{"id":1916,"date":"2011-11-12T02:29:22","date_gmt":"2011-11-12T01:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=1916"},"modified":"2018-01-04T06:56:13","modified_gmt":"2018-01-04T05:56:13","slug":"i-am-the-leader-of-charity-here-we-need-no-goverment-we-help-ourselves","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/i-am-the-leader-of-charity-here-we-need-no-goverment-we-help-ourselves\/","title":{"rendered":"I am the leader of charity here: We need no goverment &#8211; we help ourselves"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06533.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1923\" title=\"wasserspiegel\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06533.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Das wird ein langer Tag. Und es wird ein mit allen Facetten best\u00fcckter Tag. Auf die &#8222;Viet Village&#8220; weit im Osten hat mich schon am zweiten Tag ein Mann aufmerksam gemacht: Es lohnt sich, dort hinzufahren. So starte ich mit dem Bus 94 in Richtung &#8222;East&#8220; und rechne mit etwa einer Stunde Fahrzeit. Es ist unglaublich, wie ausgedehnt New Orleans mit der Einfamilienhaus-Siedlungsweise ist. Immer wieder sehe ich das Wasser stehen und ich habe den Eindruck, wir fahren durch die &#8222;Swamps&#8220; (S\u00fcmpfe). Es geht vorbei an der NASA. Vom Bus aus sehe ich ein Raketentriebwerk und denke: ganz schon gro\u00df.<\/p>\n<p><strong>Nicht mehr als 1 \u00bd Meter \u00fcber dem Wasserspiegel<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06534.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1924\" title=\"sch\u00f6ne h\u00e4user\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06534.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Wir biegen von der Hauptstra\u00dfe ab und ich \u00fcbersehe die Haltestelle bei der Kirche. So urgiere ich meinen Ausstieg bei der n\u00e4chsten M\u00f6glichkeit. Eigentlich suche ich die \u201eViet Village Farm\u201c. Ich habe schon schematische Darstellungen in einem Schaukasten der Tulane-University gesehen. Eine Schule bietet sich an nachzufragen. Es ist die Einstein-Public-School. Ich mache drinnen Fotos und werde gleich aufmerksam gemacht: No pictures. Sie k\u00f6nnen mir\u00a0 nicht helfen. Sie kennen keine Farm. So schlendere ich an den sch\u00f6nen, flachen, sauberen H\u00e4usern vorbei. Gro\u00dfe Autos zeugen von Wohlstand. Ich komme zur Kirche. Ein Mann kl\u00e4rt mich auf, dass sich \u00a0in dieser Gegend vorwiegend Vietnamesen angesiedelt h\u00e4tten, ebenso Mexikaner und \u201eein paar Schwarze\u201c. <a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06541.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1925\" title=\"pfarrsenioren\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06541.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Insgesamt sind es um die 5.000. Es ist alles unglaublich sauber. Kein einziges vernageltes Haus. &#8222;Alle sind wieder gekommen&#8220;, meint er und macht bei der Rasenarbeit weiter. Die Kirche, der Hof und die Geb\u00e4ude sind der Mittelpunkt dieser Gegend. In der Kirche bin ich alleine, aber im Hof kommen mir Leute entgegen. Einer scheint der Chief zu sein und ich spreche ihn an.<\/p>\n<p><strong>Sie warteten nicht auf die Hilfe der Regierung<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06544.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1926\" title=\"sauber\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06544.