Archiv für die Kategorie „Orden Leben“

In diesen Tagen feiern wir als Christinnen und Christen wieder eines der größten Geheimnisse unseres Glaubens. Die Auferstehung. Die Auferweckung. Das Aufstehen gegen den Tod und alle Verzweiflung. Das Licht nach aller Dunkelheit und Einsamkeit. Das Sterben lässt uns nicht in der dunklen Grube liegen, sondern kennt eine andere Welt ähnlich wie bei der Geburt. Jesus hat gelebt, wurde ermordet und hat diesem Desaster mit Gottes Hilfe getrotzt. Er ist auferstanden und ist mit uns Menschen unterwegs.

Mein Vorschlag für die 15. Station am Kreuzweg

Wenn ich diese Zeilen schreibe, komme ich gerade aus Graz. Ich durfte das VinziDorf-Hospiz besuchen. Obdachlosen wird dort in ihrer letzten Lebensphase ein Stück Heimat und persönliche Begleitung gegeben. Sr. Bonaventura von den Elisabethinen sagt im Gespräch, „dass das ihre Herzenssache ist“. Eine Frau und ein Mann sind gerade da. Das Haus hell und ganz normal. Wir sitzen und werden bewirtet, aufgenommen. Meine Gedanken gehen von den beiden hier Betreuten nach Emmaus. Immer wieder. Es ist für mich die eigentliche Ostergeschichte, Auferstehungsbotschaft. Verzweifelte, Mutlose, Enttäuschte gehen gemeinsam nach Emmaus und da kommt einer dazu. Er erklärt ihnen die Ereignisse, das Desaster von Jerusalem, den Tod Jesu. Und es ist – wie wir wissen – Jesus selber. Deshalb ist für mich die 15. Station nach der Grablegung die Station „Auferstehung Richtung Emmaus“. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu, die die Frauen zuerst sehen und begreifen, manifestiert sich im gemeinsamen Gespräch, Suchen, Einkehren, Essen und – Erkennen. Jesus lebt, er geht mit uns. Die drei Menschen nach Emmaus müssten aus meiner Sicht bei jedem Kreuzweg die 15. Station sein. Oder gibt es das schon?

 

Jetzt ist es soweit. Alles ist abgeklärt. Assisi, wir kommen. Schon über längere Zeit wurde ich immer wieder „gedrängt“, doch den Assisiweg (Franzsikusweg) mit einer Gruppe von Weltanschauen zu gehen. Jetzt freue ich mich schon darauf, dass es von 27. Sept bis 7. Okt 2018 soweit ist.

Das Franziskusfest am 4. Okt

Für mich selber wird es, obwohl ich doch schon einige Male in Assisi war, auch eine Premiere geben. Wir werden zu Fuß von Valfabbrica kommend genau am Franziskustag in Assisi ankommen. Das wird wahrscheinlich ein Getümmel sein, aber nach dem Gehen werden wir das nicht nur gut aushalten, sondern offen sein für die Freude, die in der Luft liegen wird. Dann wird noch genügend Zeit sein, diese Friedensstadt der hl. Klara und des hl. Franziskus genauer unter die Füsse zu nehmen. Ich mache es kurz: Hier ist das genaue Programm mit allen Details. Weil heute schon wer aus Regensburg angerufen hat, hier auch die Seite über das Rucksack-Packen.
You are welcome!

PS: Am DO 11. Jänner 2018 um 18 Uhr werde ich in Wien im Quo Vadis meinen Vortrag mit Bildern über meine Lebensweisheiten aus dem Weitgehen und Pilgern halten: „Pilgern befreit“.

