Kaineder News

Archiv für die Kategorie „Zukunft Upcoming“

Meine Reformationsreise nach Eisleben, Wittenberg, Leipzig, Erfurt, Eisenach, Mühlhausen und ins Kloster Volkenroda sind schon wieder fast eine Monat her. Die Zeit relativiert die Er-Fahrungen (es war ein Reisen mit dem Bus) und Blick zurück ragen die stärksten Eindrücke, Einsichten, Erfahrungen aus dem Dunst des Alltags heraus.

Drei bleibende Erinnerungen

In Wittenberg hatten wir mit Katja Köhler eine hervorragende Stadtführerin. Sie vermittelte mir – ich spreche nur für mich – damals als „neu“, dass die Lutheraner erst in diesem Reformationsjahr ihre Ursprungsstätten selber „entdecken“. Und Wittenberg selber ist ein kraftvoller Ort, an dem diese damaligen Zeit vor 500 Jahren gut  nachzuspüren ist. Gerade auch das Panorama lässt mich eintauchen in diese bewegte Zeit, wo der Mensch genauso wie heute in Geschäftsmodellen an Bilder festgebunden wurde und wird.

In Scherbda im Hainich (Nationalpark) hat uns der amtierende Bürgermeister der 400 Einwohnergemeinde die Kirche gezeigt. Aus meiner Sicht ein Juwel, das schon zu DDR-Zeiten von den Menschen vor dem Verfall gerettet haben. Der Bürgermeister in Arbeitskluft: „Wir haben gesehen, wie die da oben versagen und deshalb haben wir schon vor der Wende selber Hand angelegt und im Geheimen an der Rettung gearbeitet.“ Solchen Menschen mit Zivilcourage und Anpack-Qualitäten höre ich einfach gerne zu. Das sind jene Ermutigungen, die ich mir immer mitnehme, einpacke und davon nehme, wenn ich Mutlosigkeit oder Resignation am Horizont auftauchen sehe.

Und dann war da dieser wunderbare Ort „Wilhelmsglücksbrunn„.  Ehemaliges Stiftsgut. Auch schon ganz verfallen in DDR-Zeiten. Junge evangelische Christinnen und Christen haben sich gemeinschaftlich ans Werk gemacht und diesen Ort wieder aufgebaut. Herr und Frau Karsten, von der ersten Stunde an dabei und heute Geschäftsführer dieses „Inklusionsbetriebes“, haben uns im Rahmen einer Schaf-Käseverkostung die Geschichte und ihr Engagement still und bescheiden geschildert. Heute arbeiten dort 12 Menschen, 6 davon mit Beeinträchtigung. Biohotel, Slow Food Restaurant, Milchschafe, Rinder, Wasserbüffel, Hühner, Bioladen, Eis-Manufaktur und eine wunderbare Gegend. Beeindruckend. Und immer wieder muss ich ans Kloster Volkenroda denken, das wir auch besucht haben. Auch diese Dynamik in Zeiten des Umbruchs. Die Chancen gesehen und getan. Nicht nur gesprochen davon. Dort haben sich Menschen bewegt. Und diese Bewegung hat zur Reformation geführt. Zu einer neuen Gestalt von Gemeinschaft, getragen von Spiritualität, von Zusammenhalt und Anpacken. Und so wie den Evangelische Kirche gerade die Ursprungsorte „entdeckt“, so entdeckt sie auch diese neuen „Impulsorte“ der konkreten Verwirklichung „evangeliumsgemäßen Lebens“. Da bin ich dann sehr schnell bei unseren Orden, die im Grunde auch dieser DNA von „einfachem, gemeinschaftlich gestaltetem und hellwachem Leben“ geprägt sind.Und auch Papst Franziskus ist in diesem Sinne in heutigen Tagen ein großer Reformator. Bewegung reformiert.

