{"id":1549,"date":"2011-08-07T09:50:03","date_gmt":"2011-08-07T08:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=1549"},"modified":"2018-01-04T06:58:37","modified_gmt":"2018-01-04T05:58:37","slug":"gott-poltert-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/gott-poltert-nicht\/","title":{"rendered":"Gott poltert nicht"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich einige positive R\u00fcckmeldungen auf meine heutige Predigt beim Gottesdienst in Kirchschlag am 6. \u00a0August 2011 bekommen habe, stelle ich diese hier zur Verf\u00fcgung. Es gilt nat\u00fcrlich das gesprochene Wort ;-).<a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/08\/dsc037661.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1552\" title=\"Zillertal\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/08\/dsc037661.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a><\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p>Ich hatte jetzt 14 Tage Urlaub. Davon war ich eine Woche am Berliner H\u00f6heweg im Zillertal gemeinsam mit anderen unterwegs und zu sechst drei Tage zu Fuss nach Maria Taferl.\u00a0Wer kennt nicht diese wunderbaren Naturbegegnungen in den Bergen, aber genauso hier bei uns im M\u00fchlviertel.<br \/>\nEs gibt Gott sei Dank eine neu aufkeimende Sehnsucht nach Naturbegegnung. Bei aller Technik, bei allem Fernsehen und den M\u00f6glichkeiten des Internets kommt man jetzt wieder mehr drauf, dass der Mensch und gerade Kinder in der Naturbegegnung heil, ja geheilt werden kann. Die Natur ist die beste Therapeutin oder Spielgef\u00e4hrtin.\u00a0Naturbegegnung meint die unber\u00fchrte und wilde Natur. Nicht die gez\u00e4hmte Spielplatznatur oder gar das mit gekauften Spielsachen gerammelt volle Kinderzimmer.\u00a0Waldkinderg\u00e4rten. T\u00e4tigkeiten im Wald. Schwammerlsuchen ist wieder in. Wie oft haben wir auf unserem Weg nach Maria Taferl Pilze gesehen und voller Wehmut stehen lassen m\u00fcssen, weil wir keine Gelegenheiten hatten, sie zu genie\u00dfen.<br \/>\nIn Vorarlberg wurde der Schulbus wieder abgeschafft und die Kinder d\u00fcrfen wieder wie wir fr\u00fcher in die Schule gehen. Der Schulweg war ja f\u00fcr uns auch unendlich lange Naturbegegnung und auch Gemeinschaftsbildung. Dort nennen sie das Pedi-Bus. Das gemeinsame Gehen mit den F\u00fcssen. \u00c4ltere Menschen teilen sich ein und gehen mit den Kindern streckenweise mit. Ich behaupte: Diese Menschen erleben den neuen Wohlstand \u2013 den Zeit- und Bewegungswohlstand.<br \/>\nDer Prophet Elija war auch unterwegs. Er ging in eine H\u00f6hle, um dort zu bleiben. Nein, er wurde wieder hinausgerufen in die Natur. Gott wollte ihm begegnen, in der Natur, am Berg. Ja, das Berggehen ist im Grunde mit der tiefen Sehnsucht nach Gottesbegegnung verbunden. Darum schreibe ich immer wieder in das Gipfelbuch: viele Wege f\u00fchren zu Gott, einer \u00fcber die Berge. Welchem Gott und wie begegnen?<br \/>\n<strong>Gott poltert nicht.<\/strong><\/p>\n<p>Er ist leise. Weder im Sturm, noch im Feuer, wo Macht sichtbar und Angst sp\u00fcrbar wird. Nein, im S\u00e4useln des Windes. Im Einfach da sitzen, schauen, staunen, h\u00f6ren.\u00a0 Diese Aufmerksamkeit erm\u00f6glicht Gottesbegegnung \u2013 nicht nur am Berg. Auch hier bei uns in der St. Anna Kirche. Da stehen bei einem angez\u00fcndeten Licht hier \u00a0in der Lichterkapelle.<\/p>\n<p>Wir sehen heute sehr viele selbsternannte G\u00f6tter, die in den Medien und auf Events (das Fernsehen ist nat\u00fcrlich &#8222;Adabei&#8220;) dahinpoltern und so die Menschen beeindrucken wollen. Die Naturbegegnung, das Schauen von einem Gipfel in das Land, das Hinh\u00f6ren auf die leisen T\u00f6ne der Natur macht uns sicher: Gerade diese Menschen sollten wir meiden und ihnen mit ganz gro\u00dfer Skepsis begegnen.\u00a0 Das ist uns oft nicht klar und Sturm, Beben und Feuer sind beeindruckend. Wir wissen aber selber und sp\u00fcren, dass das unsere Seele nicht n\u00e4hrt und auch keine Zukunft hat.