Alljährlicher Christkönigssonntag als Finale des Kirchenjahres. Dort, wo es in den Pfarren eine Jugend gibt, dort sind sie spätestens heute gefragt, präsent. Auch bei uns im Bergdorf heute mit dem Jugendchor, der Gestaltung des Gottesdienstes inklusive der Predigt. Das Evanglium Mt 25,31-46 nicht gerade einfache Kost. Da wird uns vor Augen geführt, was ihm Leben tatsächlich zählt, wenn wir als „Jesuaner“ leben, nachfolgen wollen. Die Werke der Barmherzigkeit sind mehr denn je gefragt. Unsere jungen Menschen machen sich Gedanken, wie sie ihr Christ-Sein finden und zeigen können. Rosenkranz, Tätowierungen, äußere Zeichen, Bibellesen wurden angesprochen. Hilfsmittel, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Fix ist da für sie gar nichts. Aber: Es hilft, sich Gedanken zu machen. Und das haben sie als Kernbotschaft heute hinterlassen: Sich Gedanken machen. Da ist schon sehr viel gewonnen.

Der Bischof kann öffnen

Dieser Tage waren wir einen Abend lang mit dem neuen Bischof von Innsbruck Hermann Glettler zusammen. Ein weltoffener, weit denkender und handelnder Mensch. Es tut gut, wenn vor einem Bischof  zuerst das „geöffnet“ kommt. Offen für die Menschen, die Zeit, die Herausforderungen, die Situationen, die verelendeten Gebiete dieser Welt, drinnen in den Seelen genauso wie draußen. Und man sieht im die Unerschrockenheit und den Mut an. Gerade die Bischofsweihe in der Olympiahalle zeigt das Hinausgehen, den neuen Kontext und ermöglicht eine breite Involvierung. Da werden wir andeutungsweise etwas von den amerikanischen Großkirchen erleben. Dort war er immer wieder einmal.  In jedem Fall will er raus zu den Menschen und er weiß, dass er als Bischof ein ganz großes Tor aufsperren kann (und muss).

Das Vorzeichen

Das Suchen des „christlichen Kerns anhand von Ritualen und Symbolen“ in Familien wird ganz entscheidend werden, wenn in Zukunft eine christliche Inspiration hinein in die Gesellschaft wehen soll. Immer wieder taucht die Frage auf: Woran erkenne ich eine christliche Familie? Meine Antwort geht immer dorthin: an der gelebten Liebe und Offenheit gerade auch für Menschen in Not. Man weiß von einer Studie in Deutschland, dass christlich geprägte Menschen mehr als doppelt so viel spenden. „Da wird geholfen, die helfen zusammen, da wird keiner im Stich gelassen, sie singen miteinander, essen und beten, suchen Gott, rechnen mit ihr, vertrauen ihm, lachen.“ So irgendwie könnte das Vorzeichen vor dem Leben eines Christen, einer Christin lauten. Wir wissen: Der heutige Mensch ist „produktorientiert“. Alles Marketing und Wirtschaften geht auf ein Produkt hin. So wird auch Religion nicht umhin kommen, sich in „Produkten“, Ritualen und Symbolen zugänglich zu machen. Das habe ich mit Bischof Glettler im kleinen Kreis angesprochen. Und er hat viel Verständnis dafür, weil er die Menschen heute „kennt“.

Fokus auf drei Ritual- und Symbolfelder

Drei wichtige Symbole und Rituale schlage ich für christliche Familien vor, auf die wir unser inneres Wachstum und unsere Erkennbarkeit bauen können. Es ist nicht der Weg selber, sondern es sind Wegzeichen, Hinweise. Beim Gehen orientiere ich mich an den Schildern und gehe nicht auf ihnen. So sind diese drei „Wichtigkeiten“ zu verstehen:

