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Archiv für die Kategorie „Kommunikation Medien“

Mehr als eine Milliarde Menschen ist in Indien bereits digital erfasst und eingescannt. Jedem Individuum wurde ein 12-stelliger Nummerncode zugewiesen und datenmäßig mit dem Iris-Scan der Augen und den Abdrücken der zehn Finger verknüpft. Diese biometrische Erfassung der Menschen hin auf die „totale Digitalisierung“ schreitet mit enormer Geschwindigkeit und beängstigender Selbstverständlichkeit voran.

Szenenwechsel. Wie überall im Netz hinterlassen wir auch bei Banküberweisungen charakteristische Spuren. Weil unsere digitalen Systeme immer öfter durch Hacker, Schwindler und Kriminelle ausgehebelt werden, beginnen Firmen uns zu „schützen“, ohne dass wir es wissen und überhaupt wahrnehmen. Die israelische Firma BioCatch kann aufgrund der Mausbewegung erkennen, ob es der Besitzer oder die Besitzerin des Bankkontos ist oder ein „digitaler Bankräuber oder Betrüger“. Diese Firma „weiß“ durch digitale Analyse, wie lange der Unterarm, wie beweglich die Hand, wie dick der Daumen, wie groß das Smartphone ist, ob ein Linkshänder mit starken Muskeln des Unterarmes die Maus bedient und wie geschickt und schnell auf Herausforderungen reagiert wird. 600 Faktoren hat diese Firma bei der Überwachung „berücksichtigt“. Das digitale Netz weiß mehr über uns als wir selber.

Daher: Ich verwende StartPage (www.startpage.com), um im Internet bei Suchanfragen keine Spuren zu hinterlassen. Außerdem bezahle ich wieder konsequenter mit Bargeld.

Gestern hat mich in Linz vor der Uraufführung der Passion von Peter Androsch auf der Straße ein Mann angesprochen, „wo es im Sommer wieder hin-geht.“ Er sieht mich immer gehend, pilgernd, unterwegs – hat er gemeint. Gut, ich habe es verraten, was ohnehin bei Weltanschauen oder in Welt der Frau unter dem Titel „Einfach Pilgern in der Natur Siebenbürgens“ nachzulesen ist. Es geht nach Rumänien. DO 24. August bis SA 2. September. Er hat auch gleich begeistert davon erzählt, dass er weiß und schätzt, dass die Reisen ökologisch ablaufen. „Also fahren sie mit dem Zug.“ „Ja“. Ich empfinde es immer als besondere Wertschätzung, dass ich mit dem Thema Gehen und Pilgern in Verbindung gebracht werde. Er war aber weiter neugierig: „Und wie weit geht ihr da so am Tag?“. Ich: „23, 25, 26, 22 oder auch einmal 27 km am Tag.“ „Ist das nicht viel?“ „Nein, das ist nicht weit. Wir haben ja einen ganzen Tag Zeit. Und wer gehend unterwegs ist, dem genügt das Gehen, das Schauen, Staunen, die Selbstwahrnehmung, das Atmen, die Last spüren und vor allem: das Gemeinsame, die Gespräche. Diese tragende, ziehende und schiebende Wirkung der Gemeinschaft unterschätzen viele.“

Es geht dahin

Ich kann mich noch gut erinnern an unser Pilgern und Gehen auf der Via Porta. Es hat geregnet, die Tagesstrecke war annähernd 25 km. Am späten Nachmittag kurz vor dem Ziel hat eine Frau zu mir gemeint: „Unglaublich, es geht einfach dahin.“ Die Sonne ist wieder herausgekommen. Alle haben es geschafft, waren ein wenig geschafft aber irgendwie glücklich. Das Abendessen hat geschmeckt und nächsten Tag hat wer beim Frühstück gemeint: „Seit langem habe ich wieder einmal geschlafen wir ein Murmeltier.“ Das sind aus meiner Sicht jene Momente, wo sich anstrengen lohnt. Aber das Dahingehen ist ja nicht wirklich anstrengend, weil es ja einfach dahingeht. Aber wie ist das konkret? Auch ganz einfach. Wenn der Weg länger ist, dann starten wir mit dem Frühstück um 7 Uhr, 8 Uhr Abgang. Das sind vier Stunden am Vormittag. Mittagspause. Herunterkommen. In die Wiese legen. Nicht viel essen, weil es sonst nicht so leicht weitergeht. Und nachmittags wieder vier Stunden. So legen wir ca. 25 km zurück und sind gegen 17 Uhr spätestens am Ziel. Gut duschen, gut essen, Begegnungen und – auch das geht fast von alleine – bald schlafen gehen. Bis jetzt habe ich es immer so erlebt, dass genau dieser Rhythmus mit dieser „Anstrengung“ über 7 Tage wirklich heilsam ist. Für Rumänien bin ich mir wieder sicher: Es geht einfach dahin.

