{"id":11515,"date":"2026-02-05T12:21:33","date_gmt":"2026-02-05T11:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=11515"},"modified":"2026-02-05T12:23:09","modified_gmt":"2026-02-05T11:23:09","slug":"bischof-maximilian-aichern-war-und-bleibt-mit-uns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/bischof-maximilian-aichern-war-und-bleibt-mit-uns\/","title":{"rendered":"Bischof Maximilian Aichern war und bleibt mit uns"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-11520\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-300x139.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"139\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-300x139.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-1024x474.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-150x69.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-768x355.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026-750x347.jpg 750w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/bischof-aichern-2026.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In aller Fr\u00fche im Zug zum KMB-M\u00e4nnertag lese ich am 31. J\u00e4nner 2026 auf meinem Smartphone diese Zeilen: &#8222;Um 4 Uhr fr\u00fch ist er nach Hause gegangen.&#8220; Mir f\u00e4llt das Kunswerk von Eva Weber ein: &#8222;Atmen.\u00a0 Atmen. Amen.&#8220; In mir der Gedanke: Jetzt hat er es geschafft. Ich kehre um. In den letzten Monaten habe ich Bischof Aichern \u00f6fter besucht, bei seinem Schreibtisch sitzend, trotz Schmerzen ein hellwaches Gesicht mir gegen\u00fcber. Beim Weggehen immer: &#8222;Und gr\u00fc\u00df mir deine Family, alle.&#8220; Diese oder \u00e4hnliche Aussagen haben ganz viele Menschen aus den Begegnungen mit dem<span style=\"color: #ff6600;\"> <a style=\"color: #ff6600;\" href=\"https:\/\/www.dioezese-linz.at\/news\/2026\/01\/31\/dioezese-linz-trauert-um-bischof-emeritus-maximilian-aichern-osb\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verstorbenen Bischof Maximilian Aichern<\/a><\/span> mitgenommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beim letzten Besuch &#8211; ohne zu wissen, dass es der letzte sein wird &#8211; habe ich gemeint: Beten wir f\u00fcr die Welt, f\u00fcr jene Menschen,\u00a0 die es nicht leicht haben, und f\u00fcr dich &#8211; ein Vater unser. Er darauf: Ja, das machen wir. Und wir haben gebetet. Er hat mit dem Segensgebet noch ganz breit ausgeholt. Die massiven R\u00fcckenschmerzen haben ihn wieder daran erinnert, dass die Zeit kommen wird. Die f\u00fcrsorgliche Haush\u00e4lterin hat die Salbe geholt. Wir haben einander noch gesegnet und tief begl\u00fcckt &#8211; ja, so war es &#8211; bin ich wieder in den Lebensalltag aufgebrochen. Begleitet haben mich die Erinnerungen und Erfahrungen, dass das Gespr\u00e4ch in fr\u00fcheren Tagen immer auch schon das Gebet war, das hellwache Zuh\u00f6ren und Austauschen.<\/p>\n<p>Ein paar Tage davor hat er am Abend angerufen, hat mir noch von einer Begebenheit erz\u00e4hlt. Das hat er mit vielen Menschen gemacht. Aus dem KA-Umfeld habe ich das immer wieder geh\u00f6rt: Er hat angerufen. Am Ende des Telefonates meinte er: Ferdinand, betet f\u00fcr mich. Unser vielf\u00e4ltiges Miteinander war zu seiner Amtszeit &#8222;per Sie&#8220;.\u00a0 Als Pastoralassistent am Dom von 1982 -1992 habe ich nat\u00fcrlich immer wieder Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen gehabt, war unsere Pfarrkirche auch Bischofskirche. Als Ausbildungsleiter, Kommunikationsleiter und Mediensprecher der Di\u00f6zese war mein B\u00fcro im Bischofshof in unmittelbarer N\u00e4he zum Bischof bis zu seinem von Wien her geforderten R\u00fccktritt 2005.