{"id":1112,"date":"2010-01-22T21:27:02","date_gmt":"2010-01-22T20:27:02","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=92"},"modified":"2018-01-04T07:10:27","modified_gmt":"2018-01-04T06:10:27","slug":"von-der-weite-der-natur-zur-lichtverschmutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/von-der-weite-der-natur-zur-lichtverschmutzung\/","title":{"rendered":"Von der Weite der Natur zur &#8222;Lichtverschmutzung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Wunderbar geschlafen. Minus\u00a0 6,7 Grad. Die Schulter meldet sich zu Wort. Fr\u00fchst\u00fcck. Einpacken. Ein St\u00fcck zu zweit gehen. Die Weite der Felder rund um Pasching und Thenning\u00a0 er\u00f6fnen den Tag. Abschied nehmen. Weitergehen. Der schmerzvolle Dialog mit der Schulter verfl\u00fcchtigt sich um die Mittagszeit. Sie hat eingesehen, dass ein Rucksack dabei sein muss. Der zweite Tag hat es in sich. K\u00f6rper und Geist m\u00fcssen in der K\u00e4lte auf besondere Weise in die Pilgerf\u00e4hrte gebracht werden.<\/p>\n\n<p><strong>Evangelisch und katholisch auf einem Kilometer<\/strong><\/p>\n<p>Schon von weitem ist der Kirchtum von <strong>Thenning<\/strong> auszumachen. Ich gehe hinein. Es ist die drittgr\u00f6\u00dfte evangelische Kirche in \u00d6sterreich. Auch im Pfarramt sage ich ein kurzes Hallo zur Pfarrsekret\u00e4rin. Sie kommt drauf, dass sie vergessen hat, die Kirche zuzusperren. Ich habe davon profitiert. Weiter geht es zur katholischen Schwesterpfarre <strong>Kirchberg<\/strong>. Die Kirche ist \u00fcberraschend warm und bei P. Markus erfahre ich das Geheimnis. Sie ist vorgeheizt, weil um 11 Uhr eine Taufe ist. Mit meinen nassen Schuhen plaudern wir im Vorhaus und Kaffee hatte ich schon beim Fr\u00fchst\u00fcck. &#8222;Denk nicht, du seiest hier am Land. Bei uns ist es auch wie in der Stadt. Das sieht man am Gottesdienstbesuch und der Individualismus ist genau dergleiche&#8220;, sch\u00e4rft mir P. Markus die Sicht auf die Realit\u00e4t in Anbetracht der gro\u00dfen Felder und Bauernh\u00f6fe. Die Kirche ist einladend und Gotteslobe laden zum Gebet ein.<\/p>\n<p><strong>Oftering und H\u00f6rsching an der Westbahn und am Flughafen<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich hin\u00fcbergehe beobachte ich die ankommenden Flieger und Z\u00fcge. Zwei Flieger sind gelandet und acht Z\u00fcge vorbeigebraust. In Oftering wird ein Licht angez\u00fcndet und in H\u00f6rsching werde ich schon am offenen Fenster vom neuen Pfarrer und vom Pastoralassistenten begr\u00fc\u00dft. Auch die Sekret\u00e4rin ist da. Zuvor war ich in der Kirche und habe dort mit der Blumenfrau l\u00e4ngere Zeit gesprochen. Zw\u00f6lf Frauen achten abwechselnd auf den Blumenschmuck. Vieles in der Pfarre ist perfekt eingeteilt. Der \u00dcbergang von einem zum anderen Pfarrer hat noch ein paar &#8222;Holperer&#8220;.\u00a0 Bei Wasser und einem K\u00e4sebrot reden wir im Pfarrhof miteinander \u00fcber all die Herausforderungen, die ein Personalwechsel so mit sich bringt. &#8222;So ein Pilger kommt daher, sagt etwas und geht wieder&#8220;, meint Thomas der Pastoralassistent und erinnert sich an mehrere Begegnungen mit jenen Pilgern, die am Jakobsweg daherkommen. Auch ich trage mich ins Pilgerbuch ein. Am Weiterweg spreche ich vier Jugendliche an: &#8222;Wo geht ihr als Jugendliche in eurer Freizeit hin?