Anmeldung bei Weltanschauen

 

Man stelle sich vor, dass bei einem Bauvorhaben von den Firmen und Gewerken ein Plan A und ein Plan B gleichzeitig verwendet werden. Dann stelle man sich vor, nachdem die Pläne in ihrer Grundausrichtung in vielen Bereichen in gegensätzliche Richtung weisen (zB Gerechtigkeit  und Leistung), dass anhand der vorgelegten Pläne Kompromisse gesucht werden. Man mag sich noch vorstellen, dass versucht wird, die Pläne tatsächlich „zusammenzuzeichnen“. Allein in den letzten Jahren war die Vorstellung dazu größer als die Fakten. Nichts ging mehr zusammen in dieser Koalition. Jetzt wurden von Kanzler Kern und von Finanzminister Schelling die je eigenen Pläne nochmals „vertieft“, sprich profilierter an der eigenen „Sichtweise der Realitäten“ ausgerichtet. Ich nehme das Beispiel Robotisierung und Wertschöpfung. Es ist Fakt, dass durch die Digitalisierung und Robotisierung die bisherige Form der Arbeit und Wertschöpfung sich massiv verschiebt. Der Plan A sieht das und will aus diesen neuen Prozessen „Wert abschöpfen“, um damit ein gerechtes „Solidarwesen“ zu ermöglichen. Derzeit arbeitet ein Mensch und zahlt Steuern. Nicht wenig. Arbeitet ein Roboter, ist er nicht in dieser Form steuerpflichtig. Ich weiß, dass ist unscharf. Aber im großen Blick werden robotisierte Arbeitsprozesse, wenn, wie die VP nach Plan B immer sagt, keine neuen Formen der Solidarabgabe sprich Steuern eingeführt werden, den Reichen und Etablierten helfen. Gestern ging wieder einmal die Meldung durch die Medien: Die acht reichsten Männer (!!) besitzen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Das liegt weniger an der Leistung der Hälfte als an der DNA von robotisierten, digitalisierten Prozessen mit einem hohen Ungerechtigkeitsfaktor. Es wird also bald Wahlen geben (müssen), um die Blickrichtung zu klären. Gilt jetzt Plan A oder Plan B? Wenn sie gleichzeitig angewendet werden, gewinnt der Ungerechtigkeitsfaktor.

Es ist ja nicht so, dass mir der Lesestoff ausgeht. Aber dieser Tage ist mir das Buch von August Thalhamer wieder entgegengekommen. „Der Heilungsweg des Schamanen“ im Lichte westlicher Psychotherapie und christlicher Überlieferung. Bei Ennsthaler erschienen. Eine schöne Geschichte ist auf Seite 88 zur Wahrheit zu finden: „Gott und Teufel gehen spazieren. Da fällt dem lieben Gott ein Stückchen Wahrheit auf die Erde. Verwundert fragt Gott, ob er – der Teufel – denn nicht verhindern wolle, dass ein Mensch  das Stückchen Wahrheit finde. Darauf der Teufel: Nein, das lasse ich liegen. Denn der es aufhebt, wird es für die ganze Wahrheit halten und andere damit drangsalieren.“ Die Kirche selbst hat dieses Drangsalieren durch einen Wahrheits-Bischof über die Medien erleiden müssen. Der Hashtag wäre damals #Krenn gewesen. Und heute geht das in vielen gesellschaftlichen Bereichen weiter.