Heute erzähle ich kurz von meiner Arbeit. Das heißt: Ich lasse erzählen. Die Kathpress hat heute einen Bericht gebracht, in dem ich auch zur Sprache kam. Er gibt ein wenig wieder, „was wir uns so einfallen lassen“, Diesen Bericht möchte ich einfach wiedergeben:

„Wie sieht die junge Generation von Ordensleuten in Österreich aus und was treibt sie an? – Zu diesen Fragen haben die heimischen Ordensgemeinschaften vor wenigen Tagen eine neue Video-Serie gestartet. Vier junge Ordensleute geben in kurzen Statements Auskunft über ihren Alltag, ihre Berufung, ihre Arbeit und vieles mehr. „Sie geben einfach authentisch Einblick in ihre Lebenswelt, sie öffnen ihre Welt“, so Ferdinand Kaineder, Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im „Kathpress“-Interview.“

Die Neugier wird größer

„Die Neugier vieler Menschen am Ordensleben ist groß“, begründet Kaineder die Motivation zur Video-Serie. „Die Leute sind darin interessiert, was junge Menschen heute dazu bringt, in einen Orden zu gehen, und sie wollen wissen, wie es dann so ist, das auch zu leben.“ Mehr als 10.000 Interessierte habe man mit den Filmen bereits erreicht, so Kaineder. „Der Zuspruch ist enorm hoch.“

Vier authentische Ordensleute kommen zu Wort

Sr. Maria Ida Vorel (Franziskanerin aus Vöcklabruck), Fr. Alois Köberl (Benediktiner aus dem Stift Melk), Sr. Nathanaela Gmoser (Benediktinerin der Anbetung) und P. Alphonse Fahin (Steyler Missionar) berichten täglich in kurzen Videos u.a. darüber, weshalb sie ins Kloster eintraten, wie man sich fühlt, wenn man zum ersten Mal die Ordenskleidung überzieht, wie man schon in der Pubertät mit dem Klischee umgeht, dass Glaube „uncool“ ist, und warum auch Ordensleute nicht davor gefeit sind, sich zu verlieben. Die jungen Ordensleute in den Videos würden mit Klischees aufräumen, moderne Glaubenszugänge öffnen und sie würden beweisen, „dass Glaube nicht zeitgemäß sein muss, weil er zeitlos ist“, so Kaineder unter Verwendung eines Zitats von Sr. Vorel.

Die Vernetzung wird neu

Eine weitere Entwicklung, die Kaineder beobachtet: Die jungen Ordensleute vernetzen sich viele mehr als früher über ihre eigenen Gemeinschaften hinaus; nicht nur aber vor allem natürlich auch über Social Media. Das Medienbüro der Ordensgemeinschaften wolle die jungen Ordensleute auch dabei mit seinen Initiativen unterstützen. Darüber hinaus gibt es beispielsweise seit einigen Jahren regelmäßige österreichweite „Jung-Ordensleute-Treffen“. Zuletzt kamen am vergangenen Wochenende 26 junge Ordensfrauen und -männer aus ganz Österreich im Stift Göttweig zusammen. Bei der traditionellen Herbsttagung der heimischen Ordensgemeinschaften in Wien- Lainz (27.-30. November) wird heuer erstmals auch ein „Ordenstag Young“ (27. November) abgehalten, speziell für Ordensfrauen und Ordensmänner in den ersten zehn Professjahren und in Ausbildung.“

Dass Ordens-Gemeinschaften besondere Orte sind, darf ich immer wieder erleben. Besondere Menschen – wie auch anderswo – verdienen diese Aufmerksamkeit.

FakeNews gehört mittlerweile zum Normalwortschatz. Dirty Campaigning trifft nicht in erster Linie die Getroffenen, sondern das Medium, die einschlägigen SocialMedia-Kanäle selber. Die Demokratie und das ehrliche Bemühen nach persönlichem Austausch und Ringen nach Lösungen tritt in den Hintergrund. Mittlerweile wissen wir alle, dass der  jeweilige Algorithmus die Sprech- und Hörmöglichkeit bestimmt. Zu viele Menschen glauben immer noch, dass sich  ihre Timeline so „ganz natürlich“ generiert. Dieser Tage hat mir eine Zugmitfahrerin allen ernstes erklärt: „Ich poste so wenig, dass sich der Algorithmus bei mir nicht einmischt.“ Das kommt mir vor, wie wenn jemand sagt, das kleine Boot, in dem ich fahre, berührt das Wasser nicht. Diese ganze digitale Welt rechnet heute mit der Unwissenheit der meisten Menschen, mit der Lust auf Unterhaltung und der Bequemlichkeit des „Wischens“.

