Archiv für die Kategorie „Kommunikation Medien“

Ich muss gestehen, dass mir das Interview mit Bischof Mandfred Scheuer in den OÖNachrichten noch immer „nachgeht“. Verstärkt hat das die Schlagzeile der Kathpress, die in die Headline die bischöfliche Garantie dazugepackt hat, dass es in der Diözese Linz keine Sonderwege geben wird. Dabei war die Rede von verheirateten Priestern. Dass die Frauen unter dieser Vorgehensweise keine Rolle spielen, hat das Interview auch gezeigt. Wenn ich in diesen Tagen dann die Pressemeldungen aus den verschiedenen Diözesen zu den „Chrisam-Messen“ lese, finde ich das angesichts der Wichtigkeit und der Bedeutung des Geschehens fast „lächerlich männlich“. Beispiel: „Bischof feiert mit 200 Priestern und Diakone.“ Die Frauen leisten einstweilen Küchen- und Pflegedienste. Ich weiß, das klingt jetzt zynisch. Aber die Situation ist 2018 gegenüber den Frauen zynisch. Sie kommen in dieser klerikalen Denkwelt nicht vor. Das wird auch so empfunden, erlebt. Nicht nur bei den Jüngeren. Die Zeit dieses männlichen Klerikalismus muss im katholischen Bereich beendet werden. Und genau das braucht „Sonderwege“. Papst Franziskus selber will sich ja von diesen Fesseln der Vorgänger befreien. Und er geht „innovative Sonderwege“. Sicher: Bei der Diakoninenweihe lässt er das x-te Mal forschen und reden. Aber er kennt die pastorale Not Südamerikas und weiß von Frauen und Männern, die taufen, der Ehe assistieren oder Kranken des sakramentalen Beistand leisten. Da ist er zum Beispiel mit Bischof Erwin Kräutler im Gespräch.

Ohne Sonderwege keine Befreiung

Dass die Diözese Linz seit mehr als 25 Jahren mit dem „Spin Sonderwege“ kämpft, kann ich nur zu klar bestätigen. Wien und Rom haben bis heute Interesse, die Diözese Linz und den Bischof „klein und in der Spur“ zu halten. Aber was sind Sonderwege? „Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.“ Schon oft zitiert und mit persönlicher Erfahrung angereichert. Wer den Weg nicht verlässt, der ausgeschildert ist, der „vorgeschrieben“ wird, wird keine neuen Welten sehen, erleben, spüren, ermöglichen. Und derzeit bleibt vieles auf der Strecke. Wir sind mitten in der Karwoche. Wäre da nicht einer einen Sonderweg gegangen, wären wir um eine Befreiung und Erlösung ärmer. Jesus ist diesen Sonderweg gegen Gewalt, Heuchelei und Macht von dieser Welt konsequent gegangen. Franz Jägerstätter, der vom Linzer Bischof groß verehrt, ist ebenfalls nicht im Mainstream unterwegs gewesen. Bis heute verehren wir Menschen als Heilige (Frauen und Männer), die nicht brav die Autobahn befahren haben. Sie sind abgebogen, haben Maßnahmen gesetzt abseits der „kirchlichen Hauptstraßen“. Ich finde es schade, dass der Linzer Bischof nach so viel Erfahrung am „Linzer Weg“ nicht sagt: Freundinnen und Freunde, wir werden diesen Linzer Weg, auf dem wir schon Jahrzehnte unterwegs sind, in Richtung mehr Partizipation durch beauftragte Getaufte, Laien intensiver weitergehen, damit Kirche den Dienst des Tröstens, des Helfens, des Feierns, des Gemeinschaft bilden und Gott loben weiter wachsen kann. Klerus und Laien werden noch intensiver als bisher wie die Brennpunkte einer Ellipse zusammenarbeiten. Auf Augenhöhe. Und wir werden nicht fragen, was ist nach dem Kirchenrecht verboten, sondern was ist innerhalb der breiten Auslegung des Kirchenrechtes möglich. Als Bischof werde ich dabei meinen Fokus auf den Dienst der Einheit  lenken. Das wird nicht einfach, aber die lebendige Zukunft der Kirche verlangt das von mir. Und Gott will, dass unsere Diözese eine kraftvolle Zukunft hat – um der Menschen willen.

„Information-Diskussion“, die Zeitung der Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung Oberösterreich, hat mir sieben Fragen gestellt.