Das größte gemeinsame Vielfache

Wer heute Zeit für die #ZIB2 hatte, hat dort das Thema Kopftuchverbot des Sebastian Kurz miterlebt. Die Präsidentin der Frauenorden hat aus ihrer Erfahrung am Schulzentrum Friesgasse klar gesprochen. Nein, das Kopftuchverbot hält sie für falsch. Selbst Armin Wolf hat den Papst zitiert, der ebenso gegen ein Kopftuchverbot ist. Die Wahrheitsfrage ist hier nicht eine verbale, sondern eine der Lebenspraxis und Lebenshaltung. Warum fällt der ÖVP die Toleranz so schwer, die sie von Jesus als christlich-soziale Partei irgendwie mit auf den Weg bekommen hat? Es ist Kalkül für Wählerstimmen. Ich habe den Eindruck, dass sich Kurz als beliebterer Politiker ganz bewusst auf die FP „draufsetzt“, um denen die Stimmen abspenstig zu machen. In Bayern hat es unter Strauß geheißen: „Rechts von der CSU ist kein Milimeter frei.“ Dort steuert Kurz hin. Und ich lese im Buch weiter, um auf Seite 216 auf einen Absatz zu stoßen, der Gott, Teufel und Wahrheit neu aufmischt: „Die schlimmsten Verbrechen in der Geschichte  wurden nicht von den ‚Bösen‘ verübt, sondern von den ‚Guten‘, die die Vollkommenheit vor Augen hatten und die Reinheit der Lehre, Rasse oder Ähnliches durchsetzen wollten. Der ‚Böse‘ ist da meist verständnisvoller, er weiß ja um die eigene Unvollkommenheit.“ Und C.G. Jung meinte: „Das Leben bedarf zu seiner Vollendung nicht der Vollkommenheit, sondern der Vollständigkeit.“ Und genau deshalb gehören hier alle Formen und Wahrheiten des menschlichen Lebens und Ausdruckes her. Entscheidend ist die Liebe, die Toleranz auf Augenhöhe und der Friede. Jedes Zeichen ist willkommen, das Vielfalt und Frieden stiftet, Ausdruck von Gewaltfreiheit ist. Es geht um das „größte gemeinsame Vielfache“ in unserer Gesellschaft.

Drei Tage geht nun 2017 schon mit mir. Wir haben schon allerhand erlebt. Das wollen wir hier nicht ausbreiten. Die ersten Stunden, die wir miteinander gegangen sind, hatten mehr mit Virus zu tun und weniger mit Knallerei. Aber das war vorgestern. Alles durch. Jetzt gehen wir frohen Mutes. Dabei brauchen wir nicht hasten. Die Welt ist in den Ferien und die Arbeit fühlt sich langsamer und irgendwie neben den Schienen an. Das ermöglicht, den auf die Seite gelegten Bücherturm abzubauen. Und der Turm hat ein paar Schmankerl in sich. Ziemlich weit unten, aus der späten November-Zeit, kommt mir ein Büchlein (meint die äußere Größe) entgegen: „wahrnehmen – verweilen – begegnen“. Drinnen steckt der handgeschriebene Brief vom Autor Franz Schmidsberger. Er arbeitet als Theologe in Linz und Steyr und macht da wie dort gute, tiefschürfende, spirituell nährende Arbeit.

Sich freuen über das Glück zu leben

warum lernst du nicht
von den möwen
die immer zur gleichen stunde
artistisch-knapp über dem wasser
flussaufwärts fliegen
dann elegant aufsetzen
und sich wieder hinabtreiben lassen
so als wäre das leben ein spiel
eine einzige freude

warum lernst du nicht
vom alten ordensmann
der in der krypta
seiner arbeit nachgeht
singend die welken blumen
gegen neue tauscht
und seine augen glänzen
beim nachsinnen
über die zeit

warum lernst du nicht
von den kindern
und ihrer neugier
den geheimnissen
auf die spur zu kommen
von ihrer art
sich wirklich und ungetrübt
freuen zu können
über das glück zu leben

[Seite 97]

Ich kann zwar nicht fliegen wie eine Möwe, aber ich habe eine gute Vorstellung von den glänzenden Augen des alten Ordensmannes durch meine Arbeit bei den Ordensgemeinschaften. Durch meine zwei Enkerl ist der dritte Absatz pure Realität. Es ist mir eine unglaublich Freude, ein Glück, diese Neugier und diese ungetrübte Freude dieser Kinder so direkt zu erleben. Gerade sie lernen auch dem Opa oft ganz hautnah (nicht nur beim Einschlafen) , dass er sich freuen kann, soll, darf über das Glück zu leben. Merci.

