{"id":5774,"date":"2014-11-21T16:30:58","date_gmt":"2014-11-21T15:30:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=5774"},"modified":"2018-01-04T06:30:47","modified_gmt":"2018-01-04T05:30:47","slug":"der-glockenschlag-ist-die-einzig-regelmaessig-hoerbare-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/der-glockenschlag-ist-die-einzig-regelmaessig-hoerbare-zeit\/","title":{"rendered":"Der Glockenschlag ist die einzig regelm\u00e4\u00dfig h\u00f6rbare Zeit"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/dompfarre.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-5776\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/dompfarre-150x105.jpg\" alt=\"dompfarre\" width=\"150\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/dompfarre-150x105.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/dompfarre-300x210.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/dompfarre.jpg 618w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Das ist eine Aufregung. Ein Anrainer will wieder einmal die Domglocken zu Linz in der Nacht zum Schweigen bringen. Wieder einmal. Alle paar Jahre steht dieser &#8222;Wunsch&#8220; nach &#8222;Ruhe im Domturm&#8220; auf. Die Anwaltskanzlei hat einen perfekten PR-Coup f\u00fcr sich gelandet. Am Wirtshaustisch wird diskutiert. Im Zug nach Linz werde ich darauf angesprochen. Die Krone-Redakteurin als Aufdeckerin der Geschichte ist auf der Suche nach jemanden, &#8222;der den Dompfarrer zum Reden bringen k\u00f6nnte&#8220;. Im Pfarrgemeinderat hat man sich nach eingehender Beratung f\u00fcr das Weiterschlagen der Glocken durch alle 24 Stunden hindurch ausgesprochen. Auf <a href=\"http:\/\/blog.ocwels.at\/?p=23\" target=\"_blank\">Twitter habe ich einen Blogeintrag<\/a> entdeckt, der schon sehr fr\u00fch \u00fcber diese Situation nachdenkt. Ich selber habe damals den Tweet abgesetzt: &#8222;Wer die Glocken bek\u00e4mpft, wird sie immer st\u00f6rend h\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Frage der inneren Einstellung zur Umgebung<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben als Familie von 1982-92 direkt neben dem Dom gewohnt. Es hat nicht lange gedauert, waren wir die Glocken gewohnt. Sie haben wie der Autoverkehr, der allgemeine Stra\u00dfenl\u00e4rm, die St\u00f6ckelschuhe am Gehsteig oder das Gr\u00f6llen der Nachtschw\u00e4rmer &#8222;h\u00f6rbar&#8220; dazugeh\u00f6rt. Aber die Glocken haben wir sehr bald nicht mehr geh\u00f6rt. Diese Glockenschl\u00e4ge waren die einzigen regelm\u00e4\u00dfigen h\u00f6rbaren Impulse. Alle anderen waren zuf\u00e4llig, chaotisch, penetrant oder einfach da. Meine These zu den Dingen rund um mich: Alles, was von au\u00dfen auf mich zukommt, bekommt durch den inneren Spiegel, die innere Reflexionsfl\u00e4che eine positive oder negative &#8222;Aufladung&#8220;. Je nachdem, wie ruhig oder aufgeregt mein Inneres ist. Im Zug reiste gestern eine junge Frau, die in Freilassing unter der Einflugschneise des Flughafens aufgewachsen ist. &#8222;Uns hat das \u00fcberhaupt nicht gest\u00f6rt. Das hat dazugeh\u00f6rt.&#8220; Ihre Eltern haben signalisiert: &#8222;Es ist gut, dass wir hier sind.&#8220; Und nicht: &#8222;So eine Sauerei das mit den Fliegern.&#8220; Wohlgemerkt: Ich rede hier in keinstem Fall den Fliegern das Wort. Ich fliege nur im Notfall. Sonst reise ich. Aber das Beispiel der jungen Frau war gestern einfach da. Der \u00c4rger, das St\u00f6ren der Au\u00dfenfaktoren hat mit der inneren Einstellung zu tun. Resilienz, Widerstandsf\u00e4higkeit w\u00e4chst, wenn ich mich mit den nicht ver\u00e4nderbaren Umweltbedingungen arrangieren kann. Vieles im Leben macht krank, weil wir krank denken. Aber jetzt wieder zum Glockenschlag.<\/p>\n<p><strong>Der h\u00f6rbare Rhythmus der Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Wer in Osttirol im Virgental einige N\u00e4chte verbringt, kann auch bei offenem Fenster neben der nicht gerade leise rauschenden Isel schlafen. Das Rauschen macht etwas von der Ewigkeit h\u00f6rbar. Wer in bergigen Gegenden wohnt, kann auch bei Wind das Fenster offen halten, weil er das ganz gro\u00dfe Atmen der Welt h\u00f6rt. Die Glocke am Kirchturm schl\u00e4gt ganz regelm\u00e4\u00dfig, ist die h\u00f6rbare Zeit, ist der Schritt oder Gang durch die Zeit. Sie zeigt: Die Stille geht. Wer in dieses Geheimnis eintauchen kann, wird die Glocke au\u00dfen nicht mehr h\u00f6ren. Es tut einfach gut, wenn das innere Ohr diesen \u00e4u\u00dferen Impuls wahrnimmt und dabei weitergeht. Stunde um Stunde und das vier Mal in der Stunde. Aber vielleicht f\u00e4llt es unserer aus dem Rhythmus gekommen Seele heute \u00fcberhaupt schwer, Regelm\u00e4\u00dfiges zu h\u00f6ren. Es ist entweder fad oder st\u00f6rend. Als Kranker, der nicht schlafen kann, kann ich den Fernseher einschalten oder auf die regelm\u00e4\u00dfige Glocke h\u00f6ren. Was beruhigt mehr? Was l\u00e4sst die Seele mehr zur Ruhe kommen? Der dauernde individuelle Blick auf die Uhr oder das Hinh\u00f6ren k\u00f6nnen auf den regelm\u00e4\u00dfigen Impuls, von dem viele getragen sind. Ein St\u00fcck Transzendenz schl\u00e4gt dabei an. Dieses regelm\u00e4\u00dfige Schlagen der Glocke hat etwas. Es w\u00fcrde fehlen. Das wollte ich sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist eine Aufregung. Ein Anrainer will wieder einmal die Domglocken zu Linz in der Nacht zum Schweigen bringen. Wieder einmal. Alle paar Jahre steht dieser &#8222;Wunsch&#8220; nach &#8222;Ruhe im Domturm&#8220; auf. Die Anwaltskanzlei hat einen perfekten PR-Coup f\u00fcr sich gelandet. Am Wirtshaustisch wird diskutiert. Im Zug nach Linz werde ich darauf angesprochen. 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