&#8220; Wie aus der Pistole geschossen alle gemeinsam: &#8222;Ins Plus&#8220; und suchen sich bei der Bushaltestelle den n\u00e4chsten Bus dorthin. Ich spreche noch die Kirchen und Pfarren in der N\u00e4he an und ihre Miene ver\u00e4nderte sich in Richtung: Ist der von einem anderen Stern?<\/p>\n<p><strong>Wenn der Gr\u00fcnder Emeritus wird<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss gestehen, dass ich die Pfarre Traun-Oedt bisher nur aus dem Schematismus und dem klingenden und verdienstvollen Namen Alfons Illig kenne. Oedt\u00a0ist eine un\u00fcbersehbare Ansammlung von Einfamilienh\u00e4usern. Nach einem langen Marsch durch einen Wasserwald erblicke ich die H\u00e4user. Ich frage eine Frau, die gerade des Weges kommt, nach der Kirche: &#8222;Dort nach dem Haus um die Ecke und sie stehen davor. Ich bin die Pfarrhaush\u00e4lterin und gehe jetzt nach Neubau heim.&#8220; &#8222;Dort komme ich her&#8220;, sage ich und frage weiter: &#8222;Treffe ich jemanden an?&#8220; &#8222;Nein, der Pastoralassistent ist gerade gegangen und der emeritierte Pfarrer ist nicht gesund.&#8220; &#8222;Dann l\u00e4ute ich lieber nicht an.&#8220; &#8222;Ja, das ist besser so&#8220;, r\u00e4t sie und erz\u00e4hlt mir noch freudig, dass sie jetzt eine Woche auf Urlaub f\u00e4hrt.\u00a0 Die Kirche, der Pfarrhof, der Pfarrsaal und das Pfadfinderheim sind ineinander verwachsen und so ist es eine meiner Meinung nach gro\u00dfes Geb\u00e4udeensemble, errichtet Ende der 80-er Jahre. Die Frau hat mich auch &#8222;gewarnt&#8220;, dass die Kirche zugesperrt ist, weil es in letzter Zeit Probleme gab bis hin zum Z\u00fcndeln. So verziehe ich mich ins gegen\u00fcberliegende und warme Cafe.<\/p>\n<p><strong>Was hat Pucking mit Wilhering zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Es geht weiter im Dekanat Traun, sehr weit bis hin\u00fcber nach Pucking. Die Traun am Kraftwerk \u00fcberqueren und\u00a0weiter der Stra\u00dfe entlang bis zur Kirche im Bewu\u00dftsein, dass ich viel davon wieder zur\u00fcckgehen muss. Pucking liegt in der Autobahnastgabel und so kommt der Gedanke hoch, dass die Linie, der Faden\u00a0bis Wilhering schon sehr weit ist. Dieses Dekanat entfaltet schon bis jetzt eine Vielfalt ohne dass ich noch die Einkaufstempel erreicht habe. Die Kirche hat eine wunderbare Atmosph\u00e4re und das Pfarrheim ist\u00a0 ansprechend. Am Pfarrhofschild scheinen zwei Namen hinter- oder \u00fcbereinander auf. &#8222;Innerlohinger&#8220; scheint durch und &#8222;Miggisch&#8220; ist schon etwas vergilbt. Wenn man nicht w\u00fc\u00dfte, dass der Pfarrer wechseln wird, w\u00fcrde ich mich fragen, &#8222;was uns dieses Glockenschild sagen will&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Kirche am Berg trotzt den Konsumtempelt\u00fcrmen<\/strong><\/p>\n<p>Fast w\u00e4re ich in den kleinen Bach gest\u00fcrzt, weil ich eine Abk\u00fcrzung \u00fcber die Felder nach Berg bei Ansfelden genommen habe. Der Stock war f\u00fcr mich bis zur H\u00e4lfte eingetaucht. Schlie\u00dflich komme ich aber gut bei der Kirche Berg an. Der Vorraum ist begehbar. Ein Blick geht durch das versperrte Glas in den Kirchenraum. Die Schauk\u00e4sten berichten \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der Pfarre. Ich l\u00e4ute an. Will schon gehen. Da \u00f6ffnet eine \u00e4ltere Mitschwester von Sr. Pauline die T\u00fcr. &#8222;Sr. Pauline ist beim PfarrassistentInnentreffen in Puchberg und wird ganz sp\u00e4t heimkommen&#8220;, wei\u00df die gute Seele des Hauses. Ich gebe ihr meine Visitenkarte und danke f\u00fcr die kurze Plauderei an der T\u00fcrschwelle.