Artikel-Schlagworte: „Ordensgemeinschaften“

„Die digitalen Köchlöffel gezielt weglegen“ habe ich 2016 nach meiner dreiwöchigen totalen Digitalabstinenz in Bad Gastein meinen Blogbeitrag getitelt. Es hat einfach gut getan, keinerlei Lebensvollzüge auf Basis eines Algorithmus, eines digitalen Geräts gelebt zu haben. Digitale Distanz ist nicht einfach und hilft doch, die Dinge des Lebens, des Arbeitens und der Lebenszeit in ein gutes, lebensförderliches „Verhältnis“ zu bringen. Nimm Abstand und es geht wieder. Das Gehen, die Bewegung in der Natur hilft, diese Distanz zusammen mit anderen zu wagen. Einfach #offline gehen.

Wir gehen drei Tage lang OHNE jegliches digitales Gerät.  

DO 19. April 2018 bis SO 22 April 2018

TeilnehmerInnen: Max 12 Personen

Für drei Übernachtungen mit Halbpension (F/AE) ist ein Betrag von 190.- EUR bei der Anmeldung einzuzahlen.
Dieses „Experiment“ ist als Prototyp ansonsten „kostenlos“.

Ingering-See

Wie und wo wir gehen?

  • DO 19. April starten wir um 10.30 Uhr am Bahnhof Spital / Pyhrn. Individuelle Anreise mit dem Zug (Linz: 9.14 Uhr, Graz: 7:45 Uhr, Salzburg und Wien via Linz). Durch die Vogelgesang-Klamm über das Pyhrgas-Gatterl (1.308m) geht es hinüber und hinunter in das Ennstal in das Stift Admont, wo wir im Gästehaus übernachten.
  • FR 20. April starten wir von Admont aus durch das Tal hinauf in die Kaiserau und von dort wieder hinunter nach Trieben. Es geht weiter bis ans Ende des Triebentales,  wo wir im Tal im Gasthaus Bergerhube (1.198m) einfach nächtigen.
  • SA 21. April steigen wir auf das Kettentörl (1,864m) und wandern durch die wunderschöne Gegend hinaus – vorbei am malerischen Ingeringsee – bis nach Gaal und vor dort „hinüber“ in die Abtei Seckau zum gemeinsamen Abendessen und Abschluss. Dort nächtigen wir ein letztes Mal. Wir vermissen die „Geräte“ nicht mehr.
  • SO 22. April nach dem Frühstück fährt um 8.24 Uhr der Bus (Ankunft in Wien-Meidling 11.28 Uhr, Linz 12.44 Uhr, Salzburg 13.48 Uhr, Graz 10.33 Uhr).

Das gemeinsame #OfflineGehen wird von Dr.in Magdalena Holztrattner, Direktorin der KSÖ und Mag. Ferdinand Kaineder, Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, begleitet. Das Gehen und die Natur selber sind die besonderen Lehrmeister. Gemeinsam verweilen, kurze Impulse und das gemeinsame Essen und Austauschen werden eine anregende Verbundenheit schaffen. „Quellen der Kraft“ liegen auch in der tiefen und weiten Spiritualität. Dieser Dimension des Lebens wollen wir uns ebenso öffnen. Hier eine Zusammenfassung, was in einen Rucksack gehören könnte.

Wir laden Sie / Dich herzlich ein zu diesem „Prototypen am Benediktweg“.

Magdalena Holztrattner und Ferdinand Kaineder

Anmeldung bis DI 20. Feber 2018: ferdinand.kaineder[at]gmail.com oder +43 699 1503 2847 (@fkaineder)

Ein Bericht in den Salzburger Nachrichten vom 15. Feber 2018.

Vorschau: 

Von DO 6. Sept bis SO 9. Sept 2018 ist ein #OfflineGehen im Mühlviertel am Johannesweg geplant. Voranmeldungen möglich.

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ Das sagte Roger Willemsen bevor er 2016 starb. Er wollte ein Buch schreiben mit dem Titel „Wer wir waren“. Es wäre ein Plädoyer für die Abspaltung, ein Herausnehmen aus der Rasanz der Zeit geworden. Es ist unbestritten, dass die Zeitwahrnehmung eine Beschleunigung erfahren hat. „Haltet die Zeit auf“, rufen manche. Dabei müsste diese Botschaft an uns selbst gerichtet werden: „Steigt aus dieser Zeitmaschine aus.“

Aussteigen ist ein Einsteigen

Ordensleute und darüber hinaus viele Christinnen und Christen tun das immer wieder, wenn sie beten, innehalten, meditieren. Heraussteigen und einsteigen in das „Stundengebet“. Dieses Innehalten ist aber kein „Zeit aufhalten“, sondern ein sich bewusst in das Hier, das Jetzt und dieses Heute stellen. Es ist eine andere Wahrnehmung: bereit werden für das Engegenkommende, von Gott, von Menschen. Es ist ein Dank an Gott, der Leben fließen lässt. Nicht langsam oder schnell, sondern aus der Quelle der Liebe, die Jesus in besonderer Weise freigelegt hat. Erst diese Tiefe, diese Hinwendung und Offenheit dieser Quelle der Liebe gegenüber lässt Verstehen, Erkennen, Wissen und Erfahrung wachsen. „Zeit“ ist ein Totschlagargument geworden. Sich selbst und vor allem auch den Mitmenschen gegenüber. „Ich habe keine Zeit“ schlägt alles. Vor allem das Hier und Jetzt.  Darum: Halten wir uns auf.