  1. „Jesus in unserer Mitte“. Diese Tatsache drücken wir durch ein Bild, ein Kreuz, ein Symbol aus und hängen, stellen es in unsere Mitte. Der frühere Herrgottswinkel war das, ist das. Diese Symbole sind nicht alt, sondern heutig in unserer Mitte in der „Geschmacksrichtung“ der heutigen Menschen. Nicht, weil es immer so war, sondern weil es für uns wichtig ist, ist das Kriterium.
  2. „Gemeinsam essen mit einem Tischgebet“. Ich weiß von vielen Familien, dass sie es nicht mehr schaffen, gemeinsam rund um den Tisch zu sitzen. Der Konsumismus will ja, dass wir uns individuell füttern direkt am Kühlschrank direkt aus dem Supermarkt gefüllt. Da brauche ich niemanden mehr. Nein doch: Der Fernseher darf mit mir essen. Eine christlich geprägte Familie schaut, so oft es geht, gemeinsam rund um den Tisch zu sitzen (Tisch gehört in unseren Kulturkreis) und das Essen mit einem Innehalten, dem bewussten Aus- und Einatmen und einem Gebet aus Dankbarkeit zu beginnen. Das Tischgebet – und sei es noch so kurz – gehört dazu. Eine schöne Geschichte habe ich immer wieder verwendet. Ein Bauer betet vor dem Essen im Restaurant. Der Kellner: Bei ihnen am Bauernhof beten wohl alle vor dem Essen? Nein, sagt der Bauer: Nicht alle. Die Schweine nicht, die Hühner nicht, die Kühe nicht.
  3. „Das Weihwasser aus dem Weihbrunn am Übergang erinnert mich an die Taufe“. „Weihbrunn“ ist kein neues, sondern ein altes Wort, das ich aus der Kindheit kenne. Ein kleiner Behälter mit Weihwasser bei der Haus- oder Wohnungstür macht es mir möglich, beim Verlassen des Hauses mich ganz bewusst unter den Segen Gottes zu stellen in Erinnerung an meine Taufe, mein Christ-Sein.  Das gibt mir Kraft und Orientierung, mich als Christ in der Welt zu bewähren. Wenn Kinder das sehr bald „lernen“, dann kann ihnen der Weihbrunn ein „Orientierungsbrunnen“ für das ganze Leben sein.

Nichts Neues sagen jetzt hoffentlich viele. Stimmt. Es ist damit ja auch die tiefste Sehnsucht des Menschen nach Orientierung, nach Gemeinschaft und dem Gesegnet-Sein angesprochen. Die Frage ist ja nur, ob die Kirche diese Sehnsucht mit Ritualen und Symbolen füllt, oder die Ritual- und Symbolmaschinen der neoliberal geprägten Wirtschaftswelt. Dort geht es nämlich schlicht und einfach um die „Austreibung des Anderen„. Und genau das steht konträr zu Mt 25, 31ff. Und Danke der Jugend, dass sie sich Gedanken macht.

Eigentlich sollte ich viel mehr zu Fuß unterwegs sein. Aber es geht sich dann doch nicht so einfach aus, weite Wege zu gehen. Beruf und Aufgabe brauchen mich und will da sein. Heute haben wir #AufbruchBewegt präsentiert.

Froh bin ich, dass ich in meinem Leben schon öfter weite Strecken gegangen bin. Das heißt konkret: länger als 21 Tage am Stück. Daraus ziehe ich meine Erkenntnisse. Mit Christine Dittelbacher durfte ich mich über unsere Erfahrungen unterhalten, reden, austauschen, ergänzen und meine Kollegin Magdalena Schauer hat uns mit der Video-Kamera „verfolgt“. Hier unsere Erfahrungen und Erkenntnisse.

 

Heute erzähle ich kurz von meiner Arbeit. Das heißt: Ich lasse erzählen. Die Kathpress hat heute einen Bericht gebracht, in dem ich auch zur Sprache kam. Er gibt ein wenig wieder, „was wir uns so einfallen lassen“, Diesen Bericht möchte ich einfach wiedergeben:

„Wie sieht die junge Generation von Ordensleuten in Österreich aus und was treibt sie an? – Zu diesen Fragen haben die heimischen Ordensgemeinschaften vor wenigen Tagen eine neue Video-Serie gestartet. Vier junge Ordensleute geben in kurzen Statements Auskunft über ihren Alltag, ihre Berufung, ihre Arbeit und vieles mehr. „Sie geben einfach authentisch Einblick in ihre Lebenswelt, sie öffnen ihre Welt“, so Ferdinand Kaineder, Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im „Kathpress“-Interview.“

