{"id":9132,"date":"2020-03-14T11:56:08","date_gmt":"2020-03-14T10:56:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=9132"},"modified":"2020-03-14T17:00:50","modified_gmt":"2020-03-14T16:00:50","slug":"distanzzeiten-sind-gute-zeiten-fuer-tiefe-selbstreflexionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/distanzzeiten-sind-gute-zeiten-fuer-tiefe-selbstreflexionen\/","title":{"rendered":"Distanzzeiten sind gute Zeiten f\u00fcr tiefe Selbstreflexionen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9134\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-300x187.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-300x187.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-1024x638.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-150x94.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-768x479.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-1536x958.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/selbstreflexionsliste-2048x1277.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Irgendwie komme ich mit dem Lesen gar nicht nach. Seit vorgestern habe ich in meinen Timelines auf Twitter, Facebook und Instagram neben den &#8222;Achtung-Geschichten&#8220; zu COVID19 und den zum Teil absurden Reaktionen vieler Bev\u00f6lkerungsteile (Hamster) wunderbare und feine &#8222;Solidarit\u00e4ts- und Ermutigungs-Geschichten&#8220;. Es erinnert mich an 2015. Die einen verfielen in Ohnmacht und Panik und andere nutzten die Herausforderung f\u00fcr das neue Ein\u00fcben von Solidarit\u00e4t, neuen Beziehungen und eine Lebensvertiefung mit der Folge von Verlebendigung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Leere Zeiten sind volle Zeiten<\/h3>\n<p>&#8222;Jetzt bunkere ich mich ein&#8220;, schrieb gestern auf Twitter ein mir bekannter PR-Fuzzi, der auf dem Bild seinen vollen Einkaufswagen vor sich herschob. Wer gesund ist, sollte sich in diesen Tagen nicht einbunkern, abkapseln von der Welt und den Menschen. Vielmehr haben wir die Chance (ich, wenn ich wieder ganz gesund bin), in dieser &#8222;leeren Zeit&#8220; eine tiefe Selbstreflexion durchzuf\u00fchren. Bei mir h\u00e4ngt seit 1999\u00a0 im Arbeitsraum eine &#8222;Wortreihe&#8220;, die mir immer wieder hilft, gesund und vital in der lebendigen Spur zu bleiben. Manchmal sitze ich davor und reflektiere, fliege wie mit einem Hubschrauber \u00fcber mein Leben und schaue, was gut ausgepr\u00e4gt ist und wo etwas fehlt. Was sind die Erfordernisse f\u00fcr ein gesundes und lebendiges Leben?<\/p>\n<h3>F\u00fcnf Basics<\/h3>\n<p><em><span style=\"color: #000000;\">Sauerstoff, Wasser, Ern\u00e4hrung, Information, Lebensfreude.<br \/>\n<\/span><\/em>F\u00fcnf ganz einfache Worte. Wir brauchen Sauerstoff hei\u00dft Fenster auf, raus in die Natur, Bewegung. Wasser trinken ist heute selbstverst\u00e4ndlich geworden und bei der Ern\u00e4hrung ist weniger mit regionaler Qualit\u00e4t besser. Das selber Kochen ist heute eine K\u00f6nigsdisziplin, gerade wenn Kinder mitessen. Jetzt ist Zeit f\u00fcr neue Rezepte und f\u00fcr Experimente. Genau jetzt. Information ist so etwas wie Seelennahrung. Gerade Social Media beinhalten die Gefahr, dass wir uns &#8222;\u00fcberfressen&#8220; und mit falschen Dingen ern\u00e4hren. Da gibt es Informationen, die zehren, sch\u00fcren Angst, l\u00f6sen ein seelisches Erschaudern aus und ziehen hinab. Dann gibt es Informationen, die n\u00e4hren, die weicken Hoffnung, ermutigen, st\u00e4rken seelisch und richten auf. Welche Informationen isst du t\u00e4glich? Gerade in diesen Tagen? Und Lebensfreude. Sie kommt daher, dass wir die sch\u00f6nen Seiten des Jetzt, des Augenblicks sehen. Eh wissen: Alles geht den Berg hinunter. Lebensfrust. Schaut einmal, welch wunderbare Menschen es gibt auf dieser Weltkugel. Lebensfreude keimt auf.