Es war eine kurze Frage, die uns damals vor mehr als 15 Jahren in der „Bergdorf-Pfarre“ Kirchschlag nahe gegangen ist: „Wollen wir, dass in 50 Jahren der christliche Glaube das Leben hier im Bergdorf mitprägt?“. Wir hatten keinen Pfarrer am Ort. Wir wurden „mitbetreut“ und der kirchenrechtliche „Provisor“ hat Wohlwollen und Freiraum hereingebracht: „Tut.“ Ich durfte als PGR-Obmann und Theologe mitwirken. Bei der damaligen Pfarrgemeinderatsklausur fragten wir reihum und direkt von jeder und jedem ausgesprochen kamen 16 „Ja sicher“ und ein „Bin mir nicht sicher“. Das war der Samen für die Entwicklung, die die Pfarrgemeinschaft genommen hat. Sichtbarer Ausdruck ist ein neues Pfarrzentrum, das 2008 eröffnet und das heute von mehr als 100 Schlüssel „verwaltet“ wird. Nein, gestaltet und mitgetragen. Noch nie hat es „etwas gegeben“, wie so viele vermuten. Schlüssel ist Verantwortung. Seit ich in Wien bin, bin ich nicht mehr dabei. Die Grundüberzeugung war: Wenn Pfarre lebendig sein will, dann müssen wir Getauften in unserer Verantwortung aufstehen, gestalten, lebendig halten. Wir können nicht auf den Klerus warten, den uns niemand schicken kann. Und klar war: Es gab dafür breiteste Zustimmung. Aber 100 % waren es nicht.

Katastrophale Situation

Heute lese ich in der Kathpress vom Präsidenten der Deutschen Katholiken Thomas Sternberg diese Aussagen. Ganz klar, deutlich, zukunftsweisend, ungeschminkt.“ Wir werden künftig zu ganz anderen Gemeindestrukturen kommen müssen.“ Es sei nötig, vom Versorgungsmodell wegzukommen. Es werde darauf ankommen, „dass Laien selbstbewusst und eigenständig ihre Dinge in die Hand nehmen“. Man solle sich hüten „davon auszugehen, dass die Kirche nur dann Kirche ist, wenn die Gemeinschaft auch voll und ganz in allen Positionen theologisch gebildet, liturgisch gebildet auf der Höchstform der Religiosität steht“.  Anlass von Sternbergs Äußerungen ist das in diesen Tagen erscheinende Buch „Aus, Amen, Ende?“ des Münsteraner Pfarrers Thomas Frings, dessen Schritt ins Kloster für Schlagzeilen gesorgt hatte. Er wollte sich eine Auszeit nehmen, nachdem er die Service-Erwartungen an seine Person als zu hoch und die Kontakte in der Großpfarre als zu unpersönlich empfunden hatte. Seit September 2016 lebt der 56-Jährige als sogenannter Postulant im Kloster. Frings: „Wir haben einen Nachwuchsmangel, der so eklatant geworden ist, dass selbst dieses ganze fusionierte Modell der Diözese so schon nicht mehr funktionieren wird.“ Er spricht vom Klerus und glaubt, dass es allein auf ihn ankomme. Aber: Es kommt auf die Getauften an, die einen ganz besonderen und lokal verorteten Magnetismus auslösen können. Wenn man ihnen so wie uns im Bergdorf auch die Ressourcen dafür „zurückgibt“. Der Kirchenbeitrag wurde gut angelegt. Zukunftsträchtig. Denn: „Die Kirche gehört den Getauften vor Ort.“

Trägerinnen und Träger einer „einfachen, gemeinschaftlichen und wachen Lebenshaltung“

Aber: Frings hat etwas erkannt, was viele ohnehin wissen. Das „versorgende Klerus-System“ ist alt, brüchig und deshalb oft weit weg von den Menschen. Der Personal-Strudelteig wird mittels „Diözesanprozessen“ noch gezogen. Löcher werden zugedeckt, weil Menschen Kirche mit diesem Klerus identifizieren. Schein vor Sein. Pfarre ist der Pfarrer. Für mich war und ist Pfarre immer die Pfarrgemeinschaft. Aus dieser Pfarrgemeinschaft lebend habe ich Menschen begleitet, Zusammenhalt gestiftet, den Rand als Ort Gottes zugänglich gehalten, das Gerücht von einem liebenden Gott immer wieder erzählt, angedeutet. Aus diesem Grunde habe ich Gottesdienste gefeiert, Kinder getauft, Menschen auf den Friedhof geleitet oder Verliebte gesegnet in ihrer Hoffnung auf Treue hin. Immer habe ich andere Menschen ermutigt und gesagt, dass sie das auch genauso können, sollen. Ich habe auch immer gespürt, dass Jesus im Brot in unserer Mitte ist, uns begleitet, als Stärkung sich geben will. Auch in den Wortgottesdiensten mit Kommunionfeier. Das alles war auf Stärkung angelegt oder sollten „Quellen der Kraft“ sein. Bei den Orden haben wir Themenflächen als „Wahrnehmungsflächen“ ausgemacht. Die tragende Idee dazu ist das Modell Leben im Orden. Und das bedeutet: einfach. gemeinsam. wach. Das ist der „Input heute in diese Gesellschaft. Das einfache, gemeinsame und hellwache Leben. Das deckt sich aus meiner Sicht auf weiten Fläche mit der Bereitschaft zur PGR-Wahl: ICH BIN DA.FÜR. Dieser Partizipations- und Involvierungsvorgang der PGR-Wahl am 19. März ist doch nichts anderes als die Ermutigung: Ja, wir tun es. Beauftragt, „gewählt“ vom Volk Gottes. Und ich bin ganz fest überzeugt: Jesus hat eine Freude mit solchen Christinnen und Christen, die tun. Und so wird für die Menschen sichtbar, spürbar, erlebbar: Pfarre sind wir, bin ich. Ich sehe eine gute Zukunft darin, die einfach, gemeinsam und hellwach gestaltet wird. Im Sinne Jesu.