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Ich frage ihn, ob das alles unter Wasser stand. Ja. Seine Hand zeigte auf H\u00fcfth\u00f6he. Wenn ich ringsum schaue, dann waren alle H\u00e4user und Geb\u00e4ude einen Meter unter Wasser. Auch die Kirche? Ja. Und er sprach recht offen: \u201eI am the leader of charity here in the parish. After Katrina we came back as soon as possible \u2013 about three weeks. We need no goverment. We help ourself\u00a0 and all together\u201c, \u00a0meinte er in einem vom Vietnamesisch gepr\u00e4gten English. Er hat es eilig, weil er zwei \u00e4ltere Menschen mit dem Auto transportieren soll. Die \u201ePfarrsenioren\u201c haben sich getroffen. Er schildert noch kurz , wie alle zusammengeholfen haben. Ich frage, wann am Sonntag die Messe ist. \u201eUm 11 Uhr \u2013 in English\u201c, meint er und ich werde wieder kommen. Soweit ich sehe bin ich hier auf das st\u00e4rkste Gemeinwesen (Commons) gesto\u00dfen mit unglaublicher Resilienzf\u00e4higkeit. Ich m\u00f6chte noch mehr sehen und nachfragen: am Sonntag.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06506.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1927\" title=\"dh\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06506.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Das \u201eDi\u00f6zesanhaus\u201c hat unten eine massive Barriere<\/strong><\/p>\n<p>Mein n\u00e4chstes Ziel heute ist das Di\u00f6zesanhaus der Erzdi\u00f6zese New Orleans. Einige haben mir schon vom legend\u00e4ren und im September mit 98 Jahren verstorbenen Erzbischof Hannan (1913-2011) erz\u00e4hlt. Das Begr\u00e4bnis muss ber\u00fchrend und ein unglaublicher Massenauflauf gewesen sein. Er war Konzilsteilnehmer und Intimus von Pr\u00e4sident Kennedy. Er hat bewusst in den 60-er-Jahren einen schwarzen Weihbischof genommen als positives Zeichen zur \u00dcberwindung der Rassenprobleme. Er war sehr sozial eingestellt und hat praktisch geholfen, wo es nur ging. Ich bin \u00fcberzeugt, dieser Mann hat die Stadt \u00fcber Jahrzehnte gepr\u00e4gt wie Kardinal K\u00f6nig die Kirche \u00d6sterreichs und Bischof Zauner und Aichern die Di\u00f6zese Linz. Kurz gesagt: Im Haus der Erzdi\u00f6zese komme ich nicht \u00fcber die H\u00fcrde der Portierin, &#8222;die niemand erreichen kann, der mir etwas zur Erzdi\u00f6zese sagen kann&#8220;. Es ist 11.30 Uhr. Ich solle morgen um 13 Uhr kommen, meint sie und ich verlasse das Haus. Im Dahinschl\u00e4ndern auf der Stra\u00dfe denke ich: Dort in der Pfarre diese lebendige Zelle der Kirche und da der \u201everwaltende Haufen\u201c.<a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06570.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1928\" title=\"palmengarten\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06570.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Street-Car auf der St. Charles Ave<\/strong><\/p>\n<p>Die Fahrt mit der Street-Car auf der St. Charles muss man gemacht haben, hei\u00dft es. Deswegen war sie \u00fcbervoll. Sie f\u00e4hrt durch den &#8222;garden district&#8220; vorbei an wundersch\u00f6nen H\u00e4usern und G\u00e4rten. Als Baumwolle und Zucker um 1840 zu boomen begannen, sind hier \u201ein den Feldern hinter dem\u00a0 Hafen\u00a0 die Herrschaftsh\u00e4user\u201c entstanden. Ich steige bei der Loyola-University aus und \u201eerkunde die M\u00f6glichkeiten dort\u201c. <a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06565.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1929\" title=\"streetcar\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06565.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Musik und Spiel sind hier zentral. Ein wunderbarer Palmenhof w\u00fcrde das Inskribieren nahelegen. Zwei Professoren unterhalten sich angeregt \u00fcber Finanzplanung und das Musical, das von den MusikstudentInnen aufgef\u00fchrt wird, ist ausverkauft. Ich warte auf die R\u00fcckfahrt. Die Trasse der Stra\u00dfenbahn benutzen viele als Laufstrecke. Dazu h\u00e4tte ich jetzt direkt Lust. Ich steige wieder ein und fahre 25 Minuten zur\u00fcck in die Canal Street, \u201eAusgangspunkt f\u00fcr alles\u201c.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06593.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1930\" title=\"uberfahrt\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06593.