{"id":172,"date":"2010-01-25T19:54:08","date_gmt":"2010-01-25T18:54:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=172"},"modified":"2018-01-04T07:10:12","modified_gmt":"2018-01-04T06:10:12","slug":"der-fussballplatz-hort-alle-moglichen-sprachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/der-fussballplatz-hort-alle-moglichen-sprachen\/","title":{"rendered":"Der Fussballplatz h\u00f6rt alle m\u00f6glichen Sprachen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Im Sommer h\u00f6rt unser Fussballplatz alle m\u00f6glichen Sprachen, ganz selten deutsch&#8220;, meint Pfarrer Karl Bleibtreu von der Pfarre Don Bosco und l\u00e4\u00dft viel Wohlwollen und Offenheit mitschwingen. Die Problematik der Migration und eines hohen &#8222;Ausl\u00e4nderanteils&#8220; begleitet mich seit einigen Pfarren &#8211; Ebelsberg, St. Franziskus, Traun, St. Peter, Don Bosco und jetzt hier in \u00a0Herz Jesu.\u00a0 In der benachbarten Volksschule\u00a0ist in zwei Klassen einer Schulstufe ein katholisches Kind.<\/p>\n<p><strong>Das Herz in diesen Kirchenraum h\u00e4ngen<\/strong><\/p>\n<p>Heute habe ich verschlafen. Der Wecker ist nicht abgegangen uns so bin ich um 8.30 Uhr losgestartet Richtung St. Michael am Bindermichl. In einer B\u00e4ckerei habe ich das Fr\u00fchst\u00fcck und die Gespr\u00e4che genossen. Beim Betreten der Kirche wird mir wieder bewu\u00dft: ein besonderer Kirchenraum. Gro\u00dfe sch\u00f6n gestaltete Info-Tafeln im Eingangsbereich stimmen auf die Entstehung der Kirche und Pfarre ein. In einer &#8222;Ahnentafel&#8220; lese ich nicht nur Priester, sondern auch Pastoralassistenten. Das tut wohl, wenn die gemeinsame Verantwortung in der Seelsorge\u00a0so dokumentiert wird. Der Bindermichl hat gewonnen und ich kann nur empfehlen, die Autobahnunterf\u00fchrung einmal zu verlassen und das eigene Herz\u00a0in diesen Kirchenraum zu h\u00e4ngen. Es wird ihm gut tun &#8211; dem Herz. Im pfarrlichen Gasthaus Platane werde ich witzig begr\u00fc\u00dft. Die Pfarrsekret\u00e4rin geht offen auf Menschen zu und so bleibt unsere Unterhaltung eher kurz, weil die n\u00e4chste schon an der Reihe ist. Das Modell Pfarre mit Gasthaus funktioniert hier\u00a0gut.<\/p>\n<p><strong>Offen f\u00fcr die feiernden Berufssch\u00fcler<\/strong><\/p>\n<p>Das Gebet beim Entz\u00fcnden der Kerze in St. Peter \u00a0in der Kirche spricht mich an und ich werde es\u00a0&#8222;mitnehmen&#8220;. Im Pfarrheim treffe ich die Reinigungsfrau und sp\u00e4ter die Sekret\u00e4rin. Nach kurzer Zeit kommt eine Klasse Berunfssch\u00fcler (Installateure) mit ihrem Religionlehrer Daniel N zum Abschluss ihrer 10-w\u00f6chigen Ausbildung. Sie haben vier Jahre hinter sich und werden jetzt fertig. Sie kommen aus ganz Ober\u00f6sterreich. Die Offenheit der Pfarre und &#8222;dass wir hier sein d\u00fcrfen&#8220; taugt ihnen. Daniel sitzt mitten drunter. &#8222;Wir haben Gott sei Dank viele Ehrenamtliche, die viel Arbeit machen. Der Pfarrer und ich sind n\u00e4mlich sonst alleine&#8220;, meint die Sekret\u00e4rin.\u00a0 Im Weggehen rufen mir einige Sch\u00fcler nach: &#8222;Dass die holt net verrennst.