900_PaloschiGreenpeace postet dieser Tage: „1,2 Millionen Menschen haben weltweit gegen den Bau eines Megastaudammes im Amazonasgebiet im Olympialand Brasilien unterschrieben und nun stoppt die brasilianische Umweltbehörde den Genehmigungsprozess. Mit dem Staudamm wäre ein Stausee fast doppelt so groß wie Wien entstanden. Etwa 2.600 km² Regenwald wären durch direkte und indirekte Waldrodungen verloren gewesen. Außerdem hätten viele Munduruku ihre Heimat verloren und über 1.000 Tierarten, die am Tapajós-Fluss leben, wären vom zerstörerischen Vorhaben bedroht.“ Das ist erfreulich, wenn ich mit meiner winzig kleinen Unterschrift etwas beitragen durfte. Erzbischof Paloschi aus Brasilien hat ebenfalls auf die enorme Bedrohung der indigenen Völker hingewiesen. Er hat die Probleme beim Namen genannt und gleichzeitig die Problemlöser: die indigenen Völker selber. Ihre Lebenspraxis zeigt den Lebensstil der Zukunft: naturverbunden, einfach, achtsam, gemeinschaftlich. Morgen ist der 9. August, der Tag der indigenen Völker und ebenso der Gedenktag an Franz Jägerstätter.

Widerstand

900_JägerstätterAngleichen, mitmachen, ruhig bleiben,  Gott ergeben sind Haltungen, die Christinnen und Christen über lange Zeit geprägt haben. Kirchliche Pädagogik war „Ergebenheit und Hingabe“. Gemeint war dabei oft das etablierte Herrschaftssystem, das bis Gott hin verlängert wurde. „Wer sich nicht anpasst, geht unter“, sagen auch Genetiker. Anpassungsfähigkeit ist eine Lebensvoraussetzung. Glaube wurde oft als Anpassungsmaßnahme an bestehende Verhältnisse gesehen, gebraucht. Die Mächtigen halten sich die Kirche als „Stabilisator“. Siehe Österreich. Und anderswo. Anders in Brasilien, wo Bischof Erwin Kräutler und jetzt sein Nachfolger Roque Paloschi Paloschisich durch Widerstand „auszeichnen“. Sie sind Ermutigier zum Widerstand. Sie organisieren Widerstand mit. Widerstand gegen ein politisches und wirtschaftliches System, „das ausbeutet und mordet“. Dass der Gedenktag der indigenen Völker und der Gedenktag an Franz Jägerstätter zusammenfallen, ist ein schöner „Zufall“. Christenleben ist ein Leben in Gottverbundenheit, das uns freispielt, tiefgreifenden Widerstand zu leisten gegen das Tödliche, das Vernichtende, das Verachtende, das Nivellierende, das Gewalttätige. Der Staudamm in Brasilien ist ein gutes Beispiel, wie Widerstandskraft und Einsatz für das Leben „zusammengehen“. Möge der Widerstand gegen den Damm langfristig von Erfolg gekrönt sein und kein Menschenleben fordern. Dem dreifachen Familienvater Franz Jägerstätter wurde 1943 wegen seiner Gewissensentscheidung, dem Menschen verachtenden NS-System nicht dienen zu wollen, der Kopf abgeschlagen. Dasselbe Schicksal erleiden Menschen in Amazonien. Die Rücknahme des Staudammbaues lässt Hoffnung aufkommen. Es braucht auch unseren Widerstand.

23_Itzling_IMG_5309Gute Frage. Es fällt schwer. Nach drei Wochen gehen ist es nicht einfach, wieder Platz zu nehmen. Der Schreibtisch war geduldig und hat gewartet. Mit viel analoger Post und Dingen, die mich am Weg nicht erreichen konnten. Natürlich ist es gut, beim Gehen nach einer Stunde anzuhalten, zu trinken, einander anzuschauen und zu fragen: Geht es? Sind alle da? Tut etwas weh? Noch schöner erlebe ich das Hinsetzen um die Mittagszeit, eine Kleinigkeit essen und trinken. Dieses Sitzen ist aber ein anderes Sitzen als das vor dem Bildschirm und am Schreibtisch. Darum haben mich seit vorgestern einige gefragt: Wie machst du das, wenn du wieder sitzen musst? Ich weiß es noch nicht. Es wird gehen. Und nach einem Tag sehe ich auch, dass es geht. Es sind ja noch so viele Gedanken der Bewegung im Kopf, die mich bewegen, obwohl ich sitze, im Zug, im Büro, bei der Besprechung, beim Essen, beim Telefonieren. Ich gestehe, dass ich öfter aufstehe und herumgehe. Es ist wieder ein Prozess, diese tägliche kontinuierliche Bewegung vom #Klimapilgern über fast 400 km von Wien nach Salzburg umzuwandeln in den „Bleibe-Modus“. Auch diesmal spüre ich, dass es nicht einfach wird. Jetzt sitze ich, um ein kleines Zwischen-Resümee anzudeuten. Es geht ja Ende November nach Paris. #COP21.

