_71HinkommenKirchental hat einen wunderbaren Schlaf geschenkt, dazu ein Community-Frühstück in der Küche des Hauses der Besinnung. Der Rucksack ist geschultert. Der Blick geht immer wieder zurück. Der Wallfahrerpfad bringt mich direkt ins Tal zum Bus, zum Zug nach Villach. Mehr als 2 1/2 Stunden tragen mich meine Füße dort der Drau entlang hinaus ins Kloster Wernberg. Zu meiner Schande gestehe ich, dass ich noch nie dort war.

Das finden wir cool

_72JugendlicheAm Drauufer treffe ich zwei „Jungs“. Ich frage sie nach dem Weg. Wir kommen ins Gespräch. Sie fragen, was ich mache und wie lange ich schon unterwegs bin. Ich erzähle ihnen und verabschiede mich wieder. Nach einer Zeit kommen sie mit dem Fahrrad hinter mir her und möchten mit mir ein Foto machen. Warum, frage ich. „Wir finden das cool und mit so einem Mann wollen wir ein Foto haben.“ Äußerlich ragiere ich überrascht und innerlich freue ich mich über das Interesse der „Jungs“. Dem Kloster nähere ich mich über die Direttissima durch den steilen Wald hinauf. Das Klostergut, der Klosterladen, die Buchstaben „Kindergarten“ an der Hausfront und die Klosterpforte haben eine einladende Aura. An der Klosterpforte werde ich offen empfangen. Es ist so, als ob ich irgendwie erwartet würde. „Sie waren heute schon Thema. Sie müssten irgendwann kommen.“ Da bin ich, bekomme ein schönes Zimmer mit toller Aussicht.  Nach der „körperlichen Sanierung“ bin ich zum Käsebuffet am Gründonnerstag geladen. Alles selbst gemacht  vom Klostergut oder aus der Region. „Das ist uns ganz wichtig“, meint Sr. Johanna, die Hausoberin und Provinzleiterin am nächsten Tag im Hof zu mir. Ich erlebe: Da wird Nachhaltigkeit nicht plakatiert, sondern seit Jahrzehnten gelebt. Das sind gesegnete „Lebensmittel“.

Vom Brennnesselschloss zum gastfreundlichen Gesamtkunstwerk

_73Klosterladen_77SrMonika_76SrLuciaBis Mitte der 1930-er Jahre war das Schloss verkommen, nachdem Josef II die Benediktinerabtei 1783 aufgehoben hat. „Die Leute aus der Gegend haben Brennnesselschloss dazu gesagt“, weiß Sr. Lucia. „Die Schwestern haben es dann übernommen und seitdem mit viel Arbeit und gemeinsamen Engagement aufgebaut“, weiß man an der Pforte. Die Schwestern haben selber immer auch Hand angelegt. So wurde aus dem verfallen Schloss ein wunderbarer Ort für Gäste. Bei mir denke ich: Diese absichtslose Gastfreundschaft ist das, was der digitalisierte Mensch heute wirklich braucht. Irgendwie habe ich bei meinem Blick rundum und beim Hinhören das Gefühl, dass hier ein Gesamtkunstwerk der Gastfreundschaft gelebt wird. Offen auf Gott und den Menschen hin. Eine Schwester pflegt mit ihren 85 Jahren den Garten, den wir als Gäste nutzen können. „Diese Aufgabe macht mir immer noch großen Spass“, betont sie angesichts der Rosen, die in der aktuellen Kälte etwas leiden. _75SchwesterRosen75 Jahre sind die 65 Ordensfrauen hier im Durchschnitt. Ich selber denke mir, wenn ich im Garten, drüben beim Klosterladen, in der Kirche, im Hof die Schwestern bei ihrer Aufgabe sehe, dass es schön sein muss, eine sinnstiftende Tätigkeit für das Ganze, das Gemeinsame bis ins hohe Alter erfüllen zu können. So lange es geht. „Das ist sicher nicht immer einfach, aber es ist  uns wichtig“,  meint Gastschwester Monika, während ich ihr helfe, einen Tisch hinüberzustellen. Ich werde gebraucht. Sr. Lucia an der Pforte ist ein hellwaches Gegenüber. Der Pfortenbereich wurde großzügig und offen umgestaltet. „Das ist einladend geworden“, meint ein Gast, der die Enge von Früher kennt und nach dem Termin der „Fleischweihe“ fragt. Sr. Lucia wie auch die Ökonomin Sr. Ruth sind „wie so viele andere auch hier“ aus Oberösterreich. Ich nehme mit Sr. Lucia das Video direkt an der Pforte auf und bin froh, dass wir durch keinen Anruf gestört wurden. Es ist ein Kommen und Gehen.

Nichts zusätzlich sondern das Wesentliche ins Gespräch bringen

_74AltarDas JAHR DER ORDEN ist in den vielen Gesprächen, die ich mit verschiedenen Schwestern führe, „noch nicht präsent“. Das ist nicht nur hier so. Deshalb bin ich auch unterwegs und ganz Ohr. Oberin Sr. Johanna erzählt, dass sie selber 2015 zwei wichtige Jubiläen feiern. „Die Kongregation ist seit der Gründung  130 Jahren weltweit tätig  und seit 80 Jahren sind wir in Wernberg. Nicht einmal da sind wir bisher dazugekommen, uns etwas zu überlegen.“ Wir sind uns aber darin einig, „dass nichts Zusätzliches gemacht werden soll, sondern eher eine Reduktion auf das Wesentliche stattfinden und das gut zum Ausdruck gebracht werden soll.“ Das erinnert mich an das gestrige Abendmahl zum Gründonnerstag. Einfach, geradelinig, meditativ und mehrstimmiger Gesang der Ordensfrauen mit uns allen. Der neue Altar aus Glas hat etwas von der Transparenz in Richtung Transzendenz für mich ausgestrahlt. _78gottestalIch denke: Das Nomale, das Alltägliche kann zum Besonderen werden. Brot und Wein werden Liebes- und Lebenszeichen. Die Videos mit Sr. Monika und Sr. Johanna nehme ich im Hof und auf der Terrasse auf. Dann packe ich meinen Rucksack, gehe noch in die Kirche, die durch die Schmucklosigkeit des Karfreitags strahlt und nehme einige Produkte aus dem gut besuchten Klosterladen mit.  Rund herum das Bemühen um eine “faire Welt“. Mein Weg führt zum Bahnhof Föderlach. Ich gehe durch „Gottestal“ und frage eine Frau, woher der Name des Dorfes kommt. Sie weiß es nicht. Der Name und Ort veranlasst mich zu einem Tweet mit Foto: „Gott selbst ist heute ins Tal gegangen. Gottestal.“ Der Karfreitag wird im Zug über und durch die Alpen begangen. Beim Abschied wusste ich schon: Wir kommen wieder.

Sr. Johanna, Provinzleiterin der Wernberger Missionsschwestern

Sr. Maria Lucia, Pfortenschwester im Kloster Wernberg

Sr. Monika, Gastschwester im Kloster Wernberg

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