Die Neugier wird größer

„Die Neugier vieler Menschen am Ordensleben ist groß“, begründet Kaineder die Motivation zur Video-Serie. „Die Leute sind darin interessiert, was junge Menschen heute dazu bringt, in einen Orden zu gehen, und sie wollen wissen, wie es dann so ist, das auch zu leben.“ Mehr als 10.000 Interessierte habe man mit den Filmen bereits erreicht, so Kaineder. „Der Zuspruch ist enorm hoch.“

Vier authentische Ordensleute kommen zu Wort

Sr. Maria Ida Vorel (Franziskanerin aus Vöcklabruck), Fr. Alois Köberl (Benediktiner aus dem Stift Melk), Sr. Nathanaela Gmoser (Benediktinerin der Anbetung) und P. Alphonse Fahin (Steyler Missionar) berichten täglich in kurzen Videos u.a. darüber, weshalb sie ins Kloster eintraten, wie man sich fühlt, wenn man zum ersten Mal die Ordenskleidung überzieht, wie man schon in der Pubertät mit dem Klischee umgeht, dass Glaube „uncool“ ist, und warum auch Ordensleute nicht davor gefeit sind, sich zu verlieben. Die jungen Ordensleute in den Videos würden mit Klischees aufräumen, moderne Glaubenszugänge öffnen und sie würden beweisen, „dass Glaube nicht zeitgemäß sein muss, weil er zeitlos ist“, so Kaineder unter Verwendung eines Zitats von Sr. Vorel.

Die Vernetzung wird neu

Eine weitere Entwicklung, die Kaineder beobachtet: Die jungen Ordensleute vernetzen sich viele mehr als früher über ihre eigenen Gemeinschaften hinaus; nicht nur aber vor allem natürlich auch über Social Media. Das Medienbüro der Ordensgemeinschaften wolle die jungen Ordensleute auch dabei mit seinen Initiativen unterstützen. Darüber hinaus gibt es beispielsweise seit einigen Jahren regelmäßige österreichweite „Jung-Ordensleute-Treffen“. Zuletzt kamen am vergangenen Wochenende 26 junge Ordensfrauen und -männer aus ganz Österreich im Stift Göttweig zusammen. Bei der traditionellen Herbsttagung der heimischen Ordensgemeinschaften in Wien- Lainz (27.-30. November) wird heuer erstmals auch ein „Ordenstag Young“ (27. November) abgehalten, speziell für Ordensfrauen und Ordensmänner in den ersten zehn Professjahren und in Ausbildung.“

Dass Ordens-Gemeinschaften besondere Orte sind, darf ich immer wieder erleben. Besondere Menschen – wie auch anderswo – verdienen diese Aufmerksamkeit.

Der Hauptbahnhof Wien ist in den letzten Jahren zu so etwas wie ein Brückenkopf meines vagabundierenden Lebens geworden. Ankommen, umsteigen. Hinaufgehen, wegfahren. Gestern habe ich den Bahnhof in einer neuen Facette erlebt. Er wurde für unsere 5vor12-Talks zum Paradigma. #FremdesBereichert haben wir am heißen und windigen Bahnsteig 8 besprochen. Da gibt es einen Kipp-Effekt. Fremdes löst Neugier aus, macht aufgeregt. Reisen ist der Luxus, sich von Fremden und vom Fremden „bereichern, inspirieren“ zu lassen. Jetzt ist diese Zeit. Wir kommen heim und können (hoffentlich) viel erzählen, weil wir fremde Menschen und fremdes Leben kennen lernen durften. Josef Buttinger meint: „Du musst rausgehen, damit du reingucken kannst. Du musst reingehen, damit du rausschauen kannst.“ Zu viele bleiben auch auf Reisen daheim, haben Hände und Koffer voll und sind damit behindert, Neues „aufzunehmen“. So haben wir das im Talk auch besprochen.