Es war ein besonderes Weitgehen

23_vier_IMG_5293Fehlen wird mir nach dem guten gemeinsamen Frühstück und dem Einpacken der Kreis am Morgen. Immer um 9 Uhr haben wir uns zusammen mit den immer neu dazugekommenen TagespilgerInnen im Kreis aufgestellt. Wer ist da? Was hat mich hergeführt? „Ich bin Silvia aus Mühlbach am Hochkönig. Ich bin dort Pfarrgemeinderat und ich gehe heim.“ So kurz. „Ich bin Rembert – nochmals: Rembert – aus der Steiermark und wohne in Wien. Ich arbeite für das Netzwerk Pilgrim. Also Klima-Pilgrim.“ Dazwischen immer wieder Frauen und Männer, die dazugekommen sind. „Ich bin Anja aus Wien und Generalsekretärin der kfb in Österreich und gehe bis Salzburg.“ Ob es nun Bischof Andrej, die kfb-Frauenvorsitzenden von St. Pölten, Linz oder Salzburg waren, die Direktorin der KSÖ, ein Generalsekretär der KA St. Pölten oder zwei Flüchtlingskinder waren, immer war eine tiefe Motivation zu spüren. „Ich bin Ferdinand aus Kirchschlag und Wien und arbeite für die Ordensgemeinschaften Österreich im Medienbüro.“ So habe ich mich selber oft gehört. Sie werden mir fehlen, die „Kern-Pilger-KollegInnen“. Darüber hinaus die vielen insgesamt auch annähernd 350 Personen, die mit uns am Weg waren. Ich bin schon drei Mal alleine weit gegangen (durch Österreich 2004, nach Assisi 2009 und nach Thüringen 2012). Diesmal war es in der dauernd wechselnden Gruppe eine neue Erfahrung für mich. Die Übernachtungen waren vorbereitet, nicht aber der Weg. Den mussten wir gemeinsam suchen und finden. Öfters mussten wir feststellen: Es geht uns wie der Weltpolitik. Wer weiß den Weg? Wer geht voran? Wer schaut, dass alle mitkommen? Wie geht das mit den Schnellen und Langsameren? Es waren spannende Tage durch Österreich. Als ich heute früh mit dem Zug nach Wien gefahren bin, haben Orte wie Melk, Maria Taferl oder St. Pölten einen besonderen Klang gehabt. Alles gegangen.

Was nehmen wir mit?

11_alternative_IMG_4336In jedem Fall wurde der „Rucksack der Alternativen“ toll angefüllt. Digital wird das noch nachgeholt. Wir Vier haben uns am letzten Tag hingesetzt und die Projekte, Haltungen oder Personen favorisiert. Wenn die ZIB1 gefragt hätte, dann hätten wir diese drei Projekte vorgebracht:

Cradle to Cradle von Gugler
Traditionell Europäische Medizin der Marienschwestern
Streuobstschokolade aus der Community Ottensheim für Vielfalt und Zusammenhalt.

„Aus ist aus“: saisonal und regional kochen/essen (SPITZWIRTin, Alkoven)
Ausbildung der Jugend: Umwelt und Wirtschaft verknüpfen (HLUW Yspertal)
Ökologische Bauweise bzw. Rückgriff auf lokale Energieversorgung (MIVA, Michelbeuren, Pfarre Sindelburg, EZA und Pfarre Mauthausen)
Negativ“projekt“: Zersiedelung und Versiegelung als österreichweiter schlechte Trend

Kirchenasyl in St. Georgen a.d. Gusen
Flüchtlingsbetreuungsprojekte (St. Georgen, Ottensheim)
„Gehen belebt“ – Bewegung
„Natur als Lebensmeisterin
#LaudatoSi als Basisverständnis im Wandel vom technokratischen Paradigma hin zum Menschenbild der ökologische Spiritualität

Diese 12 Projekte nehmen wir aus unserem Rucksack heraus, ohne die vielen anderen, die noch drinnen sind, zu vergessen. Es sind die Begegnungen mit den Schulen oder unsere Unterkünfte in den Ordenshäusern, beim Privatpersonen oder einfachen Herbergen. Dafür danken wir herzlich.

