{"id":4984,"date":"2014-02-13T09:20:59","date_gmt":"2014-02-13T08:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=4984"},"modified":"2018-01-04T06:38:07","modified_gmt":"2018-01-04T05:38:07","slug":"wir-verlassen-uns-auf-die-experten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wir-verlassen-uns-auf-die-experten\/","title":{"rendered":"Wir verlassen uns auf die Experten"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/\" target=\"_blank\">\u00d61-Gespr\u00e4ch<\/a> hat heute 13. Feber 2014 der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Finanzen einen wachr\u00fcttelnden Satz gesagt. &#8222;Wir verlassen uns ganz auf die Experten&#8220;. Das Gespr\u00e4ch ging um die 13-19 Hypo-Milliarden. Er konnte eigentlich nichts sagen au\u00dfer: Wir verlassen uns. Nat\u00fcrlich beunruhigt das. Pers\u00f6nlich habe ich &#8222;gelernt&#8220;, dass Experten (es sind meist nur M\u00e4nner) eigentlich Interessentr\u00e4ger sind. Es gibt nur ganz wenige, die einen &#8222;ungeschminkten Blick&#8220; vorweisen k\u00f6nnen. Das f\u00e4ngt damit an, dass die Expertisen teuer vom Auftraggeber bezahlt werden. Und wer will sich den Geldfluss schon abschneiden durch den Satz: &#8222;Wir glauben.&#8220; Expertise ist keine Wissens- sondern zur Glaubensfrage geworden. Das werden nat\u00fcrlich Experten vehement ablehnen, weil sie ja &#8222;wissen, was Sache ist&#8220;. \u00a0Zwei Berichte zeigen, dass die Hohenpriester der \u00d6konomie vielleicht dem\u00fctiger und in ihren Aussagen relativer werden sollten.<\/p>\n<p><strong>1934<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/religion.orf.at\/stories\/2630262\/\" target=\"_blank\">ORF Religion bringt eine Arbeit von Rupert Klieber<\/a> zu den Ereignissen von 1934 und der damaligen Rolle und Einsch\u00e4tzung des Vatikan zu den Vorg\u00e4ngen und Ereignissen. Der Papst Pius XI hat auf die &#8222;Experten der Nuntiatur&#8220; geh\u00f6rt und heute wissen wir, dass es auch damals Interessentr\u00e4ger warem mit dem Ergebnis: &#8222;Damit habe der Vatikan \u201eaktiv eine Politik gef\u00f6rdert\u201c, die politisch, moralisch und pastoral \u201eein schwerer Fehler\u201c gewesen sei, so der Kirchenhistoriker. Hintergrund f\u00fcr die fatale Fehleinsch\u00e4tzung seitens des Heiligen Stuhls sei ein \u201esehr reduzierter Blick auf das Geschehen in \u00d6sterreich\u201c gewesen. So zeugten die Nuntiaturberichte und Expertisen einzig von der Beschreibung eines angeblichen \u201eKulturkampfes um Wien\u201c und einem Niedergang traditioneller &#8211; katholischer &#8211; Werte und \u00dcberzeugungen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Griechenland<\/strong><\/p>\n<p>Der junge <a href=\"http:\/\/blog.arbeit-wirtschaft.at\/krisenpolitik_damals_und_heute\/?subscribe=success#blog_subscription-2\" target=\"_blank\">Valentin Schwarz schreibt im Blog &#8222;Arbeit und Wirtschaft&#8220;<\/a> am 13. Feber 2014 den Beitrag &#8222;Als \u00d6sterreich Griechenland war&#8220; und listet die Parallelit\u00e4ten von damals und heute beeindruckend klar auf. Auch damals waren &#8222;Schlagworte&#8220; wie Nulldefizit (meint: der Staat f\u00e4hrt zur\u00fcck) oder &#8222;Demokratieabbau&#8220; (meint: Entscheidungen f\u00e4llt nicht Regierung und Parlament). Im Blog lese ich: &#8222;Zu beiden Zeiten gilt: W\u00e4hrend die breite Bev\u00f6lkerung leidet, werden die Interessen der Eliten gesch\u00fctzt.