<\/p>\n<p><strong>Kirche mitten in der Arbeitswelt und die mitten in der Natur<\/strong><\/p>\n<p>Fritz Stelzer-K\u00e4ferb\u00f6ck ist Betriebsseelsorger im Zentrum Mensch und Arbeit in Nettingsdorf. Er hat mich besonders eingeladen. Ich gehe extra auf den H\u00fcgel und sehe die Wegstrecke und schaue auf die Uhr. Es geht sich nicht aus. W\u00e4hrend ich eintauche in die Konsum-Meile Haids mit den grell erlechteten &#8222;Konsum-Minaretten&#8220; denke ich an die Erz\u00e4hlung von Fritz von einer Adventfeier im Betriebsseelsorgezentrum, wo ein Gehirntumor &#8222;die ganze Liturgie \u00fcber den Haufen geworfen hat.&#8220; So soll es sein d\u00fcrfen, wenn wir von Empathie und Compassion gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p><strong>Die Einkaufsmeilen sind beleuchtet wie das Wohnzimmer<\/strong><\/p>\n<p>Mein Bruder leitet oder arbeitet in einem Arbeitskreis in der Umweltabteilung es Lanes O\u00d6 mit der Themenstellung \u201cLichtverschmutzung\u201d.\u00a0Sie werden\u00a0viel Arbeit habe, denke ich mir beim Hin\u00fcbergehen nach Haid sowohl im Haidpark als auch auf dem gro\u00dfen Platz vor der Kirche. Die Kirche selber verschwindet in der Finsternis. Es ist so, wie wenn die Kirche ein 30-Watt Gl\u00fchbirne verwendet und die Gesch\u00e4fte mit 500 Watt arbeiten. Soll die Kirche hier auch mitmachen und \u201cGl\u00fchbirnen aufr\u00fcsten\u201d. Im Sinne der Aufmerksamkeitsforschung und der Gewohnheiten ist das extrem spannend. Finsternis ist alt und unsicher, Helligkeit ist Lebn und Power.\u00a0 Ich sitze in der dunklen Kirche in Haid und sp\u00fcre die gute Stimmung. Im Keller im Pfarrheim treffe ich ein paar DSG-Tischtennisspieler.<\/p>\n<p><strong>Planung bringt Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Es ist wieder ziemlich kalt geworden und ich beschleunige meinen Schritt nach Ansfelden hin\u00fcber. Am Nachmittag wollte ich telefonisch &#8222;vorf\u00fchlen&#8220;, wie das mit einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit ist. Hat aber niemand abgehoben. Da f\u00e4llt mir dann der Spruch von Christoph Freudenthaler ein: &#8222;Ohne Planung keine Hoffnung.&#8220;\u00a0 Beim Vesper-L\u00e4uten um 19 Uhr sind alle Fenster am imposanten Pfarrhof finster. Ich umrunde die Kirche, Bruckners Geburtshaus, das Brucknerzentrum und mache ein paar wunderbare Fotos in dieser ged\u00e4mpften Lichtstimmung. \u00dcber einen Tipp bekomme ich dann auch einen Kopfpolster unter das m\u00fcde Haupt.<\/p>\n<p><strong>Was bleibt zum Weiter\u00fcberlegen?<\/strong><\/p>\n<p>Wo Konsum, Einkauf und gro\u00dfe hell erleuchtete Tempel sind, da tut sich was. Ansonsten ist es\u00a0still in den Ortschaften und Stadtteilen. Was ist der USP\u00a0des pfarrlichen und seelsorglichen Netzwerkes in diese &#8222;Konkurenz&#8220; hinein? (unique selling proposition, im Marketing f\u00fcr das Alleinstellungsmerkmal)<\/p>\n<p>^^^^^^^<\/p>\n<p>Der Beitrag auf LT1: <a href=\"http:\/\/xlurl.de\/6y4q56\">http:\/\/xlurl.de\/6y4q56<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wunderbar geschlafen. Minus\u00a0 6,7 Grad. Die Schulter meldet sich zu Wort. Fr\u00fchst\u00fcck. Einpacken. Ein St\u00fcck zu zweit gehen. 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