{"id":247,"date":"2010-01-28T19:15:35","date_gmt":"2010-01-28T18:15:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=247"},"modified":"2018-01-04T07:09:47","modified_gmt":"2018-01-04T06:09:47","slug":"bitte-zuerst-in-der-eigenen-pfarre-anfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/bitte-zuerst-in-der-eigenen-pfarre-anfragen\/","title":{"rendered":"Bitte zuerst in der eigenen Pfarre anfragen"},"content":{"rendered":"<p>Wieder Neuschnee in der Nacht und w\u00e4hrend des Gehens. &#8222;Gutes Wetter hast du dir nicht ausgesucht&#8220;, meint ein Passant. der mich bei der Autobahnbr\u00fccke anspricht und auch aus den Medien erkennt. &#8222;Es geht nicht sch\u00f6ner, weil in diesem unber\u00fchrten reinen Wei\u00df ist Linz selten erlebbar&#8220;, meine ich. Gerechnet habe ich allerdings nicht, dass der Aufstieg vom Gr\u00fcndberg in Richtung Gis und weiter nach Kirchschlag das st\u00e4rkste St\u00fcck der achtt\u00e4gigen Tour geworden ist. Tiefschneepilgern pur.<\/p>\n<p><strong>Eine besondere Anbetung<\/strong><\/p>\n<p>Mein Kopfpolster ist diesmal im Pfarrhof der Stadtpfarre Urfahr. Nach dem Vortrag in Christk\u00f6nig gehen wir &#8222;nach Hause&#8220; und sitzen noch lange zusammen. Es ist ein aufmerksames Erz\u00e4hlen von verschiedenen Erlebnissen der letzten Zeit und ich freue mich innerlich, &#8222;dass wir in Zukunft so viel miteinander zu tun haben&#8220;. Helmut Part ist Regionaldechant f\u00fcr die vier Dekanate in der Region Linz, die ich gerade besuche. Er ist auch Schwerh\u00f6rigenseelsorger und manchmal denke ich, dass das einen Menschen besonders h\u00f6rend macht. Ich gehe in die Fr\u00fchmesse und bleibe auch bei der donnerst\u00e4glichen Anbetung. Sie hat mich anger\u00fchrt. Helmut sitzt auf einem Gebetsschemmel davor und wir beten gemeinsam die Namen-Gottes-Litanei. Dazwischen immer viel Stille. Ich f\u00fchle mich &#8222;beschienen&#8220;. Am Schlu\u00df geht er mit der Monstranz und segnet vor dem allgemeinen Segen einzelne Personen und zusammen sitzende Gruppen. &#8222;Ich bin gemeint&#8220;, sp\u00fcre ich bei dieser Zuwendung Gottes an uns.<\/p>\n<p><strong>Ist Grau eine Farbe?<\/strong><\/p>\n<p>Im Kopf\u00a0habe ich das Bild schon mit, dass mich in der Hl. Geist Pfarre ein &#8222;nackter Betonbau&#8220; erwartet. Das daneben liegende Volkshaus ist wei\u00df und die evangelische Kirche hat einen Lichtturm. An diesen Sichtbeton m\u00fc\u00dfte ich mich gew\u00f6hnen wie damals 1982 an den Dom. Ich verweile im Kirchenraum, der Kreuzweg f\u00e4llt mir auf und zwei gro\u00dfe Teppiche wollen Farbe ins Spiel bringen. &#8222;Es darf hier nichts ver\u00e4ndert werden&#8220;, best\u00e4tigt Pfarrer Thomas Mazur\u00a0im Gespr\u00e4ch bei Kaffee und Kuchen. &#8222;Es ist f\u00fcr die Leute schwer zu fassen, dass nach der Innensanierung alles gleich ausschaut wie fr\u00fcher&#8220;, meint er. Man sp\u00fcrt, dass der Pfarrer den Hunger der Leute nach Farbe sp\u00fcrt und versteht. &#8222;Bei der anstehenden Au\u00dfengestaltung herrscht Ratlosigkeit, weil alle bisherigen Sanierungen solcher Bauwerke schief gegangen sind&#8220;, klingt Thomas nicht gerade zuversichtlich. Ich sp\u00fcre aber, dass hier eine vielf\u00e4ltige und lebendige Gemeinschaft beheimatet ist und einladenden Raum schafft. Worte wie &#8222;leidenschaftliche Spiritualit\u00e4t&#8220;, &#8222;Quellensuche&#8220; und &#8222;nat\u00fcrliche Gemeindeentwicklung&#8220; zeigen von einem professionell gestalteten Weg in die Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Der immerw\u00e4hrende Hinweis auf die eigene Wohnpfarre<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4re die Kirche St. Magdalena auf dem Platz oben am Berg noch nicht errichtet, sie m\u00fc\u00dfte heute genauso errichtet werden wie sie dasteht: Klare Position, ein ansprechendes Gelb und als Kirche klar erkenntlich. Wahrscheinlich rufen deshalb so viele wegen Taufen und Hochzeiten an, weil viel Linzer diese Kirche von weitem als solche erkennen. W\u00e4hrend ich mit dem Pfarrer rede, l\u00e4utet das Telefon. Die Sekret\u00e4rin hebt ab und erkl\u00e4rt dem Anrufer, dass er zuerst in der Wohnpfarre nachfragen soll wegen der Taufe. &#8222;Jetzt musst du hinh\u00f6ren&#8220;, meint Fritz Hinterm\u00fcller: &#8222;denn das ist jetzt eine ganz typische Anfrage.