Aufklärung

Was ich bei mir selber immer öfter wahrnehme: Ernüchterung. Auch Ermüdung. Persönlich erlebe auf FB, Twitter, Instagram, usw einen oft inspirierenden Nutzen. Seit Beginn bin ich dabei. 2008. 2009. Auf fast „allen“ relevanten Kanälen habe ich einen Account. Manche ruhen seit Jahren, „weil es sich gar nicht ausgeht“. Wäre nicht „Medien und Kommunikation“ meine Profession, würde ich sicherlich um vieles leiser treten. Manchmal sehne ich mich nach dem leiser, wenn ich diesen Tumult und die Aufgeregtheit sehe, erlebe. Ich mache da nicht mit. Meine dreiwöchige Offline-Zeit im Vorjahr hat mich „zurückgeführt“. Mir ist das „fein gesponnene Leben“ ein Anliegen und mit der oft „grobklötzigen Selbstdarstellung“ kann ich wenig anfangen.  Ganz am Beginn des Auftauchens der SocialMedia habe ich immer vom „digitalen Gasthaus“ gesprochen. Manche sehen das als naiv oder zu vereinfacht. Aber jetzt wird erlebbar und sichtbar: Die am lautesten schreien terrorisieren eine menschliche und hinhörende Gasthausatmosphäre, nach der wir uns alle sehnen. Mittlerweile muss ich mich fragen, wer aus eigenem Antrieb da sitzt oder wer bezahlt (gesponsert) wurde, damit er oder sie hier Platz genommen hat. Das „normale von Herz zu Herz Kommunizieren“ ist entschwunden. Werbeschreier und Freibiertrinker bestimmen die Themen in diesem „veröffentlichten Raum“. Manchmal wünsche ich mir sogar, dass es noch schlimmer wird, damit die „Erkenntnis“ über Fake und Campaigning schneller kommt. Die SocialMedia-Kanäle müssen sich reinigen und gereinigt werden. Aufklärung und Hintergründe, Funktionsweise und Nutzung genau reflektieren. Geschieht das nicht, wird Vertrauen und Glaubwürdigkeit verschwunden sein und Demokratie, Zusammenhalt leise und sehr schnell entschwinden. Ich bin aber überzeugt: Der Mensch wird das rechte Maß der Nutzung und Anwendung finden und jede missbräuchliche Anwendung ahnden. Kein Medium ist neutral.

Es ist noch finster. Für 7 Uhr ist der Abgang in Bad Goisern im Hand.Werk.Haus eingetaktet. Geschlafen habe ich wunderbar. Motivation ist da. Das ab 6 Uhr vorbereitete Frühstück ist nicht in Scheinwerferlicht gestellt und daher nur mit offenen Augen in seiner vollen Pracht zu sehen. 160 Frauen und Männer, jung und älter, trudeln mit der Zeit im Hof ein. Alle werden wir aufbrechen, um dann 24 Stunden lang ausschließlich zu Fuß über die Berge unterwegs zu sein. Brot, Marmelade, Käse und etwas Joghurt. Das Frühstück ist getan, der Rucksack bereit, die Stöcke auf Länge. Das „Bleibe-Gewand“ lege ich in einen Beutel, um im „Geh-Gewand“ die Strecke zu bewältigen. Die Sonne wird uns nicht einheizen, eher der Regen nässen. Die Regenhose bleibt von Beginn bis zum Schluss angezogen. Sie ist angenehm zu tragen und schützt vor Nässe von oben genauso wie vor dem Nass der Gräser am Wegrand. Immer ein trockenes T-Shirt und einen trockenen Pulli für die Pausen dabei. Das habe ich beim Weitgehen gelernt: Nie nass sitzen. Ansonsten ist meine Philosophie, dass ich nass gehe. Das heiß, wenn ich von innen (Schweiß) und/oder außen (Regen) nass werde, dann ziehe ich nach den Pausen die nassen Sachen wieder an. Eh klar, werden die einen sagen. Igitigit, sagen die anderen. Wer das annehmen kann, für den wird der Rucksack wirklich leicht. Und er ist heute leicht. In den Pausen werden wir versorgt. Die Route ist mit 66 km und 2.900 Höhenmeter vorgegeben. Die Guides haben sie schon mehrmals unter die Füsse genommen. Da bin ich mir sicher und darauf ist Verlass. Gerlinde Kaltenbrunner nimmt das Mikro in die Hand, begrüßt uns alle mit ihrer angenehmen, fast leisen Stimme und ermutigt uns. Da Gespräch mit ihr in Windischgarsten zu „Viel mehr Glück“ schwingt bei mir mit. Die Sponsoren und die Organisatorinnen bekommen auch noch kurz das Wort. Der Betrag von 14.000.- EUR (unser aller Startgeld) wird im Herbst nach Nepal überbracht, um Schulen weiter auszubauen und die Erdbebenfolgen „aufzuarbeiten“. Da habe ich gerne dazugelegt. Für Nepal. Und Nepal geht mit, mit jedem Schritt, die Menschen, die Projekte. Es sind für mich 24 Stunden „meditatives Gehen“ zusammen mit den Menschen in Nepal.

