{"id":10759,"date":"2022-10-24T13:58:55","date_gmt":"2022-10-24T12:58:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=10759"},"modified":"2022-10-24T13:58:55","modified_gmt":"2022-10-24T12:58:55","slug":"allerheiligen-liebe-sprengt-die-logik-des-marktdenkens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/allerheiligen-liebe-sprengt-die-logik-des-marktdenkens\/","title":{"rendered":"Allerheiligen: Liebe sprengt die Logik des Marktdenkens"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_10761\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10761\" class=\"size-medium wp-image-10761\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-06-15-wegdesbuches-001-750x563.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10761\" class=\"wp-caption-text\">Zeitlose Uhr<\/p><\/div>\n<p>Erst wenn Rituale geteilt werden, entfalten sie ihre Kraft. Gerade die Feiern, die Liturgien und die lokalen Riten, Symbole und Traditionen rund um den Tod, die zu Allerheiligen und Allerseelen in besonderer Weise begangen werden, bieten eine besondere Chance, sich als dankbare Lebensgemeinschaft zu erleben, sich in einer zweckfreien Convivialit\u00e4t aufgehoben zu wissen. Der Friedhof wird so ein besonderer Ort einer tiefen Convivialit\u00e4t.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Blumen, die Lichter, die Prozessionen, die Gebete, die Musik f\u00fchren uns in das tiefe Geheimnis des gemeinsamen Lebens (lat. con vivere), hin zu den Lieben, die vorausgegangen sind und doch ganz zu unserem Leben geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Sterben und der Tod haben in unserer auf Nutzen und Zweck, auf Schnelligkeit und marktorientierter Lebens\u00f6konomie basierenden technogenen Gesellschaft den Charakter eines Betriebsunfalles bekommen. Sterbende werden zum Teil an die R\u00e4nder und in Ghettos gedr\u00e4ngt. Der Tod ist zu einem Maschinenschaden menschlichen Lebens geworden. Die Welt begreift sich immer \u00f6fter als gro\u00dfe Megamaschine, ist gepr\u00e4gt von der Austreibung des Anderen, des Fremden, des Unangenehmen und entfaltet entlang von Algorithmen, die keinerlei Zwischent\u00f6ne kennen, ein Leistungsdenken und ein Selbstoptimieren, das Distanziertheit und \u201eKommunikation ohne Gemeinschaft\u201c entfaltet. Im allgegenw\u00e4rtigen Wachstums- und Produktionsmodus gibt es im Grunde nur zwei Daseinsformen: funktionieren oder kaputt. Der Tod wird als Missgeschick, eben als Betriebsunfall gedeutet. Der Friedhof ist deshalb f\u00fcr viele ein unangenehmer Ort geworden.<\/p>\n<p>Als Katholische Aktion ermutigen wir Menschen gerade zu Allerheiligen, Allerseelen, eine vielleicht neue Form der Convivialit\u00e4t, des Zusammenlebens, Zusammensp\u00fcrens und Zusammenfeierns in den Blick zu nehmen. Dieses \u201eZusammen-leben\u201c orientiert sich an der gelebten und zweckfreien Gastfreundschaft, \u00f6ffnet R\u00e4ume, um das Gemeinsame, den Zusammenhalt, das Zusammengeh\u00f6ren wieder in den Mittelpunkt zu stellen, ganz haptisch. Solche Convivialit\u00e4t ist gepr\u00e4gt von einer ruhigen Einfachheit, von einer gl\u00fccklichen Gen\u00fcgsamkeit und anerkennt Grenzen. Der Tod hat keine Taschen, wo du etwas mitnehmen k\u00f6nntest. Die Not wird in die Mitte genommen und dieses Lebensverst\u00e4ndnis kennt den \u201eBruder Tod\u201c. \u201eWarum m\u00fcssen wir sterben?\u201c ist jene Frage, die als Antwort \u201eWeil wir leben\u201c anerkennt. Wir gehen an die Gr\u00e4ber zu Menschen, die sich oft aufgeopfert, Liebe und Empathie gelebt haben, in die Compassion gegangen sind. Damit wird der Friedhofbesuch in direkter Weise auch ein Protest gegen die rein kapitalistische Sicht, die die liebevolle Hingabe, das hingebungsvolle Opfer, dass sich jemand hingebungsvoll zur Verf\u00fcgung stellt, als vollkommen idiotisch ansieht. Liebe sprengt die Logik des Marktdenkens. Zweckfreie, hingebungsvolle Liebe scheint vielen heute \u00fcbertrieben, sentimental oder gar naiv. Eine neue Convivialit\u00e4t sieht das als Zentrum, gerade auch mit Blick auf die jetzt im Raum stehenden Herausforderungen wie Krieg, Klima oder Transformation der allt\u00e4glichen Lebensvollz\u00fcge.<\/p>\n<p>Der Wunsch nach sozialer Begegnung, nach heilenden Beziehungen und haptischer Verbundenheit liegt in der Natur des Menschen. Gerade das Zusammentreffen der Familie, der Gro\u00dffamilie, des Freundeskreises am Friedhof in den Tagen des Gedenkens an unsere Verstorbenen kann diese neue und tiefe Convivialit\u00e4t zum Ausdruck bringen. Leben und Sterben sind unser Leben. Die kirchlichen Rituale und die Traditionen vieler Vereine zu Allerheiligen und Allerseelen &#8211; beispielsweise der Musikkapellen &#8211; sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck, Hilfe und Unterst\u00fctzung darin, dass Menschen zusammenfinden und den Tod wie die Verstorbenen in ihre Lebensmitte holen. Auch die neuen Formen von Ritualen wie beispielsweise der Katholischen Jungend mit der \u201eNacht der 1000 Lichter\u201c greift dieses Urbed\u00fcrfnis des Menschen auf.<\/p>\n<p>Wir wissen: Erst wenn Rituale geteilt werden, entfalten sie ihre Kraft. Diese Kraft kann gerade am Friedhof und in den Kirchen erlebt und als besonderes Belebungsmittel Richtung neue Convivialit\u00e4t erfahrbar werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst wenn Rituale geteilt werden, entfalten sie ihre Kraft. 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