{"id":4327,"date":"2013-06-01T12:43:18","date_gmt":"2013-06-01T11:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=4327"},"modified":"2018-01-04T06:44:04","modified_gmt":"2018-01-04T05:44:04","slug":"mit-wenig-unterwegs-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/mit-wenig-unterwegs-sein\/","title":{"rendered":"Mit wenig unterwegs sein"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-4328\" alt=\"Appenin\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin-150x83.jpg\" width=\"150\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin-150x83.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin-1024x568.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Appenin.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Vom Sozialreferat der Di\u00f6zese Linz wurde ich eingeladen, einen &#8222;Predigtvorschlag&#8220; zu diesem Thema zu machen. Dem bin ich gerne nachgekommen, wo ich viele Wochen beim &#8222;Weitgehen&#8220; nach Assisi, durch \u00d6sterreich und ins Kloster Volkenroda in Th\u00fcringen diese Erfahrung best\u00e4tigt bekommen habe. Wir leben leichter mit viel mehr Weniger!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dioezese-linz.at\/redsys\/index.php?action_new=read&amp;Article_ID=163304&amp;page_new=330\" target=\"_blank\">Hier geht es zum Predigttext und zum Download.<\/a><\/p>\n<p>Hier der Text als Flie\u00dftext:<\/p>\n<p><em>Auf dem \u00f6kumenischen Pilgerweg Via Porta von Waldsassen in Bayern \u00fcber 300 km in das Kloster Volkenroda in Th\u00fcringen wird dem Pilger in Selbitz die Unterkunft bei den Schwestern der Christusbruderschaft vorgeschlagen. Es war der Montag in der Karwoche 2012, als ich als Pilger an die T\u00fcr geklopft habe. Ein Rucksack, zwei Gehst\u00f6cke und gebrauchte Wanderkleidung haben mich als Pilger erscheinen lassen. Eine \u00e4ltere Schwester begr\u00fc\u00dfte mich freundlich. Ich wollte einfach nur ein Bett und Zugang zu Wasser und WC. Die Schwester war \u00fcberfordert und war froh, dass zuf\u00e4llig in diesem Moment die Gastschwester bei der Pforte vorbeischaute. Zwei weitere Schwestern gesellten sich zu dem Gespr\u00e4ch dazu. Sie haben guten Willen gezeigt, aber schlie\u00dflich erkl\u00e4rt, dass es nicht m\u00f6glich ist, gerade heute hier zu \u00fcbernachten. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon 14 Tage unterwegs und innerlich sehr ausgeglichen. Ich konnte die Abweisung ohne einen Funken Entt\u00e4uschung annehmen, habe Rucksack und St\u00f6cke genommen und bin weitergezogen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn du abgewiesen wirst, dann entsteht sehr oft tiefe Entt\u00e4uschung. Jesus sagt aber, dass wir den Menschen begegnen, um Frieden und Segen zu bringen. Jedes Anklopfen bei den Menschen bedeutet einen Sprung aus sich selbst. Ich setze mich aus und werde in diesem Moment abh\u00e4ngig von meinem Gegen\u00fcber. Nimmt der meine Bitte oder mein Angebot an? <\/em><br \/>\n<em>Jesus ermutigt seine J\u00fcnger, hinauszugehen zu den Menschen. Der neue Papst folgt in diesem Punkt Jesus genau in der Spur. Er predigt bei den Fr\u00fchmessen immer frei und kurz. So hat er sich gegen eine Kirche ausgesprochen, \u201edie auf sich selber bezogen sei und nicht hinausgehe in die Peripherie der St\u00e4dte und des Geistes\u201c. Er benennt diese \u201eSalon-Christen\u201c, die auch unter uns sind und schaut in die Schar der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vatikan. W\u00f6rtlich sagt er. \u201eDiese Wohlerzogenen, Braven, die der Kirche keine Kinder schenken, weil sie die apostolische Leidenschaft nicht haben, Christus zu verk\u00fcnden.\u201c Man sp\u00fcrt und sieht fast t\u00e4glich, dass Papst Franziskus keine Angst hat, den Menschen auf Augenh\u00f6he zu begegnen. Einfach und direkt lebt er unter den Menschen. Das hat Jesus gemeint, wenn er seine Leute hinausgeschickt hat, ohne Geld und Beutel.<\/em><\/p>\n<p><em>Nehmt nicht viel mit, wenn ihr zu den Menschen geht. Wer schon mehrmals \u00fcber weite Strecken gepilgert ist, kann diese Anweisung gut verstehen. Eine Lehre aus dem Weitgehen und Pilgern ist, dass wir erleben, mit wie wenig wir auskommen. Das Leben hat in einem Rucksack Platz. Je l\u00e4nger und \u00f6fter du unterwegs bist, umso leichter wird der Rucksack, weil alles vermeintliche \u201eZeugs\u201c keinen Nutzen mehr hat. Als ich 2004 erstmals 28 Tage vom Bodensee zum Neusiedlersee gegangen bin, habe ich in Bayern nach f\u00fcnf Tagen das zu viel Eingepackte in einer Unterkunft gelassen, weil ich sp\u00fcrte, dass ich \u201eviel zu viel Zeugs mittrage\u201c. Auf meinem Weg nach Assisi war der Rucksack von Beginn an schon viel leichter, und es hat gepasst. Je weniger du selber mittr\u00e4gst, umso mehr \u00f6ffnest du dich f\u00fcr