{"id":10826,"date":"2022-12-13T21:18:04","date_gmt":"2022-12-13T20:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=10826"},"modified":"2022-12-14T06:34:13","modified_gmt":"2022-12-14T05:34:13","slug":"ferdinand-klostermann-in-erinnerung-rufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/ferdinand-klostermann-in-erinnerung-rufen\/","title":{"rendered":"Ferdinand Klostermann in Erinnerung rufen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-10827\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-300x176.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-300x176.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-1024x602.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-150x88.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-768x451.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2-750x441.jpg 750w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/20221212_zoom_klostermann.screen2.jpg 1353w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Was ist eine Marke? &#8222;Das, was andere \u00fcber mich sagen, wenn ich nicht im Raum bin.&#8220; Ich bin dem Pastoral- und Befreiungstheologen Ferdinand Klostermann (1907-1982) nie pers\u00f6nlich begegnet. Wohl habe ich in den sp\u00e4ten 70er und den weiteren Jahren mit vielen Menschen in Ober\u00f6sterreich direkt zu tun gehabt, die von ihm begeistert gesprochen haben, inspiriert waren von seinem Verst\u00e4ndnis von Kirche auf Augen- und Ohrenh\u00f6he, von der Gleichwertigkeit von Laien und Klerus, dem m\u00fcndigen Christsein. Ich kann also nur ein kleines Zeugnis von Klostermann&#8217;s Wirksamkeit zug\u00e4nglich machen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/klostermann_bild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10829\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/klostermann_bild.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/klostermann_bild.jpg 190w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/klostermann_bild-107x150.jpg 107w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a>Am 12. Dez 2022 haben wir von der <a href=\"https:\/\/www.kaoe.at\/pages\/kaoe\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katholischen Aktion \u00d6sterreich<\/a> zu einem Zoom-Meeting &#8222;Erz\u00e4hlungen von und \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferdinand_Klostermann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ferdinand Klostermann<\/a> zum 40. Todestag&#8220; eingeladen, um die Erinnerung wachzurufen. In der Einladung stand: &#8222;Am 22. Dez 2022 j\u00e4hrt sich der 40. Todestag des Konzilstheologen, Feuergeist und europ\u00e4ische Befreiungstheologen. Erika Weinzierl meinte, dass Ferdinand Klostermann der bedeutendste \u00f6sterreichische Theologe des zwanzigsten Jahrhunderts war. Er wurde verkannt, geduldet und zum Teil ge\u00e4chtet. F\u00fcr die anderen war er der Inbegriff des Aufbruchs ganz konsequent im Geiste des Konzils. Sein lebenslanges Ringen um eine christliche Theologie der Erfahrung und sein Kampf f\u00fcr eine von h\u00e4retischen Strukturen befreite katholische Kirche und christliche \u00d6kumene waren ihm Herzensangelegenheit. Er hat etwas vorausgedacht, was ihn zu seiner Zeit umstritten machte. Die klerikale Spaltung in Amtstr\u00e4ger und Laien, in Befehlende und Gehorchende widerspricht der christlichen Geschwisterlichkeit. Damit sind wir direkt am synodalen Weg heute. Die ehrliche Reform der kirchlichen Strukturen und der Spiritualit\u00e4t auf allen Ebenen hat er ungeschminkt angesprochen und eingefordert. Das Laienapostolat war ein von (Mit)Verantwortung gepr\u00e4gtes Miteinander auf Augen- und Ohrenh\u00f6he. Und da sind wir bei der Katholischen Aktion. Als Impulsgeber und Erz\u00e4hler f\u00fcr das moderierte Gespr\u00e4ch werden <a href=\"http:\/\/www.alfred-kirchmayr.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alfred Kirchmayr<\/a> (wissenschaftlicher Mitarbeiter und Freund Klostermanns), <a href=\"https:\/\/karl-immervoll.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Immervoll<\/a> (Studierender bei Klostermann und Geistlicher Assistent KAB\u00d6) und Ferdinand Kaineder (Pr\u00e4sident der Katholischen Aktion \u00d6sterreich) fungieren. Katharina Renner (Vizepr\u00e4sidentin der Katholischen Aktion) wird die Moderation \u00fcbernehmen.