016
Übergang zur Hagenauer Hütte (2.446m).

#Tag6 DO: 18. Aug 2016
Übergang und Abstieg nach Sportgastein.
Bus und Zug nach Linz (Bad Gastein Abfahrt 14:17 Ankunft Linz 17:28)

Wer nicht aus Linz anreist, ist Treffpunkt am SA 13. August 216 um 12.00 Uhr in Obertauern, Passhöhe.

Außerdem: Für diese Woche 2016 ist schönes Wetter bestellt. Aber es ist ohnehin so, wie es ist.

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