{"id":10944,"date":"2023-05-27T07:24:35","date_gmt":"2023-05-27T06:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=10944"},"modified":"2023-05-25T14:45:06","modified_gmt":"2023-05-25T13:45:06","slug":"sturm-und-feuer-ueber-die-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/sturm-und-feuer-ueber-die-kirche\/","title":{"rendered":"Sturm und Feuer \u00fcber die Kirche"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-10948\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-300x182.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-1024x621.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-150x91.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-768x466.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548-750x455.jpg 750w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/pfingsten_IMG_8548.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die wunderbare und profunde <a href=\"https:\/\/www.furche.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wochenzeitung &#8222;Die Furche&#8220;<\/a> hat mich gebeten, in einem <a href=\"https:\/\/www.furche.at\/religion\/pfingsten-2023-sturm-und-feuer-fuer-die-kirche-11019293\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Essay Pfingsten<\/a> zu bedenken. Immer wieder geht mir die aktuelle K\u00f6rpersprache der Kirche durch Kopf und Herz. Wenn du predigen gehst, ist das Gehen die Predigt. Wie machen sie das? Und genau da ist noch einiges &#8222;Nicht-Pfingstliche&#8220; im Gegensatz zu den geschwisterlichen Gemeinden der Jesusbewegung da. Das braucht Sturm und Feuer \u00fcber die Kirche. Und wenn es soweit ist: Loslassen befreit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wenn Bildung, Gesundheit, Kultur und Soziales kirchlich gepr\u00e4gt sind, schmeckt es fast allen hier in \u00d6sterreich, Kirchenmitgliedschaft hin oder her. Nicht umsonst schicken selbst kirchenkritische Eltern ihre Kinder in eine Ordensschule, damit sie Werte und ein konsistentes Lebensbild inklusive Rituale erleben k\u00f6nnen. Die Caritas ist gern gesehene Gespr\u00e4chspartnerin und Expertin in Medien, wenn es um soziale Schieflagen geht. Kein \u00d6sterreichurlaub ist denkbar ohne den Besuch einer kirchlichen Kulturst\u00e4tte oder einer der bedeutenden Kirchen. Im Ordensspital beispielsweise f\u00fchlen sich Menschen weniger als Nummer als anderswo, noch dazu als Privatpatienten. Eine Ordensfrau hat das gr\u00f6\u00dfte Potential an Vertrauensw\u00fcrdigkeit und Trostkraft. \u00dcberall dort finden Menschen \u201ege\u00f6ffnete und empathische Haltungen\u201c vor, heutige Welt- und Menschenbilder pr\u00e4gen die Professionalit\u00e4t der handelnden Menschen und Organisationen.<\/p>\n<p>Aber ist das die Kirche, die Menschen meinen, wenn sie landl\u00e4ufig von der Kirche reden? Nein. Wenn der Blick der Menschen im \u00f6ffentlichen Diskursraum auf \u201edie Kirche\u201c geht, dann reden Menschen und Medien von der Hierarchiekirche der Bisch\u00f6fe, meinen die Kleruskirche, die Missbrauchskirche, die frauenfeindliche Amtskirche, das \u201emenschenferne Oben\u201c (mit Papst Franziskus als bem\u00fchte Ausnahme) und das gestrige, nicht demokratisch verfasste Kirchengebilde. M\u00f6gliche positive Erlebnisse in der Pfarre wie bei Erstkommunion, Firmung oder in einer der pfarrlichen Gruppen werden zuerst eben nicht dieser Hierarchiekirche zugeordnet. Dann stellt sich heraus, dass selbst dort \u201eein Pfarrer\u201c immer das letzte Wort hat. Wenn der nicht will, skurrile Ansichten hat, der Sprache nicht m\u00e4chtig ist, das hohe Alter (weil es keinen Nachwuchs gibt) sein Bem\u00fchen verdeckt, wird das Bild von einer weltoffenen, menschenzugewandten, tr\u00f6stenden und befreienden Kirche immer weiter zugedeckt. Selbst die medial dauerpr\u00e4senten Kollar tragenden Priester lassen zwar das von den Medien dargestellte Bild etwas freundlicher erscheinen, versch\u00e4rfen allerdings in der Peripherie und an der Basis diesen \u201ePriesterfokus\u201c, der in einer Art von Kult-Kirche landet.<\/p>\n<p>\u201eDie Strategien der Wunschproduktion, Sehnsuchtserf\u00fcllung und Kontingenzbew\u00e4ltigung des hegemonialen Kapitalismus sind effizienter, flexibler, anschaulicher, adressatenorientierter, liquider als jene der Kirchen und sie sind nicht traditionsbehindert.