Die Gespräche und das Schweigen

Die Route ist schnell erklärt: Bad Goisern, hinauf zur Goiserer Hütte, hinunter nach Gosau, hinauf zur Rossalm, hinüber nach Hallstatt, den Soleweg hinaus nach Steeg, hinüber nach St. Agatha, hinauf bis fast auf den Gipfel des Predigstuhl bei Nacht und wieder hinunter über die Ewige Wand nach Bad Goisern. Um 7 Uhr früh starten wir und kommen um 6.45 Uhr früh wieder zurück. Ich habe nicht gezählt, aber es waren über 19 Stunden reine Gehzeit. Die Hälfte bei Tageslicht und die andere Hälfte mit Stirnlampe. Das Wetter war „verhangen“. „Nebelreißen“ war am Vormittag und Nachmittag unser „Anfeuchter“. Dann wurde es trockener. Der erwartete nächtliche Regen hat uns verschont. Herausfordernd war es aber allemal. Ich selber habe die Gespräche mit den verschiedenen zum Teil mir bisher unbekannten Menschen genossen. So viel Lebenserfahrung, so viele Weltreisende neben mir, Suchende und Sehnsüchtige, tolle Menschen mit Engagement in jeder Hinsicht. Oft hat sich schon bestätigt: In die Berge gehen Menschen, die hell, wach und open minded sind. Selten was Dumpfes dort angetroffen. Gerade auch das lange Gespräch mit Gerlinde Kaltenbrunner hat mir wieder gezeigt, wie „spirituell sehnsüchtig“ die Menschen heute sind. Auch sie erlebt das bei ihren Vorträgen, ihren Seminaren, am Weg. Ich erzähle ihr, dass gerade auch Orden „spirituelle Sehnsuchtsorte“ sind oder zumindest sein könnten. „Die Menschen suchen Tiefe und Weite und finden oft Oberflächlichkeit.“ Solche Gespräche nähren, ermutigen, stärken.  Genauso wie das Gespräch mit dem „Geldüberbringer“ nach Nepal von den Naturfreunden St. Pölten. Jahrelang engagiert und immer wieder „drüben“, um aufrichten zu helfen. Mit der Finsternis kurz vor dem Salzbergwerk Hallstatt wurden die Gespräche am Weg weniger. Gegen Mitternacht hat sich ein Schweigen eingestellt, das gegen 3 Uhr morgens durchgängig wurde. Die Schritte, die aufschlagenden Stöcke liegen im Ohr und der Lichtkegel der Stirnlampe vor Augen. Das ist jetzt meine Welt in Bewegung.Bei mir stellt sich eine Blase ein, am linken Fuß. Aus meiner Sicht ein Zeichen für eine „Schwachstelle“. Aber es geht. Die Schritte zurück in den Ort Bad Goisern auf dem alten Kirchensteig „passieren“. Die Füsse gehen mit mir, leichte Schmerzen von der Fußsohle flüstern mir ins Ohr. Gut angekommen fallen wir uns um den Hals, gratulieren einander und ich bin dankbar. Für die Schritte, die Gemeinschaft und die Hilfe, die jetzt nach Nepal geht. Der Zug bringt mich heimwärts. Ich stelle den Wecker, weil ich weiß, dass ich einschlafen werde. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Der Hauptbahnhof Wien ist in den letzten Jahren zu so etwas wie ein Brückenkopf meines vagabundierenden Lebens geworden. Ankommen, umsteigen. Hinaufgehen, wegfahren. Gestern habe ich den Bahnhof in einer neuen Facette erlebt. Er wurde für unsere 5vor12-Talks zum Paradigma. #FremdesBereichert haben wir am heißen und windigen Bahnsteig 8 besprochen. Da gibt es einen Kipp-Effekt. Fremdes löst Neugier aus, macht aufgeregt. Reisen ist der Luxus, sich von Fremden und vom Fremden „bereichern, inspirieren“ zu lassen. Jetzt ist diese Zeit. Wir kommen heim und können (hoffentlich) viel erzählen, weil wir fremde Menschen und fremdes Leben kennen lernen durften. Josef Buttinger meint: „Du musst rausgehen, damit du reingucken kannst. Du musst reingehen, damit du rausschauen kannst.“ Zu viele bleiben auch auf Reisen daheim, haben Hände und Koffer voll und sind damit behindert, Neues „aufzunehmen“. So haben wir das im Talk auch besprochen.

