{"id":225,"date":"2010-01-27T16:18:33","date_gmt":"2010-01-27T15:18:33","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=225"},"modified":"2018-01-04T07:09:54","modified_gmt":"2018-01-04T06:09:54","slug":"heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/heute\/","title":{"rendered":"Die Kunst besteht darin, Wesentliches zu betonen und erlebbar zu machen"},"content":{"rendered":"<p>Sehr gut geschlafen. Wunderbares und kaltes Winterwetter. Ein kurzer Besuch bei den ehemaligen KollegInnen w\u00e4rmt. In der Kirchenbeitragsstelle Linz gibts einen Kaffee. Diese morgendlichen Stationen sind nicht direkt an die Pfarren gebunden. Und doch hat es mich dorthin getrieben, bevor ich die City wieder verlasse.<\/p>\n<p><strong>Weihwasser an der Schwelle<\/strong><\/p>\n<p>Schon beim gestrigen Ankommen beim Dom versp\u00fcrte ich eine besondere Stimmung. Am Morgen ist der Dom von der bitterkalten Wintersonne beleuchtet. Ich betrete den Dom von hinten, wie es Dompfarrer Strasser immer wieder macht und anregt. Zehn Jahre war ich hier Pastoralassistent und heute bin ich als Stadtpilger da. Gleich beim Eingang in den Dom f\u00e4llt mir auf, dass das Weihwasser neu beleutet ist. Ich bekreuzige mich damit als Erinnerung an die Taufe, die Berufung. Mein Licht entz\u00fcnde ich bei der Pilgermadonna und gehe in den Pfarrhof. Dort werde ich freundlich begr\u00fc\u00dft und der Dompfarrer nimmt sich auch Zeit. Ich erz\u00e4hle ihm von meiner Wahrnehmung des beleuchteten Weihwassers an der Schwelle zum Dom. &#8222;Es freut mich, dass dich das anspricht. Es sind doch unsere fundamentalen Zeichen, die wir den Menschen mit Aufmerksamkeit mitgeben k\u00f6nnen&#8220;, meint er. Insofern ist der Dom &#8222;Vorbildkirche&#8220; f\u00fcr andere. Ein kleines, aber sehr aufmerksames Detail, das ich heute neu vom bekannten Mariendom mitnehme.<\/p>\n<p><strong>Heute geht es drunter und dr\u00fcber<\/strong><\/p>\n<p>In der Kapuzinerstra\u00dfe treffe ich auf Franz Heinz, der zur Personalsitzung in den Bischofshof geht. &#8222;Gibts was Spannendes&#8220;, meine Frage. &#8222;Nein, das \u00dcbliche&#8220;, seine Antwort. Der Aufgang zur Kirche von St. Matthias ist seit \u00fcber 20 Jahren durch die Graffitis der Jugendlichen vom Kapu &#8222;geziert&#8220;. Ich wei\u00df um den \u00c4rger, den der Pfarrer mit diesen Schmierereien hat. Die Kirche ist still und es gibt &#8211; wahrscheinlich wegen des benachbarten Jugendzentrums &#8211; keine frei zug\u00e4ngliche Stelle zum Licht entz\u00fcnden. Der Pfarrhof ist offen, aber niemand da. Der Hausmeister will den Pfarrer suchen, findet ihn nicht. Ich treffe eine Frauenrunde, die den Fasching vorbereitet und wir haben eine lustige Konversation. Dann mache ich mich auf den Weg hin\u00fcber nach St. Margarethen. Auf halbem Weg hinauf auf den Freinberg ruft Pfarrer Fink an: &#8222;Entschuldige, dass ich nicht da war, aber heute geht es drunter und dr\u00fcber. Pfarrsekret\u00e4rin und Pastoralassistentin sind n\u00e4mlich nicht da.&#8220; &#8222;Wir kommen ja in Zukunft ohnehin viel zusammen&#8220;, ist mein Trost.\u00a0 Franz Fink ist Dechant von Linz Mitte und wir werden gut miteinander arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Pfarrhaus ist offen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Sch\u00fcler weist mir den Weg \u00fcber die Kaiser Franz Josef Warte hin\u00fcber nach St. Margarethen &#8211; den Linzer Kalvarienberg. Zuerst aber genie\u00dfe ich den Blick \u00fcber das wei\u00dfe Linz an der schwarzen Donau. Eine famili\u00e4re Kirche mit einem kleinen Friedhof hoch \u00fcber der Donau erwartet mich. Im Anliegenbuch in der Kirche notiere ich mein Gebet. Das Pfarrhaus, das auf dem Schild auch als solches bezeichnet ist,\u00a0ist offen. \u00a0Kinder h\u00f6re ich singen und ich wage mich bis zu ihnen vor, weil alle T\u00fcren offen sind. Die Horterzieherin erz\u00e4hlt mir kurz \u00fcber das Pfarrhaus und die integrative Funktion des Hauses f\u00fcr das Zaubertal. Sonst ist jetzt zu mittag niemand da. &#8222;Seien sie vorsichtig, wenn sie die Kreuzwegstiege hinunter