{"id":271,"date":"2010-01-30T16:06:07","date_gmt":"2010-01-30T15:06:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=271"},"modified":"2018-01-04T07:09:43","modified_gmt":"2018-01-04T06:09:43","slug":"ungefahr-140-km-und-70-stunden-aufmerksamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/ungefahr-140-km-und-70-stunden-aufmerksamkeit\/","title":{"rendered":"140 km und 70 Stunden Aufmerksamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem Tag Durchatmen im winterlichen Kirchschlag ist ein Blick zur\u00fcck und ein Blick nach vorne angesagt. In jedem Fall habe ich bleibende und erhellende Eindr\u00fccke aus den acht Tagen mit auf dem Weg in die Zukunft. Es wurden nicht 10 Tage, weil ich gleich am ersten Tag merkte, dass der Abend eine h\u00f6chst interessante Zeit ist, die Stadt zu durchwandern. In der Natur w\u00e4re es finster, nicht in der Stadt. Au\u00dferdem ist diese Abendzeit jene Freizeit, wo die meisten Aktivit\u00e4ten in der Pfarren passieren und so Begegnungen gut m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p><strong>Ungef\u00e4hr 140 km zu Fuss<\/strong><\/p>\n<p>Immer wieder wurde ich gefragt, wie viele Kilometer ich auf den F\u00fcssen war. So wurde ich selber auch neugierig, obwohl ich Zahlen, Messen und W\u00e4gen nicht wirklich mag. Mit einem Routenplaner habe ich schlie\u00dflich alle Stationen\u00a0nochmals abgegangen und es kam die Zahl 138 heraus. Das Gehen\u00a0an den ersten beiden Tagen war gepr\u00e4gt von viel Natur (P\u00f6stlingberg, Pasching, Pucking, Pichling). Richtige Sattelitenst\u00e4dte sind in der Natur\u00a0entstanden und dazwischen noch viele \u00c4cker, W\u00e4lder und\u00a0Auen. Die Traun\u00a0ist das Wasser dazu. Linz S\u00fcd war\u00a0gepr\u00e4gt\u00a0vom Stadtgehen und von der Industrie. Linz Mitte\u00a0und Nord war irgendwie &#8222;City&#8220;.\u00a0 Das Hinaufsteigen durch den Schnee ins M\u00fchlviertel war die m\u00e4chtigste\u00a0Herausforderung beim Gehen.<\/p>\n<p><strong>Etwa 70 Stunden bewu\u00dfte Aufmerksamkeit<\/strong><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte heute nicht mehr\u00a0sagen,\u00a0wann und wie oft ich &#8222;abgeschaltet&#8220; habe. In jedem Fall sind die Eindr\u00fccke so gewesen, unterst\u00fctzt\u00a0von der Einmaligkeit\u00a0des Stadterlebens durch den Schneefall, dass ich nie das Gef\u00fchl hatte, eine Wegstrecke gegangen zu sein, ohne\u00a0eine Erinnerung daran zu haben. Wenn ich in Gedanken anhand der Fotos die Strecke nochmals &#8222;abgehe&#8220;, fehlt mir kein St\u00fcck. Schon die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit\u00a0 von 2 km\/h zeigt, dass \u00a0gerade auch Gespr\u00e4che einen guten Platz gefunden haben. Normalerweise ist meine Gehgeschwindigkeit ca. 5 km\/h.<\/p>\n<p><strong>24 : 12 : 12<\/strong><\/p>\n<p>So stellen sich\u00a0das Verh\u00e4tnis\u00a0der &#8222;Pfarrhofgespr\u00e4che&#8220;, der &#8222;Gespr\u00e4che mit Pfarrangeh\u00f6rigen&#8220; und &#8222;niemand angetroffen&#8220; in den Pfarren dar. Vorausschicken muss ich, dass ich bis auf zwei Ausnahmen nirgends angemeldet war, auch Samstag und Sonntag nachmittag unterwegs war, ebenso in der Mittagszeit.<\/p>\n<p>In 24 Pfarren habe ich mit den zust\u00e4ndigen Pfarrseelsorgern direkte Gespr\u00e4che im Pfarrhaus gef\u00fchrt. Es waren dies meist die Pfarrer, die PfarrassisitentInnen und Kapl\u00e4ne bzw. PastoralassistentInnen.\u00a0 Die Gespr\u00e4che habe mir nicht nur einen tiefen Einblick in das Pfarrleben gegeben, sondern oft auch in pers\u00f6nliche Herausforderungen an die jeweiligen Personen. Gerade auch die N\u00e4chtigungen waren eine gute Gelegenheit, sich auf pers\u00f6nlicher Ebene zu begegnen und auszutauschen.