&#8220; Das damalige Leid war sicher augenscheinlicher, aber Prekarisierung findet heute ebenfalls \u00fcberall statt. Die &#8222;Glaubenss\u00e4tze&#8220; der Experten waren damals nicht zutreffend und sind heute sogar als falsch entlarvt. \u00a0&#8222;Eine \u00e4hnlich fatale Rolle spielen ExpertInnen in der heutigen Krisenpolitik: Austerit\u00e4ts-Bef\u00fcrworterInnen berufen sich gerne auf eine Studie der Harvard-\u00d6konomInnen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, der zufolge das Wachstum ab einer Staatsverschuldung von 90 Prozent des BIP einbreche. So argumentiert etwa der f\u00fcr die Troika-Programme zust\u00e4ndige EU-Kommissar Olli Rehn, dass der Schuldenabbau auch dann oberste Priorit\u00e4t haben m\u00fcsse, wenn das katastrophale soziale und \u00f6konomische Folgen habe. KritikerInnen, die eine solche Formel f\u00fcr Unsinn halten, werden im April 2013 best\u00e4tigt: Eine \u00dcberpr\u00fcfung der Reinhart\/Rogoff-Studie ergibt, dass ihre Rechnung auf unvollst\u00e4ndigen Daten basiert und die 90-Prozent-Regel falsch ist.&#8220; Was soll ich als Steuerzahler und Gemeinwesen-Mitglied von \u00d6sterreich nun glauben?<\/p>\n<p><strong>Intuition<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich noch gut an ein Gespr\u00e4ch mit Anton Zeilinger in Gmunden im Jahre 2011. Es ging darum, wie Politik im Sinne einer tiefen Demokratisierung gestaltet und verbessert werden kann. Zeilinger hat damals zwei Vorschl\u00e4ge gemacht, &#8222;die \u00fcberhaupt nichts kosten&#8220;. Konkret meinte er: &#8222;Ghostwriter abschaffen und im Parlament nur dann aufzeigen, wenn du die Sachlage verstanden hast.&#8220; Bei den Umstehenden war Unbehagen sp\u00fcrbar. Einer artikulierte dann den Widerspruch. &#8222;Wir m\u00fcssen viele Reden halten und au\u00dferdem k\u00f6nnen wir die Unmenge an Gesetzen oft gar nicht einmal lesen geschweige verstehen.&#8220; Zeilinger lie\u00df nicht locker und erg\u00e4nzte: &#8222;Wenn die Oberen selber aus sich nichts zu sagen haben, dann sollen sie zuh\u00f6ren. Und im Parlament w\u00fcrden vielleicht intelligentere Leute sitzen, die leichter verstehen.&#8220; Das Thema wurde gewechselt. Bei mir ist diese kurze Episode heute noch lebendig, &#8222;weil sie etwas hat&#8220;. Es wird f\u00fcr politisch Verantwortliche notwendig sein, sich nicht einfach den rational agierenden ExpertInnen sprich Interessentr\u00e4gerInnen (es sind aber vor allem M\u00e4nner!) auszuliefern, sondern mehr in sich hineinzuh\u00f6ren, der eigenen Intuition Platz und Raum zu geben und vor allem auf das Volk, die einfachen Menschen und hier die am Rande zu h\u00f6ren. &#8222;Ganz Ohr sein und Intuitionen zusammenlegen&#8220; w\u00e4re mein Ansage. Das klingt in der rationalen Zahlenwelt der Banken wie eine &#8222;Glaubensstunde&#8220;. Vom Gehen wei\u00df ich: Zuerst sp\u00fcrst du, dass du falsch bist und dann siehst du es. Die Frage ist: Wann kehrst du um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im \u00d61-Gespr\u00e4ch hat heute 13. Feber 2014 der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Finanzen einen wachr\u00fcttelnden Satz gesagt. &#8222;Wir verlassen uns ganz auf die Experten&#8220;. Das Gespr\u00e4ch ging um die 13-19 Hypo-Milliarden. 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Pers\u00f6nlich habe ich &#8222;gelernt&#8220;, dass Experten (es sind meist nur M\u00e4nner) eigentlich Interessentr\u00e4ger sind. &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wir-verlassen-uns-auf-die-experten\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15,14,10,9],"tags":[],"class_list":["post-4984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-zukunfstbilder","category-gemeinschaften-konnektive","category-philosophie-theologie","category-uncategorized","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4984"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4990,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4984\/revisions\/4990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}