<\/p>\n<p>2009 hat er mich mehrmals auf meinem Fussweg nach Assisi angerufen. Ich erinnere mich noch an ein Telefonat in Padua: Wo bist du gerade? Dass du so weit gehen magst und dass das deine F\u00fc\u00dfe aushalten. Er hat immer eine unglaublich empathische Tonalit\u00e4t in Telefonaten und Gespr\u00e4chen gehabt. Es hat meiner damals gekr\u00e4nkten Seele unglaublich gut getan, war er doch der einzige aus der oberen Ebene, der auf pers\u00f6nliche Weise Anteil an meinem, unserem Schicksal genommen hat. Er hat auch meine Frau daheim angerufen, wie es ihr geht in unserer Situation. Nicht nur einmal. Es war immer etwas Aufrichtendes, Heilendes und Ermutigendes in seinem Zuh\u00f6ren und seinen einfachen Worten. Das hat uns auch auf pers\u00f6nliche Weise zusammengef\u00fchrt. Und so sind wir ins &#8211; &#8222;per Du&#8220; &#8211; hineingestolpert. Ich habe allerdings das &#8222;per Sie&#8220; auch in einer sehr pers\u00f6nlichen und respecktvollen Art erlebt. Das &#8222;Sie&#8220; war eine besondere Art der gegenseitigen Wertsch\u00e4tzung. Jetzt k\u00f6nnte der Eindruck entstehen, wir w\u00e4ren immer einer Meinung gewesen. Wir haben unterschiedliche Wahrnehmungen, Sichtweisen und Projektvorhaben schon \u00f6fter &#8222;diskutieren&#8220; m\u00fcssen, immer in Respekt voreinander und eingebettet in jene &#8222;kritische Loylit\u00e4t&#8220;, die uns alle miteinander verbunden hat. Eine &#8222;fremde Meinung und Wahrnehmung&#8220; war ihm\u00a0 &#8211; so mein Eindruck &#8211; immer heilig. Wenn ich heute \u00f6fter bei Vortr\u00e4gen oder Gespr\u00e4chen sage, wir m\u00fcssen wieder lernen, &#8222;das Fremde zu lieben&#8220;, dann hat das hier auch eine Quelle.<\/p>\n<p>Im Zug zur\u00fcck nach Linz war ich froh, dass ich schon am Vortag begonnen habe, nicht nur pers\u00f6nlich sondern auch als Pr\u00e4sident der <span style=\"color: #ff6600;\"><a style=\"color: #ff6600;\" href=\"https:\/\/www.kaoe.at\/pages\/kaoe\/home\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katholischen Aktion \u00d6sterreich<\/a><\/span> Worte zufinden. &#8222;Gr\u00fc\u00df dich, Herr Pr\u00e4sident&#8220;, war ja immer das Erste, was er zu mir gesagt hat. Und dann: &#8222;Ferdinand, nimm Platz da&#8220; und er deutete auf den Sessel neben ihm. Beim vorletzten Besuch musste ich in sein G\u00e4stebuch einen Eintrag machen, die Haush\u00e4ltein hat ein Foto von uns beiden gemacht. Ich zeige es manchmal her, aber nicht \u00f6ffentlich. Er war schon gezeichnet, wie man sagt, aber ganz da. In Absprache mit dem Pr\u00e4sident:innen-Team der KA\u00d6 haben wir am Vormittag diesen Text an die Medien \u00fcbermittelt und auf die Website gestellt als gemeinsamen Nachruf der KA\u00d6 mit den Gliederungen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #666699;\"><em>&#8222;Mit Bischof Maximilian Aichern verlieren wir einen Menschen, der breite Menschlichkeit gelebt hat, auf menschliche und empathische Weise auf alle zugegangen ist und allen ein offenes Ohr geliehen hat. Er hat sich pers\u00f6nlich anr\u00fchren lassen von den jeweiligen Lebenssituationen und alle beim Namen genannt. Immer wieder haben wir erlebt, wie er sich erkundigt hat, wie es den Kindern geht oder Gr\u00fc\u00dfe an die Familien ausgerichtet hat. Seine wertsch\u00e4tzende und hellwache Haltung hat viele Menschen angesprochen, imponiert und aufgerichtet. Immer war seine besondere Hinwendung zu den Schw\u00e4cheren im Vordergrund. Dankbarkeit hat er ausgestrahlt und eine aufrichtende dankbare Lebenshaltung bei vielen gestiftet.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #666699;\"><em>Mit Bischof Maximilian verlieren wir einen besonderen Mitchristen der Tat. Soziale Gerechtigkeit und grenzenlose Zusammengeh\u00f6rigkeit und Solidarit\u00e4t hat er als besonderen Auftrag f\u00fcr sich aus dem Evangelium abgeleitet. Er ist aufgestanden, wo es eine starke Stimme f\u00fcr die Benachteiligten gebraucht hat. \u201eH\u00f6re\u201c ist das erste Wort in der Benediktus-Regel und das hat er ganz und gar gelebt. Er war immer umringt von Menschen, die sich an ihm w\u00e4rmen konnten. \u201eCoraggio\u201c hat er den Menschen und Mitchristen immer wieder ermutigend zugerufen. Das Gespr\u00e4ch war sein \u201eHeilungsinstrument\u201c. Buchstaben und Worte k\u00f6nnen dieses Christenleben der Tat nicht einfangen.