{"id":7248,"date":"2016-10-09T18:28:05","date_gmt":"2016-10-09T17:28:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=7248"},"modified":"2018-01-03T19:02:02","modified_gmt":"2018-01-03T18:02:02","slug":"die-digitalen-kochloeffel-gezielt-weglegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/die-digitalen-kochloeffel-gezielt-weglegen\/","title":{"rendered":"Die digitalen Kochl\u00f6ffel gezielt weglegen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/die-digitalen-kochloeffel-gezielt-weglegen\/unnamed-3\/\" rel=\"attachment wp-att-7256\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-7256\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/unnamed-113x150.jpg\" alt=\"unnamed\" width=\"113\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/unnamed-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/unnamed-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/unnamed-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/unnamed.jpg 1224w\" sizes=\"auto, (max-width: 113px) 100vw, 113px\" \/><\/a>Meine <a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/total-offline-fuer-drei-wochen\/\" target=\"_blank\">24-t\u00e4gige Offline-Zeit<\/a> ist zu Ende. Das Smartphone lag abgeschaltet daheim zusammen mit dem Laptop. Das TV-Ger\u00e4t im gro\u00dfz\u00fcgigen Zimmer meines Kurhotels B\u00e4renhof in Bad Gastein war der Bademantelhalter. Radio gab es keines. Wollte ich auch nicht. \u00dcber drei Wochen Null Internet. Ich habe es genossen. Es hat mich vertieft, wacher und wirklicher gemacht. Ich wurde reduziert in jeder Hinsicht. Und wesentlicher, ruhiger. &#8222;Ich w\u00fcrde das keine drei Tage aushalten. Schon nach einem Tag im Urlaub juckt es und ich muss nachschauen.&#8220; So ein befreundeter Journalist am Telefon, nachdem ich die R\u00fcckrufe auf die Anrufe in Abwesenheit gestartet hatte. &#8222;Es war ein ganz gro\u00dfes Geschenk und genau zur richtigen Zeit&#8220;, meinte ich. Erz\u00e4hlt habe ich ihm, dass die <a href=\"http:\/\/www.salzburg.com\/\" target=\"_blank\">SN <\/a>und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/index\" target=\"_blank\">DIE ZEIT<\/a>\u00a0in der Druckausgabe meine einzigen &#8222;Medienpartner&#8220; waren. Und nat\u00fcrlich einige B\u00fccher und gezielte Zeitschriften, denen ich mich schon lange widmen wollte. In der dritten Woche hat DIE ZEIT in einer Beilage ganz gro\u00df \u00fcber eine Doppelseite die Frage gestellt, meine Frage gefragt: &#8222;Wer bist du, wenn du mit dir allein bist?&#8220;. Und genau diese Frage hat ihre Antworten bekommen, weil ich meine &#8222;digitalen Kochl\u00f6ffel&#8220; alle konsequent 100%ig weggelegt habe. Ich durfte mir &#8222;unabgelenkt&#8220; begegnen. Tag f\u00fcr Tag.<\/p>\n<p><strong>Was ist entstanden?<\/strong><\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick und nicht erst jetzt merke ich, dass ich mit einer neuen Wahrnehmung da bin. Ich wusste immer, dass Digital emotional kalt ist. Das kann die Seele nicht w\u00e4rmen. Sie macht sie hungriger. Die tiefe Achtsamkeit und Empathie geht verloren, ist auch mir zum Teil verloren gegangen. Und doch verfallen so viele Menschen unkritisch diesem &#8222;Zug der Zeit&#8220; und h\u00e4ngen an ihren Ger\u00e4ten. &#8222;Aufmerksamkeitszert\u00e4ubung&#8220; nennen das gute Beobachter. Und ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hat zu meinem Offline-Dasein gemeint: &#8222;Recht hast du. Wir halten das alle miteinander ohnehin nicht mehr lange aus.&#8220; \u00a0Und bei mir selber habe ich gesp\u00fcrt, wie Langsamkeit in mein Leben eingekehrt ist. Das hat mir erm\u00f6glicht, viel tiefer hinzuh\u00f6ren in Gespr\u00e4chen, auch auf die Stille. Ich sp\u00fcrte auf einmal keine Getriebenheit mehr, sondern konnte selbst die zeitweise Langeweile in meinem Zimmer genie\u00dfen. Langeweile ist ja ein Fremdwort geworden, ein Unwort der &#8222;Bespassungsgesellschaft&#8220;. Gerade in diesen Zeiten haben meine Gedanken-G\u00e4nge unglaublich viel Freiraum vorgefunden und neue Facetten aufgemacht. Und beim Gehen in den Gasteiner Bergen nahmen die Augen die Natur, das wundersch\u00f6ne Panorama auf, weil ich keine Kamera z\u00fccken konnte, die im Smartphone daheim integriert lag. Einfach da sein, schauen, wahrnehmen, hinh\u00f6ren auf die Stille der Natur, den Berggipfel jetzt genie\u00dfen und nicht erst sp\u00e4ter am Foto. Ich bin da. Jetzt. Genau auf diesem Quadratmeter Erde, eingespannt und getragen zwischen Welt und Himmel.