Mein persönliches Resümee

23_rk_IMG_5201Auf ein Blatt habe ich geschrieben: „Von den 21 Tagen gehen nehme ich eine große Weite mit. Ich bin „für und mit allen Menschen“ gegangen, die unter den Schieflagen unserer Gesellschaft und den ausbeuterischen Systemen unseres Wirtschaften leiden oder gar zu Tode kommen. In besonderer Weise sind es heute die Flüchtlinge und indigenen Völker, denen Technokraten und Geld-Ökonomen die Lebensgrundlage entziehen. Die Natur strahlt so viel Frieden aus und der Mensch führt Krieg gegen sie. Das Gehen hat mich versöhnter gemacht und gleichzeitig radikaler gegenüber unseren gesellschaftlichen Eliten.“ Dort steht auf die Frage, was mir ans Herz gewachsen ist: „Das Schlechte nicht weniger schlecht machen, sondern es muss von Beginn an gut sein.“ Leben wir so, dass wir das Ende unserer Lebensprozesse (Einkauf, Arbeit, Mobilität, Produktion,…) in die Wiege der nächsten Generation legen können? Meine zwei Grundfragen zum Leben sind noch weiter gewachsen in ihrer Bedeutung: Wie geht Reduktion? Wie kommt mehr Liebe in die Welt? Viele Projekte, die wir gesehen haben, Menschen, denen wir begegnet sind, Landschaften, die wir bewundert haben, haben dann eine „Schönheit“ entfaltet, wenn sie aus der tiefen Quelle der Spiritualität gespeist waren. Es waren immer Menschen, die nicht zufrieden waren im Gefängnis der jetzigen Plausibilitäten und oft Unerhörtes gewagt haben. Alleine auf der schmalen Spur dieser fast 400 km durch Österreich haben wir das Aufkeimen einer neuen Welt, die Transformationen hin zu einer neuen Wirtschaft erlebt. Die Medien sind zum Großteil Gefangene des laufenden Systems und entwickeln 23_über_IMG_4738keine Kritik mehr. Auch die redaktionellen Wahrnehmungen sind eingeschränkt auf „Gängiges“ oder Skuriles. Das Welt- und Menschenbild in der Enzyklika #LaudatoSi von Papst Franziskus kann das neue Fundament einer neuen Welt werden. Das Gehen und Pilgern hat mich darin bestärkt, das technisierte Menschenbild sehr kritisch zu sehen und durch das spirituelle und ökölogische Menschenbild noch konsequenter zu ersetzen. Wer geht, wird fast automatisch dorthin geöffnet. Vom Weltklimagipfel #COP21 erwarte ich mir einen radikalen Bruch mit dem gängigen Wachstumsparadigma. Solidarische Ökonomie soll das neue Paradigma werden.“ Und abschließend: „Eine besondere Erfahrung war, dass wir so wunderbar zusammen gesungen haben, obwohl wir uns untereinander vorher nicht gekannt haben. Der gemeinsame Weg hat in vielen Gesprächen, im Schweigen, im Hinhören Ideen und eine Pilgergemeinschaft „entfaltet“.  Eine tiefe Dankbarkeit hat mich von Tag zu Tag mehr erfüllt. Die Natur ist die beste Lehrmeisterin des Lebens.“ Jetzt geht es Ende November nach Paris zum #COP21. Zuvor aber werde ich mit dem Ordenstag mit P. Martin Werlen „Jetzt im Blick“ noch einen besonderen Höhepunkt erleben.

22_regen_IMG_5209#Klimapilgern kommt an. Nachdem wir auf dem Biohof Girlinggut gut gefrühstückt haben, machen wir uns auf den Weg zur Pfarrkirche Elixhausen. Dort starten wir mit einem Impuls. Das Wort, das uns Anja als Tagesverantwortliche für den letzten Tag mitgibt, ist: Perspektive. Gehen verändert Perspektiven, unsere Welt braucht Perspektive und für unsere Kinder und Enkelkinder wünschen wir uns eine Perspektive. Wir alle sind in diesem Augenblick nahe an den Tränen, weil uns der Gedanke an die Zukunft dieser Welt wirklich nahe geht, weil wir ihm tagelang nahe gegangen sind. Wir spüren, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir aus dem Wasserhahn trinken, in Sicherheit leben, eine „Perspektive haben“. Wir singen, denn das lässt uns zusammenfühlen und „zusammenstimmen“. Es hat leicht zu regnen begonnen. Fast haben wir es vergessen, weil wir in diesen 22 Tagen nur ein Mal für zwei Stunden „gewaschen“ wurden. Und das war am dritten Tag in Herzogenburg. Weit zurück. Sonst immer trocken und oft die Sonne. Wir nehmen es als kleinen Wink, die Dankbarkeit nicht zu vergessen.

Das war einmal die Bundesstraße

22_bundesstrasse_IMG_5213Unser Ziel ist heute ein zweifaches. Wir gehen hinunter nach Bergheim. „Das war die alte Bundesstraße von Salzburg nach Mattsee bis 1962.“ Ein Oldtimer-Fan erzählt mir von früher. Neben dem Bach schlängelt sich eine Straße, die so breit ist wie ein Radweg. Weiter oben hören wir die Bundesstraße. Ein Auto um das andere. Viele sehen darin eine besondere Entwicklung. Wachstum. Wohlstand. Freiheit. Mir kommt darob kein Jubel über die Lippen. Durch Auseinanderfallen von Wohnen, Arbeiten und Freizeit inklusive Einkaufen braucht es Mobilität. Das Auto hat sich bei vielen als Status-Symbol etabliert. Wer heute mit dem Bus fährt, hat entweder den „Schein“ abgeben müssen, ist ein Schüler oder Pensionist. Ein fast leerer Postbus fährt an uns vorbei. Und Autos hinterher. Ich weiß: Nicht alle können auf das Auto verzichten, aber viele bräuchten nur im Kopf einen Schalter umlegen. Öffi vor Auto. Nicht zuerst an das Auto denken, sondern das Mobilitätserfordernis klären. Da wäre viel drinnen.