&#8220; Es werden in so einen Fall zuerst alle auf die eigene Wohnpfarre verwiesen und wenn ein Termin frei ist,\u00a0muss sich die Familie oder das Brautpaar den Zelebranten mitbringen. &#8222;Sonst w\u00e4re das nicht zu schaffen&#8220;, meint der Pfarrer. Der Friedhof ist eine gro\u00dfe Identit\u00e4tsklammer. Der Kirchenraum selber hat tats\u00e4chlich einen sch\u00f6nen und f\u00fcr mein Gef\u00fchl\u00a0 auch einen direkt wohnlichen Charakter. Eine Hochzeits- oder Taufkirche wie im Film und was braucht der heutige Mensch mehr? Mir f\u00e4llt jenes Brautpaar ein, das unbedingt in Kirchschlag heiraten wollte, weil sie im Internet eine Kirche mit rotem Teppich suchten. Das Foto mit rotem Teppich war noch im Internet aber der Teppich war\u00a0nicht mehr in der Kirche. Sie waren sehr entt\u00e4uscht. Da sieht man, worauf es wirklich ankommt ;-).<\/p>\n<p><strong>Die gute Ank\u00fcndigungsposition immer gut gen\u00fctzt<\/strong><\/p>\n<p>Nach gut 20 Minuten bin ich in meiner letzten Pfarre angekommen: St. Markus am Gr\u00fcndberg. Es ist sp\u00e4te Mittagszeit und so treffe ich im Pfarrhaus niemand an. Ein Kirchenbesucher spricht mich in der Kirche an: &#8222;Sie m\u00fcssen sich unbedingt die wunderbaren Arbeiten in der Wochentagskirche anschauen, die Krippe und die Bibel aus Ton \u00a0ist besonders sch\u00f6n.&#8220;\u00a0 Ich bleibe aber noch\u00a0in der von Wulz k\u00fcnstlerisch konsequent gestalteten Hauptkirche. Das Licht f\u00e4llt auf die Orgel und das Kreuz.\u00a0 Dann gehe ich hin\u00fcber und schaue mir die Krippe und die Bibel in Ton von Robert Himmelbauer an. St. Markus ist jene Kirche, an der ich sicher am \u00f6ftensten am Weg zur Arbeit vorbeifahre. Ich gehe dann rund um das Haus und sehe im Garten das angepflanzte Labyrinth.\u00a0 Eine gro\u00dfe Plakatwand k\u00fcndigt von der Stra\u00dfe aus immer sichtbar die Veranstaltungen an, heute den Pfarrfasching.\u00a0Bilder aus dem Vorjahr zeigen, dass es lustig zugeht.\u00a0Christen verstehen Spass, von St. Markus wei\u00df man das auch gesichert.<\/p>\n<p><strong>Der lange Weg zur\u00fcck nach Kirchschlag<\/strong><\/p>\n<p>Am Vormittag habe ich schon zwei Angebote bekommen, dass ich nach Kirchschlag mitfahren kann. Ich m\u00f6chte aber\u00a0 ganz konsequent bleiben und gehe von Gr\u00fcndberg hinauf\u00a0Richtung Gis und hin\u00fcber nach Kirchschlag &#8211; zu Fuss. Es war eine echte Herausforderung, weil mehr Schnee gefallen ist als ich gedacht habe. Au\u00dferdem wurde der Wind immer mehr, je h\u00f6her ich ins M\u00fchlviertel hinaufstiege. Kurz vor der Annakirche von Kirchschlag treffe ich auf einen Schitourengeher, der von Wildberg zum Gipfelkreuz am Breitenstein geht und nachher\u00a0wieder abf\u00e4hrt. &#8222;Mir ist es genau so ergangen wie ihnen, nur nicht von den Medien berichtet&#8220;, meint er und erz\u00e4hlt mir seine Geschichte der Entpflichtung. Mir wird dabei kalt, weil ich vorher geschwitzt habe und diese Erfahrung auch nicht gerade w\u00e4rmt.\u00a0In der\u00a0Kirche z\u00fcnde ich zwei Lichter an: eines dem hl. Antonius als Dank daf\u00fcr, dass ich nicht verloren gegangen bin, und dem seligen Franz J\u00e4gerst\u00e4tter als Bitte, dass mein Gewissen im jesuanischen Geist gesch\u00e4rft werde. M\u00fcde, dankbar, voller Eindr\u00fccke, Ideen und Zuversicht steige ich daheim \u00fcber die T\u00fcrschwelle.<\/p>\n<p>Am Montag starte ich offiziell meine neue Aufgabe als Leiter der Citypastoral und in der Koordination der Region Linz.\u00a0 Ich bleibe erreichbar unter <a href=\"mailto:ferdinand.kaineder@gmail.com\">ferdinand.kaineder@gmail.com<\/a>\u00a0 und werde diesen Blog mit meinen Erfahrungen und Gedanken weiterschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder Neuschnee in der Nacht und w\u00e4hrend des Gehens. &#8222;Gutes Wetter hast du dir nicht ausgesucht&#8220;, meint ein Passant. der mich bei der Autobahnbr\u00fccke anspricht und auch aus den Medien erkennt. &#8222;Es geht nicht sch\u00f6ner, weil in diesem unber\u00fchrten reinen Wei\u00df ist Linz selten erlebbar&#8220;, meine ich. 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