Unsere Zeit ist geprägt von Vielfalt, Beliebigkeit, vielfältigen Arbeits- und Lebensentwürfen, Informationsflut und Kurzlebigkeit. Ist heute „Meinungsbildung“ herausfordernder als im Vergleich zu vor 20 Jahren und warum?

„Meinungsbildung“ hat sich grundsätzlich verändert. Waren früher hierarchische Meinungsbildungsprozesse prägend, sind es jetzt Netzwerke. Der Mensch wird heute zwar als Subjekt bezeichnet, dient aber auf dem „Markt aller Möglichkeiten“ als Objekt für die verschiedenen „Händler“: Der Mensch wird aufgesplittert in Konsument, Wahlstimme, Vereinsmitglied, Gewerkschaftsmitglied, Kirchenbeitragszahler, Familienvater/-mutter, Sportler, Gläubiger usw. Es ist heute praktisch unmöglich geworden, „den ganzen Menschen anzusprechen“. Außerdem: Es sind nicht Botschaften, die Menschen prägen, sondern Personen. Und wenn es Botschaften sind, dann mit hohem finanziellen Aufwand. Man denke konkret an die tägliche Werbeflut der Konzerne.

 

Wie schwierig ist es derzeit für Medienmenschen, objektiv zu berichten und auch über Sachverhalte, Zusammenhänge, Hintergründe zu informieren?

Ich behaupte: Es gibt nur mehr ganz wenige Journalisten, die kritisch und unabhängig von den PR-Abteilungen agieren. Der Falter des Florian Klenk ist ein Beispiel. Fakt ist, dass die PR-Abteilungen in den letzten Jahren 4x so groß geworden sind und die journalistischen Redaktionen sich um 1/3 verkleinert haben. Fakt ist, dass PR-Texte oft 1:1 abgeschrieben werden, weil es keine Zeit mehr gibt, selber zu recherchieren. Fakt ist auch, dass immer öfter Redaktionen auf geschickt gemachte „Fake News“ hereinfallen. Fakt ist auch, dass die Kronenzeitung, Heute und Österreich ihre eigene Wahrheit zusammenstellen. Sie ist derzeit „Kurz“ und „Strache“, basiert auf Ausgrenzungsgelüsten und trägt ein „heimatverbundenes konservatives klerikales Kirchenbild“ vor sich her. Mein Zugang: Immer probieren, „ungeschminkt hinschauen und sich selber ein Bild machen“.

 

Interessiert fundierte Information das Gros der Menschen überhaupt noch oder wollen sie unterhalten werden?

Die große Breite wird unterhalten, ob sie nun will oder nicht. Viele Menschen können Information und Unterhaltung nicht mehr unterscheiden. Das Leben wird zum Spaß hin entwickelt. Mir hat das Buch „Die Austreibung des Anderen“ sehr geholfen, unsere grundsätzlich schiefe Ebene hin zur „individualisierten Welt“ aufzuzeigen: Scheinbar Individuum und dabei das immer Gleiche. Das Fremde, das Andere wird ausgeblendet. McDonalds schmeckt auf der ganzen Welt gleich. Das erleben viele Menschen als
Gewinn, als „Erleichterung“. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es einen tiefen Hunger nach Gemeinsamkeit, nach Zusammenhalt und „Hintergrund“. Nach Ausbrechen aus der Masse und dem Leben wieder einen unverwechselbaren Geschmack geben. Die Abos von „Die Zeit“ steigen. Ein neues Reisen nimmt Gestalt an und will direkt zu den Menschen, „die ganz anders leben (müssen)“.

 

Haben Qualitäts-Medien noch den Anspruch, meinungsbildend zu sein?

Ja, unbedingt. Und sie sind es auch. Langfristig. Die jeweilige Zielgruppe ist vielleicht klein, aber wichtig.

 

Wie gehen Medienmenschen damit um, dass PolitikerInnen, FirmensprecherInnen usw. rhetorisch meist gut geschult sind und Fragen nicht mehr beantworten, sondern ihr „Programm“ abspulen?

