1_Irland„Urlaubsfeeling auf Knopfdruck“ lese ich auf dem Plakat einer Fluggesellschaft dieser Tage auf der Freyung. „Reisen statt fliegen“ stand auf der Innenseite der Taschen von „Gleisnost“ für die verschiedenen Tickets am Weg nach Irland. Welt der Frau hat eine LeserInnen-Reise ausgeschrieben und wir von Weltanschauen haben sie umgesetzt. 12 Tage waren wir 30 gemeinsam unterwegs: zu Fuß, mit Zug, Fähre oder Bus. Bewusst nicht mit Auto oder Flieger.  Annähern, erleben und bewegen.  Nähe und Distanz sind für jede und jedem im Leben eine besondere Kunst.  Wenn ich diese Rückmeldung lese, dann scheint es uns wirklich gelungen zu sein , ein tieferes Erleben „einzufädeln und zu ermöglichen“.

Unterschiede machen das Gemeinsame interessant

In Paris

In Paris

Daniela, eine Teilnehmerin schreibt an Weltanschauen: „Es war eine der interessantesten und auf jeden Fall die erweiterndste Reise, die ich je gemacht habe. Vielleicht war die Anreise strapaziös, obwohl ich es persönlich nicht so empfunden habe, aber gerade diese Art der Anreise bot auch viele Vorteile. So ergab sich die Möglichkeit, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenlernten, dass man sich austauschen konnte – eine erste Annäherung. Von Anfang an passte dieses Gemeinsam. Es war nicht, weil die Gruppe homogen war. Natürlich gab es Komponenten, die uns von vornherein verbanden, vorab die sich auf diese Art des Reisens überhaupt einzulassen, doch gerade die Unterschiede machten es aus und interessant. Es war eine Atmosphäre der Offenheit und Toleranz, der Hilfsbereitschaft und des Miteinander – und das sind Dinge, die man nicht organisieren kann, sondern die einfach geschehen. Die Organisation selbst war tadellos – und die zwei, drei Problemchen, nun, die wurden behoben und spielten eigentlich keine Rolle.

Gallarus Oratorium

Gallarus Oratorium

Es stand eindeutig das Positve im Vordergrund. So wie das Ankommen in Cloughane (ich hoffe, ich habe es jetzt richtig geschrieben), wo die Dame des Hauses sofort sämtliche Heizkörper für uns aufdrehte um die nassen Sachen zu trocknen und den müden Wanderern Tee und Kaffe aufwartete. Hier auch gleich ein großes Kompliment an Ferdinand und Gerlinde, die uns so toll durch die Reise leiteten. Es war – aus meiner Sicht – eine perfekte Abstimmung.“ Das freut uns Guides, Reisebegleiter, wenn Urlaubszeit nährend und anregend erlebt wird. Es geht nicht auf Knopfdruck. Es ist ein „Einlassen“ auf dieses Unterwegssein.

Verschiedene Reisemittel bringen uns weiter

Vom Mount Brandon

Vom Mount Brandon

Maria aus Vorarlberg stösst in Stuttgart am Bahnsteig des TGV  zu uns. Wir sind komplett. Ab 5 Uhr früh sind die Ersten unterwegs von Wien kommend. Die Gruppe setzt sich aus 8 Bundesländern zusammen. Mit 314 km/h trägt uns der TGV nach Paris. Dort checken wir ins Hotel ein und begeben uns auf einen Stadtrundgang. Das tun wir mit der lokalen Reisebegleiterin – auch am nächsten Tag, bevor wir nach Cherbourg aufbrechen. Ungestühm betreten wir das Fährengelände und werden von der Polizei „eingefangen“ hin zum CheckIn. Es macht Spass zu gehen. Mit der Fähre geht es auf „stürmischer“ See nach Rosslare, mehr oder weniger schlafend in den Kajüten.  In Rosslare haben wir festen Boden unter den Füssen. Alle sind (wieder) wohlauf. Der Bus bringt uns ab Mittag quer durch den Süden Irlands nach Tralee, dem Grand Hotel. Morgen wird es mit den Füssen weitergehen, nachdem uns derselbe Bus nach Ventry – zum Startpunkt des Pilgerweges „Cosan na Naomh“ – gebracht hat. Gehen. Bewegung. Rucksäcke in unterschiedlicher Schwere begleiten uns 5 Stunden am Pilgerweg hinüber nach Ballydavid. Im Gallarus Oratorium singen wir einen Kanon. Wir stimmen zusammen. Ein wirklicher Kraftplatz. Die Unterkunft „Tabbairne ui Chonchuir“ ist jetzt einfach geworden, das Essen dafür umso besser. Christiana aus Tirol hat auch eine gute Hand für Massage.