\u201c Das sagt der Pastoraltheologe Rainer Bucher und stellt damit die Kirche in das Heute, das zum Gro\u00dfteil von digital gepr\u00e4gten Dynamiken erf\u00fcllt ist. Die Kirche ist nicht (mehr) Souver\u00e4n, sondern Untertan dieser pr\u00e4genden Dynamiken. Byung-Chul Han schreibt in zwei kleinen B\u00fcchern treffend \u201eVom Verschwinden der Rituale\u201c und sieht die neuen digitalen Realit\u00e4ten als \u201eUndinge\u201c. \u00a0Jetzt sind allerdings Rituale und die Anschauung der Dinge f\u00fcr ein religi\u00f6ses Leben konstitutiv. Diese tiefgreifende Ver\u00e4nderung h\u00e4tte das Konzil sehr fr\u00fch erkannt und darauf reagiert. Gesprungen ist die Kirche nicht, wie der verstorbene Weihbischof Helmut Kr\u00e4tzl in seinem Buch \u201eIm Sprung gehemmt\u201c schreibt.<\/p>\n<p>Ber\u00fchrend offen hat Kardinal Christoph Sch\u00f6nborn in der Predigt von den inhaltlichen Auseinandersetzungen mit seinem verstorbenen Weihbischof gesprochen. War f\u00fcr den einen der Aufbruch in Sicht, hat der Kardinal die Zeit nach dem Konzil als \u201eZusammenbruch\u201c erlebt. Kr\u00e4tzl hat bewusst die Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 16,11-15) f\u00fcr sein Begr\u00e4bnis ausgew\u00e4hlt, die Lydia schildert, die damals dem missionierenden Paulus und dem Christentum in Europa das eigene Haus ge\u00f6ffnet hat, sich als erste taufen lie\u00df. \u00dcber diese Lydia hat der christliche Glaube Fu\u00df fassen k\u00f6nnen. Neben mir stand beim Begr\u00e4bnis eine befreundete Frau und sie fl\u00fcsterte mir ins Ohr: \u201eSo sch\u00f6n, diese Lesung, die eine Frau in den Mittelpunkt r\u00fcckt.\u201c Sie war den Tr\u00e4nen nahe. Mein Blick geht nach vorne ins Presbyterium. Dort sehe ich nur Bisch\u00f6fe und weitere klerusgewandete M\u00e4nner. Selbst die Lesung hat ein Mann vorgetragen. In meinem Kopf tut sich wieder dieser Spalt auf. Da wird von den wichtigen Frauen geredet, konkret einen Platz um den Altar bekommen sie allerdings keinen. Weder das Kirchenrecht noch die liturgische Ordnung verbietet Frauen im Presbyterium. Die Gewohnheit schl\u00e4gt zu. Pfingsten komm.<\/p>\n<p>\u201ePl\u00f6tzlich kam vom Himmel her ein Brausen \u2013 wie ein gewaltiger Sturm \u2013 und erf\u00fcllte das ganze Haus (den ganzen Dom), in dem sie versammelt waren. Zugleich sahen sie etwas wie z\u00fcngelndes Feuer, das sich auf jeden Einzelnen niederlie\u00df.\u201c Ein Pfingsten voller gottgen\u00e4hrter Geistkraft f\u00fcr und mit allen J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern. Ein neues Verstehen (Sprachen), ein fester Mut (Feuer) und ein geschwisterliches Miteinander zeichnete daraufhin die ersten Christinnen und Christen aus. Frauen und M\u00e4nner stehen am Altar. Ihr Verstehen ist gen\u00e4hrt von einem neuen Hinh\u00f6ren auf Augenh\u00f6he, auf die Not und die Bed\u00fcrfnisse der Menschen. Ihr Mut ist ein Mut zur Tat und zur konkreten gegenseitigen Unterst\u00fctzung. Und aus diesem Verhalten entspringt dieses synodale Miteinander als \u201eneue K\u00f6rpersprache\u201c. Der Magnetismus der ersten Christengemeinden verankert sich im Heute. Und genau diese neue K\u00f6rpersprache, die von Vielheit und Diversit\u00e4t, von Gleichheit in der W\u00fcrde ganz konkret, von Gewaltfreiheit im Umgang miteinander, von Liebe und Compassion mit allen Lebewesen gepr\u00e4gt ist, redet \u201edie Kirche\u201c zwar viel und bleibt doch in der alten K\u00f6rpersprache h\u00e4ngen wie beim Begr\u00e4bnis.<\/p>\n<p>Deshalb braucht es eine Avantgarde f\u00fcr neue kirchliche Pr\u00e4senzen. Das gelingt einer \u201eKirche der Werke\u201c wie beispielsweise in Bildung, Gesundheit, Kultur und Sozialem. Jesus w\u00fcrde aus meiner Sicht heute eher mit Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen im spannenden Dialog sein, am Krankenbett tr\u00f6stend die Hand halten, als Vermittler durch die Geschichte und Herkunft gehen und konsequent und penetrant die ungerechten gesellschaftlichen Strukturen, die arm machen und andere unversch\u00e4mt reich, gei\u00dfeln. Ob er beim Begr\u00e4bnis im Presbyterium oder hinten stehend Platz nehmen w\u00fcrde, lasse ich offen. Eines bin ich mir sicher: Die Hierarchiekirche wird noch viel Pfingsten, Sturm und Feuer brauchen, damit sich in der K\u00f6rpersprache das neue Verstehen, der feste Mut und das synodale Miteinander ehrlich und glaubw\u00fcrdig \u201eabbilden\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><a style=\"color: #ff6600;\" href=\"https:\/\/www.furche.at\/religion\/pfingsten-2023-sturm-und-feuer-fuer-die-kirche-11019293\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Furche-Artikel<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wunderbare und profunde Wochenzeitung &#8222;Die Furche&#8220; hat mich gebeten, in einem Essay Pfingsten zu bedenken. Immer wieder geht mir die aktuelle K\u00f6rpersprache der Kirche durch Kopf und Herz. Wenn du predigen gehst, ist das Gehen die Predigt. Wie machen sie das? 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