{"id":939,"date":"2010-10-06T08:27:51","date_gmt":"2010-10-06T07:27:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kaineder.wordpress.com\/?p=939"},"modified":"2018-01-04T07:03:34","modified_gmt":"2018-01-04T06:03:34","slug":"wir-haben-keinen-platz-mehr-fur-die-die-nicht-120ig-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wir-haben-keinen-platz-mehr-fur-die-die-nicht-120ig-funktionieren\/","title":{"rendered":"Wir haben keinen Platz mehr f\u00fcr die, die nicht 120%ig funktionieren"},"content":{"rendered":"<p>Nach meinen Theologiestudium habe ich 1981\/82 meinen Zivildienst bei der Heilsarmee in Linz in der Bethlehemstra\u00dfe gemacht. Die Obdachlosen haben mein Studium in besonderer Weise &#8222;abgeklopft&#8220;. Sp\u00e4ter habe ich als Pastoralassistent in der Dompfarre alle &#8222;Sandler&#8220; pers\u00f6nlich gekannt. Einen davon, Gottfried Aigner, haben wir in den Pfarrhof aufgenommen und f\u00fcr ihn habe war ich da, bis zu seinem Begr\u00e4bnis, das ich als Armenbegr\u00e4bnis organisert habe. Auf die\u00a0Disputation &#8222;Obdachlos in Linz&#8220; am Tag\u00a0nach dem Festtag des Hl. Franziskus im Urbi war ich gespannt so wie viele andere auch.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01394.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-942\" title=\"Disputanten\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01394.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Das Interesse ist gro\u00df, wenn es um Wohnungslosigkeit und um das Leben der Obdachlosen in Linz geht<\/strong><\/p>\n<p>Die Sozialarbeiterin Eva Eichinger vom Verein Wohnen in Steyr betonte eingangs, \u201edas Wohnungslose in der Regel von der Herkunft weniger Polster mithaben.\u201c\u00a0 Deshalb m\u00fcssen sie zwangsweise privat mitwohnen, in einer sozialen Einrichtung wohnen oder sind auf der Stra\u00dfe. Die Wohnungslosigkeit von M\u00e4nnern ist sichtbarer als die der Frauen. Der Anteil der jugendlichen Wohnungslosen steigt.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01405.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-943\" title=\"gutes gespr\u00e4ch\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01405.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>\u00c4rztliche Versorgung bei den Barmherzigen Schwestern<\/strong><\/p>\n<p>Der Obdachlosenarzt und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Vinzenzgruppe O\u00d6 Andreas Krauter sprach von etwa 100 bis 200 Patienten im Jahr, \u201edie au\u00dferhalb des g\u00e4ngigen Gesundheitssystems behandelt werden.\u201c\u00a0 Krauter stellt dieselben Erkrankungen fest wie bei anderen Patienten. \u00a0Das Risiko zu Suchterkrankung ist h\u00f6her. Auf der einen Seite haben Obdachlose nicht die Voraussetzungen wie E-Card f\u00fcr das g\u00e4ngige Krankenwesen und werden daher sofort wieder ausgesto\u00dfen. \u201eAndererseits empfinden sie die Gesundheitseinrichtungen als \u201epreu\u00dfische Gesundheitskasernen\u201c und halten es darin nicht lange aus\u201c, wei\u00df Krauter aus Erfahrung. \u00a0\u201eEs braucht daher eine neue Weite des Geistes f\u00fcr alle jene Menschen, die nicht den g\u00e4ngigen Normen entsprechen und nicht 100%ig leistungsf\u00e4hig sind\u201c, w\u00fcnscht sich der Obdachlosenarzt. \u00a0Das erfordert auch ein couragiertes Eintreten von jedem von uns. \u201eDort, wo Not ist, hei\u00dft es zugreifen\u201c, ermutigt Krauter. Das Vinzenzst\u00fcberl gibt t\u00e4glich 100 bis 160 Essensportionen aus, vergibt warme Kleidung und Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01408.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-944\" title=\"gespr\u00e4che\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01408.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Wieder selbst\u00e4ndig leben k\u00f6nnen<\/strong><\/p>\n<p>Doris Ruiz Caballero von \u201eJobimpuls\u201c des Magistrates Linz erz\u00e4hlte, wie es gelungen ist, 20 Obdachlose aus einem Park so zu begleiten, \u201edass heute 15 davon wieder in ein Berufsleben eingebunden sind\u201c. Ungef\u00e4hr 300 Personen, davon etwa 80 mit Beeintr\u00e4chtigung, werden so von der Sozialhilfe kommend betreut. Ziel ist immer, dass die Menschen wieder selbst\u00e4ndig leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Der Stachel im Fleisch der Kirche<\/strong><\/p>\n<p>\u201eKirche ist eine Mittelstandsgesellschaft\u201c, meinte der ehemalige Betriebs- und Gefangenenseelsorger Hans Gruber: \u201e Die Kirche in ihren Hauptvollz\u00fcgen ist nicht offen f\u00fcr Menschen aus der Unterschicht.