Als ich bei den Ordensgemeinschaften vor fast sechs Jahren in Wien begonnen habe, hat mir eine befreundete ORF-Mitarbeiterin geraten: „Bitte, coache deine Leute nicht auf!“ Das hat mich bestärkt in dem, was ich gewusst habe: Führe die Verantwortlichen in ihre eigene Stärke und Kommunikationsart. Dass wir authentisch sind und „rüberkommen“. Und unsere Präsidentin, unser Vorsitzender sind die, die sie sind. Auch in den Medien. Langfristig trägt das. Hier sind auch Social Media ein Gewinn, weil wir auch dort unsere Anliegen und Personen in das Kommunikationsgeschehen einbringen können.
Das Regierungsprogramm wurde zB von P. Franz Helm im Sinne von „Christlich geht anders“ kritisch beleuchtet. Das kam nicht groß in den Massenmedien und doch ruft uns eine Mutter aus dem Waldviertel an und bedankt sich dafür.
Die Leute spüren sehr gut, ob etwas aufgesetzt oder authentisch ist. Daran glaube ich nach wie vor.

 

Sind Medien noch „die 4. Macht im Staat“? Und stimmt der Eindruck, dass kritische Berichterstattung gerne als „links, weltfremd, Gutmenschentum“ diffamiert wird?

Medien sind eine bedeutende Macht. Sie müssen sich entscheiden: Gehören sie zu den Herrschenden und Konzernen, oder zu den Menschen. Ich weiß schon, dass das übertrieben klingt. Aber heute sind Medien Unternehmen wie alle anderen, auf Gewinn ausgerichtet. Inserate machen die Basis aus. Außerdem ist seit geraumer Zeit das „Framing“ (Anm.: bewusst einen bestimmten Deutungsrahmen herstellen) eine besondere Spezialität. Alles, was den Erfolg einer neoliberalen Wirtschaft stört, wird in den Rahmen „links, weltfremd, Träumer, Gutmenschentum“ hineingestellt. Die letzte Wahl hat gezeigt: Zwei Drittel der Menschen wählten „rechts“ und das ist „neoliberale, kapitalistische Systemkonformität“. Alles andere wird es in den nächsten Jahren schwer haben, überhaupt medial entsprechend vorzukommen.

 

Neben öffentlich-professionellen Medien gewinnen zunehmend „private“ wie Facebook und Co. an Bedeutung. Durch die sozialen Netzwerke verselbstständigt sich „Meinungsbildung“, auch mit den bekannten negativen Folgen von Fake News, Bots etc.  Wie beurteilst du diese Entwicklung?

Der Mensch braucht drei Dinge fundamental: 1.) Werte, die ihm Wichtiges und Unwichtiges unterscheiden helfen. 2.) Rituale, um den Alltag sinnvoll bewältigen zu können und die Arbeit als sinnvoll zu erleben. 3.) Zugehörigkeit und Zusammenhalt in Zeiten der tiefgehenden Vereinzelung, die oft zur Einsamkeit führt.  Social Media enthalten die Möglichkeit, Menschen in diesem Sinne „zusammenzuführen“. Negativ kann sich eine abgeschottete „Blase“ entwickeln. Positiv können hier „ausstrahlende und attraktive Communities“ gebildet werden. Die analoge haptische Community ist immer die „Absprungbasis“ hinein in die mediale Vernetzung. Auch die KAB sehe ich hier: Es geht darum, aus einer anschlussfähigen Identität heraus ein klares Profil zu entwickeln, das medial und über Social Media einladend verbreitet wird. Meine Lieblingsfrage ist: Wie geht „raus“? Aber da sind wir bei Jesus. Und er war nicht nur Sohn Gottes, sondern auch ein Kommunikationsprofi.

Der direkte Link zum Beitrag auf Seite 6/7.

Meine Reformationsreise nach Eisleben, Wittenberg, Leipzig, Erfurt, Eisenach, Mühlhausen und ins Kloster Volkenroda sind schon wieder fast eine Monat her. Die Zeit relativiert die Er-Fahrungen (es war ein Reisen mit dem Bus) und Blick zurück ragen die stärksten Eindrücke, Einsichten, Erfahrungen aus dem Dunst des Alltags heraus.

Drei bleibende Erinnerungen

In Wittenberg hatten wir mit Katja Köhler eine hervorragende Stadtführerin. Sie vermittelte mir – ich spreche nur für mich – damals als „neu“, dass die Lutheraner erst in diesem Reformationsjahr ihre Ursprungsstätten selber „entdecken“. Und Wittenberg selber ist ein kraftvoller Ort, an dem diese damaligen Zeit vor 500 Jahren gut  nachzuspüren ist. Gerade auch das Panorama lässt mich eintauchen in diese bewegte Zeit, wo der Mensch genauso wie heute in Geschäftsmodellen an Bilder festgebunden wurde und wird.

