{"id":5554,"date":"2014-08-08T10:15:52","date_gmt":"2014-08-08T09:15:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=5554"},"modified":"2018-01-04T06:32:59","modified_gmt":"2018-01-04T05:32:59","slug":"ich-bin-atheist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/ich-bin-atheist\/","title":{"rendered":"Ich bin Atheist"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bl\u00fcm1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-5557\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bl\u00fcm1-123x150.jpg\" alt=\"Norbert Bl\u009fm\" width=\"123\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bl\u00fcm1-123x150.jpg 123w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bl\u00fcm1-247x300.jpg 247w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bl\u00fcm1.jpg 577w\" sizes=\"auto, (max-width: 123px) 100vw, 123px\" \/><\/a>&#8222;Ich bin Atheist&#8220; wird auf dem T-Shirt stehen, das ich mir machen lasse. Genau wei\u00df ich noch nicht, wie ich diese Behauptung f\u00fcr die verwunderten Blicke &#8222;aufl\u00f6sen&#8220; werde. Muss es \u00fcberhaupt aufgel\u00f6st sein? &#8222;F\u00fcrchtet euch nicht&#8220; steht auf einem T-Shirt, das ich immer wieder trage. Da haben sich bei feierlichen Anl\u00e4ssen auch schon interessante Gespr\u00e4che ergeben . Ich werde es beim Atheisten belassen. Mir gef\u00e4llt das Atheist in diesem Zusammenhang, weil es &#8222;etwas&#8220; ablehnt, sich dagegen stellt. \u00a0Das liegt mir in diesem Fall am Herzen.<\/p>\n<p><strong>Auf die alten Tage Atheist geworden<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wo liegen deine Inspirationsquellen?&#8220;. Das frage ich #ganzOhr Ordensleute mit meiner Mini-Kamera am Smartphone. Da kommen wirklich interessante Erfahrungen. Gestern war es das <a href=\"http:\/\/youtu.be\/KfIjrfYRvrs\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4ch mit Sr. Kunigunde F\u00fcrst,<\/a> die als Franziskanerin nicht in die Pension, sondern nach Kasachstan gegangen ist. F\u00fcr mich ist eine Inspirationsquelle das Lesen und da vor allem &#8222;<a href=\"http:\/\/www.publik-forum.de\/\" target=\"_blank\">Publik-Forum<\/a>&#8222;. Dort entdecke ich wieder den &#8222;Zornesruf&#8220; von Norbert Bl\u00fcm, den Werkzeugmacher, den Bundesminister f\u00fcr Arbeit und Soziales, den Kinderbuchautor, den Kabarettisten. Und genau dieser Zornesruf setzt die Idee mit dem T-Shirt in Gange. Ich m\u00f6chte mich deklarieren: &#8222;Ich bin Atheist, lieber Gott Mammon.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Ungeschminkt hinschauen und nicht gleichg\u00fcltig bleiben<\/strong><\/p>\n<p>Der Zornesruf von Norbert Bl\u00fcm aus dem Jahre 2012 spitzt sich von Jahr zu Jahr mehr zu. Papst Franziskus, der in den eigenen Reihen im Vatikan von den eigenen Mitarbeitern &#8222;bel\u00e4chelt&#8220; wird, wie man unter vorgehaltener Hand erz\u00e4hlt, blickt in dieselbe Richtung, wenn er immer wieder vor dem Mammon warnt und Strukturen des G\u00f6tzen Kapitalismus anprangert. Das gef\u00e4llt nat\u00fcrlich den davon profitierenden Eliten nicht. Auch im Vatikan. So mancher Tabernakel ist mit dem Dollar und EURO gef\u00fcllt und das &#8222;Brot des \u00a0Lebens, des Teilens&#8220;, Jesus Christus, ist in die Ecke gestellt worden. Medial werden Anbetungsstunden vor dem Altar der \u00d6konomie zelebriert. Atheisten l\u00e4cherlich gemacht. Hier der Text von Norbert Bl\u00fcm als Anregung, Wachr\u00fcttler, Sichtverst\u00e4rker, hin zum Wesentlichen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Auf meine alten Tage bin ich Atheist geworden. Ich bekenne: Ich glaube nicht an Gott Mammon. Ich widersage ihm mit allen meinen Kr\u00e4ften. Mammon ist ein gieriger G\u00f6tze, der sich anschickt, die Welt zu verschlingen. 