\u201c \u00a0So bleiben diese konkreten Obdachlosen, die auch in den Pfarren anklopfen, wie auch der Anspruch des Evangeliums \u201eIch war obdachlos\u201c ein Stachel im Fleisch der Kirche. Gruber stellt auch fest, \u201edass es heute in den Betrieben nirgends mehr einen Platz gibt f\u00fcr Menschen, die nicht 120% Leistung erbringen k\u00f6nnen. Denn das ist mittlerweile die Norm geworden.\u201c Er weist auch darauf hin, dass es in den 70-er-Jahren noch Baustellen gegeben hat, \u201ewo man ohne Leumundszeugnis arbeiten konnte.\u201c<\/p>\n<p><strong>Polizei will auf Augenh\u00f6he kommunizieren<\/strong><\/p>\n<p>\u201eVon den 20.000 Delikten in Linz treffen etwa 100 bis 150 die Obdachlosenszene\u201c, wei\u00df Oberst Christian Moser von der Linzer Polizei. Davon sind allerdings die meisten \u00dcbergriffe \u00a0auf Obdachlose.\u00a0 \u201eWenn das Bild bei den Bewohnern von Linz da w\u00e4re, dass Obdachlose kriminell sind, dann m\u00fcsste man viel Aufkl\u00e4rungsarbeit machen\u201c, meint Moser.\u00a0 Zu oft wird wegen Kleinigkeiten die Polizei gerufen. Die Erwartungen der Bewohner sind oft jenseits der Gesetzeslage \u201eAllerdings gibt es auch einen Reifungsprozess. Viele finden nach wie vor den Anblick eines Obdachlosen absto\u00dfend, man hat sich aber daran gew\u00f6hnt\u201c, wei\u00df der Linzer Polizist und betont, \u201edass sich Polizei und Obdachlose zum Gro\u00dfteil mit Namen kennen und auf Augenh\u00f6he kommunizieren.\u201c<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01417.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-945\" title=\"urbi \u00fcbervoll\" src=\"http:\/\/kaineder.files.wordpress.com\/2010\/10\/dsc01417.jpg?w=150\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"112\" \/><\/a>Ein verl\u00e4\u00dflicher Platz im Hartlauerhof<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWohnungslose wollen arbeiten und eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung\u201c, wei\u00df Ulrich Volmer vom Hartlauerhof in Asten. Dort k\u00f6nnen 14 M\u00e4nner \u00a0in geordneten und verl\u00e4sslichen Strukturen wohnen und in der Werkstatt einer sinnvollen Besch\u00e4ftigung nachgehen. Integration braucht viele Stabilisierungsma\u00dfnahmen und verl\u00e4ssliche Beziehungen. \u201eDeshalb ist es auch gut, dass es viele professionelle Initiativen gibt\u201c, betont Volmer und bedauert, \u201edass in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung das Scheitern keinen Platz mehr hat in dieser auf Erfolg und Gesundheit getrimmten Gesellschaft.\u201c<\/p>\n<p>In der Disputation kamen auch Betroffene zu Wort und schilderten ihre Situation. \u00a0Ernst Gansinger weist als Moderator noch darauf hin, dass er hohen Respekt hat vor dem, \u201ewas in Linz im Bereich der Wohnungslosen geschieht.\u201c Es braucht nach seiner Erfahrung wesentlich mehr Zivilcourage gegen den jetzt g\u00e4ngigen \u201erechten Zeitgeist\u201c.<\/p>\n<p>Mitarbeiterinnen des KirchenInfoCenters werden in den n\u00e4chsten Wochen immer dienstags Socken stricken, um damit Obdachlosen zu hefen.<\/p>\n<p>Unter <a href=\"http:\/\/www.werhilftwie.at\/\">www.werhilftwie.at<\/a> gibt es eine ausgezeichnete Informationsquelle, wer wem wie helfen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach meinen Theologiestudium habe ich 1981\/82 meinen Zivildienst bei der Heilsarmee in Linz in der Bethlehemstra\u00dfe gemacht. Die Obdachlosen haben mein Studium in besonderer Weise &#8222;abgeklopft&#8220;. Sp\u00e4ter habe ich als Pastoralassistent in der Dompfarre alle &#8222;Sandler&#8220; pers\u00f6nlich gekannt. Einen davon, Gottfried Aigner, haben wir in den Pfarrhof aufgenommen und f\u00fcr ihn habe war ich da, &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wir-haben-keinen-platz-mehr-fur-die-die-nicht-120ig-funktionieren\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15,1],"tags":[],"class_list":["post-939","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-zukunfstbilder","category-allgemein","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/939","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=939"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/939\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2348,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/939\/revisions\/2348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=939"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=939"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=939"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}