In Scherbda im Hainich (Nationalpark) hat uns der amtierende Bürgermeister der 400 Einwohnergemeinde die Kirche gezeigt. Aus meiner Sicht ein Juwel, das schon zu DDR-Zeiten von den Menschen vor dem Verfall gerettet haben. Der Bürgermeister in Arbeitskluft: „Wir haben gesehen, wie die da oben versagen und deshalb haben wir schon vor der Wende selber Hand angelegt und im Geheimen an der Rettung gearbeitet.“ Solchen Menschen mit Zivilcourage und Anpack-Qualitäten höre ich einfach gerne zu. Das sind jene Ermutigungen, die ich mir immer mitnehme, einpacke und davon nehme, wenn ich Mutlosigkeit oder Resignation am Horizont auftauchen sehe.

Und dann war da dieser wunderbare Ort „Wilhelmsglücksbrunn„.  Ehemaliges Stiftsgut. Auch schon ganz verfallen in DDR-Zeiten. Junge evangelische Christinnen und Christen haben sich gemeinschaftlich ans Werk gemacht und diesen Ort wieder aufgebaut. Herr und Frau Karsten, von der ersten Stunde an dabei und heute Geschäftsführer dieses „Inklusionsbetriebes“, haben uns im Rahmen einer Schaf-Käseverkostung die Geschichte und ihr Engagement still und bescheiden geschildert. Heute arbeiten dort 12 Menschen, 6 davon mit Beeinträchtigung. Biohotel, Slow Food Restaurant, Milchschafe, Rinder, Wasserbüffel, Hühner, Bioladen, Eis-Manufaktur und eine wunderbare Gegend. Beeindruckend. Und immer wieder muss ich ans Kloster Volkenroda denken, das wir auch besucht haben. Auch diese Dynamik in Zeiten des Umbruchs. Die Chancen gesehen und getan. Nicht nur gesprochen davon. Dort haben sich Menschen bewegt. Und diese Bewegung hat zur Reformation geführt. Zu einer neuen Gestalt von Gemeinschaft, getragen von Spiritualität, von Zusammenhalt und Anpacken. Und so wie den Evangelische Kirche gerade die Ursprungsorte „entdeckt“, so entdeckt sie auch diese neuen „Impulsorte“ der konkreten Verwirklichung „evangeliumsgemäßen Lebens“. Da bin ich dann sehr schnell bei unseren Orden, die im Grunde auch dieser DNA von „einfachem, gemeinschaftlich gestaltetem und hellwachem Leben“ geprägt sind.Und auch Papst Franziskus ist in diesem Sinne in heutigen Tagen ein großer Reformator. Bewegung reformiert.

Danke Gerold Lehner für dieses Zitat von Byung-Chul Han, Die Austreibung des Anderen. Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute. 2016.

„Die Zeit, in der es den Anderen gab, ist vorbei. Der Andere als Geheimnis, der Andere als Verführung, der Andere als Eros, der Andere als Begehren, der Andere als Hölle, der Andere als Schmerz verschwindet.
Die Negativität des Anderen weicht heute der Positivität des Gleichen. Die Wucherung des Gleichen macht die pathologischen Veränderungen aus, die den Sozialkörper befallen. Nicht Entzug und Verbot, sondern Überkommunikation und Überkonsumtion, nicht Verdrängung und Negation, sondern Permissivität und Affirmation machen ihn krank. Nicht Repression, sondern Depression ist das pathologische Zeitzeichen von heute. Die destruktive Pression kommt nicht vom Anderen, sondern aus dem Inneren. (…)
Die Austreibung des Anderen setzt einen ganz anderen Zerstörungsprozess in Gang, nämlich die Selbstzerstörung. Allgemein gilt die Dialektik der Gewalt: Ein System, das die Negativität es Anderen ablehnt, entwickelt autodestruktive Züge.
Die Gewalt des Gleichen ist aufgrund ihrer Positivität unsichtbar. Die Wucherung des Gleichen gibt sich als Wachstum. Ab einem bestimmten Punkt ist aber die Produktion nicht mehr produktiv, sondern destruktiv, die Information nicht mehr informativ, sondern deformativ, die Kommunikation nichtmehr kommunikativ, sondern bloß kumulativ. (…)
Verantwortlich für den Infekt ist die Negativität des Anderen, der ins Selbe eindringt und zur Bildung von Antikörpern führt. Der Infarkt geht dagegen auf das Zuviel des Gleichen, auf die Fettleibigkeit des Systems zurück. Er ist nicht infektiös, sondern adipös. Gegen Fett bilden sich keine Antikörper. (…)
Dem Gleichen fehlt dagegen der dialektische Gegenpart, der es begrenzen und formen würde. So wuchert es zur formlosen Masse. Das Selbe hat eine Form, eine innere Sammlung, eine Innerlichkeit, die es dem Unterschied zum Anderen verdankt. Das Gleiche ist dagegen formlos. Da ihm die dialektische Spannung fehlt, entsteht ein gleichgültiges nebeneinander, eine wuchernde Masse des Ununterscheidbaren. (…)
Man akkumuliert Friends und Follower, ohne je einem Anderen zu begegnen. Soziale Medien stellen eine absolute Schwundstufe des Sozialen dar. Die digitale Totalvernetzung und Totalkommunikation erleichtert nicht die Begegnung mit dem Anderen. Sie dient vielmehr dazu, an den Fremden und Anderen vorbei Gleiche und Gleichgesinnte zu finden, und sorgt dafür, dass unser Erfahrungshorizont immer enger wird.“

