{"id":6999,"date":"2016-04-22T09:44:05","date_gmt":"2016-04-22T08:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=6999"},"modified":"2018-01-03T19:04:50","modified_gmt":"2018-01-03T18:04:50","slug":"geh-nicht-in-die-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/geh-nicht-in-die-stadt\/","title":{"rendered":"Geh nicht in die Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Diese Beobachtung wird mir noch l\u00e4nger &#8222;in den Sinn kommen&#8220;. Ich war gestern mit der U6 unterwegs Richtung Kardinal K\u00f6nig Haus. 25 Leitungsverantwortliche von Ordensgemeinschaften in \u00d6sterreich, der Schweiz und Deutschland haben einen Tag &#8222;Medien-Workshop&#8220; im Zuge ihres zweij\u00e4hrigen Leitungslehrganges. Ich durfte den Workshop gestalten. Da ging es nicht nur um das Was und Wie der Medien, sondern auch um das Why. Die Kernfrage der heutigen Zeit. Warum? Diesen Kern sollten aus meiner Sicht alle Bereiche der Gesellschaft viel st\u00e4rker stellen: Why? Warum? Eben. In manchen Bereichen darf diese Frage gar nicht auf den Tisch kommen. Sie ist zu l\u00e4stig, zu tief. Die U6 f\u00e4hrt in die L\u00e4ngenfeldgasse ein und ich steige dort in die U4 nach Hietzing um. Normalerweise ist das einfach ein Hin\u00fcbergehen am Bahnsteig und die Fahrt geht weiter. U6 un U4 treffen dort punktgenau zusammen. Es f\u00fchlt sich dann an, als w\u00e4re man gar nicht umgestiegen. Heute ist das anders. Wir warten.<\/p>\n<p><strong>Warum z\u00e4hlt das Urbane so viel?<\/strong><\/p>\n<p>Warten ist immer eine gute Gelegenheit, die Augen aufzumachen. Nicht f\u00fcr das Smartphone, sondern f\u00fcr die Welt, das Rundherum. Gegen\u00fcber am Bahnsteig geht ein junger Vater mit seinem Kind. Es ist etwa so alt wie unser Enkerl, etwa 1 1\/2 Jahre. Das Kind (ich wei\u00df nicht, ob M\u00e4dchen oder Bub) hat bei seinem Vater viel Freiheit. \u00a0Es darf selber gehen. Es darf entdecken. Schauen. Angreifen. Es f\u00e4hrt mit der Hand der Eisenbank entlang. Die S\u00e4ule wir angetastet. Beton. Der Vater hat Geduld. Schaut zu. Das tut dem Kind gut, selber die Welt zu entdecken. Das lerne ich ja auch von unserem Enkerl, wenn wir im Wald unterwegs sind. Das Schauen, Angreifen, Tasten, Probieren, Hinfallen, selber Aufstehen, Langsamkeit, still stehen. Die U4 l\u00e4sst auf sich warten. Aber es gibt ja was zu sehen, zu schauen, f\u00fcr mich, f\u00fcr einen Opa. Das Kind dreht wieder um, sucht den Kontakt zum Vater. Er ist da. Die Entdeckungsreise geht weiter. Jetzt ist der Mistk\u00fcbel dran. Die Hand f\u00e4hrt hinein. Noch zu wenig drinnen. Da, am Boden. Papier. Dieses bedruckte Papier (landl\u00e4ufig Gratiszeitung genannt) liegt oft massenweise herum. Das Kind b\u00fcckt sich, nimmt es in die Hand, f\u00e4hrt zum Mund. Die U4 f\u00e4hrt ein und verstellt mir den Blick. Urbaner Schmutz vom Asphalt aufgehoben. Wie wird er dem Kind &#8222;schmecken&#8220;? Die U6 auf der anderen Seite f\u00e4hrt auch ein und ich kann nicht einmal den Vater beobachten, was er macht. Geduld? Doch &#8222;schmutzig&#8220; sagen? Mit der Hand in die Hand greifen? Wir fahren ab. Richtung Leitungslehrgang. Warum &#8211; why &#8211; wollen alle Menschen in die Stadt? Weltweit. Im Dahinfahren kommen mir die Bilder, wie ich nach Assisi durch St\u00e4dte gegangen bin und erlebt habe: Die Stadt raubt die meisten Kr\u00e4fte, der Asphalt. Die 97-j\u00e4hrige Frau Molterer f\u00e4llt mir ein, die zu den Firmlingen gemeint hat. &#8222;Ihr Stadtkinder habt es viel schwerer, weil ich nur Asphalt unter den F\u00fcssen habt.&#8220; Das Kind geht mir nicht aus dem Sinn. Fast m\u00f6chte ich hin\u00fcberrufen: Geh nicht in die Stadt.<br \/>\n<em>(Es gibt dazu kein Bild, weil ich nur geschaut habe.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Beobachtung wird mir noch l\u00e4nger &#8222;in den Sinn kommen&#8220;. Ich war gestern mit der U6 unterwegs Richtung Kardinal K\u00f6nig Haus. 25 Leitungsverantwortliche von Ordensgemeinschaften in \u00d6sterreich, der Schweiz und Deutschland haben einen Tag &#8222;Medien-Workshop&#8220; im Zuge ihres zweij\u00e4hrigen Leitungslehrganges. Ich durfte den Workshop gestalten. 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