{"id":8925,"date":"2019-12-21T10:15:30","date_gmt":"2019-12-21T09:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=8925"},"modified":"2019-12-21T10:17:43","modified_gmt":"2019-12-21T09:17:43","slug":"zum-friseur-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/zum-friseur-gehen\/","title":{"rendered":"Zum Friseur gehen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8927\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Lechweg_2019-043-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es ist ein besonderer Luxus, eine besondere Lebensqualit\u00e4t. Im Bergdorf haben wir keinen Friseur, daf\u00fcr im drei Kilometer entfernten Nachbarort zwei. Wir bewegen uns im mittleren M\u00fchlviertel. Gestern bin ich daher zum Friseur gegangen. Zu Fu\u00df hin und zu Fu\u00df zur\u00fcck. Mir ist klar: Wenn ich das schreibe, werden mich die autofokussierten Mitb\u00fcrgerinnen und -b\u00fcrger f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4ren. Ich habe es geno\u00dfen. Hin\u00fcbergehen und her\u00fcbergehen, wie wir sagen. Der Haarschnitt und das feine Gespr\u00e4ch mit Eva nebenbei. Es ging dabei um das Schloss Wildberg und seine Wiederbelebung. Sch\u00f6ne Beobachtungen und erste Schritte dahin. Mein Haar wurde k\u00fcrzer und meine Neugierde gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beim Her\u00fcbergehen denke ich: Da muss ich auch einmal hinuntergehen. Frische Luft umsp\u00fclt meine Nase. Die Augen weiden \u00fcber die Wiesen, W\u00e4lder und H\u00fcgel des M\u00fchlviertels. Die Abendsonne kommt von links. Am Zur\u00fcckweg ist es finster. Den Weg kenne ich. Das macht das Vorantasten im Wald einfacher. \u00dcber die freien Fl\u00e4chen sieht das befinsterte Auge genug Weg. Keine Autoscheinwerfer, die alles st\u00f6ren w\u00fcrden. Gedanken gehen mit, tauchen auf und verlieren sich wieder. Ich denke an die beiden M\u00e4nner auf dem Marienweg in Rum\u00e4nien, die uns in aller Fr\u00fche den Weg gezeigt haben, auf dem sie selber eine halbe Stunde zur Arbeit gegangen sind. Sie haben gescherzt, gelacht, geschwiegen und sich eine angez\u00fcndet. Sportwissenschaftler w\u00fcrden jubeln, wenn der Tag mit Bewegung in der Natur beginnt. Beim Eine-Anz\u00fcnden w\u00fcrden sie die Nase r\u00fcmpfen. Unser Schulweg vor Jahrzehnten dauerte auch etwa eine Stunde. Wir waren &#8222;ausgegangen&#8220; und konnten &#8211; so bilde ich es mir heute ein &#8211; leichter sitzen als jene Kinder, die heute vom Fr\u00fchst\u00fcckstisch in die Garage, vom Auto in das Schulgeb\u00e4ude torkeln. Es ist ein besonderer Luxus, wenn F\u00fcsse uns durch die allt\u00e4glichen Stationen tragen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen. So auch gestern zum Friseur.<\/p>\n<h3>Was das Gehen kann<\/h3>\n<p>Katharina Grager vom <a href=\"http:\/\/www.sonntagsblatt.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sonntagsblatt f\u00fcr die Steiermark<\/a> hat mir im Rahmen der Serie\u00a0 &#8222;unterwegs &#8230;.. in der Sch\u00f6pfung&#8220; dazu drei Fragen gestellt, die ich ihr gerne so beantwortet habe.<\/p>\n<p><em>Wie sind Sie am liebsten in der Sch\u00f6pfung unterwegs?<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Fu\u00df. Wenn es irgendwie geht, nehme ich Alltagsstrecken zu Fu\u00df. Das ist absolut keine verlorene Zeit, wie manche meinen. Schauen, Beobachten, Staunen liegen am Weg, in der Stadt oder in der Natur. Wenn das nicht geht, dann nehme ich ein \u00f6ffentliches Verkehrsmittel. Die Seele und Gedanken werden dahinchauffiert, ohne angestrengt zu werden. Etwas lesen, mit anderen im Gespr\u00e4ch sein oder einfach nur die Gegend vorbeiziehen lassen. Ich genie\u00dfe das. Das Auto nehme ich nur im Notfall, weil ich die Erfahrung gemacht habe: Wer mit dem Auto f\u00e4hrt, bleibt eigentlich in seinen vier W\u00e4nden daheim. Viel zustimmendes Nicken bekomme ich bei meinen Vortr\u00e4gen \u201eGehen ist heilsam\u201c. Hier meldet sich aus meiner Sicht die schlummernde Sehnsucht der Menschen, gehend der Sch\u00f6pfung zu begegnen. Auf einem T-Shirt von mir steht: Geht doch!<\/em><\/p>\n<p><em>Was macht das Unterwegs-Sein in der Sch\u00f6pfung mit Ihnen?<\/em><\/p>\n<p><em>Die Sch\u00f6pfung ist so f\u00fcr mich zur Lehrmeisterin geworden. Gehen ist die Geschwindigkeit der Seele. Ich habe auf diese Weise in verschiedensten Facetten gelernt: Das Leben kommt mir entgegen. Die Sch\u00f6pfung ist die Quelle, und im Gehen lerne ich, auf diese Quelle zuzugehen und aus dieser Quelle zu trinken. Heilige wie beispielsweise Franziskus haben Gott in der Natur, in der Sch\u00f6pfung drau\u00dfen gesucht. Jesus selbst ist viel gegangen und hat sich immer wieder \u201ezur\u00fcckgezogen\u201c, um sich auf Gott auszurichten. Heuer bin ich im Herbst sechs Tage am Lechweg in Tirol vom Fall in F\u00fcssen bis zur Quelle hinter Lech gegangen. Das hat in mir wieder ganz tief verankert: Alles beginnt ganz klein. Da bin ich gedanklich mitten in der Krippe. Von dort her kommt die Kraft und ebenso der Trost.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein konkreter Vorschlag f\u00fcr den Advent\u2009\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Ich stehe eine Stunde fr\u00fcher auf, um im Finstern meine halbst\u00fcndige Morgenrunde bewusst zu gehen. Bei jedem Wetter. Nach dem Duschen und Fr\u00fchst\u00fcck blicke ich bewusst in die Flamme der Kerzen am Adventkranz. Wof\u00fcr brenne ich? Immer mehr.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein besonderer Luxus, eine besondere Lebensqualit\u00e4t. 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