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #666699;\"><em>Mit Bischof Maximilian verlieren wir einen Hirten mit und unter uns, der unter den Menschen Vertrauen und Zutrauen gesch\u00fcrt hat. Er hat sich als Diener in der vielf\u00e4ltigen Einheit verstanden und trotz Anfeindungen gelebt. Synodal gefasste Entscheidungen hat er als seinen Arbeitsauftrag geduldig und auch gegen Widerst\u00e4nde von oben abgearbeitet. Als Br\u00fcckenbauer hat er immer das vielf\u00e4ltige Gemeinsame gest\u00e4rkt. Anfeindungen hat er stets direkt besprochen und auch geduldig ertragen. Die auf ihn zur\u00fcckgehenden Einrichtungen, Initiativen und Organisationen sind nicht alle hier aufz\u00e4hlbar. Wir behalten ihn als Solidarit\u00e4tsanstifter und in allem bescheidenen Bischof in Erinnerung.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #666699;\"><em>Von 1982 bis 2005, also seine ganze bisch\u00f6fliche Amtszeit in Linz, war Bischof Maximilian auf \u00d6sterreichebene als Referatsbischof f\u00fcr die Katholische Aktion mit ihren Gliederungen zust\u00e4ndig. Er hat sich 23 Jahre lang f\u00fcr alle Hauptversammlungen und viele Pr\u00e4sidiumssitzungen Zeit genommen, hat viel zugeh\u00f6rt, Anregungen gegeben und dabei nicht nur die Organisation, sondern die vielen meist ehrenamtlich Engagierten gest\u00e4rkt und ermutigt. Das Laienapostolat im Sinne der Katholischen Aktion war f\u00fcr ihn aus der Katholischen Arbeiterjugendkommend wesentlich f\u00fcr eine jesuanisch-christliche Weltgestaltung als Kirche in der Jetztzeit. Bis zuletzt hat er sich pers\u00f6nlich eingesetzt f\u00fcr eine entsprechende Ausstattung der KA, damit sie ihre vielf\u00e4ltigen Aufgaben in der Kirche und Welt erf\u00fcllen konnte. Eine faire Arbeitswelt, ein arbeitsfreier Sonntag, ein Wirtschaften um der Menschen willen, globale Gerechtigkeit, eine ehrliche geschlechtergerechte Kirche mit den Frauen in allen \u00c4mtern, ein nachhaltig sozial-\u00f6kologisch-spirituelle Welt, ein Dagegenstemmen gegen die wachsende Ungleichheit sind nur fragmentarisch in Erinnerung gerufene Themen, f\u00fcr die er gelebt hat. Pers\u00f6nlich und als Katholische Aktion verneigen wir uns in tiefer Dankbarkeit vor diesem Menschen, diesem Christen und diesem Bischof. Ferdinand Kaineder, Katharina Renner, Thomas Immervoll&#8220;<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach dem Teilen dieser Nachricht im Laufe des Tages hat sich in mir eine tiefe Traurigkeit breit gemacht. Immer wieder sind Menschen in meinen Gedanken, in meinem Inneren aufgetaucht, die mir viel bedeuten und schon verstorben sind. Nat\u00fcrlich kommen zuerst die Eltern daher, mein j\u00fcngerer Bruder und familiennahe Personen. Seit unserer Dompfarrzeit, wo wir zehn Jahre\u00a0 im Dompfarrhof in einem quasi &#8222;CoHousing&#8220; gewohnt haben, wissen wir auch ganz praktisch, dass es eine &#8222;erweiterte Familie&#8220; gibt, die aus der &#8222;Seelenverwandtheit&#8220; kommt,\u00a0 wie Johann Bergsmann oder sp\u00e4ter Josef Ahammer. Sie waren wie Aichern weitherzige &#8222;Erm\u00f6glicher und Ermutiger&#8220;.\u00a0 Wenn ich in den n\u00e4chsten Tagen viel Zeit damit verbringe,\u00a0 an den verschiedenen Begr\u00e4bnisritualen wie Beten, Requiem in Linz und Beisetzung in St. Lambrecht teilzunehmen, dann wird sich zeigen: Wir bleiben in tiefer Verbundenheit gemeinsam unterwegs.<br \/>\nPace e bene. RIP.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In aller Fr\u00fche im Zug zum KMB-M\u00e4nnertag lese ich am 31. J\u00e4nner 2026 auf meinem Smartphone diese Zeilen: &#8222;Um 4 Uhr fr\u00fch ist er nach Hause gegangen.&#8220; Mir f\u00e4llt das Kunswerk von Eva Weber ein: &#8222;Atmen.\u00a0 Atmen. Amen.&#8220; In mir der Gedanke: Jetzt hat er es geschafft. Ich kehre um. 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