{"id":121,"date":"2010-01-23T23:03:45","date_gmt":"2010-01-23T22:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=121"},"modified":"2018-01-04T07:10:22","modified_gmt":"2018-01-04T06:10:22","slug":"ist-das-wirklich-der-stadtpilger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/ist-das-wirklich-der-stadtpilger\/","title":{"rendered":"Ist das wirklich der Stadtpilger?"},"content":{"rendered":"<p>Ich gehe zum x-ten Mal unter oder \u00fcber\u00a0die Autobahn. Immer ist sie im Weg. Vier gut gelaunte Damen und Herren mit Blumen in den H\u00e4nden kommen mit nach der letzten heutigen Unterf\u00fchrung entgegen.\u00a0In einiger Entfernung munkeln sie miteinander. Dann spricht einer die Vermutung aus: &#8222;Ist das nicht der Stadtpilger &#8211; der da fast 50 Pfarren zu Fuss besucht?&#8220; &#8222;Ja,&#8220; sage ich. Und wir unterhalten uns am Gehsteig \u00fcber die Idee, die Pfarren, die Kirche, was ihnen zusagt und wor\u00fcber sie sich nur wundern. Eine halbe Stunde weiter frage ich ein junges Paar mit Hund nach der k\u00fcrzesten Wegstrecke nach St. Franziskus. Die junge Frau erinnert sich, dass sie gestern etwas auf LT1 gesehen hat, da ist auch einer durch die Stadt gewandert. &#8222;Oder sind das gar sie?&#8220;, fragt sie. &#8222;Ja&#8220;. Und\u00a0 wir kommen auf Assisi zu reden und sie ist voll interessiert. Sie gehen mit mir bis zur Kreuzung und entlassen mich dann. Am Morgen hat aber alles anders begonnen. Keine Leute unterwegs und wieder &#8222;saukalt&#8220; wie wir im M\u00fchlviertel sagen.<\/p>\n<div><strong><\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Am Vormittag Stille und am Nachmittag Vollbetrieb<\/strong><\/p>\n<p>Nach gut einer Stunde bin ich in Ebelsberg von Ansfelden kommend bei meiner ersten Station. Die Kirche und das &#8222;Pfarrensemble&#8220; gehe ich von\u00a0r\u00fcckw\u00e4rts an. Zuerst gehe ich in die Kirche und z\u00fcnde mein Licht an. Es ist sehr ruhig. Das neue Pfarrzentrum mit seiner ungewohnten Architektur regt die Leute an. Ein \u00e4lterer Herr meint: &#8222;Wenns des net baut h\u00e4tten, dann h\u00e4ttns viel gspart.&#8220;\u00a0 Auch in der gegen\u00fcberliegenden B\u00e4ckerei, in der ich mein Fr\u00fchst\u00fcck eingenommen habe, war die Meinung geteilt. Die Verk\u00e4uferin ist ein ehemaliges Jungscharkind aus der Dompfarre. Nachmittags schaute ich beim R\u00fcckweg nochmals im Pfarrhof vorbei und ich wurde sehr gastlich empfangen. Pfarrer, Pastoralassistentin und Kaplan waren da. Der Pfarrer best\u00e4tigt, dass es nicht einfach nur Zustimmung gibt zum Neubau. Ich f\u00fchle mich sehr verstanden, weil ich selber das beim Neubau des St. Anna Pfarrzentrums in Kirchschlag erlebt habe. &#8222;Jetzt gef\u00e4llt es den Leuten, wo es fertig ist&#8220;, meint der Pfarrer.\u00a0Wie in Kirchschlag.<\/p>\n<p><strong>Ikonenen in einer warmen Kirche<\/strong><\/p>\n<p>Eine Frau hat mir den Traunweg nach Pichling gezeigt. 