An die Grenze gehen

22_grenze_IMG_5269Wir erreichen die Salzach. Der Regen hat längst aufgehört. Unser Ziel ist die Brücke bei Freilassing an der Salach. Hinter dem Messegelände schlängeln wir uns durch den Wald. Fast wie die Flüchtlinge vertrauen wir darauf, richtig anzukommen. Es ist uns gelungen. Wir wollen bayrische Erde in unser Glasrohr dazugeben. Ukraine, Rumänien, Ungarn, Wien, NÖ, OÖ, Salzburg und Bayern. Das sind jene Länder, wo dieses Glasrohr, das wir als Zeichen der inneren Verbundenheit nach Paris mitnehmen, überall war. Dann wissen wir, dass hier viele Flüchtlinge auf den Grenzübertritt warten. Noch einmal nehmen wir den etwa 8 km „Umweg“ unter die Füsse, um unsere tiefe Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Wir gehen, sind in Bewegung und hier sehen, erleben wir wieder, wie Menschen zum Warten gezwungen sind. Ich bin unruhig. Genügt es, immer wieder zu spenden und für und mit diesen Menschen den Pilgerweg der Gerechtigkeit zu gehen? Wir stehen 22_flüchlinge_IMG_5287an der Grenze. Machen Fotos. Tiefe Dankbarkeit für den Weg und ein fast radikaler Auftrag, hier nicht stehen zu bleiben. Wir gehen zurück in die Stadt. Es zieht uns in die kleine Kirche der Universitätsklinik. Ich lege unser Transparent über den Altar. Wir sagen einander und Gott ein Danke und singen den Sonnengesang. Umarmungen.

Sehnsucht nach daheim

In einem SMS an ein paar Menschen schreibe ich: „Nach fast 400 km zu Fuss pilgernd von Wien nach Salzburg sind wir „angekommen“. Klimagerechtigkeit ist unsere Intention und soziale Gerechtigkeit ist die Zwillingsschwester dazu. Mögen die Entscheider begreifen, das die Welt sich selbst (oder Gott) gehört und die KonsumentInnen wach und kritisch werden gegenüber allem „Wertlosen“. Es genügt nicht, Schlechtes besser zu machen.  Von Beginn an muss es gut sein. Danke für das Mitpilgern. So und so.“ 22_altar_IMG_5296Ingrid, Hannah, Jakob, Karin und wir Vier sitzen noch um einen Tisch im Gasthaus. Ankommen und Aufbruch liegen ganz nahe beieinander. Anjas Familie ist da und sie verlassen uns. Anja hat mit ihrem Impuls in den Morgenstunden eine wunderbare „Zusammenfassung“ geschrieben. Rembert, Silvia und ich bleiben noch in Salzburg, um morgen um 15.30 Uhr in Itzling an der ökumenischen Sendungsfeier „Richtung Paris“ teilzunehmen. Ich gestehe: Die Sehnsucht nach „daheim“ ist wirklich groß. Ich sehe das Warten hier als Chance, zur Ruhe zu kommen, Resümee zu ziehen, nach den vielen Gesprächen am Weg zu schweigen, durchzuatmen, das Danke groß aufsteigen zu lassen.

 

21_quer_IMG_514021_querfeldein_IMG_5127#Klimapilgern landet heute nach einer Direttissima durch Wiesen und Wald in der Familienpolitik. Der Bürgermeister höchstpersönlich ist uns bis zur Ortstafel entgegengegangen. Wir sind aber aus dem Wald über die Wiesen kommend direkter in den Ort gekommen. Per Telefon haben wir sofort zusammengefunden. Josef Guggenberger führt uns auf den Platz vor den beiden Kirchen und dem Jungscharhaus. Flüchtlinge bieten uns sofort Tee an. Zuerst wollen wir etwas über die Gemeinde erfahren. 1.650 EinwohnerInnen. Das Leben – so der Bürgermeister – wird nach den Regeln des Marktes ausgerichtet. Es hat nur mehr die Wirtschaft etwas zu sagen. Alles wir monetarisiert. Mit unserem Klimapilgern fühlt er sich zutiefst verbunden. Die 1.000 km VIA NOVA, wo er im Vorstand ist, ist er auch schon selber gegangen.
Der Mann hat eine sympatische Einschätzung und Analyse des Ortes und der Gesellschaft geliefert. Zu hoher Ressourcenverbrauch bei uns entzieht den Menschen „dort“ ihre Grundlage. Jetzt kommen sie und holen sich, was wir ihnen genommen haben. Dass wir hier helfen müssen, ist selbstverständlich. Ein kleines schwarzes Mädchen macht die ersten Fahrradfahrversuche neben uns. Die Mutter sitz21_guggenb_IMG_5156t am Bankerl. Dann kommt das „Berndorfer Modell“ zur Sprache. Kurz: Eltern, die ihre Kinder daheim bis zum 3. Lebensjahr betreuen, bekommen eine Unterstützung von der Gemeinde. Die Gemeinde hat aber auch eine Krabbelstube. Es besteht Wahlfreiheit. Die Diskussion ist eröffnet und geht beim Tee im Flüchtlingshaus intensiv weiter. Er will, dass auch Private von dem Steuergeld bekommen, das sonst nur in die Betreuungsplätze der öffentlichen Hand fließen. Die familiären Strukturen festigen. Ich denke und bringe ein, dass es ein starkes und intensives Comm21_guggenbe_IMG_5162unity-Leben braucht, damit Mütter oder Väter nicht in der Einzelfamilie verkommen. Der ganze Ort ist gefragt, sich vor Ort neu zu vernetzen. Spannend. Die Diskussion zieht sich hin über die nächsten Stunden beim Gehen. Ich nehme auch mit, mit welcher Selbtverständlichkeit hier Flüchtlinge aufgenommen werden.