Der Gipfel wird erreicht

Am Gipfel

Am Gipfel

Der Mount Brandon mit 963 m Höhe (klingt nicht viel, aber wir starten bei Null – also 1.000 Höhenmeter) ist der Pilgerberg in Dingle. Auf ihm wollen wir „hinübergehen“. Das ist der Wunsch. Zuvor gehen wir am zweiten Tag 8 Stunden am Dingle-Way auf 700 Höhenmeter in den Norden nach Cloughan. 6 Stunden hat es davon geregnet. Wirklich geregnet. Wir sind in Irland. Wir wurden (siehe oben) wunderbar enpfangen. Am nächsten Tag besteigen wir gemeinam den heiligen Berg. Wir sind glücklich, oben zu sein, die Aussicht zu genießen und einige sagen: Ich war noch nie auf einem solchen Berg. Abends kommen wir nach 8 Stunden sehr gut müde in unserer Unterkunft an. Geschafft. In allen Schattierungen. Ab morgen gehen wir drei Tage lang den Dingle-Way. Den 403 m hohen Cruach Mhartain besteigen wir wild, durch blühende Erika. Die Aussicht ist wieder phänomenal und die Strapazzen sind vergessen.

Wild bestiegen

Wild bestiegen

Dunquin und das Blasket-Center erwarten uns. Morgen gehen wir von hier bis Dingle, dem Städtchen, das der Halbinsel den Namen gibt. Oder umgekehrt. 5 Tage gehen und davon 32 Stunden wirklich auf den Füssen. Wir genießen im ****-Hotel das Abendessen, die Abendsonne und die Schlafkissen. Bevor wir in den Bus nach Dublin steigen, stehen wir im Kreis in der Wiese am Strand, in der Morgensonne. Die Füsse haben 5 Tage gebetet und in uns ist tiefe Dankbarkeit aufgestiegen. Das drücken wir gemeinsam aus.

Die Stadt und die Rückfahrt

Kevin Kreuz

Kevin Kreuz

Glandalough nehmen wir bei unserer Fahrt nach Bray bei Dublin mit. Der hl. Kevin erscheint mir ganz neu. Er hat lange vor Franziskus das gelebt, was Heilige fast immer leben, wenn sie von unten kommen: Naturverbundenheit, Rückzug, empatische Gottes- und Menschenbeziehung, Gemeinschaftsstifter. Das ist weit nicht alles. 1685 hat Heinrich VIII alle Orden verboten. Wir stehen deshalb vor einem Steinehaufen, der allerdings unglaublich viel Enerige ausstrahlt. Um 6 Uhr füh brechen wir etwa 150 Höhemeter zum Gipfelkreuz auf. Der Sonnenaufgang ist unsere Morgenmediation. Es ist ein Wunder, was wir hier sehen. In Dublin verbringen wir einen Tag bei Book of Kells, der Patrick-Cathedrale und beim Herumschlendern in der sehr lebendigen Stadt. Ralf Sotscheck von der TAZ Berlin, den wir im Teachers Club treffen, gibt uns abschließend noch Einblicke in das irische Leben. Der 11. Tag unserer Reise beginnt um 5.45 Uhr mit der Abfahrt zur Fähre von Dublin nach Hollyhead. Dort steigen wir in den Zug und fahren durch das wunderbare Wales. Die Seele hängt am Fenster und lässt die Gegend vorüberziehen. Gespräche verbinden die Reisenden.

Durchnässte Unterlagen

Durchnässte Unterlagen

In London wechseln wir den Bahnhof und erleben „Stadt“. Nach zwei Stunden Fahrt unter dem Ärmelkanal landen wir in Brüssel, wo ein tolles Hotel auf uns wartet. Am letzten Tag – ein Sonntag – stehen wir vor dem Hotel im Kreis, betrachten alles unter der eucharistischen Dankbarkeit, beten das Vater unser und wünschen Karl alles Gute zum Geburtstag. In Frankfurt werden sich unsere Wege wieder trennen, nach Bregenz, Salzburg und Richtung Wien. Im Speisewagen gibt es noch eine „Mordsgaudi“ mit dem Schaffner, bevor die letzten in Wels, Linz, St. Pölten und in Wien um 20.30 Uhr aus dem Zug steigen. Unglaublich schöne gemeinsame 12 Tage. Ah ja, und Guinness haben wir auch getrunken. Aber nicht auf Knopfdruck.

Hier der Link zur geplanten Reise.

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