„Digitale Medien beeinträchtigen die Gehirnentwicklung und sie erzeugen Sucht.“ Diese in der langen Menschheitsgeschichte neuesten Medien nehmen dem Menschen „geistige Arbeit ab“. Genau das braucht das Gehirn, dass es sich weiterentwickelt. Arbeit. Manfred Spitzer ist kein Unbekannter, weil er in den Talkshows klar Stellung bezieht: Wir sind von der digitalen Demenz bedroht. Gerade die Entwicklung von Kindern ist durch diese „Geräte“ verlangsamt, kommt zum Stillstand. In den OÖN vom 3. Dezember 2016  ist es im Interview nachzulesen. Aus Spitzers Sicht sind Weihnachtsgeschenke, „die ganz ohne Strom auskommen“, genau die richtigen. Und: „Musik und Singen, Musizieren macht schlau.“ Und Spitzer verweist auf Süd-Korea: „Dort ist die beste digitale Infrastruktur und wir haben genau dort 31% Smartphone-Süchtige.“ Also: eins, zwei, süchtig, vier fünf, süchtig….

Mehr Social Media für Firmen?

„Ein Großteil kennt die neuen Möglichkeiten nicht oder unterschätzt sie maßlos“, weiss dafür ein Experte wie Dominik Fürtbauer ein paar Seiten weiter in derselben Zeitung unter Karriere und Bildung. Er beschreibt die „Techniken“, die heute angeblich Leute „ansprechen“ können. Mittlerweile weiß man heute, dass diese Social Media „Kontakte“ die Leute nicht mehr anrühren, sie nicht „überzeugen“ oder in irgend einer Form „tiefer an die Firma, die Organisation, die Partei, die Kirche“ binden. Ich bin nicht grundsätzlich gegen die digitale Welt, aber ich bin im Laufe der Jahre sehr skeptisch geworden, was diese Welt wirklich  (kommt von wirken, bewirken) kann und ob wir das alles wollen, was wir derzeit sehen, erleben, tun. Ich habe in meiner mehr als dreiwöchigen radikalen Offline-Zeit genossen. Tatsächliche Begegnungen, viel mehr Weniger, dafür mehr Wesentlich. Die Seele hat ruhig geatmet. Susanne Dickstein schreibt daneben ihren Kommentar zu „Klaviatur der Kanäle“. Ihre Überlegungen im Umgang mit Kunden mündet in der Erkenntnis, worauf es tatsächlich ankommt: „Den Bedarf des Kunden zu erkennen und mit Empathie und Hausverstand darauf einzugehen.“ Jawohl. Und genau das braucht haptische analoge Begegnungen mit Zeit und Hinwendung zum Menschen. Aber: Mafred Spitzer zeigt uns, was wir gerade mit Social Media verlernen? „Empathiefähigkeit“. Wir bewegen uns im Dilemma, im Teufelskreis. Daher immer wieder meine Erfahrung, meine Ansage: Distanz halten und Geräte weglegen, immer öfter tatsächlich vergessen. Das Leben ist zu wertvoll, um es in den Social Media Kanälen zu entsorgen.

 

900img_2675„Wo der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet ist, muss das Empfinden von Gerechtigkeit gestärkt werden“, wird in roten und fetten Buchstaben im Publik Forum vom 21. Oktober 2016 aus dem Artikel „Was die Gesellschaft wirklich zusammenhält“ hervorgehoben. Eine andere Beobachtung habe ich gestern in Wien gemacht. Sowohl beim Burgtheater als auch bei uns vor dem Büro in der Freyung wurden Panzer und militärische Geräte in Stellung gebracht. Als Zivildiener der ersten Stunden rund um die Zivildienstkommission 1975 steigen da natürlich besondere Gefühle und Assoziationen hoch. Besorgte. Der Magnetismus von Panzer und Co. wird jedes Jahr rund um den Nationalfeiertag zelebriert und sichtbar gemacht. Aber was steckt dahinter?

