{"id":150,"date":"2010-01-24T18:12:39","date_gmt":"2010-01-24T17:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=150"},"modified":"2018-01-04T07:10:17","modified_gmt":"2018-01-04T06:10:17","slug":"der-sonntag-hat-wirklich-geruht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/der-sonntag-hat-wirklich-geruht\/","title":{"rendered":"Der Sonntag hat wirklich geruht"},"content":{"rendered":"<p>Im Kaffeehaus haben sie am Nebentisch in ihrer recht lebhaften Diskussion behauptet: Am siebten Tag sollst du ruhen. Aufmerksam verfolge ich das Gespr\u00e4ch \u00fcber die \u00d6ffnung der Gesch\u00e4fte. Am heutigen Sonntag mache ich die Erfahrung, dass ab mittag selbst die Pfarren und Pfarrh\u00f6fe &#8222;ruhen&#8220;.<\/p>\n<div><strong><\/strong><strong><\/p>\n<p><\/strong>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><strong><\/strong><strong><\/strong><strong>\u00a0<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Nach-der-Messe-Kaffee in einem Haus im Schatten des Kirchturmes<\/strong><\/p>\n<p>Gut gest\u00e4rkt verlasse ich die Hausgemeinschaft St. Franziskus. Nur ganz vereinzelte Autos begleiten mich nach Traun St. Martin. Um 9.30 Uhr ist dort die Sonntagsmesse. Ich bin schon fr\u00fcher da und kann die Kirche aus den 60er-Jahren auf mich wirken lassen. Das Konzil war noch nicht und doch atmet die Kirche schon diesen Geist. Der Altar h\u00e4tte nach den liturgischen Erneuerungserwartungen gebaut werden sollen, doch dann musste nach Vorschrift gebaut werden und es wurde gestemmt. Nach dem Konzil wurde wieder gestemmt und der Altar in die Mitte gesetzt. Ein w\u00fcrdiges Feiern und am Schlu\u00df Geburtstagsgratulationen an den PGR-Obmann. Sepp Weichselbaumer und seine Frau haben mich zu sich nach Hause auf einen Kaffee eingeladen. Ich habe gerne angenommen. Sepp hat ja doch \u00fcber Jahre die Pfarren &#8222;angestachelt&#8220;, mit Hausverstand und geerdeter Spiritualit\u00e4t die Zeichen der Zeit zu verstehen und Hand anzulegen. Er war ja selber in dieser Pfarre \u00fcber Jahrzehnte im PGR t\u00e4tig, also basiserfahren.<\/p>\n<p><strong>In nur \u00a04 Monaten 9.000 PfarrheimbesucherInnen<\/strong><\/p>\n<p>Frischen Schrittes geht es in Richtung Stadtpfarre Traun. Vor gar nicht langer Zeit habe ich dort auf Einladung von Mike Kraml den Weltenwanderer Gregor Sieb\u00f6ck pers\u00f6nlich kennengelernt, und damals auch das neu gestaltete Pfarrheim. Im Inneren hoffe ich, dass ich dort zum Pfarrcafe zurecht komme. Ja. Es waren kurz vor 12 Uhr noch viele BesucherInnen da und bekam sofort Kuchen und Kaffee. Danke. Stefan Hirt, der Pastoralassisitenten, den ich vorgestern in Oedt vers\u00e4umt habe, sitzt auch darunter, checkt dann noch den Saal f\u00fcr die Ballprobe am Nachmittag. Ein Kurzbesuch im Pfarrhof beim Generaldechant Franz Wild ist auch noch m\u00f6glich, bevor er zu einer Tauffamilie geht. Dann erst gehe ich in die Kirche und z\u00fcnde mein Licht an und schreibe Anliegen in das Gebetbuch. Beim Weitergehen denke ich: Gl\u00fccklich jene Pfarre, die ein so belebtes Pfarrheim hat, wie man sehen kann. Seit der Er\u00f6ffnung im Oktober waren 9000 BesucherInnen da.<\/p>\n<p><strong>Offen f\u00fcr das Licht vom Himmel her<\/strong><\/p>\n<p>Ein m\u00e4chtiges Steinkreuz kennzeichnet den Vorplatz der Kirche von Langholzfeld. Es ist die Kirche zum hl. Kreuz. Eine f\u00fcr mich ber\u00fchrende Pieta. Ich hatte das Bed\u00fcrfnis, hier zwei Kerzen anzuz\u00fcnden. An den Kirchenraum m\u00fc\u00dfte ich mich &#8222;gew\u00f6hnen&#8220;. Der schwarze Boden, der schwarze Marmoraltar, Taufstein und Ambo. Sehr n\u00fcchtern. Nur die Lichtf\u00fcge zur Decke hin zeigt mir, &#8222;dass der Sargdeckel noch nicht geschlossen ist&#8220;. Lebe jeden Tag so als w\u00e4re es dein letzter, f\u00e4llt mir in diesen Momenten ein. Auf der gesamten Strecke von Traun nach Langholzfeld und Doppel habe ich 4 Personen getroffen. Bei dem Wetter ist wahrscheinlich jede Couch besetzt. Das ist auch Sonntag.