{"id":7705,"date":"2017-10-17T08:49:24","date_gmt":"2017-10-17T07:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=7705"},"modified":"2018-01-03T18:58:17","modified_gmt":"2018-01-03T17:58:17","slug":"die-austreibung-des-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/die-austreibung-des-anderen\/","title":{"rendered":"Die Austreibung des Anderen"},"content":{"rendered":"<p>Danke Gerold Lehner f\u00fcr dieses Zitat von Byung-Chul Han, Die Austreibung des Anderen. Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute. 2016.<\/p>\n<p><em>\u201eDie Zeit, in der es den Anderen gab, ist vorbei. Der Andere als Geheimnis, der Andere als Verf\u00fchrung, der Andere als Eros, der Andere als Begehren, der Andere als H\u00f6lle, der Andere als Schmerz verschwindet.<\/em><br \/>\n<em>Die Negativit\u00e4t des Anderen weicht heute der Positivit\u00e4t des Gleichen. Die Wucherung des Gleichen macht die pathologischen Ver\u00e4nderungen aus, die den Sozialk\u00f6rper befallen. Nicht Entzug und Verbot, sondern \u00dcberkommunikation und \u00dcberkonsumtion, nicht Verdr\u00e4ngung und Negati<span class=\"text_exposed_show\">on, sondern Permissivit\u00e4t und Affirmation machen ihn krank. Nicht Repression, sondern Depression ist das pathologische Zeitzeichen von heute. Die destruktive Pression kommt nicht vom Anderen, sondern aus dem Inneren. (\u2026)<br \/>\nDie Austreibung des Anderen setzt einen ganz anderen Zerst\u00f6rungsprozess in Gang, n\u00e4mlich die Selbstzerst\u00f6rung. Allgemein gilt die Dialektik der Gewalt: Ein System, das die Negativit\u00e4t es Anderen ablehnt, entwickelt autodestruktive Z\u00fcge.<br \/>\nDie Gewalt des Gleichen ist aufgrund ihrer Positivit\u00e4t unsichtbar. Die Wucherung des Gleichen gibt sich als Wachstum. Ab einem bestimmten Punkt ist aber die Produktion nicht mehr produktiv, sondern destruktiv, die Information nicht mehr informativ, sondern deformativ, die Kommunikation nichtmehr kommunikativ, sondern blo\u00df kumulativ. (\u2026)<br \/>\nVerantwortlich f\u00fcr den Infekt ist die Negativit\u00e4t des Anderen, der ins Selbe eindringt und zur Bildung von Antik\u00f6rpern f\u00fchrt. Der Infarkt geht dagegen auf das Zuviel des Gleichen, auf die Fettleibigkeit des Systems zur\u00fcck. Er ist nicht infekti\u00f6s, sondern adip\u00f6s. Gegen Fett bilden sich keine Antik\u00f6rper. (\u2026)<br \/>\nDem Gleichen fehlt dagegen der dialektische Gegenpart, der es begrenzen und formen w\u00fcrde. So wuchert es zur formlosen Masse. Das Selbe hat eine Form, eine innere Sammlung, eine Innerlichkeit, die es dem Unterschied zum Anderen verdankt. Das Gleiche ist dagegen formlos. Da ihm die dialektische Spannung fehlt, entsteht ein gleichg\u00fcltiges nebeneinander, eine wuchernde Masse des Ununterscheidbaren. (\u2026)<br \/>\nMan akkumuliert Friends und Follower, ohne je einem Anderen zu begegnen. Soziale Medien stellen eine absolute Schwundstufe des Sozialen dar. Die digitale Totalvernetzung und Totalkommunikation erleichtert nicht die Begegnung mit dem Anderen. Sie dient vielmehr dazu, an den Fremden und Anderen vorbei Gleiche und Gleichgesinnte zu finden, und sorgt daf\u00fcr, dass unser Erfahrungshorizont immer enger wird.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Danke Gerold Lehner f\u00fcr dieses Zitat von Byung-Chul Han, Die Austreibung des Anderen. Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute. 2016. \u201eDie Zeit, in der es den Anderen gab, ist vorbei. 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