Seeblicke, Autolärm und querfeldein

21_salzburgerInnen_IMG_5173Die Sonne war heute wieder unsere Begleiterin. Die Tagespilgerinnen, darunter das kfb-Team der Erzdiözese mit der Vorsitzenden Roswitha Hörl-Gaßner, Jakob von der Dreikönigsaktion oder Ingrid aus Bad Goisern, sind flotten Fusses unterwegs mit uns. Weil die Natur, der Blick auf die Seen so schön war, haben wir fast etwas gedrödelt. Nach der Mittagssuppe ging es dafür flotten Schrittes am Fußweg neben den Autos von Seeham nach Obertrum. Dort weiter über Güterwege und querfeldein nach Elixhausen. Es war fast finster, als wir die Haustür zu unserer Herberge um 17.20 Uhr durchschreiten. Davor machen wir den Ankommenskreis, sagen einander, wie wir den Tag erlebt haben und schließen mit einem Lied ab. Obwohl wir müde sind, geht es noch nach Seekirchen zur Veranstaltung von „Klimabündnis“. Nach der Veranstaltung sitzen wir bei Prof. Günter Virt im „Stift“. Das Thema wäre aber jetzt zu ausladend, wenn ich das „Stift in Seekirchen“ genauer erklären müsste. In jedem Fall – so Viert – waren „die Seekirchner immer sehr Rom treu und haben getan, was sie wollten. Auch Stifte gestiftet ohne römische Erlaubnis.“ Aber jetzt zurück zum Morgen.

1985 die erste Hackschnitzelanlage im Bundesland Salzburg

21_morgen_IMG_510821_michlb_IMG_5086Abt Johannes hat sich Zeit zum Frühstück mit uns genommen. Dort hat er erzählt, was mein Kollege Robert in eine Presseaussendung verpackt hat. Die Abtei war ein Pionier in der Abkehr von fossilem Brennstoff. Biogas wird in der eigenen Landwirtschaft aus Abfällen erzeugt. Photovoltaik gehört auch dazu. „Wir sind eine energie-autonome Abtei. Nicht autark, weil wir einspeisend und manchmal abnehmend am Netz hängen. Wir liefern aber mehr hinaus.“ Diese Abtei packen wir in den Rucksack der Alternativen. Wir machen ein Foto mit den morgendlich Angereisten und wir sind wieder 12. Der Abt zeigt uns noch „den Einstieg“ in die Direttissima durch das Tal und den kommenden Wald nach Berndorf. Unseren spirituellen Start machen wir mit einer Männergruppe rund um Andreas Pumberger von den Kreuzschwestern, die einen Tag gemeinsam unterwegs sein werden. Schön, wenn sich Wege treffen. Das war der schöne anschlußfähige Tagesbeginn.

#Klimapilgern geht in die unglaubliche Schönheit der herbstlichen Natur. „Wie wenn sie Gold vom Himmel schütten“, musste ich heute 20_see2_IMG_5031voller Begeisterung und mit einem tiefen Staunen in das Telefon sagen, während wir am Grabensee Richtung Perwang unterwegs waren. Die goldenen Farben an den Bäumen, die ermattenden Grüntöne in den Wiesen und das silber glitzernde Wasser der eingebetteten Seen war Nahrung für Geist und Seele. Der Körper passt nach 20 Tagen gehen sehr gut. Er geht und geht und geht und ist eins mit ihnen. „Es war so unglaublich schön“, hat eine Mitpilgerin gemeint. Wir haben den Jakobsweg verlassen und gehen von Schleedorf über Mattsee „hinüber“ nach Perwang in die Abtei Michaelbeuern.

Es muss von Beginn an gut sein

20_Ziel_IMG_5064Dort treffen wir morgen beim Frühstück Abt Johannes Perkmann. Er war bei viel mehr wesentlich weniger ein wunderbarer Gesprächspartner. Die Abtei hat seit Jahren in der Energiefrage von Beginn an gut erneuert.  Ich erinnere an Ernst Gugler in Melk: „Es genügt nicht, das Schlechte weniger schlecht zu machen. Es muss von Beginn an gut sein.“ Wenn wir die Natur mit den  sich hinschmiegenden Bauernhäusern sehen, dann kann schon sein, dass der liebe Gott hierher geschaut hat als er gemeint hat: „Es ist gut. Es ist sehr gut.“ Die vielen und großen Einfamilienhäuser lassen aber Zweifel aufkommen, ob es so bleiben wird. Wir gehen weiter. Dieses Gold der Farben wächst aus dem Boden,
wird von der Sonne genährt. Heute verstehe ich schon überhaupt nicht, wie Konzerne in solche Gegenden „vordringen“ und um der Rohstoffe oder industriellen Landwirtschaft willen Natur und die Grundlage der Menschen zerstören. Wüste, Ödland oder vergiftete Landstriche sind die Folge. Agrokonzerne bohren zB in der Türkei riesige Löcher Richtung Grundwasser und graben so weiten Landstrichen das kostbare Wasser ab. Dieses Wasser bringen sie dann den Menschen in Plastikbottle und verdienen ein zweites Mal. Natur ist verwüstet. Der Mensch auf der Flucht. Versteht das wer?