gehen&#8220;, mahnt die freundliche Stimme. Der Kreuzweg ist ein verborgenes Juwel zwischen Donau, Stra\u00dfe und Berg.Im R\u00fcckblich wird mir wieder einmal klar, welche Perle da in der Felswand h\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Die Herrschzaftsinsignien sind verbrannt<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Nibelungenbr\u00fccke geht es nach Urfahr. Eiskalter Wind fegt daher und meine Schritte nach St. Leopold werden immer schneller. Lange war ich nicht mehr in dieser Kirche, die\u00a0 einmal abgebrannt und dabei das Dach eingest\u00fcrzt ist. Heute erinnert die teilweise angebrannte Leopoldstatue daran. H\u00e4nde und Machtinsignien fehlen. Damit wird diese Statue f\u00fcr mich der Hinweis, dass es nicht um Macht geht, sondern um Dasein miteinander und f\u00fcreinander. Das dr\u00fcckt der Grundriss der Kirche in der Kreuzform gut aus. Im Pfarrhaus (hier auch so bezeichnet) werde ich freundlich begr\u00fc\u00dft und im Pfarrheim treffen sich Seniorinnen zu SELBA. Eine \u00e4ltere Frau begr\u00fc\u00dft mich freudig, schl\u00e4gt mir auf die Brust und ermutigt mich. Sie schw\u00e4rmen von ihrem Pfarrer, &#8222;dem besten Pfarrer der Welt&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Kontinuierliche Erneuerung<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin nicht weit unterwegs, sehe ich schon den n\u00e4chsten Turm: Pfarre Christk\u00f6nig oder Friedenskirche. Das Ensemble ist durch kontinuierliche Erneuerung gekennzeichnet. Neues Pfarrzetnrum, renovierte Kirche, Pfarrhof usw. Auf mich macht es ein einladende Geste. In der Kirche h\u00f6re ich die Heizung laufen und es ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig warm. Ich sitze lange. Ein Opa geht mit dem Enkerl eine Runde in der Kirche und ich frage mich: Warum n\u00fctzen diese gro\u00dfen Kirchenr\u00e4ume nicht mehr Menschen, um der Enge der Wohnung zu entfliehen. Die Kirche hat ein aufmerksame Atmonph\u00e4re und das kann auch ein Kind schon einatmen &#8211; garantiert unsch\u00e4dlich. Die Pfarrsekret\u00e4rin macht mir auf und wir plaudern \u00fcber das Pfarrleben und die Herausforderungen f\u00fcr die Zukunft. Ich sp\u00fcre, dass sie ihre Arbeit gerne macht. Heute abends werde ich wieder kommen zum Vortrag von Bischof em. Aichern zum Thema &#8222;Die soziale Sorge der Kirche&#8220;. Ich sp\u00fcre eine M\u00fcdigkeit und auch Hunger und so verfl\u00fcchtige ich mich ins Lentia. Ich beobachte im Gesch\u00e4ft die Verk\u00e4uferin, die jedem Kunden etwas zus\u00e4tzlich anpreist, freundlich und immer als Sonderangebot. Eine Kundin meint: &#8222;Wei\u00df ihr Chef eh, was er an ihnen hat?&#8220; &#8222;Die Verk\u00e4uferin sagt darauf: &#8222;Ich rede aber nich nur im Verkauf viel und gut, sondern auch dem Chef gegen\u00fcber, wenn mir etwas nicht passt.&#8220; Ein geradliniger missionarischer Mensch .\u00a0Mir f\u00e4llt wieder ein, was ich vorhin am Handy \u00fcber den Vortrag von Bischof Wanke bei der Thomasakademie\u00a0 gelesen habe.<\/p>\n<p><strong>Der vorletzte Tag neigt sich dem Ende<\/strong><\/p>\n<p>Ich suche meinen Weg hin zur Stadtpfarre Urfahr, wo ich ein letztes Mal \u00fcbernachten werde, bevor ich morgen noch die letzten drei Pfarren in Urfahr aufsuche und dann zu Fuss wieder hinauf nach Kirchschlag gehe. Mein Aufmerksamkeitspotential neigt sich dem Ende. Der eine oder andere ruft auch schon an, welches Resumee ich ziehe. &#8222;Beim Hinaufgehen ins M\u00fchlviertel wird Zeit daf\u00fcr sein&#8220;, merke ich immer noch ausweichend an. In jedem Fall wird es darauf ankommen, sich mit Wesentlichem zu verkn\u00fcpfen und das ist das Evangelium und nicht die Kirche\u00a0an sich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr gut geschlafen. Wunderbares und kaltes Winterwetter. Ein kurzer Besuch bei den ehemaligen KollegInnen w\u00e4rmt. In der Kirchenbeitragsstelle Linz gibts einen Kaffee. Diese morgendlichen Stationen sind nicht direkt an die Pfarren gebunden. Und doch hat es mich dorthin getrieben, bevor ich die City wieder verlasse. 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