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Einmal den Mississippi \u00fcberqueren<\/strong><\/p>\n<p>Um den heutigen Kreis von Osten in den Westen noch zu vervollst\u00e4ndigen, fahre ich mit der F\u00e4hre hin\u00fcber in das Stadtviertel \u201eAlgier\u201c. Im 19. Jahrhundert von ankommenden Afrikanern besiedelt, hat sich auch dort ein unglaubliches Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und Nachbarschaft entwickelt. So haben sie \u2013 sagt man \u2013 Katrina sehr bald \u00fcberwunden gehabt und wichtige Geb\u00e4ude wieder in Gang gebracht. Es ist die Abendstimmung, die ich genie\u00dfe und die Skyline von New Orleans. Auf der F\u00e4hre bitte ich einen Mitfahrenden ein Foto von mir zu machen. Wir reden weiter und er erz\u00e4hlt, dass er von Honduras kommt und in einem Hotel arbeitet. Was er verdient will er\u00a0 mir nicht sagen. <a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06603.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1931\" title=\"skyline\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06603.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Schade, aber ich bin \u00fcberzeugt, dass es noch immer \u201eSklavenarbeit zu einem Hungerlohn mit Ausl\u00e4ndern gibt\u201c. Er bekommt \u00fcbrigens nur Geld, wenn sie Arbeit haben. Jetzt \u00fcberlegt er, wieder nach Hause zu fahren. Aber womit? Mir kommen die vielen Obdachlosen auf manchen Stra\u00dfen in den Sinn und denke noch viel\u00a0 mehr an jene Schicksale, die sich nicht auf die Stra\u00dfe trauen. Unter dieser Skyline spielt sich wirklich das \u201eganze Leben\u201c ab. Und ich erlebe vieles aus der Sicht von unten und aus der Sicht der Musik.<\/p>\n<p><strong>Apropos Musik<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06665.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1937\" title=\"eating\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06665.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Auch wenn der Tag schon lange ist, so m\u00f6chte ich ihn heute intensiv mit Musik ausklingen lassen. Auf dem Weg in die Frenchman Street entdecke ich das tolle \u201eCafe Maspero\u201c in der Decatur Street (teurer French Quarter). Mein Hunger will mit \u201eJambalya\u201c (Reisfleisch mit Meeresfr\u00fcchten, Fleich und Wurst und Salat) gestillt werden. Dazu trinke ich drei Glaserl wei\u00dfen Hauswein. Die Atmosph\u00e4re ist alt, urig und ehrlich. Der Preis f\u00fcr alles 12$. Das Maspero wird mich \u00f6fter sehen. Es ist unglaublich, wie viel Live-Musik auch w\u00e4hrend der Woche geboten wird. An diesem Abend genie\u00dfe ich f\u00fcnf Gruppen und einen Klavierspieler, der alle begeistert hat. Die Musiker bilden ebenfalls Commons. Sie spielen in verschiedensten Zusammensetzungen. Einzelne tauchen immer wieder mal bei einem anderen Ensemble auf. \u00a0Am Gehsteig unterhalten sich zwei Musiker ganz intensiv dar\u00fcber, wie der eine \u201ein dieser Szene hineinkommen kann\u201c. <a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06630.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1938\" title=\"viele\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2011\/11\/dsc06630.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Nachdem sie fertig waren, frage ich den Bassisten, mit dem ich mich dieser Tage schon unterhalten habe, wie er das sieht: Man hilft sich gegenseitig und wenn einer oder eine gut ist, \u201edann brauchen wir sie ohnehin\u201c. Wohlgemerkt: Alle diese Leute leben von der Musik, von den Geldern der BesucherInnen und dem CD-Verkauf. Ich habe auch schon drei St\u00fcck im Rucksack. Um 0.30 Uhr komme ich \u201eheim\u201c. Dort er\u00f6ffnet mir man, dass ich die beiden kommenden N\u00e4chte nicht bleiben kann. Na dann, gute Nacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wird ein langer Tag. Und es wird ein mit allen Facetten best\u00fcckter Tag. Auf die &#8222;Viet Village&#8220; weit im Osten hat mich schon am zweiten Tag ein Mann aufmerksam gemacht: Es lohnt sich, dort hinzufahren. So starte ich mit dem Bus 94 in Richtung &#8222;East&#8220; und rechne mit etwa einer Stunde Fahrzeit. 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