Zeigt uns die Reichen

Bei aller Schönheit der Natur gehe ich an Zeitungen vorbei und ich möchte ihnen schreiben: „Liebe Medien. Ich hätte da einen Vorschlag. Schreibt in jeder Ausgabe mindestens 20% des Redaktionsplatzes über die, die die Nutznießer dieser technisierten und naturzerstörerischen Praktiken sind. Benennt sie mit Namen und zeigt uns ihren Reichtum. Ungeschminkt. Nicht aber als tolle Menschen  des Erfolges oder der Leistung, sondern als Diebe, Räuber, Plünderer. Sie handeln im großen globalen Sinn gegen Natur und Mensch oder umgekehrt. D20_sprung_IMG_5037as, was sie vorgeben, dass es dem Menschen hilft, ist genau gegen ihn gerichtet. Billiges Gemüse kommt aus Spanien. Und wer verdient? Für wen rechnet es sich? Nennt das „Sünde“, liebe RedakteurInnen. Sie sondern sich nämlich von der „natürlichen Ökologie der Welt“ ab. Privatisierter Reichtum ist Diebstahl  am Gemeinwesen, ist Gemeinwohlbetrug. Und auf ihre tollen Häuser sollten wir Schilder geben, die oben ihre Leistungen benennen und unten den Preis dafür. Wer wurde ausgebeutet? Wo ist Blut tatsächlich und strukturell geflossen? Wo und wie viel wurde für diese Produkte an „Erde“ zertört? Wo sind die, die Flüchtlinge auf dem Gewissen haben? Solche Zeitungen würde ich gerne abonnieren. Da kenne ich viele andere auch.“ Die Medien, vor allem die Chefredaktionen, haben in diesem Zusammenhang mit Klimagerechtigkeit und „gerechter und richtiger Welt-Nutzung“ eine wichtige Pflicht. Hier ein schönes Beispiel der ZIB2, was ich meine.

Eine Klimawandlerin geht mit

20_marterl_IMG_5057„Radikal“ war das gestrige Wort am Weg. Ich habe heute in meinem Aufbruchimpuls das Wort „und“ mit auf den Weg gegeben. In einem Gebet, das ich auf einer Karte gefunden hatte, hat es unter vielen anderen „und“ geheißen: „Lass uns die Früchte der Erde genießen UND für eine gerechte Verteilung sorgen.“ Karin hat, als wir vor einem Marterl nach Perwang auf den Grabensee hinuntergeschaut haben, gemeint: „Ich bin als Klimawandlerin mit euch unterwegs.“ Das trifft sich sehr gut mit dem „und“ des heutigen Tages. Eine Wandlung tritt immer dann ein, wenn wir etwas neu verknüpfen. Also: Wir genießen die Manner-Schnitten UND schreiben an die Firma, das Palmöl herauszugeben. Im Gehen heute habe ich immer an die vielen Wurzeln (radikal) denken müssen, die durch ihr Zusammenwirken dieses Gold hervorgebracht haben: Wurzeln und Sonne. Das „und“ ist nicht einfach Harmonie, sondern verlangt oft auch das Verknüpfen von radikalen Schreien, Auflehnen, gehenden Schritten. Unser Gehen möge uns wandeln, damit wir Klimagerechtigkeit persönlich leben UND aufschreien mit den Opfern der schreienden Ungerechtigkeit. Genau das erwarten wir uns auch von den Bischöfen, die nächste Woche in unseren Betten hier in Michaelbeuern liegen werden. Kirchen sind Vorreiterinnen bei Klimagerechtigkeit und Bischöfe erheben die Stimme lautstark gegen diesen ausbeuterischen Wahn. Beides ist bisher nicht selbstverständlich.

Eine Rückmeldung

20_heilsameOrte_IMG_5075Der Tag20 lässt irgendwie das Ende des Gehens erahnen. Vor Paris werden wir noch drei Tage Rembert, zwei Tage Anja und ich einen Tag beim internationalen Klimapilgern zum Weltklimagipfel #COP21 mitgehen. In diesem Zusammenhang freut mich die „Einschätzung und Rückmeldung“ von Franz Muhr via FB heute: „Einer der 7 Leitsätze von VIA NOVA hat die Überschrift: Achtsamkeit und Ehrfurcht vor der Schöpfung – Wer pilgernd unterwegs ist, erlebt und genießt mit allen Sinnen die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung Gottes. Jeder Teil dieser Erde ist heilig. Achtsamkeit weckt die Liebe zu allem was lebt. In diesem Sinne sage ich Danke an die KlimapilgerInnen. Eure Mission, ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen, ist sehr beeindruckend. Wünsche euch weiterhin ein gutes Unterwegssein.“ Und heute waren wir auf weiten Strecken auf der VIA NOVA unterwegs. Hat sehr gut gepasst.

Archive