99 Prozent der Dollar-Billionen, welche den Erdball umkreisen, haben mit Arbeit, Wertsch\u00f6pfung, G\u00fctern und Dienstleistung nichts zu tun. Es ist der heilige Schein des Geldes, der die Weltwirtschaft erleuchtet. Doch das monet\u00e4re Licht ist ein Irrlicht, eine Fata Morgana statt der lebensrettenden Oase.<\/em><\/p>\n<p><em>Geld bef\u00f6rdert das Nichts ins Sein. Was sich nicht in Geld ausdr\u00fccken l\u00e4sst, existiert nicht. Die Hostie des Finanzkapitalismus ist das Geld. Mit Kaufen und Verkaufen von Firmen l\u00e4sst sich mehr Geld verdienen, als in Firmen zu produzieren. Gro\u00dfe Unternehmen sind Bankh\u00e4user mit angeschlossenen Produktionsfilialen geworden. Porsche machte in einem Jahr drei Milliarden Euro mehr Gewinn als Umsatz &#8211; durch Finanzgesch\u00e4fte. Die Aktie transferiert vom Investitionsobjekt zum Spekulationssubjekt. Arbeitnehmer werden abgesto\u00dfen, angelegt, im Depot gehalten &#8211; wie Aktien.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch die Staaten schrumpfen auf einen virtuellen Geldwert. China steht hoch im Kurs, Griechenland nicht. China ist eine Diktatur, Griechenland eine Demokratie. Griechenland k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise zur H\u00f6he des chinesischen Ansehens aufsteigen, wenn es die Akropolis, Delphi, Olympia, Epidauros und ein paar Ferieninseln zu Geld machte. Alles wird gut, spr\u00e4che dann Gott Mammon.<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00e4ngst hat er die Kernbereiche des Staates unterwandert. Das Gewaltmonopol, Ergebnis der m\u00fchsamen Zivilisierung unserer Aggressionstriebe, wird zunehmend privatisiert. In den USA soll es mehr Besch\u00e4ftigte im privaten Sicherheitsgewerbe geben als bei der Polizei. Auch unser Land opfert bereits Teile seiner Hoheitsaufgaben dem Gott Mammon. Vielleicht wird beim n\u00e4chsten Mal der Bundespr\u00e4sident nicht gew\u00e4hlt, sondern das Amt versteigert.<\/em><\/p>\n<p><em>Agrarland wird zum Spekulationsobjekt der Gro\u00dfanleger. Das Feld, das sie weltweit bereits besitzen, soll so gro\u00df sein wie Westeuropa. \u00c4thiopien schickt sich gerade an, f\u00fcr ein paar Milliarden Dollar Land an einen indischen Investor zu ver\u00e4u\u00dfern. Zur\u00fcck bleiben die mittellosen Kleinbauern. Auch Afrikas Wasservorr\u00e4te sind &#8218;privatisierungsgef\u00e4hrdet&#8216;. Man stelle sich einen Verdurstenden in der Sahara vor, der mit Wasseroligarchen einen fairen Preis aushandeln soll. Keine &#8218;unsichtbare Hand&#8216;, von der Adam Smith tr\u00e4umte, bringt Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht. Es regiert die harte Hand des Geldes.<\/em><\/p>\n<p><em>Selbst wirtschafts- und staatsferne Regionen geraten in den Sog der Geldgier. Die Musik von Bach, Beethoven, Mozart wird zum sponsorenfinanzierten Event. Spitzensportler werden gehandelt wie kostbare Edelsteine. Die Bundesliga verkauft f\u00fcr eine halbe Milliarde Euro \u00dcbertragungsrechte ans Fernsehen. So bezahlen wir mit unseren Geb\u00fchren den Menschenhandel des Profifu\u00dfballs.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch Liebe und Religion werden unterwandert. Die Scientologen haben das Gesch\u00e4ft mit dem Glauben perfektioniert; Die Erfolge von Freikirchen in Lateinamerika sollen einer ausgekl\u00fcgelten Marketingstrategie entspringen. Und die Liebe, das Sch\u00f6nste, wozu wir Menschen f\u00e4hig sind, degeneriert zur Kosten-Nutzen Analyse; die Ehe schrumpft zur Lebensabschnittspartnerschaft. Sie gilt, so lange nichts Besseres kommt. In meinem Umkreis verlie\u00df ein Mann seine Frau und drei kleine Kinder, um dem Ruf Mammons zu folgen, der ihn in Gestalt einer jungen russischen Oligarchen-Witwe traf. &#8218;Das Geld liegt in Moskau auf der Stra\u00dfe&#8216;, war das Letzte, was ich von dem J\u00fcngling h\u00f6rte. Zu Jesus kam einst ein reicher Mann und fragte, wie er das ewige Leben gewinnen k\u00f6nne. Jesus sagte, er solle seinen Besitz fortgeben und ihm folgen. Mammon fordert, f\u00fcr den Reichtum alles zu opfern. Auch die Liebe.