Gerechtigkeitsempfinden fördern

Ich komme zum Interview ins Publik Forum zurück. Die Frage ist entscheidend für unsere „auseinander fallende Gesellschaft“, „die Vereinzelung der Interessen“, „die digital klammernde und zittrige Dauerkommunikation“ und den Hochgesang auf die „Individualität mit erweiterbarer Komfortzone“: Was hält die Gesellschaft wirklich zusammen? Der Philosoph Hans Joas relativiert die Ansicht, dass es die Werte sind, die zusammenhalten: „Es braucht viel mehr.“ Ganz klar benennt er drei Faktoren, die diesen Zusammenhalt in einer Gesellschaft positiv stärken oder in der Negativvariante gefährden. Was hält Gesellschaft wirklich zusammen? „Erstens: ein von allen erlebter wirtschaftlicher Erfolg.“ Und er erinnert an die Nachkriegszeit, wo für alle der Aufstieg und Aufschwung erlebbar war. Ohne den wirtschaftlichen Aufschwung wäre die  neue Demokratie vielleicht gar nicht entstanden. „Zweitens: Die Menschen müssen die Gesellschaft als gerecht erleben.“ Wo der Zusammenhalt gefährdet ist, muss alles getan werden, um das Gerechtigkeitsempfinden wieder herbeizuführen etwa durch Umverteilung oder Partizipationsmöglichkeiten. Jonas findet die Vermögensverteilung in Deutschland „skandalös“. Aus meiner Sicht wird Gerechtigkeit heute nicht nur durch die Ungleichheit gestört, sondern auch durch das Verhalten der Reichen, der „Oberen“, die glauben,  dass Gesetze für sie nicht gelten. Sie setzen sich über alles hinweg, was für alle gilt. Das ist das wirklich „Skandalöse“. Und Jonas weiter: „Drittens ein Beispiel, das keiner hören will, das aber empirisch zwingend ist: Militärische Erfolge eines Landes tragen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.“ Und jetzt bin ich wieder beim Burgtheater und in der Freyung in Wien bei den Panzern und Co. In den letzten Wochen und Monaten hat der neue Verteidigungsminister Doskozil eine „aufgeweckte Identität und Aufgabenstellung“ für das Bundesheer herausgestrichen. Irgendwie wird mir etwas bange in unserem Österreich, wenn auf diese Weise der Zusammenhalt über das Militär gestärkt werden soll. Dabei wäre bei „Zweitens: Gerechtigkeit“ ein so weites Feld.

unnamedMeine 24-tägige Offline-Zeit ist zu Ende. Das Smartphone lag abgeschaltet daheim zusammen mit dem Laptop. Das TV-Gerät im großzügigen Zimmer meines Kurhotels Bärenhof in Bad Gastein war der Bademantelhalter. Radio gab es keines. Wollte ich auch nicht. Über drei Wochen Null Internet. Ich habe es genossen. Es hat mich vertieft, wacher und wirklicher gemacht. Ich wurde reduziert in jeder Hinsicht. Und wesentlicher, ruhiger. „Ich würde das keine drei Tage aushalten. Schon nach einem Tag im Urlaub juckt es und ich muss nachschauen.“ So ein befreundeter Journalist am Telefon, nachdem ich die Rückrufe auf die Anrufe in Abwesenheit gestartet hatte. „Es war ein ganz großes Geschenk und genau zur richtigen Zeit“, meinte ich. Erzählt habe ich ihm, dass die SN und DIE ZEIT in der Druckausgabe meine einzigen „Medienpartner“ waren. Und natürlich einige Bücher und gezielte Zeitschriften, denen ich mich schon lange widmen wollte. In der dritten Woche hat DIE ZEIT in einer Beilage ganz groß über eine Doppelseite die Frage gestellt, meine Frage gefragt: „Wer bist du, wenn du mit dir allein bist?“. Und genau diese Frage hat ihre Antworten bekommen, weil ich meine „digitalen Kochlöffel“ alle konsequent 100%ig weggelegt habe. Ich durfte mir „unabgelenkt“ begegnen. Tag für Tag.

Was ist entstanden?