<\/p>\n<h3>F\u00fcnf Ans\u00e4tze<\/h3>\n<p><em>Energie tanken, Sinn und Ziele, Du schaffst es, Ver\u00e4nderung, Potentiale, St\u00e4rken einsetzen.<\/em><br \/>\nSo steht es am Plakat abw\u00e4rts aufgelistet. Energie kommt von Bewegung. Laufen, gehen in frischer Luft beleben die Energiebahnen. Gerade das Gehen (sorry, das ist meins) \u00f6ffnet mich f\u00fcr Ziele und meinen Lebenssinn. Geht es steil bergan oder ist der Weg weit, h\u00f6re ich eine innere Stimme sagen: Du schaffst den Weg. In jeder Situation k\u00f6nnen wir uns das sagen, nicht billig, sondern hoffnungsvoll. Auch wenn es viele nicht glauben: Es geht. Genauso tut Ver\u00e4nderung gut. Ein anderer Kontext, eine neue Umgebung, andere Menschen, &#8222;contrario&#8220; zum Gegebenen. Das l\u00e4sst aufleben, das Gew\u00f6hnliche in neuem Licht erscheinen. Das Gew\u00f6hnliche verliert das Gew\u00f6hnliche, wenn wir die Gew\u00f6hnung ablegen. Neue Potentiale oder versch\u00fcttete werden sichtbar. Ich kann doch singen. Und warum mache ich es nicht? Der Mensch tendiert dazu, seine Schw\u00e4chen zu bearbeiten. Derweil ist es so, dass er, wenn er seine St\u00e4rken einsetzt, seine Schw\u00e4chen &#8222;verliert&#8220;, zumindest aus den Augen und als lebensbestimmend. Was kann ich wirklich gut? F\u00fcr wen kann ich das zum Einsatz bringen? F\u00fcnf Ans\u00e4tze.<\/p>\n<h3>Balance finden<\/h3>\n<p><em>Entspannung, Abwechslung, Verzeihen, Loslassen, Schlaf.<\/em><br \/>\nSo stehen sie da. Das Leben besteht aus Einzelteilen. Das Leben ist aber wesentlich mehr als die Einzelteile. Ob sich dieses Mehr zeigt, gut anf\u00fchlt, h\u00e4ngt damit zusammen, welches &#8222;Vorzeichen&#8220; wir allem geben. Denkst du die Dinge positiv, wird das Leben heller. Sind die verschiedenen Lebenskomponenten &#8222;in Balance&#8220;, f\u00e4llt das Atmen und das Lachen um vieles leichter. &#8222;Balance finden&#8220; ist zentral. Das braucht Zeit. Gerade &#8222;leere Zeiten&#8220; sind die Zeit f\u00fcr ein gutes Verh\u00e4ltnis von Spannung und Entspannung, wenn die Lebensgrundlagen einigerma\u00dfen gesichert sind. Einfach atmen, schauen, staunen, h\u00f6ren, da sein. Der uns t\u00e4glich eingeimpfte &#8222;Produktions-Modus&#8220; (Du musst etwas produzieren) erlahmt. Auch hier die Abwechslung, die andere Perspektive, der andere Zugang, der Kopfstand mit dem Blick auf die Welt. Anders ist gut. Dann: Ungeschminkt hinschauen, begegnen und dem Verzeihen, der Vers\u00f6hnung Platz geben. Das bedeutet loslassen. Das ist wahrscheinlich die schwierigste \u00dcbung, das Loslassen, bis hin zum Sterben. Loslassen befreit und geht mir doch nicht so locker von der Hand. Und genau dieses Leben m\u00fcndet t\u00e4glich in den Schlaf. Wer gut schlafen kann, ist in der Balance daheim. Zu viele Menschen beachten heute nicht, dass der Schlaf wie ein Liebhaber kommt. Er kommt und wir lassen ihn ein. Rituale und Regelm\u00e4\u00dfigkeit sind hilfreich.