<a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/08\/bosshart-kaineder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1554\" title=\"Bosshart-Kaineder\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/08\/bosshart-kaineder.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a><br \/>\nIch durfte in Z\u00fcrich den CEO vom Gottlieb Duttweiler Institut pers\u00f6nlich kennenlernen. Er h\u00e4lt Vortr\u00e4ge weltweit, wie sich unsere Gesellschaft weiterentwickeln wird. Er hat im Gespr\u00e4ch so nebenbei gemeint: Das Schlimmste ist nicht die Finanzkrise, sondern der rasante Niedergang der Katholischen Kirche. Das hat mich einigerma\u00dfen ersch\u00fcttert. Ich\u00a0 habe nachher die Gelegenheit genutzt, mit ihm im Zweiergespr\u00e4ch das genauer abzukl\u00e4ren. Warum? \u2013fragte ich ihn. Er meinte: Wer steht heute noch f\u00fcr Werte, die langfristig tragen. Wer hat noch Rituale, die den Alltag auf Gott hin \u00f6ffnen. Und wer bildet noch eine Solidarit\u00e4t, eine Gemeinschaft, die zweckfrei und ohne Hintergedanken gelebt wird. Wer steht f\u00fcr die uneingeschr\u00e4nkte W\u00fcrde des Menschen?\u00a0 Aus seiner Sicht versagt die Elite, die Oberen der Kirche fundamental. Sie sind nur mit sich selbst besch\u00e4ftigt.<br \/>\nIch erz\u00e4hle im von den vielen Pfarrgemeinden, die aber genau das leben. Er bewundert das, aber er wei\u00df, dass das in der Weltgestaltung durch die Eliten und die Oligarchien auf Weltebene keinerlei Rolle spielt. Wir k\u00f6nnen und d\u00fcrfen uns nicht auf \u201edie da oben\u201c verlassen. Das ist aber nicht nur in der Kirche so &#8211; auch in der Politik.<br \/>\nGerade hier lehrt uns die Natur. Es sind schon viele St\u00fcrme \u00fcber manche Landstriche dr\u00fcbergezogen, haben zwar Opfer gefordert, aber die Natur hat sich wieder erhoben. Es kommt auf uns an, dass wir uns erheben.<br \/>\nBetrachten wir einen alten Baum: Da sind schon Generationen davor gesessen und der Baum k\u00f6nnte uns alles das erz\u00e4hlen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen von der Natur lernen, was Gott uns und auch dem Elija sagen will: Im Kleinen, im Unscheinbaren, oft im Unsichtbaren passieren die wichtigsten Dinge \u2013 Dinge, die wirklich tragen und innere Freude und wahre Gemeinschaft stiften.<br \/>\nElija verh\u00fcllte mit dem Mantel sein Gesicht vor diesem S\u00e4useln. Er sp\u00fcrt: Hier passiert das Gro\u00dfartigste, hier ist Gott.<br \/>\nGeht es uns nicht manchmal auch so, dass wir fast besch\u00e4mt sind von der Sch\u00f6nheit der Natur und den dortigen Zusammenh\u00e4ngen. Hier klopft Gott an unser Herz. Und wir sp\u00fcren die Gro\u00dfartigkeit. Gestern hat einer auf unserer Terrasse erz\u00e4hlt, was er gerade in der Beobachtung seiner Bienenst\u00f6cke alles entdeckt.<br \/>\nUrlaubszeit ist Begegnungszeit \u2013 mit Menschen und hoffentlich auch mit viel Natur. In beidem begegnet uns Gott auf wunderbar leise Art. So sei es. Amen.<\/p>\n<p>+++<\/p>\n<p>Auf diesen Lesungstext bezog sich die Predigt (1 K\u00f6n 19, 9a.11-13a):<\/p>\n<p><em>In jenen Tagen kam Elija zum Gottesberg Horeb.Dort ging er in eine H\u00f6hle, um darin zu \u00fcbernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn:Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vor\u00fcber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr kam nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr kam nicht im Erdbeben.Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr kam nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises S\u00e4useln.<\/em><br \/>\n<em> Als Elija es h\u00f6rte, h\u00fcllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der H\u00f6hle.<\/em><\/p>\n<pre><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich einige positive R\u00fcckmeldungen auf meine heutige Predigt beim Gottesdienst in Kirchschlag am 6. \u00a0August 2011 bekommen habe, stelle ich diese hier zur Verf\u00fcgung. Es gilt nat\u00fcrlich das gesprochene Wort ;-). Liebe Schwestern und Br\u00fcder! Ich hatte jetzt 14 Tage Urlaub. 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