{"id":8004,"date":"2018-03-01T09:29:19","date_gmt":"2018-03-01T08:29:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=8004"},"modified":"2018-03-16T12:53:47","modified_gmt":"2018-03-16T11:53:47","slug":"meinungsbildung-und-die-rolle-der-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/meinungsbildung-und-die-rolle-der-medien\/","title":{"rendered":"Meinungsbildung und  die Rolle der Medien"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/meinungsbildung-und-die-rolle-der-medien\/inf_dis\/\" rel=\"attachment wp-att-8006\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-8006\" src=\"http:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/inf_dis-143x150.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/inf_dis-143x150.jpg 143w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/inf_dis-286x300.jpg 286w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/inf_dis-768x807.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/inf_dis.jpg 957w\" sizes=\"auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/www.dioezese-linz.at\/site\/menscharbeit\/angebote\/zeitung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eInformation-Diskussion\u201c<\/a>, die Zeitung der <a href=\"https:\/\/www.dioezese-linz.at\/site\/menscharbeit\/menschen\/kab\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung Ober\u00f6sterreich<\/a>, hat mir sieben Fragen gestellt.<\/strong><\/p>\n<p><em>Unsere Zeit ist gepr\u00e4gt von Vielfalt, Beliebigkeit, vielf\u00e4ltigen Arbeits- und Lebensentw\u00fcrfen, Informationsflut und Kurzlebigkeit. Ist heute \u201eMeinungsbildung\u201c herausfordernder als im Vergleich zu vor 20 Jahren und warum?<\/em><\/p>\n<p>\u201eMeinungsbildung\u201c hat sich grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert. Waren fr\u00fcher hierarchische Meinungsbildungsprozesse pr\u00e4gend, sind es jetzt Netzwerke. Der Mensch wird heute zwar als Subjekt bezeichnet, dient aber auf dem \u201eMarkt aller M\u00f6glichkeiten\u201c als Objekt f\u00fcr die verschiedenen \u201eH\u00e4ndler\u201c: Der Mensch wird aufgesplittert in Konsument, Wahlstimme, Vereinsmitglied, Gewerkschaftsmitglied, Kirchenbeitragszahler, Familienvater\/-mutter, Sportler, Gl\u00e4ubiger usw. Es ist heute praktisch unm\u00f6glich geworden, \u201eden ganzen Menschen anzusprechen\u201c. Au\u00dferdem: Es sind nicht Botschaften, die Menschen pr\u00e4gen, sondern Personen. Und wenn es Botschaften sind, dann mit hohem finanziellen Aufwand. Man denke konkret an die t\u00e4gliche Werbeflut der Konzerne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie schwierig ist es derzeit f\u00fcr Medienmenschen, objektiv zu berichten und auch \u00fcber Sachverhalte, Zusammenh\u00e4nge, Hintergr\u00fcnde zu informieren?<\/em><\/p>\n<p>Ich behaupte: Es gibt nur mehr ganz wenige Journalisten, die kritisch und unabh\u00e4ngig von den PR-Abteilungen agieren. Der Falter des Florian Klenk ist ein Beispiel. Fakt ist, dass die PR-Abteilungen in den letzten Jahren 4x so gro\u00df geworden sind und die journalistischen Redaktionen sich um 1\/3 verkleinert haben. Fakt ist, dass PR-Texte oft 1:1 abgeschrieben werden, weil es keine Zeit mehr gibt, selber zu recherchieren. Fakt ist auch, dass immer \u00f6fter Redaktionen auf geschickt gemachte \u201eFake News\u201c hereinfallen. Fakt ist auch, dass die Kronenzeitung, Heute und \u00d6sterreich ihre eigene Wahrheit zusammenstellen. Sie ist derzeit \u201eKurz\u201c und \u201eStrache\u201c, basiert auf Ausgrenzungsgel\u00fcsten und tr\u00e4gt ein \u201eheimatverbundenes konservatives klerikales Kirchenbild\u201c vor sich her. Mein Zugang: Immer probieren, \u201eungeschminkt hinschauen und sich selber ein Bild machen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Interessiert fundierte Information das Gros der Menschen \u00fcberhaupt noch oder wollen sie unterhalten werden?<\/em><\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Breite wird unterhalten, ob sie nun will oder nicht. Viele Menschen k\u00f6nnen Information und Unterhaltung nicht mehr unterscheiden. Das Leben wird zum Spa\u00df hin entwickelt. Mir hat das Buch \u201eDie Austreibung des Anderen\u201c sehr geholfen, unsere grunds\u00e4tzlich schiefe Ebene hin zur \u201eindividualisierten Welt\u201c aufzuzeigen: Scheinbar Individuum und dabei das immer Gleiche. Das Fremde, das Andere wird ausgeblendet. McDonalds schmeckt auf der ganzen Welt gleich. Das erleben viele Menschen als<br \/>\nGewinn, als \u201eErleichterung\u201c. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es einen tiefen Hunger nach Gemeinsamkeit, nach Zusammenhalt und \u201eHintergrund\u201c. Nach Ausbrechen aus der Masse und dem Leben wieder einen unverwechselbaren Geschmack geben. Die Abos von \u201eDie Zeit\u201c steigen. Ein neues Reisen nimmt Gestalt an und will direkt zu den Menschen, \u201edie ganz anders leben (m\u00fcssen)\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Haben Qualit\u00e4ts-Medien noch den Anspruch, meinungsbildend zu sein?