{"id":5331,"date":"2014-04-26T11:14:00","date_gmt":"2014-04-26T10:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=5331"},"modified":"2021-07-22T13:37:02","modified_gmt":"2021-07-22T12:37:02","slug":"wie-kommt-das-neue-in-die-organisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wie-kommt-das-neue-in-die-organisation\/","title":{"rendered":"Wie das Neue in die Organisation kommt"},"content":{"rendered":"<p>Ende September 2011 war ich bei einer<a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wie-kommt-das-neue\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> internationalen Konferenz,<\/a> wo das Neue den Weg in die bestehenden Organisationen gesucht hat. &#8222;Dieser Tag war ein Gl\u00fcck &#8211; nicht nur f\u00fcr mich!&#8220;, schrieb ich damals am Ende des Beitrages. Es war tats\u00e4chlich ein Gl\u00fcck. Seit der Zeit bin ich mit Michael Shamiyeh pers\u00f6nlich verbunden. Viel zu selten sehen oder treffen wir einander. Sein B\u00fcro mit Blick auf den Hauptplatz in Linz ist f\u00fcr mich immer eine Inspiration, ein Gedankenaustausch, der nicht nur von Kopf zu Kopf geht. Mein letzter Besuch hat das Thema von der Konferenz wieder aufgegriffen: Wie kommt das Neue in die Organisation? Im aktuellen ON haben unsere gemeinsamen \u00dcberlegungen Eingang gefunden. Ich hoffe, nicht nur f\u00fcr Ordensgemeinschaften, ihre Werke und Einrichtungen interessant. <a href=\"http:\/\/www.ordensgemeinschaften.at\/1231-wie-kommt-das-neue-in-die-organisation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier der ganze Artikel.<\/a><\/p>\n<p><strong>Vorgegebene Denkmuster und Grenzen ausloten<\/strong><\/p>\n<p>Michael Shamiyeh hilft Organisationen beim gemeinsamen Aufsp\u00fcren, Entwickeln und Implementieren von Neuem. Er f\u00f6rdert sie, aus eigener Kraft innovativer zu werden. Er hat in Harvard und St. Gallen studiert und ist leitender Universit\u00e4tsprofessor am Design-Organisation-Media (DOM) an der Kunstuniversit\u00e4t in Linz. Er kennt die \u201eOrdenswelt\u201c aus eigener Erfahrung. Als Ursprung f\u00fcr sch\u00f6pferische Ideen sieht er konkrete Menschen: \u201eInnovation beginnt bei der Person. Bei einem Menschen, der sowohl die F\u00e4higkeit besitzt, als auch den Willen aufbringt, Wissen aufzunehmen und in ungewohnter Weise neu zu kombinieren, bis sich die einzelnen Teile pl\u00f6tzlich zu neuen Ideen f\u00fcgen.\u201c Seine Kernfrage in allem lautet: \u201eWie werden Ideen f\u00fcr die Zukunft Wirklichkeit?\u201c Es gilt, vorgegebene Denkmuster und deren Grenzen auszuloten. \u201eEs braucht Freiraum f\u00fcr Experimente.\u201c Das sieht er auch bei den Ordensgemeinschaften und in ihren Werken und Einrichtungen.<\/p>\n<p><strong>Das Neue muss sich plausibel machen<\/strong><\/p>\n<p>Shamiyeh arbeitet mit internationalen Konzernen wie Kodak. \u201eDie ersten digitalen Ideen wurden nicht aufgenommen, weil sie sich zu wenig plausibel und alltagstauglich im Vorstand dargestellt haben. Selbst nach massiven Gesch\u00e4ftseinbr\u00fcchen wollten die Verantwortlichen die Entwicklung nicht wahrhaben.\u201c Deshalb pocht Shamiyeh darauf, \u201edass sich das Neue als notwendig und Sinn machend sehr plausibel und konkret darstellt. Das Neue muss die Frage beantworten: Warum soll ich das Neue wagen?\u201c Das Neue muss f\u00fcr alle zukunftsf\u00e4hig sein. Das Neue muss eine Notwendigkeit sein. Ausl\u00f6ser ist h\u00e4ufig eine massive Bedrohung. Aber: \u201eWer sich bedroht erlebt, reagiert meist nicht mit Weite, sondern mit Enge und Festhalten am Gewohnten. Bedrohung erzeugt sehr oft eine intensive R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit.\u201c Ganz entscheidend in solchen Situationen ist der externe Input. Beispiel: Zeitungen erleben heute massiv die Bedrohung durch das Internet. Deshalb r\u00e4t der in Strategischem Management ausgebildete Shamiyeh: \u201eEs braucht jemanden, der aus der Bedrohung selbst kommt, damit ihr ad\u00e4quat begegnet werden kann. Ich ermutige: \u00d6ffnen Sie sich f\u00fcr Leute, die nicht aus dem \u201eBetrieb\u201c kommen, die keine Ordensleute sind. Sie k\u00f6nnen Weitblick und Offenheit stiften. Oder gehen Sie selber ungesch\u00fctzt hinaus an Orte, die nicht die Ihren sind, und h\u00f6ren sie gut zu. So entstehen Inspirationsquellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ein klares Bild von der Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Wie in die Zukunft gelangen? Shamiyeh: \u201eVon der Zukunft her denken. Es gibt drei Methoden, in die Zukunft zu gehen: 1. Die Vergangenheit unver\u00e4ndert \u201averl\u00e4ngern\u2019. 