&#8220; Und der Bildschirm war voller Leute.<\/p>\n<h3>Fragementarische Wahrnehmung seiner Wirksamkeit in Ober\u00f6sterreich<\/h3>\n<p>Mein Wahrnehmung als junger Theologiestudent und dann in der Dompfarre als junger Pastoralassistent war die, dass es vor allem Kleriker waren, die seine Theolgoie als Programm der Ver\u00e4nderung von einer klerikal-hierachischen Kirche hin zu einer gemeinsamen synodalen Kirche der Getauften betrieben haben. Bischof Franziskus Sal <u>Zauner<\/u>, der die <a href=\"https:\/\/www.dioezese-linz.at\/ka\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katholische Aktion<\/a> als dieses Netz der gemeinsamen Verantwortung in der Kirche in O\u00d6 konsequent installiert hat. Pastoralprofesser Wilhelm <u>Zauner<\/u> war befreundet mit Klostermann und hat in der Vorlesung Aussagen get\u00e4tigt wie folgt: Wenn eine Priesterweihe gefeiert wird, feiern wir drei Tage. Getauft ist in drei\u00dfig Minuten. Umgekehrt muss es sein: Wenn ein Mensch getauft wird, sollen wir drei Tage feiern und bei einer Priesterweihe gen\u00fcgen drei\u00dfig Minuten Er wollte damit die besondere Bedeutung der Taufe hervorheben. Der m\u00e4nnliche Klerikalismus hat sich allerdings in der Bev\u00f6lkerung tief verankert. Dompfarrer Johann <u>Bergsmann<\/u> hat mich 1982 als ganz jungen Pastoralassistenten statt einem zweiten Kaplan in die Dompfarre Linz geholt. &#8222;Laien werden die Zukunft sein.&#8220; Selbstverst\u00e4ndlich habe ich im Dom gepredigt und eigenst\u00e4ndig Verantwortung f\u00fcr meine Zust\u00e4ndigkeitsbereiche gehabt. &#8222;Da ist der Tresorschl\u00fcssel und deine Unterschrift am Konto gilt&#8220;, sagte er beim Aufbruch in seinen Urlaub 1983. Als junger Theologe war diese Zumutung der ganzen Verantwortung im R\u00fcckspiegel betrachtet ganz tiefes Vertrauen. Auch die Domkapitulare Walter <u>Wimmer <\/u>oder der Caritasdirektor Pr\u00e4lat Josef <u>Mayr\u00a0<\/u>haben immer wieder der klerikalen Spaltung entgegengewirkt, die Klostermann als h\u00e4retische Strukturen entlarvt hat. Genaso hat auch KA-Pr\u00e4sident Eduard <u>Ploier<\/u> auf die allseits befreiende Wirklung der Kirche hingewiesen und den m\u00fcndigen Christen, die m\u00fcndige Christin in den Mittelpunkt gestellt und genau diesen Christen selbst engagiert gelebt. Engagierte Laien und das Volk wurden durch ihn auf Di\u00f6zesanebene gegen\u00fcber dem Bischof und in der Gesellschaft vertreten. Selbst\u00e4ndiges und m\u00fcndiges Laienapostolat war das Selbstverst\u00e4ndnis, mit dem Klostermann die Menschen inspiriert und ermutigt hat. Und nat\u00fcrlich ist da Bischof Maximilan <u>Aichern<\/u>, der sich diesem \u00d6ffnungsprozess aus dem Geist des Vatikanum II nie entgegengestellt hat. Er hat immer einen Schl\u00fcssel gesucht, wo vom klerikal gepr\u00e4gten Kirchenrecht (bis heute) die T\u00fcren verschlossen waren und sind. Und das lie\u00dfe sich ganz weit und breit ausfalten bis hin zu Margit <u>Hauft<\/u>, die das als selbstbewusste und m\u00fcndige Frau mutig weiter (vor)gelebt hat.<\/p>\n<h3>Was ich als Pr\u00e4sident der KA\u00d6 hier dazulege?<\/h3>\n<p>Nach Karl Immervoll von der KAB\u00d6 und Alfred Kirchmayr habe ich noch diese Anliegen in Klostermann-Erinnerungsrunde gelegt. Etwa so: &#8222;Das Verst\u00e4ndnis als Getauftenkirche ist zentral f\u00fcr ein jesuanisch-christliches Lebensmodell. Mit der St\u00e4ndekirche muss konsequent Schlu\u00df sein, asynodale Situationen sind ungeschminkt zu identifizieren und in die neue Geschwisterlichkeit hin\u00fcberzuf\u00fchren oder zu beenden. Das synodale Denken, Handeln und Entscheiden muss das Betriebssystem der gesamten Kirche sein, auf allen Ebenen. Es braucht in allen Vollz\u00fcgen der Kirche eine breite Mitbestimmung und ein eigenst\u00e4ndiges, m\u00fcndiges Verantworten von Frauen und M\u00e4nnern in einer Gleichwertigkeit durch alle Dimensionen und \u00c4mter. Das \u00f6kumenische und inklusive Verst\u00e4ndnis von Kirche ist das jetzige und zuk\u00fcnftige. Als Katholische Aktion und als Gliederungen in der KA m\u00fcssen wir auch aufh\u00f6ren, uns immer nur im Verh\u00e4ltnis zu den Bisch\u00f6fen zu konstruieren. Mit der Bibel unterm Arm ist von uns