{"id":9090,"date":"2020-02-29T19:30:22","date_gmt":"2020-02-29T18:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=9090"},"modified":"2020-03-11T16:07:07","modified_gmt":"2020-03-11T15:07:07","slug":"ein-besonderes-leben-heimgetragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/ein-besonderes-leben-heimgetragen\/","title":{"rendered":"Ein besonderes Leben heimgetragen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9093\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-300x213.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-1024x728.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-150x107.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-768x546.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-1536x1092.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-007-2048x1456.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Erstens: Viel zu fr\u00fch. Dann: Alles ist richtig. Und: Danke f\u00fcr das Mitgehen, die Worte, das Stammeln, das Schweigen und das Beten. Das steigt immer wieder in mir auf. In der \u00fcbervollen St. Anna Kirche nehmen wir <a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/lieber-bruder-heribert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abschied von meinem j\u00fcngeren Bruder.<\/a> Die Wortgottesfeier hilft uns allen dabei. Irgendwie ist f\u00fcr mich so etwas wie ein kollektives Atmen sp\u00fcrbar, eine tiefe Verbundenheit, eine Trauer verbandelt mit Hoffnung und Dankbarkeit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-053.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9099\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-053-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-053-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-053-113x150.jpg 113w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-053.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Die Urne steht bereit f\u00fcr den letzten Weg hinauf in den Waldfriedhof. Mein Bruder Josef nimmt das Vortragekreuz. Meine H\u00e4nde bilden eine Schale f\u00fcr die Urne mit den leiblichen \u00dcberresten. Gemeinsam gehen wir, so wie wir es immer gemacht haben. Reden k\u00f6nnen wir nicht mehr mit ihm, nicht mehr diskutieren oder treffliche Auseinandersetzungen f\u00fchren. Er ist still geworden und l\u00e4sst uns mit seinem Wirken und seinen Fr\u00fcchten zur\u00fcck. Das Wirken und die Fr\u00fcchte wurden in den Ansprachen wunderbar beschrieben. Erst im Laufe der Zeit werden wir sehen, wo er \u00fcberall seine Pionierideen gestreut und als \u201eAnpacker\u201c Dinge realisiert hat. Er war in vielen F\u00e4llen ein Prophet, ein \u201eHervor-Sager\u201c. Manche taten sich schwer damit. Die Verantwortlichen f\u00fchlten sich manchmal bedr\u00e4ngt. Wer mit ihm zu tun hatte, wurde herausgefordert. Bequemlichkeit war keines seiner Zauberworte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9098\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert3-018-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es geht bergauf. Beim Hineingehen in den verschneiten Friedhof sehe ich die Steinmauer des Mittelweges, die er mit einigen M\u00e4nnern neu errichtet hat, weil die alte Mauer nicht hielt. Den Beton haben wir damals beim Pfarrzentrumsneubau \u201eabgezweigt\u201c und die Steine hat er zusammengesammelt. So entstand der naturnahe Grasweg zwischen den Gr\u00e4bern. Er hat Immer eine L\u00f6sung gesucht, die im Sinne des Gemeinwohls war. Eigennutzen war ihm fremd. Und er hat die L\u00f6sungen getan. Tun war seine Leidenschaft. Mit anderen und f\u00fcr andere. Und hier k\u00f6nnten viele Dinge angef\u00fchrt werden, die er immer zusammen mit anderen umgesetzt hat. Das war in der Familie so, in seiner beruflichen T\u00e4tigkeit und genauso im Bergdorf und dar\u00fcber hinaus. Was waren das f\u00fcr Zeiten f\u00fcr die ganze Dorfgemeinschaft als er mehrmals das Stadl-Theater am Elternhaus betrieben hat.<\/p>\n<p>Eine unglaubliche Zeit war rund um den Abriss und Neubau des St. Anna Pfarrzentrums. Bei der Abrissparty stand er mit dem Schremmhammer auf der B\u00fchne und ermutigte alle, \u201efest mitzuhelfen\u201c. Dass beispielsweise die Akustik im Saal heute so gut ist, ist seinem Dr\u00e4ngen nach Akustikma\u00dfnahmen zu verdanken. Extra hat er seinen Arbeitskollegen, der etwas davon verstand, hereingeholt und er hat uns seine Expertise geschenkt. Im St. Anna Pfarrzentrum w\u00e4re eine kleine Tafel mit seinem Bild und dem Satz &#8211; \u201eHeribert Kaineder (1961-2020) war einer der ma\u00dfgeblichen Miterbauer dieses Hauses und als Obmann des Amateurtheaters ein inspirierender und tatkr\u00e4ftiger Kooperationspartner\u201c- nicht unpassend. Er war immer genau und konkret, hat die Dinge immer bis zum Schluss durchgedacht. Ihn haben Menschen ge\u00e4rgert, die glaubten, \u201eeh alles selber zu wissen\u201c und die Expertinnen und Experten nicht brauchten. Das aktuelle Baumentwicklungskonzept der Gemeinde hat er angesto\u00dfen und mit Fachleuten entwickelt.