3,6 km ist am Radwegschild zu lesen. Ich war noch nie in der Kirche von Pichling und bin gespannt. Der Kirchturm blinzelt schon hervor und ich sehe eine sch\u00f6ne Pfarranlage. Die Kirche ist warm und hat eine besondere Aura. Ikonen machen den Raum reicher und das Bild vom verstorbenen Pfarrer T\u00fcrk gibt mir Auskunft \u00fcber die Entstehungsgeschichte. Ich stelle mir vor, dass hier gut feiern ist. Plakate sagen mir, dass verschiedene Vereine von Pichling ihre Veranstaltungen im Pfarrheim abhalten.\u00a0 Au\u00dferdem denke ich daran, dass ich anfang M\u00e4rz mit dem Pfarrgemeinderat eine Klausur haben werde.<\/p>\n<p><strong>Ein Prophet im Sonnen-Stadtteil<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die gefrorenen Felder n\u00e4here ich mich an, an die Solarcity. Ein Stadtteil ist sozusagen von 0 auf 100 hochgefahren worden. Und die Kirche ist hier dabei mit dem Seelsorgezentrum Elia. Ich bin zum ersten Mal da. Die Kirche ist ein wenig aus dem Zentrum wegger\u00fcckt und auch mit keinem Turm erkenntlich. Zwei zarte gro\u00dfe Kreuze sagen mir beim genaueren Rundumblick: Hier. Der Eingangsbereich bunt, belebt. Aber zugesperrt. Das macht der Samstag vormittag. Ich gehe rundherum und auch die Kapelle hat bei der K\u00e4lte noch nicht offen. Da\u00a0 ruft das nahe Cafe und wie es der Zufall will, f\u00e4hrt gerade die Nummer 14 beim Abfahrtslauf in Kitz. Cuche wird gewinnen und kein \u00d6sterreicher am Stockerl. Als ich wieder an &#8222;Elia&#8220; vorbeikomme, warten Kinder auf die Probe f\u00fcr eine Mini-Playback-Show. Es geht also\u00a0 los\u00a0 mit dem Leben im Begegnungszentrum.<\/p>\n<p><strong>Von 270 auf 8<\/strong><\/p>\n<p>Mein n\u00e4chstes Ziel ist die Pfarre Kleinm\u00fcnchen, St. Quirinus. Es geht \u00fcber die Traunbr\u00fccke. Diagonal wandere ich \u00fcber die Wiesen und die H\u00f6fe in Richtung des Kirchturms. Eine wirklich gro\u00dfe Kirche wurde hier 1907 in der Zeit der Prosperit\u00e4t errichtet. Sie ist zugesperrt, weil es immer wieder Vorf\u00e4lle gibt, steht auf einem Zettel. Der Schl\u00fcssel kann im Pfarrhof geholt werden. Das tue ich. Ich l\u00e4ute an. Der Pfarrer \u00f6ffnet mir und ist etwas \u00fcberrascht. Erst im zweiten Hinschauen erkennt er mich und l\u00e4dt mich gleich ein. Wir sitzen im Pfarrb\u00fcro und plaudern \u00fcber die Situation. &#8222;1972 bin ich hierher gekommen und wir hatten in diesen Jahren\u00a0jeweils um die 270 Erstkommunionkinder.\u00a0Heuer sind es 8. Es schmerzt, wenn man zuschauen muss, wie die Pfarre hier immer weniger wird, weil es eine bestimmte Siedlungspolitik gibt&#8220;, ist der Pfarrer etwas mutlos. Es werden hier haupts\u00e4chlich Muslime und Afrikaner angesiedelt, ist die Wahrnehmung des Pfarrers. Auch die Aufgaben des Stiftes St. Florian sind ob der\u00a0F\u00fclle auf Dauer kaum zu bewerkstelligen. Diese Wahrnehmung trage ich mit und sie besch\u00e4ftigt mich bis Auwiesen, ein Gebiet, das fr\u00fcher zu Kleinm\u00fcnchen geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich muss raus und da bin ich her\u00fcber gegangen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Zerst der Stra\u00dfenbahn entlang, dann dem Bach und schlie\u00dflich der Fabriksschlot. Das ist die Kirche Marcel Callo in der ehemaligen Fabrik. Oft war ich schon da und verschiedensten Gruppen oder Einzelpersonen wird diese Pfarre als &#8222;Vorzeigepfarre&#8220; und