Heute erzähle ich kurz von meiner Arbeit. Das heißt: Ich lasse erzählen. Die Kathpress hat heute einen Bericht gebracht, in dem ich auch zur Sprache kam. Er gibt ein wenig wieder, „was wir uns so einfallen lassen“, Diesen Bericht möchte ich einfach wiedergeben:

„Wie sieht die junge Generation von Ordensleuten in Österreich aus und was treibt sie an? – Zu diesen Fragen haben die heimischen Ordensgemeinschaften vor wenigen Tagen eine neue Video-Serie gestartet. Vier junge Ordensleute geben in kurzen Statements Auskunft über ihren Alltag, ihre Berufung, ihre Arbeit und vieles mehr. „Sie geben einfach authentisch Einblick in ihre Lebenswelt, sie öffnen ihre Welt“, so Ferdinand Kaineder, Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im „Kathpress“-Interview.“

Die Neugier wird größer

„Die Neugier vieler Menschen am Ordensleben ist groß“, begründet Kaineder die Motivation zur Video-Serie. „Die Leute sind darin interessiert, was junge Menschen heute dazu bringt, in einen Orden zu gehen, und sie wollen wissen, wie es dann so ist, das auch zu leben.“ Mehr als 10.000 Interessierte habe man mit den Filmen bereits erreicht, so Kaineder. „Der Zuspruch ist enorm hoch.“

Vier authentische Ordensleute kommen zu Wort

Sr. Maria Ida Vorel (Franziskanerin aus Vöcklabruck), Fr. Alois Köberl (Benediktiner aus dem Stift Melk), Sr. Nathanaela Gmoser (Benediktinerin der Anbetung) und P. Alphonse Fahin (Steyler Missionar) berichten täglich in kurzen Videos u.a. darüber, weshalb sie ins Kloster eintraten, wie man sich fühlt, wenn man zum ersten Mal die Ordenskleidung überzieht, wie man schon in der Pubertät mit dem Klischee umgeht, dass Glaube „uncool“ ist, und warum auch Ordensleute nicht davor gefeit sind, sich zu verlieben. Die jungen Ordensleute in den Videos würden mit Klischees aufräumen, moderne Glaubenszugänge öffnen und sie würden beweisen, „dass Glaube nicht zeitgemäß sein muss, weil er zeitlos ist“, so Kaineder unter Verwendung eines Zitats von Sr. Vorel.

Die Vernetzung wird neu

Eine weitere Entwicklung, die Kaineder beobachtet: Die jungen Ordensleute vernetzen sich viele mehr als früher über ihre eigenen Gemeinschaften hinaus; nicht nur aber vor allem natürlich auch über Social Media. Das Medienbüro der Ordensgemeinschaften wolle die jungen Ordensleute auch dabei mit seinen Initiativen unterstützen. Darüber hinaus gibt es beispielsweise seit einigen Jahren regelmäßige österreichweite „Jung-Ordensleute-Treffen“. Zuletzt kamen am vergangenen Wochenende 26 junge Ordensfrauen und -männer aus ganz Österreich im Stift Göttweig zusammen. Bei der traditionellen Herbsttagung der heimischen Ordensgemeinschaften in Wien- Lainz (27.-30. November) wird heuer erstmals auch ein „Ordenstag Young“ (27. November) abgehalten, speziell für Ordensfrauen und Ordensmänner in den ersten zehn Professjahren und in Ausbildung.“

Dass Ordens-Gemeinschaften besondere Orte sind, darf ich immer wieder erleben. Besondere Menschen – wie auch anderswo – verdienen diese Aufmerksamkeit.