Im Rückblick und nicht erst jetzt merke ich, dass ich mit einer neuen Wahrnehmung da bin. Ich wusste immer, dass Digital emotional kalt ist. Das kann die Seele nicht wärmen. Sie macht sie hungriger. Die tiefe Achtsamkeit und Empathie geht verloren, ist auch mir zum Teil verloren gegangen. Und doch verfallen so viele Menschen unkritisch diesem „Zug der Zeit“ und hängen an ihren Geräten. „Aufmerksamkeitszertäubung“ nennen das gute Beobachter. Und ein Geschäftsführer hat zu meinem Offline-Dasein gemeint: „Recht hast du. Wir halten das alle miteinander ohnehin nicht mehr lange aus.“  Und bei mir selber habe ich gespürt, wie Langsamkeit in mein Leben eingekehrt ist. Das hat mir ermöglicht, viel tiefer hinzuhören in Gesprächen, auch auf die Stille. Ich spürte auf einmal keine Getriebenheit mehr, sondern konnte selbst die zeitweise Langeweile in meinem Zimmer genießen. Langeweile ist ja ein Fremdwort geworden, ein Unwort der „Bespassungsgesellschaft“. Gerade in diesen Zeiten haben meine Gedanken-Gänge unglaublich viel Freiraum vorgefunden und neue Facetten aufgemacht. Und beim Gehen in den Gasteiner Bergen nahmen die Augen die Natur, das wunderschöne Panorama auf, weil ich keine Kamera zücken konnte, die im Smartphone daheim integriert lag. Einfach da sein, schauen, wahrnehmen, hinhören auf die Stille der Natur, den Berggipfel jetzt genießen und nicht erst später am Foto. Ich bin da. Jetzt. Genau auf diesem Quadratmeter Erde, eingespannt und getragen zwischen Welt und Himmel.

Und wie weiter?

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich den Beitrag von Richard David Precht in der ZEIT vom 22. September 2016 gelesen: „Unsere gereizten Seelen“. Precht schreibt dort, dass Europa keine User und Konsumenten braucht, sonder StaatsbürgerInnen. Gerade die digitale Welt deformiert uns Menschen dazu, „nur mehr über Geld nachzudenken, Preise zu vergleichen und auf Kosten anderer zu profitieren“. Nicht der zufriedene Mensch ist das Ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene. Ein kurzfristiger „Hyperkonsumismus“ wird in den Mittelpunkt des Seins gestellt auf Kosten langfristigen Denkens. Eine „zittrige Seele“, wie wir sie heute so oft vorfinden, findet keine Ruhe in sich selber, findet auch das Du nicht mehr. Die Seelen, so sie nicht ohnehin verschüttet sind, werden durch Werbung, digitale Medien und das ständige Mehr immer neu „gereizt“. Dieser ständige Reiz von außen macht sie selber wieder zittrig. Und genau diese kollektive Nervosität erleben wir unter dem Anschein von „digitalen Freundschaften und Followern“. Bisher hat meine Offline-Zeit noch niemand in Frage gestellt, sondern auf verschiedenen Ebenen haben mir Menschen dazu gratuliert, sind neugierig geworden. Was gibt es Schöneres, als auf das Wesentliche reduziert Beziehungen, Familie und Freundschaften img_2479analog zu leben. Auch wenn sich der Mainstream beschleunigt, so werde ich langsamer leben. Meine Arbeitskollegin hat mir auf mein erstes Email zurückgeschrieben: „WELCOME BACK! (in reality – ehm – virtuality)“. Das ist der Punkt. Reality nicht mit Virtuality verwechseln. Smartphone weglegen und einfach offline gehen. Einmal am Tag ins digitale Gasthaus „Facebook“ schauen. Whatsapp ausschließlich für Familie verwenden. Sonntag ausschließlich haptisch gestalten und das Festnetz wieder mehr betätigen. Außerdem: Die Abende gehören dem Gespräch und der tatsächlichen Begegnung – ohne „Geräte“. Außerdem sind alle meine handschriftlichen Briefe bisher als „Sensation, Seltenes“ empfunden. Und diese Rückmeldungen kamen auch handschriftlich. Als Karte oder Brief. Die digitale Welt hat viele Menschen „übernommen“, dabei sind diese Erfindungen nur Hilfsmittel. Deshalb raus aus dem Mittelpunkt damit. Das heißt: Sich nicht dauernd stören lassen und die digitalen Kochlöffel gezielt weglegen, hinausgehen aus der digitalen Küche und Mensch und Natur direkt begegnen.

 

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