vor allem der Blick auf und das Mitgehen mit den konkreten Menschen rund um uns entscheidend. Es liegt an uns, hier das N\u00f6tige und Anstehende zu tun und die Kirche inklusive der Amtstr\u00e4ger dorthin zu transformieren. Was brauchen die Menschen? Was leben sie (schon) vom Evangelium, das uns selbst als Kirche (noch) nicht gelingt? Wo sind die Menschen schon viel weiter als der oft schwerf\u00e4llige Tross der Hierarchiekirche? Dort ansetzen und mit den Menschen weitergehen. Als KA\u00d6 wollen wir daher Vergemeinschaftungen f\u00f6rdern, Stimme erheben und Avantgarde sein f\u00fcr eine neue kirchliche Pr\u00e4senz, ganz im Sinne von Ferdinand Klostermann.&#8220; Er war auch geistlicher Assistent der KA.<\/p>\n<h3>Breiter Austausch und verschiedene Notwendigkeiten f\u00fcr Ver\u00e4nderungen<\/h3>\n<p>Im Online-Gespr\u00e4ch wurde immer wieder die &#8222;christliche M\u00fcndigkeit&#8220; hervorgehoben. Das einzige, was gegen Ausschwitz hilft, ist M\u00fcndigkeit, Selbstbewusstsein und eine eigene Meinung. Kirchmayr nennt die\u00a0 klerikalen Kirche heute &#8222;Klerikalien&#8220;. Dadurch wird der Geist des Konzils auf den Kopf gestellt. Klostermann sah die gest\u00f6rte Beziehung zu Frauen durch den Z\u00f6libat und hat daher in kirchlichen \u00c4mter damals alle Menschen, Frauen, M\u00e4nner, ledig, verheiratet gesehen. Christliche Gemeinschaften brauchen diese &#8222;Kristallisationspersonen&#8220;. Die Beziehung zur Kunst und K\u00fcnstler:innen war ihm wichtig. Es wurden tief sitzende Mentalit\u00e4ten angesprochen, die ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen, auch durch das Umschreiben des Kirchenrechtes und der Kirchenverfassung. Festgehalten wurde auch, dass die Ideen und der Geist Klostermanns gerade an der Fakult\u00e4t nach ihm &#8222;ausgetrieben&#8220; wurden. Er war nach seinem Nachfolger schnell in Vergessenheit gedr\u00e4ngt worden und Sch\u00fcler von ihm mussten aus Wien &#8222;fliehen&#8220;.\u00a0 Und doch wird positiv festgehalten, dass zum Beispiel durch eine Religionslehrerin im Sinne Klostermanns etwas grundgelegt wurde, das nicht &#8222;kaputtmachbar&#8220; ist. Nicht unerw\u00e4hnt gelassen wurde, dass der Mensch ein &#8222;Erdling&#8220; ist und daher die Lebenslust, das Essen und Trinken wichtig sind. Im Finale des Gespr\u00e4ches haben sich irgendwie drei Str\u00e4nge besonders sichtbar herausgestellt. 1. Es braucht f\u00fcr die Ver\u00e4nderung den wirklichen Fokus, das Kirchenrecht und die Verfassung entsprechend umzuschreiben. 2. Es braucht kontinuierliche Erinnerungsarbeit, damit der Geist des Konzils nicht weiter vergessen wird, Erz\u00e4hlungen \u00fcber Menschen wie Klostermann, die das m\u00fcndige Christsein aller in den Mittelpunkt stellen. 3. Es braucht Lebenslust und Begeisterung aus dem jesuanisch-christlichen Geist, das gemeinsame Essen und Genie\u00dfen. Christliche Spiritualit\u00e4t nach Klostermann hat mit Knien zu tun: &#8222;<em>Ein <strong>Hinknien<\/strong> zum Dank f\u00fcr alles Positive. Und ein <strong>Hineinknien<\/strong>, damit es besser wird<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p>+++<\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Hier der Artikel in der Kathpress: https:\/\/redaktion.kathpress.at\/goto\/meldung\/2214696\/katholische-aktion-wuerdigt-konzilstheologen-klostermann<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Hier der Beitrag von Karl Immervoll auf Pastoraltheologie.org: https:\/\/pastoraltheologie.org\/ferdinand-klostermann-1907-1982-erinnerungen-an-einen-grossen-oesterreichischen-theologen\/<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Hier der Beitrag auf kaoe.at: https:\/\/www.kaoe.at\/artikel\/141666\/katholische-aktion-wuerdigt-konzilstheologen-klostermann<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\">Hier der Beitrag von Alfred Kirchmayr im Quart: https:\/\/quart-online.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/24.pdf<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eine Marke? &#8222;Das, was andere \u00fcber mich sagen, wenn ich nicht im Raum bin.&#8220; Ich bin dem Pastoral- und Befreiungstheologen Ferdinand Klostermann (1907-1982) nie pers\u00f6nlich begegnet. 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