<\/p>\n<p><strong>Und wie weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit habe ich den Beitrag von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/40\/europa-erzaehlung-narrativ-politik-oekonomie-richard-david-precht\" target=\"_blank\">Richard David Precht<\/a> in der ZEIT vom 22. September 2016 gelesen: &#8222;Unsere gereizten Seelen&#8220;. Precht schreibt dort, dass Europa keine User und Konsumenten braucht, sonder Staatsb\u00fcrgerInnen. Gerade die digitale Welt deformiert uns Menschen dazu, &#8222;nur mehr \u00fcber Geld nachzudenken, Preise zu vergleichen und auf Kosten anderer zu profitieren&#8220;. Nicht der zufriedene Mensch ist das Ziel, sondern der immer wieder neu unzufriedene. Ein kurzfristiger &#8222;Hyperkonsumismus&#8220; wird in den Mittelpunkt des Seins gestellt auf Kosten langfristigen Denkens. Eine &#8222;zittrige Seele&#8220;, wie wir sie heute so oft vorfinden, findet keine Ruhe in sich selber, findet auch das Du nicht mehr. Die Seelen, so sie nicht ohnehin versch\u00fcttet sind, werden durch Werbung, digitale Medien und das st\u00e4ndige Mehr immer neu &#8222;gereizt&#8220;. Dieser st\u00e4ndige Reiz von au\u00dfen macht sie selber wieder zittrig. Und genau diese kollektive Nervosit\u00e4t erleben wir unter dem Anschein von &#8222;digitalen Freundschaften und Followern&#8220;. Bisher hat meine Offline-Zeit noch niemand in Frage gestellt, sondern auf verschiedenen Ebenen haben mir Menschen dazu gratuliert, sind neugierig geworden. Was gibt es Sch\u00f6neres, als auf das Wesentliche reduziert Beziehungen, Familie und Freundschaften <a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/die-digitalen-kochloeffel-gezielt-weglegen\/img_2479\/\" rel=\"attachment wp-att-7259\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-7259\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479-150x84.jpg\" alt=\"img_2479\" width=\"150\" height=\"84\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479-150x84.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_2479.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>analog zu leben. Auch wenn sich der Mainstream beschleunigt, so werde ich langsamer leben. Meine Arbeitskollegin hat mir auf mein erstes Email zur\u00fcckgeschrieben: &#8222;WELCOME BACK! (in reality \u2013 ehm \u2013 virtuality)&#8220;. Das ist der Punkt. Reality nicht mit Virtuality verwechseln. Smartphone weglegen und einfach offline gehen. Einmal am Tag ins digitale Gasthaus &#8222;Facebook&#8220; schauen. Whatsapp ausschlie\u00dflich f\u00fcr Familie verwenden. Sonntag ausschlie\u00dflich haptisch gestalten und das Festnetz wieder mehr bet\u00e4tigen. Au\u00dferdem: Die Abende geh\u00f6ren dem Gespr\u00e4ch und der tats\u00e4chlichen Begegnung &#8211; ohne &#8222;Ger\u00e4te&#8220;. Au\u00dferdem sind alle meine handschriftlichen Briefe bisher als &#8222;Sensation, Seltenes&#8220; empfunden. Und diese R\u00fcckmeldungen kamen auch handschriftlich. Als Karte oder Brief. Die digitale Welt hat viele Menschen &#8222;\u00fcbernommen&#8220;, dabei sind diese Erfindungen nur Hilfsmittel. Deshalb raus aus dem Mittelpunkt damit. Das hei\u00dft: Sich nicht dauernd st\u00f6ren lassen und die digitalen Kochl\u00f6ffel gezielt weglegen, hinausgehen aus der digitalen K\u00fcche und Mensch und Natur direkt begegnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine 24-t\u00e4gige Offline-Zeit ist zu Ende. Das Smartphone lag abgeschaltet daheim zusammen mit dem Laptop. Das TV-Ger\u00e4t im gro\u00dfz\u00fcgigen Zimmer meines Kurhotels B\u00e4renhof in Bad Gastein war der Bademantelhalter. Radio gab es keines. Wollte ich auch nicht. \u00dcber drei Wochen Null Internet. Ich habe es genossen. Es hat mich vertieft, wacher und wirklicher gemacht. Ich &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/die-digitalen-kochloeffel-gezielt-weglegen\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13,4,16,15,12,11,1,9],"tags":[],"class_list":["post-7248","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gehen-pilgern","category-team-coaching","category-lokal-detektive","category-zukunfstbilder","category-social-media","category-kommunikation-lotsen","category-allgemein","category-uncategorized","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7248"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7263,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7248\/revisions\/7263"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}