{"id":10506,"date":"2022-01-01T16:52:52","date_gmt":"2022-01-01T15:52:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=10506"},"modified":"2022-01-01T17:15:41","modified_gmt":"2022-01-01T16:15:41","slug":"positionen-bruecken-und-agapen-am-weg-zum-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/positionen-bruecken-und-agapen-am-weg-zum-frieden\/","title":{"rendered":"Positionen, Br\u00fccken und Agapen am Weg zum Frieden"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-10515\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-300x225.jpg\" alt=\"Das goldene Licht des Himmels in die dunkelsten Stunden\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/2022-01-01-weihnachtenz-002-750x563.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der 1. J\u00e4nner ist landl\u00e4ufig der &#8222;Weltfriedenstag&#8220;. Am Beginn des Jahres wird dem Frieden Platz einger\u00e4umt. Das &#8222;<a href=\"https:\/\/www.kaoe.at\/artikel\/136797\/gebet-um-frieden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gebet um Frieden<\/a>&#8220; der Di\u00f6zese Steiermark geht dieser tiefen Sehnsucht nach. Dabei durfte ich drei Impulse beisteuern. <strong>Positionen<\/strong> und das verfestigte Leben, <strong>Br\u00fccken<\/strong> und das aufbrechende Leben, <strong>Agapen<\/strong> und das gemeinsame Leben waren meine Headlines f\u00fcr meine Erz\u00e4hlungen Richtung Frieden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Positionen<\/h3>\n<p>2014 bin ich mit meiner Frau den Coast_Path in Cornwall in England gegangen. Eine unglaublich sch\u00f6ne Erfahrung. Am Saum des Festlandes tagelang dahingehen und dabei das Meer und das Festland betrachten. Hier treffen &#8222;kristallin und fluid&#8220; zusammen. Das eine Element gibt Festigkeit und das andere Element bedeutet Weite. Kirchliches Leben sehe ich heute in Geb\u00e4uden, in Symbolen und Ritualen, in ihrer Sprache oft einseitig im kristallinen Element verfestigt. Das sichere Leben liegt uns n\u00e4her als das Hinauszufahren am wankenden Wasser, um zu neuen Ufern zu gelangen.<br \/>\nBei den Benediktiner:innen hei\u00dft es: Ora et labora et lege. Also: Bete, arbeite und lese. Nat\u00fcrlich dr\u00e4ngt sich da immer wieder die Frage in den Raum, was das Wichtigste dabei ist. Fast hitzig k\u00f6nnen diese Diskussionen werden. Am Ende ist das Wichtigste das &#8222;et&#8220;, das &#8222;und&#8220;, die Balance. Nicht verfestigt, sondern fluide im guten Rhythmus.<br \/>\n&#8222;Der Standpunkt bestimmt die Perspektive, die Sichtweise&#8220;, hei\u00dft ein Grundsatz der Kommunikation. Gerade da hat sich viel verfestigt. Heute hat sich in unseren Breiten der Standpunkt der Reichen, der Erfolgreichen, der Leistungstr\u00e4ger, der Komfortzonenbewohner:innen massiv durchgesetzt. Ihre Erz\u00e4hlungen deuten das Leben. All\u00fcberall. Manchmal, wenn ich am Hauptbahnhof in Linz auf den Bus warte, gehe ich zu den Obdachlosen hin\u00fcber, die sich dort in den Wartekoijen eingenistet haben, und rede mit ihnen. Sie erz\u00e4hlen mir von einer ganz anderen Welt, eben von ihrem Standpunkt aus gesehen. Es ist mir ein Bed\u00fcrfnis, mich selber hier fluide zu halten, meine Positionen und Standpunkte hinterfragen zu lassen. Mein Zivildienst bei den Obdachlosen war da eine wirkliche Lebensschule. Eine einmal eingenommene Position hat immer irgendwie die Tendenz, zu einem verfestigten Standpunkt zu werden, der sich in seiner kristallinen Art immer verteidigen will, sogar die Tendenz entwickelt, Gewalt zur Verteidigung einzusetzen. Damit wird Friede unm\u00f6glich gemacht.