Der Schatz der persönlichen Begegnung

Da ist aber auch diese diffuse Angst vor dem Fremden, den Fremden. Manuela Ertl von Train of Hope hat das klar zum Ausdruck gebracht. Diese „Stimmung“ wird bewusst geschürt, Meinungsmacher transportieren diese Botschaft immer wieder,  obwohl die Fakten längst eine andere Sprache sprechen, und Medien fungieren als Verstärker. Die Angst ist zwar kein guter Ratgeber, aber bringt Leser, Stimmen, Aufmerksamkeit, vielleicht sogar das Kanzleramt in jungen Jahren. Der wirkliche Schatz ist die persönliche Begegnung. Das war klar. Sr. Maria Irina Teiner setzt aber noch klar nach: Grenzen schließen bringt den Tod. Auch den eigenen.

Schaut doch mal rein in die Highlights. Diese Begegnungen machen mir Freude.

Es war das besondere Abendessen an meinem Geburtstages. Ich habe durch Los Tisch 5 gezogen. Nichts ahnend gehe ich zusammen mit den etwa 70 anderen TeilnehmerInnen am Wirtschaftstag der Orden in den Speisesaal. Wir nehmen alle Platz. Erhöht sind Tisch 1 und die Tische 2. Von meinem Tisch aus gut zu sehen. Auf unserem Tisch liegen ein paar Schnitten Brot und stehen zwei Krüge Wasser. Wir schauen einander etwas verdutzt an. Es wurde uns angekündigt, dass wir heute ein besonderes Abendessen bekommen werden. Und: Wir sind eingeladen.

Die Ungerechtigkeit ist systemisch stark

Ich denke an mein Aschermittwoch-Frühstück im Petrinum als Erzieher, wo ich 80% der Semmel in den einen Speisesaal und 20% in den anderen. Die 15-Jährigen waren genau umgekehrt zugeteilt. Damals endete die „Übung“ in kriegsähnlichen Zuständen. Wie wird das heute? Der Film oben fasst das alles wunderbar zusammen. Es blieb ruhig. Fast alle Versuche zu teilen, wurden von der Spielleitung unterbunden. Wie in dieser Wirtschaftswelt. Der Zugang zur genau instruierten Küche wurde uns „Armen“ rigoros verwehrt. Wie in dieser Welt. Und ein paar Almosen (Reis) haben sich zu uns durchgeschlagen. Wie auf der Weltkugel. Ungerechtigkeit liegt im System und das System hat keine Lust, sich zu verändern. Nein, es zementiert sich mit jeder Stunde.

Das Brot allein schmeckt wunderbar

Während über dem Speisesaal die „systemische Ungerechtigkeit“ schwebt, beginnen wir in Stille, im Schweigen das Brot zu essen. Langsam. Der wunderbare Geschmack breitet sich im Mund aus. „Es schmeckt gut“, wurde doch in die Stille hineingesagt. Und das Wasser dazu. Es war halt wenig, aber gut. Nur der Blick auf Tisch 1 hat uns unruhig gemacht. Ich stellte mir vor: Mit den TV-Geräten werden den Tischen 5 dieser Welt dauernd die „Tische 1 Geschichten“ erzählt und vor die Nase gehalten. Reich, schön, viel, Karriere, Geld,…. Das gibt dem Wenigen den unersättlichen „Zu wenig Geschmack“. Und Tisch 1 und Tisch 2 kämpfen. In jeder Hinsicht. Das aber jetzt nicht falsch verstehen: Es ist ein himmelschreiende Ungerechtigkeit, wie auf der Welt die Güter verteilt sind. Und der Hunger tut weh. Aber ich schmecke heute im „Weniger“ mehr vom Brot. Jetzt. An meinem Geburtstag. Und manche werden jetzt denken, dass nachher das Buffet gewartet hat. Nein, das war das (ungerechte) Abendessen. Es wird mir immer in Erinnerung, eine Mahnung und Ermutigung bleiben.