Der Schatz der persönlichen Begegnung

Da ist aber auch diese diffuse Angst vor dem Fremden, den Fremden. Manuela Ertl von Train of Hope hat das klar zum Ausdruck gebracht. Diese „Stimmung“ wird bewusst geschürt, Meinungsmacher transportieren diese Botschaft immer wieder,  obwohl die Fakten längst eine andere Sprache sprechen, und Medien fungieren als Verstärker. Die Angst ist zwar kein guter Ratgeber, aber bringt Leser, Stimmen, Aufmerksamkeit, vielleicht sogar das Kanzleramt in jungen Jahren. Der wirkliche Schatz ist die persönliche Begegnung. Das war klar. Sr. Maria Irina Teiner setzt aber noch klar nach: Grenzen schließen bringt den Tod. Auch den eigenen.

Schaut doch mal rein in die Highlights. Diese Begegnungen machen mir Freude.

Das Wetter ist heute wunderbar. Es regnet. Oft recht heftig. Was tut man da? Einen lang ins Auge gefassten Ausflug ins Green Belt Center nach Windhaag bei Freistadt machen und die Welt an einem Samstag einmal nicht von einem Berggipfel anschauen. Das grüne Band. 2012 war ich etwa 20 Tage lang zu Fuß unterwegs entlang dieses besonderen Naturbandes, dem ehemaligen eisernen Vorhanges. Der Mensch durfte Jahrzehnte dort nicht hin und deshalb hat die Natur sich dort „entfaltet“ in einer unglaublichen Vielfalt. Einzigartig und einfach beeindruckend.

Einen Hotspot  geschaffen

Die Windhaagerinnen und Windhaager bei Freistadt, bekannt für die Themenfelder Zukunft und Ökologie, gebündelt im Zukunftsforum Windhaag, haben diesem grünen Band ein eigenes Haus und damit verschiedene Zugänge geschaffen. Ganz oben auf der Aussichtsplattform bekomme ich einen Überblick über die Landschaft, den Ort und die Anmutung des Mühlviertels. Im zweiten Stock begegnet mir eine Geschichte, die mit 1945 zu tun hat. Grenze war Jahrzehnte eine bestimmende Erfahrung. Es wurde Rache geübt und an der Grenze haben sich grauenvolle Ereignisse abgespielt. Menschen wurden massakriert und ermordet. Ein Junge verliert so seine Eltern und seine Geschichte hängt an den Wänden. Auf derselben Ebene das „Werden des Mühlviertels“ ab dem Mittelalter. Die Stifte Schlägl, Wilhering, St. Florian, Baumgartenberg und Waldhausen spielen einen wesentliche Rolle bei der „Rodung und Besiedelung“. Orden waren zur damaligen Zeit so etwas wie Google und Apple heute. Die Zisterzienser haben 1.000 Klöster über Europa errichtet und so „Europa ganzheitlich neu formatiert“, einer neuen Nutzung zugeführt mit neuem Knowhow. So wie die Digitalisierung heute alles neu formatiert. Das ist den innovativen Kräften so inne. „Neu aufsetzen, neue Zusammenhänge schaffen und einen neuen Nutzen generieren“.  Einen Stock tiefer finden sich die Informationen zum mehr als 12.000 km langen „Grünen Band“. Beeindruckend auch hier. Und dieses Band geht durch Windhaag. Darunter im Erdgeschoss der „Zukunftsraum“. Klar ist: So wie wir heute Leben, geht sich das im Verbrauch nicht aus. Das wissen und daran arbeiten die Windhaager seit mehr als 20 Jahren. Es ist nur schade, dass dieses Zentrum keinen Besucheransturm erlebt. Wir fahren hinaus im Regen durch die Mühlviertler Landschaft und erleben: Weite und Vielfalt. Nahrung für die Seele.