<br \/>\nAngela Merkel hat zum Abschied einen Satz gesagt, der genau hierher geh\u00f6rt: &#8222;Verlernen wir nicht, die Welt immer auch aus den Augen des Anderen zu sehen, zu betrachten.&#8220; Das \u00f6ffnet den Weg f\u00fcr Frieden, Vers\u00f6hnung und Ausgleich. Perspektivenwechsel, echt und ehrlich, wie es beispielsweise gerade Heinz Mittermayer von der KAB O\u00d6 in einem der Fl\u00fcchtlingslager in Griechenland tut.<br \/>\nDabei hat Gott noch ein Sch\u00e4uferl dazugelegt: Betrachtet die Welt auch mit den Augen der Fremden, ja der Feinde. Da erstarren die meisten. Es ist sehr schwer, sich gerade in diese Richtung &#8222;fluid&#8220; zu halten. Wir als Christ:innen haben da ein besonderes Geschenk bekommen, um genau das nicht aus den Augen zu verlieren. Wir kennen, sch\u00e4tzen und lieben diesen Wegbegleiter Jesus, Freund und Mitgeher, diesen Stein, den die kristallinen Bauleute verworfen haben. Er hat wie viele Prophet:innen vor ihm und Heilige nach ihm das Tor zum Frieden ge\u00f6ffnet und will es durch uns offen halten.<br \/>\nMeine Einladung: Halten wir unsere Positionen fluide, bringen wir sie immer wieder in Beziehung.<\/p>\n<h3>Br\u00fccken<\/h3>\n<p>Hier geht es um das aufbrechende Leben. In einer Gedanken\u00fcbung gehe ich in unserer Pfarrkirche im Bergdorf durch den Spalt, in dem in den dunkelsten Stunden des Lebens das goldene Licht des Himmels f\u00e4llt (siehe Bild). Der sakrale Raum der Kirche und der profane Raum des Pfarrzentrums ber\u00fchren einander im etwa einen Meter breiten Geb\u00e4udespalt, durch den das Licht des Himmels hinunter f\u00e4llt in den Aufbahrungsraum der Verstorbenen. An einer gro\u00dfen Glasplatte ist die Emmausgeschichte zu lesen. Wir haben sie uns als Leitgeschichte f\u00fcr die Pfarre auserkoren. Die zwei Frustrierten, Entt\u00e4uschten und Suchenden am Weg heimw\u00e4rts, offen f\u00fcr den Fremdling, der sich dazugesellt und ihnen das Leben neu erkl\u00e4rt beim Brotbrechen. Die Augen gehen ihnen auf und sie sehen den, den sie liebten, auf den sie ihre Hoffnung, ihr Leben gesetzt haben. Das auferstandene Leben macht ihnen die Br\u00fccke auf zum neuen Leben, das sie erst jetzt verstehen.<br \/>\nIn diesen Spalt hinein &#8222;krackt&#8220; wie eine Beule der Ort der Vers\u00f6hnung, der Beichtstuhl. Nebeneinander sitzen, einander zuh\u00f6ren und einander in die Spur des vers\u00f6hnten Lebens helfen, ist die Grundintention des Holzkastens. Die Beichte ist zwar in der alten Form gestorben, aber die Sehnsucht nach vers\u00f6hntem Leben ist gr\u00f6\u00dfer den je. Daran will uns die in den goldenen Spalt heinkrackende Beule erinnern, eine Br\u00fccke bauen.<br \/>\nWer die Todesrealit\u00e4t des Lebens denkt, bedenkt, begibt sich in das \u00fcber Br\u00fccken aufbrechende Leben. Der Spalt in unserer St. Anna Kirche hilft uns, \u00fcber Br\u00fccken zu gehen, dem aufbrechenden Leben zu trauen. Es ist nicht immer leicht zu verstehen, aber Loslassen befreit, Gespr\u00e4che verb\u00fcnden und Vers\u00f6hnung geht.<br \/>\nMeine Einladung: Nutzen wir die Br\u00fccken im Spalt zwischen Himmel und Erde, gleichsam am allt\u00e4glichen und gemeinsamen Weg nach Emmaus.<\/p>\n<h3>Agapen<\/h3>\n<p>Mit einer <a href=\"https:\/\/www.weltanschauen.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltanschauen<\/a>-Gruppe war ich am Marienweg in Rum\u00e4nien unterwegs. Nach einem langen Tag kamen wir abends m\u00fcde in unsere Unterkunft an. Das Essen war noch nicht ganz fertig, die Kartoffel noch nicht gesch\u00e4lt. Es waren drei Steirer:innen, die einen Stuhl nahmen, nach Messern Ausschau hielten und das &#8222;Kartoffelh\u00e4fn&#8220; in die Mitte stellten. Los ging es und die Kartoffel waren im Nu gesch\u00e4lt. Viele H\u00e4nde schnelles Ende, eine vielgesagt Weisheit.