<\/p>\n<p><strong>Hier spielt man nicht<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Wenn ich bis vorige Woche Leonding-Doppel geh\u00f6rt habe, mu\u00dfte ich an meinen Vorg\u00e4nger in der Dompfarre denken, Domvikar Gottwald. Er war jahrelang hier Pfarrer und ist schon verstorben. Seinen Nachfolger habe ich bei der Klausur kennengelernt. Die Kirche heute. Da ich kein Kirchenbauexperte bin, kann ich nur sagen, wie der Raum auf mich wirkt: wie eine gro\u00dfe Halle, die den Blick hinaufziehen will. Schon das Weihwasser ist interessant pr\u00e4sentiert. W\u00e4hrend ich hier sitze kommt eine Mutter mit ihrer Tochter und mit ihrem Puppenwagen. Das Kind will herumfahren und ist nat\u00fcrlich nicht still. Die Mutter will sie beruhigen mit dem Argument: &#8222;Schau, der Herr will hier beten.&#8220;\u00a0 Ich erz\u00e4hle der Mutter meine Erfahrung in einer kleinen Synagoge bei meinem einzigen Israelbesuch, wo drei M\u00e4nner ganz versunken gebetet haben und ein paar Kinder immer mit dem Dreirad um sie herumgefahren sind. &#8222;Das st\u00f6rt mich nicht, wenn Kinder kommen&#8220;, will ich sie entlasten. Sie meint aber: &#8222;Mich schon, hier spielt man nicht.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Die gewohnte Orientierung war weggesprengt<\/strong><\/p>\n<p>Wer von Doppel heraufwandert auf das Harter Plateau, der vermisst heute die beiden Hochh\u00e4user. Ich habe sie damals mit eigenen Augen fallen gesehen und sehe jetzt, dass schon wieder viele Wohnh\u00e4user stehen und Pfarrer Ehrenfellner eine eigene Stra\u00dfe bekommen hat: Ehrenfellnerstra\u00dfe. Die Zeltkirche ist offen und ich kann mir hier selber Licht machen. Es ist finster geworden. Beim Hergehen habe ich lange mit einem Ehepaar gesprochen.\u00a0F\u00fcr mich\u00a0hat der Taufstein eine besondere Festigkeit. Pfarren werden ihren Lebenswillen finden, wenn\u00a0m\u00f6glichst viele Getaufte ihre Berufung leben. \u00a0Wo n\u00e4mlich kein Wille, da kein Weg. Diese Pfarre hat ihren \u00dcbergang von den Hochh\u00e4usern zu den verstreuten Wohnungen gefunden.\u00a0 Ein kurzes Abschiedsgespr\u00e4ch halte ich noch mit Baumgartinger Christoph, der hier wohnt und als Professor in der P\u00e4dagogischen Hochschule t\u00e4tig ist, dazu Rektor des Schulamtes. Er hat gerade den Kopierer angeworfen und ich die St\u00f6cke zum Hin\u00fcbergehen nach Linz-Oedt.<\/p>\n<p><strong>Ausdauernde Bodenpastoral in einem neuen Stadtteil<\/strong><\/p>\n<p>Ich lerne ganz neue Seiten kennen, so die R\u00fcckseite mit den Apfelbaumfeldern von St. Isidor. Die gefrorenen Felder sind mein Weg. Nach der \u00dcberschreitung der Bahngleise bin ich in \u00d6ed, dem Gebiet der Pfarre Heiligste\u00a0Dreifaltigkeit. Ich frage nach dem Weg durch die vier- bis siebenst\u00f6ckigen Wohnh\u00e4user. Beim Pfarrzentrum angelangt, gehe ich zuerst in die Kirche, wo Licht brennt. Die Kerze entz\u00fcnde ich und l\u00e4ute dann bei der Pfarrassisitentenfamilie. Zwei Kinder begr\u00fc\u00dfen mich. Hier darf ich heute schlafen. Am Plan ist ersichtlich, dass die Kirche ganz zentral positioniert wurde. Der emeritierte Pfarrer Bernhard hat in wirklicher Kleinarbeit immer wieder die Leute besucht, von T\u00fcr zu T\u00fcr. Der Pfarrassistent best\u00e4tigt, dass die Leute auch auf diesen Wechsel, seine Pensionierung\u00a0gut vorbereitet wurden.<\/p>\n<p><strong>Was mir heute immer wieder unterkommt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wissen aus der Hirnforschung, dass jene Gehirnregionen, die wir gebrauchen, dazulernen und fit bleiben. Religi\u00f6se Praxis kann das f\u00f6rdern. Wir haben aber auch best\u00e4tigt bekommen, dass der Mensch dort noch viel mehr aufnimmt und lernt, wo er <strong>Begeisterung<\/strong> begegnet. Das ist es, was mich besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kaffeehaus haben sie am Nebentisch in ihrer recht lebhaften Diskussion behauptet: Am siebten Tag sollst du ruhen. Aufmerksam verfolge ich das Gespr\u00e4ch \u00fcber die \u00d6ffnung der Gesch\u00e4fte. 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