als Besonderheit aufgetischt. In der Kirche steht eine Krippe und eine Kerze brennt. Daran entz\u00fcnde ich meine Kerze, die ich immer anz\u00fcnde, wenn es die Gelegenheit dazu gibt. Alles ist sehr liebevoll geschm\u00fcckt und arrangiert. Im Pfarrst\u00fcberl brennt Licht und ich schaue, ob es einen Kaffee gibt. &#8222;Gerne&#8220; meint die Gastgeberin und ich setze mich zu einer Besucherin, die\u00a0ihr Getr\u00e4nk vor sich stehen hat. &#8222;Wissens, ich habe einmal raus m\u00fcssen und da gehe ich gerne hierher in die Pfarre&#8220;, begr\u00fcndet sie ihr Dasein. Sie erz\u00e4hlt von den vielen Veranstaltungen und vor allem von den &#8222;k\u00fcnsterlerischen Aktivit\u00e4ten&#8220;.\u00a0 Eine gute Atmosph\u00e4re und sicherlich ein guter Platz f\u00fcr Begegnungen. Mein Visitenkarterl soll dem Pfarrer &#8222;beweisen&#8220;, dass ich wieder einmal da war, diesmal zu Fuss.<\/p>\n<p><strong>Die D\u00e4mmerung wirft ein besonderes Licht<\/strong><\/p>\n<p>Wieder ist die Autbahn im Weg, wenn man von Auwiesen hin\u00fcber zum Guten Hirten muss. Eine Frau sagt mir aber, dass gleich hinter dem Bad eine Unterf\u00fchrung ist. Noch nie gesehen und schon x-mal dr\u00fcber gefahren. Eben alles eine Frage der Perpektive. Es ist sehr dunkel, als ich das Pfarrzentrum Guter Hirte erreiche, 1977 eingeweiht. In der Kirche macht der gut erleuchtete Weihnachtsbaum Licht. Ich sitze lange, weil es auch f\u00fcr eine Kirche gut warm ist. Im Vorraum laden viele Prospekte und Schriften zum Schm\u00f6ckern. Im Pfarrhof selber ist mittlerweile Licht geworden und so trete ich ein, bis ich den Pfarrer bei einem Beratungsgespr\u00e4ch st\u00f6re. Gr\u00fc\u00df Gott wollte ich ihm in jedem Fall sagen, wo ich mit ihm doch einige Jahre in der Laientheologen-Begleitung gearbetet habe. Seit gut eine halben Stunde wei\u00df\u00a0 ich, dass St. Franziskus mein heutiges Ziel ist.<\/p>\n<p><strong>Gef\u00fchle vom Assisi-Gehen finden hier ihren Platz<\/strong><\/p>\n<p>Mittlerweile ist es ganz finster geworden, dh. soweit man in der Stadt \u00fcberhaupt von Finsternis reden kann. Mit Pfarrer Josef Wimmer habe ich vorher telefoniert und er hat mich herzlich zu sich eingeladen. Er kommt vom Schifahren mit den Neffen. Ich feiere die Abendmesse mit. St. Franziskus &#8211; viele Gef\u00fchle werden hier wachgerufen und fallen in eine gute Stimmung. Nach der Messe sitzen wir bei der Jause und trinken auch ein Gl\u00e4schen Wein. Wir besprechen nicht nur die Situation der Pfarre, sondern dar\u00fcber hinaus auch die der Di\u00f6zese. Josef war lange Jahre Fachinspektor f\u00fcr AHS im Schulamt. Es gibt jede Menge zu erz\u00e4hlen und so muss das Blog-Schreiben bis jetzt warten.<\/p>\n<p><strong>Was ich zum \u00dcberlegen mitnehme<\/strong>?<\/p>\n<p>Kirche hat in der Vergangenheit immer bauliche Akzente gesetzt, die sicherlich irritiert haben. Wird die K\u00f6rpersprache der neuen Geb\u00e4ude verstanden oder nur als &#8222;fremd&#8220; erlebt?<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gehe zum x-ten Mal unter oder \u00fcber\u00a0die Autobahn. Immer ist sie im Weg. 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