<br \/>\nDie Natur bringt alles hervor, sie sorgt f\u00fcr uns, ist unsere Lebensbasis und unser Lebensraum. Die Natur wirkt gemeinsam, bringt Vielfalt hervor. Die Natur ist nicht nur unsere Lebensspenderin, sondern genauso unsere Lebensmeisterin.<br \/>\nDie Kirche hat sich &#8211; von Papst Fraziskus angesto\u00dfen &#8211; auf den synodalen Weg gemacht. Gemeinsam, kooperativ und partizipativ soll dieser Weg begangen werden. Dabei verlassen wir das hierarchische Denken und Entscheiden, das sich gerade auch im Status, im Komfort und durch Dienstleistungsmentalit\u00e4t zeigt, oben und unten genau zuordnet. Nein, das ist nicht die Sache Jesu und der Menschen, die sich in der Jesusbewegung daheim f\u00fchlen.<br \/>\nDa ist das Netzdenken daheim, auf Augenh\u00f6he und barrierefrei, in gemeinsamer Sorge, in Liebe und Kompassion, in Vielfalt aufbauend. Unterdr\u00fcckung und Gewalt sind ausgewandert, der Mensch darf und soll aufrecht, aufgerichtet gehen. Dort, wo Konflikt ist, wird dem Schw\u00e4cheren beigestanden, weil klar wurde, dass Passivit\u00e4t immer dem St\u00e4rkeren, dem Unterdr\u00fccker hilft.<br \/>\nDas Gehen lehrte mich im Laufe der Zeit immer intensiver diese Einsicht: Das Leben kommt dir entgegen. Und Jesus ist viel gegangen, alleine und gemeinsam. Entwickelt haben sich aus diesen &#8222;Gehmeinschaften&#8220; Agapen wie rund um die f\u00fcnf Brote und zwei Fische, um Brot und Wein. Richtige Liebesm\u00e4hler wurden gefeiert, weil Gott im gemeinsamen Leben erfahrbar wurde und wird, dort daheim ist.<br \/>\nDeshalb auch hier meine Einladung: Wehren wir uns gegen die Verstopfungen, l\u00f6sen wir die Knoten, bauen wir keine k\u00fcnstlichen Barrieren auf, geben wir den Egoismen keinen Platz. Mauern k\u00f6nnen abgebaut und \u00fcbersprungen werden, wenn wir hierarchische Denkmuster und Gewohnheiten hinter uns lassen. Das Gehen bringt gemeinsames Leben, friedvolles und vers\u00f6hnendes Leben hervor. Ich k\u00f6nnte stundenlang erz\u00e4hlen.<br \/>\nAm Ende unseres <a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/als-pilger-pioniere-am-barbaraweg-unterwegs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">tagelangen Gehens am Barbaraweg in der Slowakei<\/a> wollten wir in der Kirche von Banska Bystrica in der Kirche unseren Abschlu\u00df machen. Der Pfarrer hat uns das nicht erlaubt. So sind wir entt\u00e4uscht hinter die Kirche gegangen, haben dort unseren Dank, unser Gebet und unser Singen zusammengetragen. Dann gehen wir wieder vor die Kirche, kommen in eine Hochzeitsgesellschaft. Die Brautleute sehen uns mit den Rucks\u00e4cken, kommen auf uns zu, bieten uns Schnaps an, laden uns zu ihrer Agape vor der Kirche ein. Wir nehmen die Einladung an, singen f\u00fcr sie unsere Lieder und sind wieder ganz vers\u00f6hnt. Wir haben Kirche vor der Kirche erlebt, Gott au\u00dferhalb der Kirchenmauern gesehen und gesp\u00fcrt. Wir ahnen, dass Gott eine unglaubliche Freude am gemeinsamen und geteilten Leben hat. Drinnen wie drau\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Pace e bene &#8211; f\u00fcr 2022!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1. J\u00e4nner ist landl\u00e4ufig der &#8222;Weltfriedenstag&#8220;. Am Beginn des Jahres wird dem Frieden Platz einger\u00e4umt. 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