Es war das besondere Abendessen an meinem Geburtstages. Ich habe durch Los Tisch 5 gezogen. Nichts ahnend gehe ich zusammen mit den etwa 70 anderen TeilnehmerInnen am Wirtschaftstag der Orden in den Speisesaal. Wir nehmen alle Platz. Erhöht sind Tisch 1 und die Tische 2. Von meinem Tisch aus gut zu sehen. Auf unserem Tisch liegen ein paar Schnitten Brot und stehen zwei Krüge Wasser. Wir schauen einander etwas verdutzt an. Es wurde uns angekündigt, dass wir heute ein besonderes Abendessen bekommen werden. Und: Wir sind eingeladen.

Die Ungerechtigkeit ist systemisch stark

Ich denke an mein Aschermittwoch-Frühstück im Petrinum als Erzieher, wo ich 80% der Semmel in den einen Speisesaal und 20% in den anderen. Die 15-Jährigen waren genau umgekehrt zugeteilt. Damals endete die „Übung“ in kriegsähnlichen Zuständen. Wie wird das heute? Der Film oben fasst das alles wunderbar zusammen. Es blieb ruhig. Fast alle Versuche zu teilen, wurden von der Spielleitung unterbunden. Wie in dieser Wirtschaftswelt. Der Zugang zur genau instruierten Küche wurde uns „Armen“ rigoros verwehrt. Wie in dieser Welt. Und ein paar Almosen (Reis) haben sich zu uns durchgeschlagen. Wie auf der Weltkugel. Ungerechtigkeit liegt im System und das System hat keine Lust, sich zu verändern. Nein, es zementiert sich mit jeder Stunde.

Das Brot allein schmeckt wunderbar

Während über dem Speisesaal die „systemische Ungerechtigkeit“ schwebt, beginnen wir in Stille, im Schweigen das Brot zu essen. Langsam. Der wunderbare Geschmack breitet sich im Mund aus. „Es schmeckt gut“, wurde doch in die Stille hineingesagt. Und das Wasser dazu. Es war halt wenig, aber gut. Nur der Blick auf Tisch 1 hat uns unruhig gemacht. Ich stellte mir vor: Mit den TV-Geräten werden den Tischen 5 dieser Welt dauernd die „Tische 1 Geschichten“ erzählt und vor die Nase gehalten. Reich, schön, viel, Karriere, Geld,…. Das gibt dem Wenigen den unersättlichen „Zu wenig Geschmack“. Und Tisch 1 und Tisch 2 kämpfen. In jeder Hinsicht. Das aber jetzt nicht falsch verstehen: Es ist ein himmelschreiende Ungerechtigkeit, wie auf der Welt die Güter verteilt sind. Und der Hunger tut weh. Aber ich schmecke heute im „Weniger“ mehr vom Brot. Jetzt. An meinem Geburtstag. Und manche werden jetzt denken, dass nachher das Buffet gewartet hat. Nein, das war das (ungerechte) Abendessen. Es wird mir immer in Erinnerung, eine Mahnung und Ermutigung bleiben.

Mehr als eine Milliarde Menschen ist in Indien bereits digital erfasst und eingescannt. Jedem Individuum wurde ein 12-stelliger Nummerncode zugewiesen und datenmäßig mit dem Iris-Scan der Augen und den Abdrücken der zehn Finger verknüpft. Diese biometrische Erfassung der Menschen hin auf die „totale Digitalisierung“ schreitet mit enormer Geschwindigkeit und beängstigender Selbstverständlichkeit voran.

Szenenwechsel. Wie überall im Netz hinterlassen wir auch bei Banküberweisungen charakteristische Spuren. Weil unsere digitalen Systeme immer öfter durch Hacker, Schwindler und Kriminelle ausgehebelt werden, beginnen Firmen uns zu „schützen“, ohne dass wir es wissen und überhaupt wahrnehmen. Die israelische Firma BioCatch kann aufgrund der Mausbewegung erkennen, ob es der Besitzer oder die Besitzerin des Bankkontos ist oder ein „digitaler Bankräuber oder Betrüger“. Diese Firma „weiß“ durch digitale Analyse, wie lange der Unterarm, wie beweglich die Hand, wie dick der Daumen, wie groß das Smartphone ist, ob ein Linkshänder mit starken Muskeln des Unterarmes die Maus bedient und wie geschickt und schnell auf Herausforderungen reagiert wird. 600 Faktoren hat diese Firma bei der Überwachung „berücksichtigt“. Das digitale Netz weiß mehr über uns als wir selber.

Daher: Ich verwende StartPage (www.startpage.com), um im Internet bei Suchanfragen keine Spuren zu hinterlassen. Außerdem bezahle ich wieder konsequenter mit Bargeld.

Archive