<\/p>\n<p>In 12 Pfarren war von den SeelsorgerInnen niemand da, habe aber wichtige und engagierte PfarrmitarbeiterInnen angetroffen. Gerade die Pfarrsekret\u00e4rinnen oder auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen waren wunderbare Gespr\u00e4chspartnerInnen. An ihnen habe ich immer wieder gesehen, &#8222;dass sie f\u00fcr die Pfarre brennen.&#8220;<\/p>\n<p>In 12 Pfarren habe ich niemanden angetroffen, davon waren auch tags\u00fcber 2 Kirchen zugesperrt. In so einem Fall habe ich mit Passanten das Gespr\u00e4ch gesucht und aus der Beobachtung des Rundherum einiges mitgenommen.<\/p>\n<p><strong>Das alles ist keine Beurteilung, sondern sind\u00a0meine Eindr\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich besteht jetzt kurz vor den Semesterferien die Gefahr, dass dieser Blog als Beurteilung oder Semesterzeugnis gelesen wird. So ist er in keinem Fall von mir gemeint. Es sind meine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke, die ich gesammelt und &#8211; hoffentlich &#8211; behutsam zug\u00e4nglich gemacht habe.\u00a0 Das Gehen war in erster Linie f\u00fcr mich, um mich zu \u00f6ffnen, um einzutauchen in diese\u00a0Region Linz\u00a0mit den 46 Pfarren, um die vorgefassten Bilder \u00fcber die Pfarren in meinem Kopf zu erg\u00e4nzen durch eine urspr\u00fcngliche und m\u00e4chtige Erfahrung. Nat\u00fcrlich sind in mir auch Zukunftsbilder entstanden, wie wir im guten Miteinander die Anspr\u00fcche und Sch\u00e4tze des Evangeliums f\u00fcr die Menschen auf den Leuchter stellen k\u00f6nnen. Bischof Wanke hat sinngem\u00e4\u00df bei der heurigen Thomasakademie gemeint: &#8222;Ohne das Evangelium Jesu Christi fehlt in unserer Gesellschaft Entscheidendes.&#8220; Es geht\u00a0darum, das Evangelium auf den Leuchter zu stellen, nicht die Kirche.<\/p>\n<p><strong>Hat jede Pfarre und jeder pastorale Knotenpunkt genug Lebenswillen?<\/strong><\/p>\n<p>Wo ein Wille, da ein Weg. Wo Begeisterung, da ein Zukunftsweg. Recht unterschiedlich habe ich diesen Lebenswillen der Pfarren erlebt. Wenn dieser Lebenswille der Pfarre heute alleine am Pfarrer h\u00e4ngt, dann schaut es nicht gerade\u00a0zukunftsf\u00e4hig aus.\u00a0Die \u00dcbergabe dieses Lebenswillens an einen jungen Pfarrer kann aus heutiger Sicht nicht so ins Auge gefasst werden. Wo dieser Wille aber durch vielf\u00e4ltige Beteiligung und breite Streuung zum Ausdruck kommt, da sind fr\u00f6hliche und strahlende Gesichter zu sehen. Meine Grund\u00fcberzeugung ist, dass die Pfarre als solche einen &#8222;bunt gewebten Lebenswillen entfalten muss&#8220;.\u00a0 Das bedeutet, dass Verantwortung an die Getauften \u00fcbergeben wird, dass Schl\u00fcssel f\u00fcr R\u00e4ume ausgegeben werden, dass die Verwaltung und Finanzen in professionelle H\u00e4nde kommen, usw. Ich sehe die Chance nur darin, dass der jeweilige Pfarrgemeinderat sich erhebt und zum Tr\u00e4ger und Gestalter\u00a0dieses Lebenswillens wird.<\/p>\n<p>In meinem Arbeitsbuch f\u00fcr die PGR-Arbeit und den Neubau des St. Anna Pfarrzentrums in meiner Heimatpfarre steht ganz vorne die Aussage von Erich Fromm:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn das Leben keine Vision hat,<br \/>\nnach der man strebt,<br \/>\nnach der man sich sehnt,<br \/>\ndie man verwirklichen m\u00f6chte,<br \/>\ndann gibt es auch kein Motiv,<br \/>\nsich anzustrengen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Kernfrage wird lauten:<br \/>\nEntdecken wir zusammen mit der j\u00fcngeren Generation eine Vision, gespeist aus dem Evangelium, f\u00fcr die es sich lohnt, Zeit, Energie und F\u00e4higkeiten einzubringen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Tag Durchatmen im winterlichen Kirchschlag ist ein Blick zur\u00fcck und ein Blick nach vorne angesagt. 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