Vor ein paar Tagen hat mich der Film „Free Lunch Society“ mit dem Themenfeld Grundeinkommen ins Kino gezogen. „Arbeit ist unbezahlbar“ ist eine der wesentlichen Aussagen. Dass die USA vor Ronald Reagan kurz vor der Einführung des Grundeinkommens stand, war mir so nicht bewusst, obwohl mit das Thema seit 1978 immer wieder beschäftigt. Die soziale Lage in den USA war so dramatisch, dass dies der einzige Ausweg schien. Aber dann schlug der Neoliberalismus zu mit seinen „privatisierten sozialen Programmen, die für wenige ein wunderbares Geschäft wurden“. Wir kennen die weltweite Entwicklung seither. Der Staat wurde zum Konzern umgemodelt, der Sozialstaat als Last dargestellt. Tragende soziale Netze werden seit dem desavouiert. Sozialschmarotzer wurden erfunden. Der Zusammenhalt bestand in der Ausgrenzung der Armen, der Marginalisierten, der Prekären. Nur das, was selbst im „Sozialen“ Profit abwirft, wird weiterentwickelt. Selbst Sozialeinrichtungen sind als Firmen an der Börse zu finden. Am Markt. Der Staat wurde zum Wedel der Großkonzerne entwickelt, Lobbying und Think Tanks steuern die Politik. In Österreich wird die Mindestsicherung gekürzt und die reichen Eliten werden still und heimlich um ein vielfaches reicher. Täglich. Stündlich.

Christlich geht anders

Selbst christlich-soziale sowie sozial-demokratische Parteien schütteln ohne mit der Wimper zu zucken ihre so entscheidenden Adjektive ab: sozial – christlich – demokratisch. Erfolgreiche Siegerstraßen sind die einzigen Fortbewegungsflächen geworden. Leid, Not oder Fragmentarisches riecht nicht gut. Kommt daher nicht mehr vor. Da heißt es dagegen halten. Der Sozialstaat ist die Basis für die Zukunft. Erfolge und Leid dürfen nicht getrennt werden. Weder individuell und schon gar nicht als Gemeinwesen. Daher gibt es die Initiative „christlich geht anders„. Es sind diese Ansagen, die heute Kraft für Morgen bekommen sollen, ja müssen:

  • Die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Sie wird gelebt durch den Einsatz für Mitmenschen und für Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Wer sich auf den christlichen Gott beruft und dabei auf den Nächsten vergisst, verkehrt die christliche Botschaft in ihr Gegenteil.
  • Christlicher Glaube macht Mut und Hoffnung. Wer Ängste schürt und Menschen gegeneinander ausspielt, zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • ChristInnen sind solidarisch mit den Schwachen. Die Liebe zu Gott ist untrennbar mit der Sorge um die Armen verbunden. Wie wir den Geringsten einer Gesellschaft begegnen, so begegnen wir Gott selbst (Mt. 25,40). Wer Arme bekämpft, bekämpft das Christentum.
  • Kirchen fordern einen aktiven Sozialstaat. Ein Sozialstaat ist organisierte Solidarität. Gegenseitig schützen wir uns so vor den Grundrisiken des Lebens: Erwerbslosigkeit, Prekarisierung, Armut und Not. Angriffe auf den Sozialstaat sind immer auch Angriffe auf uns alle, verstärkt aber auf jene, die einen starken Sozialstaat besonders brauchen.
  • Ein gerechtes und soziales Steuersystem ist im Sinne der Kirchen. Wir lehnen daher eine Steuerpolitik ab, die viele übermäßig belastet, Vermögen und hohe Einkommen aber schont.
  • Als ChristInnen fordern wir angesichts der ökologischen und sozialen Herausforderungen ein Gutes Leben für alle in Frieden und sozialer Gerechtigkeit.
    Dafür bilden wir ein wachsendes Bündnis von engagierten ChristInnen gemeinsam mit anderen, gerade auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Deshalb meine heutige Bitte: Bitte hier unterschreiben! Danke.
http://www.christlichgehtanders.at/unterschreiben/ 

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