<\/em><\/p>\n<p>Ja, unbedingt. Und sie sind es auch. Langfristig. Die jeweilige Zielgruppe ist vielleicht klein, aber wichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie gehen Medienmenschen damit um, dass PolitikerInnen, FirmensprecherInnen usw. rhetorisch meist gut geschult sind und Fragen nicht mehr beantworten, sondern ihr \u201eProgramm\u201c abspulen?<\/em><\/p>\n<p>Als ich bei den Ordensgemeinschaften vor fast sechs Jahren in Wien begonnen habe, hat mir eine befreundete ORF-Mitarbeiterin geraten: \u201eBitte, coache deine Leute nicht auf!\u201c Das hat mich best\u00e4rkt in dem, was ich gewusst habe: F\u00fchre die Verantwortlichen in ihre eigene St\u00e4rke und Kommunikationsart. Dass wir authentisch sind und \u201er\u00fcberkommen\u201c. Und unsere Pr\u00e4sidentin, unser Vorsitzender sind die, die sie sind. Auch in den Medien. Langfristig tr\u00e4gt das. Hier sind auch Social Media ein Gewinn, weil wir auch dort unsere Anliegen und Personen in das Kommunikationsgeschehen einbringen k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Regierungsprogramm wurde zB von P. Franz Helm im Sinne von \u201eChristlich geht anders\u201c kritisch beleuchtet. Das kam nicht gro\u00df in den Massenmedien und doch ruft uns eine Mutter aus dem Waldviertel an und bedankt sich daf\u00fcr.<br \/>\nDie Leute sp\u00fcren sehr gut, ob etwas aufgesetzt oder authentisch ist. Daran glaube ich nach wie vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Sind Medien noch \u201edie 4. Macht im Staat\u201c? Und stimmt der Eindruck, dass kritische Berichterstattung gerne als \u201elinks, weltfremd, Gutmenschentum\u201c diffamiert wird?<\/em><\/p>\n<p>Medien sind eine bedeutende Macht. Sie m\u00fcssen sich entscheiden: Geh\u00f6ren sie zu den Herrschenden und Konzernen, oder zu den Menschen. Ich wei\u00df schon, dass das \u00fcbertrieben klingt. Aber heute sind Medien Unternehmen wie alle anderen, auf Gewinn ausgerichtet. Inserate machen die Basis aus. Au\u00dferdem ist seit geraumer Zeit das \u201eFraming\u201c <em>(Anm.: bewusst einen bestimmten Deutungsrahmen herstellen)<\/em> eine besondere Spezialit\u00e4t. Alles, was den Erfolg einer neoliberalen Wirtschaft st\u00f6rt, wird in den Rahmen \u201elinks, weltfremd, Tr\u00e4umer, Gutmenschentum\u201c hineingestellt. Die letzte Wahl hat gezeigt: Zwei Drittel der Menschen w\u00e4hlten \u201erechts\u201c und das ist \u201eneoliberale, kapitalistische Systemkonformit\u00e4t\u201c. Alles andere wird es in den n\u00e4chsten Jahren schwer haben, \u00fcberhaupt medial entsprechend vorzukommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Neben \u00f6ffentlich-professionellen Medien gewinnen zunehmend \u201eprivate\u201c wie Facebook und Co. an Bedeutung. Durch die sozialen Netzwerke verselbstst\u00e4ndigt sich \u201eMeinungsbildung\u201c, auch mit den bekannten negativen Folgen von Fake News, Bots etc.\u00a0 Wie beurteilst du diese Entwicklung?<\/em><\/p>\n<p>Der Mensch braucht drei Dinge fundamental: 1.) Werte, die ihm Wichtiges und Unwichtiges unterscheiden helfen. 2.) Rituale, um den Alltag sinnvoll bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen und die Arbeit als sinnvoll zu erleben. 3.) Zugeh\u00f6rigkeit und Zusammenhalt in Zeiten der tiefgehenden Vereinzelung, die oft zur Einsamkeit f\u00fchrt.\u00a0 Social Media enthalten die M\u00f6glichkeit, Menschen in diesem Sinne \u201ezusammenzuf\u00fchren\u201c. Negativ kann sich eine abgeschottete \u201eBlase\u201c entwickeln. Positiv k\u00f6nnen hier \u201eausstrahlende und attraktive Communities\u201c gebildet werden. Die analoge haptische Community ist immer die \u201eAbsprungbasis\u201c hinein in die mediale Vernetzung. Auch die KAB sehe ich hier: Es geht darum, aus einer anschlussf\u00e4higen Identit\u00e4t heraus ein klares Profil zu entwickeln, das medial und \u00fcber Social Media einladend verbreitet wird. Meine Lieblingsfrage ist: Wie geht \u201e<em>raus\u201c<\/em>? Aber da sind wir bei Jesus. Und er war nicht nur Sohn Gottes, sondern auch ein Kommunikationsprofi.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dioezese-linz.at\/dl\/KMKnJKJmKlMJqx4kkJK\/181030_Pastoralamt_InformationDskussion_M_rz_2018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der direkte Link zum Beitrag auf Seite 6\/7.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eInformation-Diskussion\u201c, die Zeitung der Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung Ober\u00f6sterreich, hat mir sieben Fragen gestellt. Unsere Zeit ist gepr\u00e4gt von Vielfalt, Beliebigkeit, vielf\u00e4ltigen Arbeits- und Lebensentw\u00fcrfen, Informationsflut und Kurzlebigkeit. Ist heute \u201eMeinungsbildung\u201c herausfordernder als im Vergleich zu vor 20 Jahren und warum? \u201eMeinungsbildung\u201c hat sich grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert. Waren fr\u00fcher hierarchische Meinungsbildungsprozesse pr\u00e4gend, sind es jetzt Netzwerke. 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