\u00a0 Den Moment des Schlafes \u00fcbersehen heute viele vor dem Fernseher oder PC. Andere haben \u00fcberhaupt den Schlaf mit Tabletten &#8222;eingetaktet&#8220; wie bei einer Maschine. Das nimmt jeden Resonanz- und Klangraum f\u00fcr ein spirituell tiefes Leben, ein Leben in Verbundenheit.<\/p>\n<h3>Die Folgen der Leerzeiten der Gesellschaft<\/h3>\n<p>Was individuell gilt, ist auch f\u00fcr die Gesellschaft, das Gemeinwesen wichtig. Gerade jetzt, wo alles still steht, die \u00e4u\u00dferen Kontakte ganz wenig stattfinden, hat die Gesellschaft und Politik die Aufgabe, f\u00fcr die Zeit danach gut zu sorgen. <a href=\"https:\/\/www.falter.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Barbara Toth hat im heutigen FALTER.maily#165<\/a> recht treffend auf die Zukunft unserer gesellschaftlichen Entwicklung mit ihren Chancen aber auch Gefahren geschaut: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.falter.at\/maily\/265\/165-kapitalismuskritik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Corona-Krise sch\u00e4rft den Blick f\u00fcr soziale Ungleichheiten<\/a>. Wer kann sich aufs Land zur\u00fcckziehen, wer muss in der Enge der Stadt leiben? Wer kann seinen Job remote erledigen, wer muss pr\u00e4sent bleiben? Wer ist angestellt, wer selbst\u00e4ndig? Wer ist zu zweit oder mehrt, wer alleinerziehend? Wie sehr bauen wir unser Leben auf all die unbezahlte Care-Arbeit auf, die vor allem Frauen, all die Omas, leisten? Und vor allem: Wird sich daran etwas \u00e4ndern, wenn alles vorbei ist? Der Soziologe Oliver Nachtwey (&#8222;Die Abstiegsgesellschaft&#8220;) regt an, in den n\u00e4chsten Tagen, wenn das \u00f6ffentliche Leben dicht macht, dar\u00fcber nachzudenken, was das alles mit dem Kapitalismus zu tun hat. F\u00fcr Nachtwey sind paradoxerweise die \u201eInstrumente des demokratischen Sozialismus\u201c ein Mittel gegen die Krise: &#8222;\u00d6konomische und gesellschaftliche Planung, Vergesellschaftung von Risiken, solidarisches Miteinander, eine andere Organisierung der Arbeit.&#8220; Die Krise zeige auch, wie sehr sich &#8222;gesellschaftliche Ressourcen im gro\u00dfen Stil mobilisieren lassen&#8220;, wenn die herrschende Politik es will. Und wof\u00fcr sie es nicht will. F\u00fcr Fl\u00fcchtlinge etwa. Weniges wird bleiben, wie es war. Vor allem m\u00fcssen wir aufpassen, dass die staatlichen Interventionen nicht zu einer Verstetigung eines autorit\u00e4ren Etatismus f\u00fchren, der die Freiheitsrechte der B\u00fcrger auf Dauer einschr\u00e4nkt. F\u00fcr \u00d6sterreich gilt das ganz besonders.&#8220;<br \/>\nGerade diese Krise zeigt uns, wie wichtig und hilfreich ein &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bedingungsloses_Grundeinkommen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grundeinkommen f\u00fcr alle<\/a>&#8220; w\u00e4re. Meine ich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwie komme ich mit dem Lesen gar nicht nach. Seit vorgestern habe ich in meinen Timelines auf Twitter, Facebook und Instagram neben den &#8222;Achtung-Geschichten&#8220; zu COVID19 und den zum Teil absurden Reaktionen vieler Bev\u00f6lkerungsteile (Hamster) wunderbare und feine &#8222;Solidarit\u00e4ts- und Ermutigungs-Geschichten&#8220;. Es erinnert mich an 2015. 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