FakeNews gehört mittlerweile zum Normalwortschatz. Dirty Campaigning trifft nicht in erster Linie die Getroffenen, sondern das Medium, die einschlägigen SocialMedia-Kanäle selber. Die Demokratie und das ehrliche Bemühen nach persönlichem Austausch und Ringen nach Lösungen tritt in den Hintergrund. Mittlerweile wissen wir alle, dass der  jeweilige Algorithmus die Sprech- und Hörmöglichkeit bestimmt. Zu viele Menschen glauben immer noch, dass sich  ihre Timeline so „ganz natürlich“ generiert. Dieser Tage hat mir eine Zugmitfahrerin allen ernstes erklärt: „Ich poste so wenig, dass sich der Algorithmus bei mir nicht einmischt.“ Das kommt mir vor, wie wenn jemand sagt, das kleine Boot, in dem ich fahre, berührt das Wasser nicht. Diese ganze digitale Welt rechnet heute mit der Unwissenheit der meisten Menschen, mit der Lust auf Unterhaltung und der Bequemlichkeit des „Wischens“.

Aufklärung

Was ich bei mir selber immer öfter wahrnehme: Ernüchterung. Auch Ermüdung. Persönlich erlebe auf FB, Twitter, Instagram, usw einen oft inspirierenden Nutzen. Seit Beginn bin ich dabei. 2008. 2009. Auf fast „allen“ relevanten Kanälen habe ich einen Account. Manche ruhen seit Jahren, „weil es sich gar nicht ausgeht“. Wäre nicht „Medien und Kommunikation“ meine Profession, würde ich sicherlich um vieles leiser treten. Manchmal sehne ich mich nach dem leiser, wenn ich diesen Tumult und die Aufgeregtheit sehe, erlebe. Ich mache da nicht mit. Meine dreiwöchige Offline-Zeit im Vorjahr hat mich „zurückgeführt“. Mir ist das „fein gesponnene Leben“ ein Anliegen und mit der oft „grobklötzigen Selbstdarstellung“ kann ich wenig anfangen.  Ganz am Beginn des Auftauchens der SocialMedia habe ich immer vom „digitalen Gasthaus“ gesprochen. Manche sehen das als naiv oder zu vereinfacht. Aber jetzt wird erlebbar und sichtbar: Die am lautesten schreien terrorisieren eine menschliche und hinhörende Gasthausatmosphäre, nach der wir uns alle sehnen. Mittlerweile muss ich mich fragen, wer aus eigenem Antrieb da sitzt oder wer bezahlt (gesponsert) wurde, damit er oder sie hier Platz genommen hat. Das „normale von Herz zu Herz Kommunizieren“ ist entschwunden. Werbeschreier und Freibiertrinker bestimmen die Themen in diesem „veröffentlichten Raum“. Manchmal wünsche ich mir sogar, dass es noch schlimmer wird, damit die „Erkenntnis“ über Fake und Campaigning schneller kommt. Die SocialMedia-Kanäle müssen sich reinigen und gereinigt werden. Aufklärung und Hintergründe, Funktionsweise und Nutzung genau reflektieren. Geschieht das nicht, wird Vertrauen und Glaubwürdigkeit verschwunden sein und Demokratie, Zusammenhalt leise und sehr schnell entschwinden. Ich bin aber überzeugt: Der Mensch wird das rechte Maß der Nutzung und Anwendung finden und jede missbräuchliche Anwendung ahnden. Kein Medium ist neutral.

Mehr als eine Milliarde Menschen ist in Indien bereits digital erfasst und eingescannt. Jedem Individuum wurde ein 12-stelliger Nummerncode zugewiesen und datenmäßig mit dem Iris-Scan der Augen und den Abdrücken der zehn Finger verknüpft. Diese biometrische Erfassung der Menschen hin auf die „totale Digitalisierung“ schreitet mit enormer Geschwindigkeit und beängstigender Selbstverständlichkeit voran.