das, was dir die Menschen am Weg entgegenbringen. Und wenn sich einmal herausstellt, dass du etwas br\u00e4uchtest, was jetzt gerade nicht da ist, dann hast du die Chance, an diesem Punkt zu lernen, ohne es auszukommen. Das kann auch ein Bett sein und du lernst, dass auch Beton eine Unterlage zum Schlafen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl ich bei meinen Pilgerungen sicher zu 98% positiv, unterst\u00fctzend und wertsch\u00e4tzend aufgenommen wurde, ist es denkbar, abgewiesen zu werden, wie ich es eben in Selbitz erlebt habe. Jesus erhoffte bei seinen Leuten, dass sie Frieden bringen. Wer Frieden im Herzen tr\u00e4gt, strahlt Frieden aus. Wer Frieden ausstrahlt, bekommt ihn zur\u00fcck. Das hoffen wir. Ein Sohn des Friedens\u201c oder eine \u201eTochter des Friedens\u201c ist ein Mensch, der vom Frieden gepr\u00e4gt ist. Diesen heilenden Frieden, der von Gott kommt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Mensch bleibt aber frei, das Angebot anzunehmen oder abzulehnen. F\u00fcr die, die das Angebot annehmen, ist ein St\u00fcck Heilung und Gemeinschaft geschenkt. Unglaublich viele sch\u00f6ne Begegnungen durfte ich da erleben. Immer wieder auch den Wunsch nach solchen Begegnungen: Beten Sie f\u00fcr mich, f\u00fcr unsere Familie. \u201eNehmen Sie uns mit nach Assisi\u201c habe ich oft geh\u00f6rt und mit all den Anliegen wurde der Rucksack nicht schwerer, sondern leichter, die Schritte freudiger und das Herz weiter.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir h\u00e4ngen viel zu viel an den Dingen, von denen uns der Alltag einredet, dass sie wichtig sind. Unsere Gesellschaft l\u00e4sst uns t\u00e4glich \u00fcber die Werbung ausrichten, dass wir noch viel zu wenig haben und dass materielles Wachstum die Basis f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben ist. Diese Glaubenss\u00e4tze der Wachstumsgesellschaft werden aus meiner Erfahrung immer d\u00fcmmer und absurder. Deshalb \u00fcberlegen auch die Ordensgemeinschaften in \u00d6sterreich, das Gel\u00fcbde der Armut in neuer Weise zug\u00e4nglich zu machen. Irgendwie schwebt die Botschaft im Raum:<\/em><\/p>\n<p><em>Wir brauchen \u201eviel mehr WENIGER\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Tipp von Ignatius von Loyola, t\u00e4glich daran zu denken, dass ich sterbe, hat in diesem Zusammenhang nichts Bedrohliches, sondern etwas Befreiendes. Im Rucksack hat das Leben Platz, wenn wir das Herz weit \u00f6ffnen f\u00fcr die Gnade, den Frieden Gottes und die Begegnung mit Menschen. Da gilt es den Menschen behilflich zu sein \u2013 beim \u00d6ffnen des Herzens. Es braucht auch die Demut, uns selber klar zu machen, dass wir in diesem Punkt Hilfe und Besuch n\u00f6tig haben, auch die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger selber. Wer den Gedanken, dass das Leben in einen Rucksack passt, einmal mit Erfahrung gef\u00fcllt hat, wird Jesus und Papst Franziskus und den Auftrag zum Hinausgehen verstehen und als Befreiung erleben.<\/em><\/p>\n<p><em>Als ich das Ziel im Kloster Volkenroda erreicht hatte, habe ich zu vielen Menschen, denen ich am Weg begegnet bin, nochmals Kontakt aufgenommen. Auch den Schwestern in Selbitz habe ich per Email wissen lassen, dass ich gut am Ziel angelangt bin. Keine zwei Stunden sp\u00e4ter hat mir die Gastschwester zur\u00fcckgeschrieben. Schon wie sie mich auf der Stra\u00dfe mit meinem Rucksack hinuntergehen sehen haben, haben sie sich gegenseitig angeschaut und gesp\u00fcrt: Das war falsch, dass sie mich abgewiesen haben. Die ganze Karwoche war ich \u201eabgewiesener Pilger\u201c das Thema und sie haben viel f\u00fcr mich gebetet. Jetzt gibt es ein einfaches Pilgerzimmer, das immer offen steht. Als letzten Satz schreibt sie: \u201eWir sind Ihnen von ganzem Herzen dankbar, dass Sie bei uns angeklopft haben. Unsere Abweisung war falsch, hat uns aber die Augen f\u00fcr die Pilger und Fremden ganz neu und intensiv ge\u00f6ffnet.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Wer mit \u201eviel mehr WENIGER\u201c durch das Leben geht, wird erst wirklich offen f\u00fcr die Gnade Gottes und das Beschenkt-Werden durch Menschen. Selbst eine Abweisung kann bei den Betroffenen eine \u00c4nderung ausl\u00f6sen. Das d\u00fcrfen wir glauben.<\/em><\/p>\n<p><em>Jesus und Papst Franziskus haben recht: Geht als einfache und friedvolle Menschen hinaus in die Peripherie der Orte, St\u00e4dte und des Geistes. Die Menschen warten auf euch \u2013 so oder so. Aber sicher mehr so, wenn ihr es mit offenem Herzen und wachem Ohr tut.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Sozialreferat der Di\u00f6zese Linz wurde ich eingeladen, einen &#8222;Predigtvorschlag&#8220; zu diesem Thema zu machen. 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