<\/em><\/p>\n<p><em>Gott Mammon kupfert flei\u00dfig vom alten Glauben ab. Die neuen Kathedralen sind die gl\u00e4sernen Bankh\u00e4user, l\u00e4ngst h\u00f6her als alle Kircht\u00fcrme, vom Nimbus des Geheimnisses erf\u00fcllt. Kein lautes Wort ist im Innern erw\u00fcnscht. Ihre Priester tragen Gestreiftes, sie kasteien sich im Fitness-Studio. Die Spitzen der Finanzhierarchie sind Gottes Gesandte: &#8218;Ich bin blo\u00df ein Bankier, der Gottes Werk verrichtet&#8216;, behauptet der Boss von Goldmann Sachs, Lloyd Blankfein.<\/em><\/p>\n<p><em>Und das Volk h\u00e4ngt an den Lippen der B\u00f6rsenexperten wie einst die Gl\u00e4ubigen an denen der Gottes-gelehrten. Jedes Wort entfaltet eine Wirkung wie vor achthundert Jahren die Kreuzzugspredigten des Bernhard von Clairveaux. Die B\u00f6rsennachrichten rahmen mit der Wetterkarte die Tagesschau ein &#8211; das Wetter und die B\u00f6rse, das trifft alle Menschen. Und mehr als Sonne, Hagel und Regen entscheidet der B\u00f6rsenkurs \u00fcber das Wohl und Weh der Menschen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es geht nicht mehr um Schuld und Erl\u00f6sung, es geht um Schulden und Erl\u00f6s. \u00dcber das, was S\u00fcnde ist, wachen heute die Ratingagenturen wie fr\u00fcher die Heilige Inquisition &#8211; statt dem Scheiterhaufen droht der Ruin. Manchmal dienen die Urteile dazu, Konkurrenten aus dem Weg zu r\u00e4umen. Manchmal liegen sie schlicht daneben. Auch das kennt man von den Ketzerprozessen.<\/em><\/p>\n<p><em>Niemand wei\u00df so recht, wer die M\u00e4rkte sind und wo sie wohnen. Im Himmel? Jedenfalls m\u00fcssen sie bei Laune gehalten werden, wenn es dem Menschen gut gehen soll. F\u00fcr die Regierungschefs der Europ\u00e4ischen Union gibt es nichts Wichtigeres als die Frage, ob ihre Beschl\u00fcsse Gnade bei den &#8218;M\u00e4rkten&#8216; finden. Die M\u00e4rkte lieben Opfergaben: Lohnk\u00fcrzungen und Streichung der Sozialausgaben. Dann lassen sie die Wirtschaft wachsen. Den Priestern Mammons bringt das Bonuszahlungen als Fingerzeig des g\u00f6ttlichen Wohlwollens.<\/em><\/p>\n<p><em>Mammons auserw\u00e4hltes Volk sind die Vorteilssucher. Jeder kann das sein, der Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger wie der Gro\u00dfspekulant. Mitunter gibt es &#8211; wie in jeder Religion &#8211; Abtr\u00fcnnige. Zum Beispiel George Soros, einst Weltmeister der W\u00e4hrungsmanipulationen, der jetzt die Menschen warnt, dass der Glaube an diesen Gott den Planeten gef\u00e4hrdet. Damit dies nicht zu oft passiert, arbeitet Mammon an der Z\u00fcchtung des neuen Menschen, mit einem Tresor als Herz.\u00a0&#8218;Ihr k\u00f6nnt nicht Gott und dem Mammon dienen,&#8216; sagte einst Jesus. Er hatte schon vor 2000 Jahren recht.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich bin Atheist&#8220; wird auf dem T-Shirt stehen, das ich mir machen lasse. Genau wei\u00df ich noch nicht, wie ich diese Behauptung f\u00fcr die verwunderten Blicke &#8222;aufl\u00f6sen&#8220; werde. Muss es \u00fcberhaupt aufgel\u00f6st sein? &#8222;F\u00fcrchtet euch nicht&#8220; steht auf einem T-Shirt, das ich immer wieder trage. 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