2. Das Jetzt analysieren und \u201azukunftsfit\u2019 machen. 3. Das Jetzt von einem gemeinsam erstellten Zukunftsbild her denken und heute das tun, was dem Bild entspricht. 1 und 2 sind die g\u00e4ngigsten Varianten. Die den Orden am entsprechendsten ist die 3. Jeder Gr\u00fcnder und jede Gr\u00fcnderin hat mit einem klaren, konkreten Zukunftsbild gearbeitet.\u201c Aber: Wie begeistert man Menschen von einem neuen Zukunftsbild? \u201eGanz einfach, man l\u00e4sst sie die Idee wortw\u00f6rtlich begreifen: mit Prototypen, mit realen Bausteinen, Grundelementen des Neuen, der Zukunft. Visionen werden dadurch anschaulicher, die Idee selbst kann schneller entwickelt, verfeinert und anschlussf\u00e4hig gemacht werden. So wird die Zukunft nicht nur gedacht, sondern getan. Und das ist das Entscheidendste, das Tun.\u201c Der Organisations-Designer sieht f\u00fcr jede Gemeinschaft und Organisation die entscheidende Frage darin: \u201eWas ist unser Auftrag, unsere Mission heute? Wer diese Frage nicht mit einem klaren und konkreten (gemeinsamen) Zukunftsbild beantworten kann, wird den Weg in die Zukunft schwer gehen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Das Neue muss Sinn machen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eParallele Autonomie\u201c nennt der international anerkannte Organisationsfachman das Schl\u00fcsselverst\u00e4ndnis: \u201eDas Neue entwickelt sich am ehesten in einem eigenen Kontext parallel zur laufenden Organisation mit hoher Autonomie.\u201c Shamiyeh wei\u00df von Firmen, die dem Neuen eigene Produktionsrhythmen zugestanden haben, die sp\u00e4ter den Normalbetrieb gepr\u00e4gt haben, weil sie sich bew\u00e4hrt haben. Er fragt: \u201eWie ist das heute bei Ordensfrauen oder -m\u00e4nnern mit den wichtigen Gebets- oder Mahlzeiten, wenn sie ganz normal in Arbeitsprozesse eingebunden sind? Das verlangt aus meiner Sicht den Raum f\u00fcr Varianz. Ordensleute erproben, wie der arbeitende Mensch in heutigen Kontexten spirituell ge\u00f6ffnet bleiben kann, ausgerichtet auf Gott.\u201c In jedem Fall muss das Neue \u201eSinn machen\u201c. Neu um des Neuen willen braucht es nicht. Entscheidend ist die Sinnfrage, die immer neu gestellt und immer neu beantwortet wird. Individuell und gemeinschaftlich.<\/p>\n<p><strong>Schrittweise oder grundlegend neu denken<\/strong><\/p>\n<p>Viele etablierte Unternehmen machen den Fehler, eine gute Idee schrittweise zu erneuern, um sie f\u00fcr neue Herausforderungen bestm\u00f6glich anzupassen. Das aber birgt die Gefahr, in einer Innovations-Sackgasse zu enden. \u201eDie erfolgversprechendere Methode ist es, jede Herausforderung von Grund auf neu zu denken. Wenn man den Zukunftszustand f\u00fcr ein Produkt, eine Dienstleistung, eine Aufgabe anstrebt, wird der Boden f\u00fcr radikale Neuerungen bereitet. So folgen Gemeinschaften am direktesten dem Gr\u00fcnder, der Gr\u00fcnderin mit gelebter Innovationskultur, in der Arbeitsweise, den \u00dcberzeugungen und Werten.\u201c In jedem Fall braucht es Mut und ein St\u00fcck \u201eOut of the Box\u201c-Denken, will man den Anschluss an Heute und Morgen nicht verpassen. Seneca hat schon gewusst: \u201eNicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.\u201c Einem Unbekannten wird das Graffiti zugeschrieben: \u201eDas geht nicht, haben alle gesagt. Da kam einer, der wusste das nicht und hat es gemacht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende September 2011 war ich bei einer internationalen Konferenz, wo das Neue den Weg in die bestehenden Organisationen gesucht hat. &#8222;Dieser Tag war ein Gl\u00fcck &#8211; nicht nur f\u00fcr mich!&#8220;, schrieb ich damals am Ende des Beitrages. Es war tats\u00e4chlich ein Gl\u00fcck. 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