Szenenwechsel. Wie überall im Netz hinterlassen wir auch bei Banküberweisungen charakteristische Spuren. Weil unsere digitalen Systeme immer öfter durch Hacker, Schwindler und Kriminelle ausgehebelt werden, beginnen Firmen uns zu „schützen“, ohne dass wir es wissen und überhaupt wahrnehmen. Die israelische Firma BioCatch kann aufgrund der Mausbewegung erkennen, ob es der Besitzer oder die Besitzerin des Bankkontos ist oder ein „digitaler Bankräuber oder Betrüger“. Diese Firma „weiß“ durch digitale Analyse, wie lange der Unterarm, wie beweglich die Hand, wie dick der Daumen, wie groß das Smartphone ist, ob ein Linkshänder mit starken Muskeln des Unterarmes die Maus bedient und wie geschickt und schnell auf Herausforderungen reagiert wird. 600 Faktoren hat diese Firma bei der Überwachung „berücksichtigt“. Das digitale Netz weiß mehr über uns als wir selber.

Daher: Ich verwende StartPage (www.startpage.com), um im Internet bei Suchanfragen keine Spuren zu hinterlassen. Außerdem bezahle ich wieder konsequenter mit Bargeld.

Gestern hat mich in Linz vor der Uraufführung der Passion von Peter Androsch auf der Straße ein Mann angesprochen, „wo es im Sommer wieder hin-geht.“ Er sieht mich immer gehend, pilgernd, unterwegs – hat er gemeint. Gut, ich habe es verraten, was ohnehin bei Weltanschauen oder in Welt der Frau unter dem Titel „Einfach Pilgern in der Natur Siebenbürgens“ nachzulesen ist. Es geht nach Rumänien. DO 24. August bis SA 2. September. Er hat auch gleich begeistert davon erzählt, dass er weiß und schätzt, dass die Reisen ökologisch ablaufen. „Also fahren sie mit dem Zug.“ „Ja“. Ich empfinde es immer als besondere Wertschätzung, dass ich mit dem Thema Gehen und Pilgern in Verbindung gebracht werde. Er war aber weiter neugierig: „Und wie weit geht ihr da so am Tag?“. Ich: „23, 25, 26, 22 oder auch einmal 27 km am Tag.“ „Ist das nicht viel?“ „Nein, das ist nicht weit. Wir haben ja einen ganzen Tag Zeit. Und wer gehend unterwegs ist, dem genügt das Gehen, das Schauen, Staunen, die Selbstwahrnehmung, das Atmen, die Last spüren und vor allem: das Gemeinsame, die Gespräche. Diese tragende, ziehende und schiebende Wirkung der Gemeinschaft unterschätzen viele.“

Es geht dahin

Ich kann mich noch gut erinnern an unser Pilgern und Gehen auf der Via Porta. Es hat geregnet, die Tagesstrecke war annähernd 25 km. Am späten Nachmittag kurz vor dem Ziel hat eine Frau zu mir gemeint: „Unglaublich, es geht einfach dahin.“ Die Sonne ist wieder herausgekommen. Alle haben es geschafft, waren ein wenig geschafft aber irgendwie glücklich. Das Abendessen hat geschmeckt und nächsten Tag hat wer beim Frühstück gemeint: „Seit langem habe ich wieder einmal geschlafen wir ein Murmeltier.“ Das sind aus meiner Sicht jene Momente, wo sich anstrengen lohnt. Aber das Dahingehen ist ja nicht wirklich anstrengend, weil es ja einfach dahingeht. Aber wie ist das konkret? Auch ganz einfach. Wenn der Weg länger ist, dann starten wir mit dem Frühstück um 7 Uhr, 8 Uhr Abgang. Das sind vier Stunden am Vormittag. Mittagspause. Herunterkommen. In die Wiese legen. Nicht viel essen, weil es sonst nicht so leicht weitergeht. Und nachmittags wieder vier Stunden. So legen wir ca. 25 km zurück und sind gegen 17 Uhr spätestens am Ziel. Gut duschen, gut essen, Begegnungen und – auch das geht fast von alleine – bald schlafen gehen. Bis jetzt habe ich es immer so erlebt, dass genau dieser Rhythmus mit dieser „Anstrengung“ über 7 Tage wirklich heilsam ist. Für Rumänien bin ich mir wieder sicher: Es geht einfach dahin.

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