&#8220; Hoffe ich nicht, denn jetzt folgt die &#8222;interreligi\u00f6se Meile&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Interreligi\u00f6se Meile<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg f\u00fchrt auf den n\u00e4chsten zwei Kilomentern vorbei an: Volkshilfezentrum, Mosche und K\u00f6nigreichssaal sind unmittelbare Nachbarn, Pfarre St. Antonius, Methodistenkirche und Petrusbruderschaft Mauer an Mauer,\u00a0 die koptischen Christen, Diakonie und Promente. In der Mosche wurde ich freundlich begr\u00fc\u00dft und\u00a0Pastor Markus Fellinger von den Methodistenh\u00a0steigt gerade aus dem Auto, wie ich des Weges komme. Wir reden kurz, weil er\u00a0jemanden zum Gespr\u00e4ch.\u00a0&#8222;Bleiben wir in Verbindung&#8220;, ist sein Wunsch. Meiner auch.\u00a0Gut, denke ich, dass sich &#8222;bei uns&#8220; jemand\u00a0um die \u00f6kumenischen Kontakte k\u00fcmmert.\u00a0 In der Pfarre St. Antonius ist der Montag frei und deshalb auch niemand zu erreichen. Das erfahre ich beim Kaplan in Herz Jesu, der auch teilweise in Antonius mithilft. Ich halte inne, wo mich der hl. Antonius so weite Wegstrecken nach Assisi begleitet hat.<\/p>\n<p><strong>Es geht um 3 cm<\/strong><\/p>\n<p>Stellvertretend f\u00fcr alle kategorialen Seelsorgeeinrichtungen gehe ich in die v\u00f6est-Gemeinde. Ich m\u00f6chte die Baustelle sehen. Es wird betoniert und wie es so ist, geht es beim Rohbau immer um Zentimeter. Der Polier arbeitet sich gerade daran ab, dass die T\u00fcren wieder versetzt werden sollen: &#8222;Es geht\u00a0um 3 cm.&#8220; \u00a0Er l\u00e4chelt dabei und mir kommt das auch bekannt vor. Bauen ist heute ein super-komplexes Gebilde. Im Ausweichquartier f\u00fcr Mensch und Arbeit bekomme ich einen Kaffee und eine warme Stube. Rupert Granegger zeigt mir das Model und ich sage spontan: &#8222;Geil, das wird ein super Seelsorgezentrum.&#8220; Nicht ganz eine Stunde wandere ich dann durch die v\u00f6estalpine herauf nach Don Bosco.<\/p>\n<p><strong>Kommen sie und helfen sie uns stricken<\/strong><\/p>\n<p>Als Pastoralassistent der Dompfarre war ich damals (1982-1992) mehrmals in Don Bosco. Ich war \u00fcberrascht, wie das angebaute Pfarrzentrum alles luftiger und einladender gemacht hat. Eine Runde von strickenden Frauen hat mich gleich eingeladen, zum Stricken und Kaffee.\u00a0 &#8222;Ich kann zwar h\u00e4keln, aber ohne Faden&#8220;, ist meine spontane Reaktion. Der Pfarrer setzt sich zu mir und spr\u00fcht vor Energie und Begeisterung f\u00fcr diese Pfarre. Er war vor 50 Jahren als\u00a0&#8222;Assi&#8220; (Assistent) hier und die \u00e4lteren nennen ihn heute noch so. Er hat ein ganz dichtes Netz von Beziehungen gekn\u00fcpft, geht in aller Fr\u00fche selber zu den Geburtstagsgratulationen und steht bis 21 Uhr im Sommer am Fussballplatz, wenn er nicht gerade mit einer Gruppe musiziert. Es kann ihm nicht belebt genug sein im Haus. Er kennt alle H\u00e4user und wei\u00df deshalb, dass es noch viele Substandardwohnungen gibt, die von ausl\u00e4ndischen Mitbewohnern begehrt sind. &#8222;Es dauert nur wenige Tage, wenn jamnd stirbt, und die Wohnung ist schon wieder vergeben&#8220;, wei\u00df er. Heute h\u00f6rt &#8222;sein Fussballplatz&#8220; kaum noch deutsch. Er hat sich aber &#8222;seine Jugendlichen&#8220; schon abgerichtet. &#8222;Wenn ich heute um 21 Uhr pfeife, dann wird sauber \u00a0zusammenger\u00e4umt und alle gehen nach Hause. Das war vorher anders. Er sieht aber gerade in der Betreuung und Vermittlung unter den Volksst\u00e4mmen eine Berufung ihres Ordens.