Ich drehe mich nochmals um, bevor ich die Stiegen zum Kunsthaus hinaufgehe. Rechts und links die volle Wucht der Moderne und dahinter die kleine Häuserzeile aus früheren Zeiten. Schön langsam treffen die TeilnehmerInnen an der großen Runde des Wisdom Council ein. Die Tische sind vorbereitet. Weißes Papier und Stifte liegen bereit. Sr. Ishpriya führt uns mit einem Animationsfilm in die Weite des Makrokosmos und die die Tiefen des Nanokosmos. Diese Meditation hilft mir persönlich, mich im Kosmos zu „verorten“. Ein großes Staunen erfasst mich.

Als würde wir uns schon lange kennen

Nach der meditativen Hinführung stellt die „Seeding Group“, die am Vortag ein „kleines wisdom Council“ abgehalten hat, ihre Erfahrungen und Ergebnisse vor. Davor öffnet die Moderatorin Emma Spreitzhofer „einen tiefen Gesprächsraum, um auf allen Ebenen miteinander in Kontakt zu kommen“. Es geht nicht „ums recht haben und auch nicht nur um den Kopf“. Es geht nicht um Mehrheit oder Kompromisse, sondern um „einmütig gefundene Ergebnisse“. Ich kenne den „sensus fidelim“ (gemeinsamen Glaubenssinn)  und hier geht es um den „sense of the meeting“. Das ist nicht die Summe der Einzelmeinungen. Wie gelingt es, Antworten zu finden auf unbeantwortbare Fragen? Es verlangt mehr Mut, die eigene Meinung zu ändern als einen anderen zu überzeugen. Da heißt es, „den Raum zu halten und zu schützen“. Wertschätzung ist die Voraussetzung. Let us listen to the mystery in us and enjoy diversity. Mit Plakaten wurden festhaltbare Ergebnisse in den Raum gestellt. Immer wieder höre ich: Es war als würden wir uns schon lange kennen und wir haben uns zum ersten Mal gesehen. Wir sind spirituell verbunden. Das heißt: Raum geben, Platz geben, Raum schaffen, Freiräume öffnen. Und ich denke persönlich die vielen Ordensgemeinschaften mit, die das als Pioniere gegen alle Mauern schon tun. Sie treffen auf eine Sehnsucht, die sich hier artikuliert. Freiraum für Gott und den Menschen.

Die Kerze brennt

Im Laufe des Tages gab es immer wieder Gesprächskreise, Runden, Begegnungen, die auf unterschiedliche Weise struktuiert wurden. Ich durfte mit jedem Mal neue und interessante Menschen kennenlernen. Das lange Warten auf das Mittagessen war auch eine gute Gelegenheit, einander näher zu kommen. Berührt haben mich Aussagen wie: Wenn eine Kerze angezündet ist, ist nicht wichtig, wer sie angezündet hat, sondern wichtig ist das Licht. Die „Einmütigkeit“ war für einige eine Überraschung. Einem Gedanken nicht gleich einen Gegen-Gedanken oder ein „Argument“ entgegenzuwerfen, sondern Raum zu lassen, wirken zu lassen, Nachdenklichkeit zu schenken. Irgendwie hat sich eine Stimmung mit Sensibilität, Achtsamkeit und liebevoller, hinhörender Begegnung „ergeben“. Wir brauchen nichts vom Himmel holen, weil schon so viel da ist. „Wir müssen es nur wahrnehmen. Dann bleibt so viel, dass wir es verschenken können“. Die Ideen verdichten sich: Braucht es eine Akademie der Spiritualität? Ist die Musik ein hervorragender Erfahrungs- und Ausdrucksraum? Wie gelingt es, „Zuhör-Räume“ zu schaffen?

In die große Runde gesagt

Gegen Ende des Nachmittags sitzen alle in einer großen Runde. Das Mikro geht langsam herum. Schweigezeiten entstehen. Die Ökumene-Gruppe mit Herwig Sturm stößt aus ihrer Arbeit dazu. Ermutigungen und Eindrücke werden ausgesprochen. Was heißt nun „Aufbruch“ und „Spiritualität“? Sind es große Aktionen oder ist es eine tiefe Kraft in uns? Tarafa Baghajati  legt in den Raum, dass das Wort „Spiritualität“ ein leeres und kraftloses Wort ist. Was bedeutet es konkret? Er schlägt einen „Dreisprung“ vor: Verantwortung tragen – Dankbarkeit in allem – Teilen auf allen Ebenen (Gefühle, Geld, Leid, Freundschaft, Zeit). Das bleibt hängen. Mein Sitznachbar Rudolf aus Wr. Neudorf, mit dem ich in der Dreier-Gruppe war, meint: „Ich habe hier die Achtsamkeit wieder entdeckt und mir vorgenommen. Die Achtsamkeit ist eine große Macht.“ Wir haben in der Gruppe auch von der „Macht des Gebetes“ gesprochen. Gegenüber der Kirche und Institutionen meint ein Teilnehmer: „Menschlichkeit wird immer eingefordert, aber nicht eingeübt.“ Gabriel Strenger aus Jerusalem sieht in der Spiritualität immer eine „Unterbrechung“, das Hereinnehmen oder -lassen einer „fremden anderen Dimension“ und das bedeutet immer „Relativierung“.

Es braucht Raum und Zeit für die Frage: „Was bewegt dich?“ Mir fällt der Kommunikationsschwerpunkt „Ganz Ohr“ ein und die Kraft, die er damals in der Diözese Linz unter den Engagierten entwickelt hat.

Lebens- und Erfahrungsraum Musik wurde immer wieder angesprochen und auch „angesungen“. Der jetzt folgende Abend gehört multi-kultureller Musik. Ich freue mich darauf.

 

 

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