<\/p>\n<p>Weit \u00fcber zehn Jahre ist es her, dass er in unseren zahllosen famili\u00e4ren Diskussionen bei den \u201eSippschaftstreffen\u201c, die wir drei Mal im Jahr zu Allerheiligen, Weihnachten und Ostern in den jeweiligen Familienh\u00e4usern abhalten, das Wort \u201eLichtverschmutzung\u201c eingestreut hat. Eingestreut hat bei Heribert immer gehei\u00dfen, dass er uns \u00fcberzeugen wollte, dieses Faktum zu verstehen und ab jetzt als Botschafter aufzutreten. Keiner hat damals davon gesprochen und heute ist das Bergdorf Kirchschlag eine Vorzeigegemeinde bei der \u00f6rtlichen Stra\u00dfenbeleuchtung, die uns den Sternenhimmel wieder sehen l\u00e4sst. Und so lie\u00dfen sich jetzt viele Dinge aufz\u00e4hlen in der Arbeit in der Umweltabteilung des Landes O\u00d6, im Amateurtheater in Kirchschlag und im Landesverband, bei der Musikkapelle und zuletzt beim Waldkindergarten, der ihm und seiner Frau Christine im Bergdorf verwehrt wurde und jetzt seine Realisierung in Sonnberg gefunden hat. Rainer aus Zwettl an der Rodl schreibt mir pers\u00f6nlich: \u201eHeribert geh\u00f6rt zu jenen Menschen, die in Heimatb\u00fcchern, bei Ehrenauszeichnungen in der Gemeinde usw. gar nicht oder nur als Randnotiz vorkommen. Dabei sind gerade sie oft die eigentlichen &#8222;Motoren&#8220; oder der &#8222;Kitt&#8220; in einer Ortsgemeinschaft und manchmal auch jene, die unbequem sind und viel Kritik aushalten m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Ich erlebe mich beim Schreiben jetzt eher als punktueller Beleuchter. Es ist, wie wenn ich in seinem Lebensbuch ein paar Zeilen lese oder einen Absatz hier anf\u00fchre. Es l\u00e4sst sich nicht alles einfangen, was Heribert vorausgedacht, eingef\u00e4delt, auf die F\u00fc\u00dfe gebracht und Wirklichkeit werden hat lassen. Die B\u00fchne war sein Leben und Musik hat er \u00fcber alles geliebt. In den Bergen war er gerne, auch wenn sie ihn einmal abgeworfen haben. Und der \u201esoziale Blick\u201c mit den Fragen \u2013 Geht es eh allen gut? K\u00f6nnen eh alle mit? Bleibt wirklich niemand zur\u00fcck? \u2013 war immer hellwach. Dabei war er der Jungend, den Jungen in besonderer Weise zugetan. Er hat sich eine alte Theaterweisheit zu eigen gemacht: \u00c4lter schminken kann man jemanden immer. Umgekehrt ist es schwierig. Und so hat er immer den Nachwuchs gef\u00f6rdert und auch bevorzugt.<\/p>\n<p>Das kirchliche und spirituelle Leben war ihm ein Anliegen. Seine Bassstimme im Chor erklang nicht nur in der Kirche, sondern auch beim \u201eNochisinga\u201c nach den Chorproben. Seine Dienste als Lektor und Kantor hat er aufgenommen, nachdem wir sie ihm zugemutet haben. Den Pfarrwald hat er mit der Motors\u00e4ge und Neubepflanzungen geh\u00fctet. Christine und er haben im Vorjahr die Firmlinge auf dieses wichtige Sakrament des Erwachsenwerdens originell und tiefsinnig vorbereitet. Immer war er mit der Pfarre verbunden, von Jugendjahren an. Er hat einen der Kleinbusse mit Firmlingen drinnen damals nach Assisi und genauso nach Rum\u00e4nien zu Sr. Patrizia gesteuert. Wer etwas von ihm brauchte, bekam es in der Regel auch. In vielen Diskussionen und Gespr\u00e4chen hat er sich an der klerikalen M\u00e4nnerkirche \u201eabgearbeitet\u201c. Gerade die Pfarrgemeinschaft wollte er in allen Dimensionen lebendig halten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert7-003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9100\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert7-003-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert7-003-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert7-003-150x94.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/heribert7-003.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Manchmal hat er drei W\u00fcnsche f\u00fcr das Sterben fallen lassen: \u201eUmfallen und tot sein. Ich will verbrannt und kirchlich von einer Frau begraben werden.\u201c Das hat ihm gestern die wunderbare Pastoralassistentin Magdalena erf\u00fcllt. Meister Eckhart hat gesagt: \u201e<em>Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutenste Mensch ist immer der, der dir gegen\u00fcbersteht und das notwendigste Werk ist immer die Liebe<\/em>.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/lieber-bruder-heribert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mein Bruder Heribert<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstens: Viel zu fr\u00fch. Dann: Alles ist richtig. Und: Danke f\u00fcr das Mitgehen, die Worte, das Stammeln, das Schweigen und das Beten. Das steigt immer wieder in mir auf. In der \u00fcbervollen St. Anna Kirche nehmen wir Abschied von meinem j\u00fcngeren Bruder. Die Wortgottesfeier hilft uns allen dabei. 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