\u00a0 Auch die Stadt Linz ist um diese Arbeit und diesen Pfarrer froh: &#8222;Wie ich in den Jugendbeirat des Stadtteiles dazugesto\u00dfen bin, haben alle geklatscht:\u00a0der Pfarrer ist\u00a0da.&#8220; Ein zweites Licht habe ich in der warmen Kirche\u00a0f\u00fcr alle jene Menschen heute angez\u00fcndet, die schwer eine Wohnung finden. Als Zvildiener bei der Heilsarmee (B37) habe ich 1982 mehrmals jemand hierher \u00fcbersiedeln geholfen &#8211; auch als Pastoralassistent in der Dompfarre.<\/p>\n<p><strong>Der Kindergarten ist eine finanzielle Last<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwie bin ich heute nachdenklich und meiner Einsch\u00e4tzung nach\u00a0langsamer unterwegs. Eine Frau mit einem Kind redet mich in einer Bahnunterf\u00fchrung herauf nach Herz Jesu an. Sie hat von mir gelesen und w\u00fcnscht mir alles Gute: &#8222;Schauen sie, dass die Kirche am Boden bleibt.&#8220; Ich betrete die Herz Jesu Kirche und z\u00fcnde ein Licht an. Neben mir auch eine junge Frau. Ich frage sie nichts. Sie tut es in einer sehr innigen Weise und ich sp\u00fcre, dass sie eine\u00a0Last zu tragen hat. Im Pfarrhof sind die T\u00fcren offen und so gehe ich in den ersten Stock, sehe dort Licht durch eine T\u00fcr scheinen. Ich klopfe, \u00f6ffne und es\u00a0br\u00fcten drei Personen \u00fcber einem Tisch.\u00a0Viel Zettel mit Zahlen sehe ich. &#8222;Es geht um den Kindergarten und da treten finanzielle Belastungen auf, die wir kaum tragen k\u00f6nnen&#8220;, meint einer. Die Stimmung ist ged\u00e4mpft. Die Frau ruft mit ihrem Handy den Pfarrer.\u00a0Er erwartet mich einen Stock tiefer: &#8222;Darf ich bei euch \u00fcbernachten?&#8220;, ist meine Frage ohne Vorwarnung. &#8222;Nat\u00fcrlich&#8220;, ist die Reaktion: &#8222;aber das Zimmer ist jetzt noch nicht geheizt.&#8220; Pfarrer und Kaplan schauen, dass ich alles habe und um 18.15 Uhr sitzen wir beim gemeinsamen Abendessen. Es ist ein Kennenlernen und wir reden auch nicht lange herum, was die &#8222;mediale und kollegiale Begleitmusik&#8220; zur Besetzung der Pfarre betrifft. Ich bin froh um diese doppelte Offenheit, im Gespr\u00e4ch und f\u00fcr das G\u00e4stezimmer.<\/p>\n<p><strong>Welche Spannung bleibt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stadt Linz hat Substandardwohnung minimiert und neuen Wohnraum geschaffen, der in bestimmten Stadtteilen vorwiegend an ausl\u00e4ndische Mitb\u00fcrger vergeben wird. Welche &#8222;mission&#8220; haben hier die Pfarren und Orden in solchen Gegenden? Die Katholiken sammeln und st\u00e4rken in ihrer offenen Identit\u00e4t und\/oder die offene Klammer, Plattform\u00a0f\u00fcr das Gemeinwesen\u00a0 rundherum? Ich meine: Wer mit Begeisterung katholischer Christ ist, wird ein guter Partner \/ eine gute Partnerin\u00a0sein f\u00fcr alle anderen Menschen! Wer selber nicht wei\u00df, wer er ist, wird in dieser Verunsicherung immer die anderen &#8222;verd\u00e4chtigen&#8220;.<\/p>\n<p>^^^^^^<\/p>\n<p><strong>Der Beitrag auf LT1\u00a0 &gt;&gt; \u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/xlurl.de\/6y4q56\"><strong>http:\/\/xlurl.de\/6y4q56<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Im Sommer h\u00f6rt unser Fussballplatz alle m\u00f6glichen Sprachen, ganz selten deutsch&#8220;, meint Pfarrer Karl Bleibtreu von der Pfarre Don Bosco und l\u00e4\u00dft viel Wohlwollen und Offenheit mitschwingen. 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