{"id":9710,"date":"2020-12-20T11:33:30","date_gmt":"2020-12-20T10:33:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=9710"},"modified":"2020-12-20T12:41:23","modified_gmt":"2020-12-20T11:41:23","slug":"das-vieh-im-stall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/das-vieh-im-stall\/","title":{"rendered":"Das Vieh im Stall"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9712\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-300x225.jpg\" alt=\"Unsere Weihnachtskrippe\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Weihnachtskrippe_2019-750x563.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Nach mehreren Jahren habe ich meine Cousine und ihren Mann zuf\u00e4llig in einem Gasthaus getroffen. Beide sind von einer Wanderung eingekehrt. Genauso wie wir. Irgendwie haben wir uns aus den Augen verloren. Beide sind vor kurzem in Pension gegangen. Er hat am Finanzamt gearbeitet und sie daheim den Bauernhof mit dem Vieh versorgt. <em>[Eine Stallgeschichte, die im Buch nicht mehr Platz gehabt hat.]<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Milchk\u00fche waren ihre Leidenschaft, ihre Aufgabe, ihre Regelm\u00e4\u00dfigkeit, ihre Anstrengung, ihre Herausforderung und mit der Zeit auch ein Problem. Milchk\u00fche brauchen beim Melken ihre Regelm\u00e4\u00dfigkeit. Eine B\u00e4uerin ohne Melkroboter ist \u201egezwungen\u201c, zweimal am Tag zu f\u00fcttern und zu melken. Da gibt es kein Kneifen oder \u201eheute nicht\u201c. In einer Zeit der variablen Selbstkreation kann so eine Situation schon als sklavisch gesehen werden, wenn keine innere Berufung zu diesem Ganzen zusammen mit den Tieren da ist. \u00c4hnlich ist es \u00fcbrigens beim regelm\u00e4\u00dfigen Stundengebet in der Kirche. Wer sich n\u00e4her mit dem Dasein als Bauer oder B\u00e4uerin auseinandersetzt, wird sehen, dass das Geld oder hohes Einkommen das nicht wettmachen kann. Das kleinb\u00e4uerliche Einkommen reicht zum Auskommen. Da braucht es viel intrinsische Motivation, innere Freude am Tun, um wenig auf extrinsische Antreiber angewiesen zu sein.<\/p>\n<p>Beide erz\u00e4hlen, dass sie nach der Pensionierung des Mannes jetzt endg\u00fcltig mit der Landwirtschaft aufgeh\u00f6rt haben. Das Vieh wurde verkauft, der Stall stand seit ein paar Monaten leer. Sie haben diese regelm\u00e4\u00dfige Arbeit schon als Beschwerung, irgendwie als \u201eZwang\u201c erlebt. Keines der Kinder wollte diesen Ball aufnehmen und den Betrieb weiterf\u00fchren. Sie haben sich schlie\u00dflich f\u00fcr die \u201egro\u00dfe Freiheit\u201c entschieden. Nat\u00fcrlich waren nach so vielen Jahren Tr\u00e4nen dabei, als das Vieh aus dem Stall abtransportiert wurde. Der Gedanke an die neue Freiheit hat hier weitergeholfen. Sie schmiedeten Pl\u00e4ne, verreisten viel und waren auf der Suche nach einem neuen Alltag ohne diese regelm\u00e4\u00dfige, zwingende Aufgabe im Stall.<\/p>\n<p>Sie waren viel wandern. Am Beginn, so erz\u00e4hlten sie, waren diese Ausfl\u00fcge und Wanderungen eine ganz tolle Erfahrung. Pure Freiheit. Zweckfreies Lustwandeln in der Natur. Sie haben es wirklich genie\u00dfen k\u00f6nnen. Und doch war da etwas, was immer m\u00e4chtiger wurde. Die Gespr\u00e4che der beiden wurden weniger und jeder hat etwas in seinem Herzen wachsen geh\u00f6rt, was er und sie nicht einfach an- und aussprechen konnte. Eines Tages sitzen sie auf einer Alpinh\u00fctte beim Fr\u00fchst\u00fcck. Der Tag versprach, einfach sch\u00f6n zu werden. Sie genossen die gemeinsame Zeit auf den Wegen in den Bergen. Und doch. Da war etwas, was kr\u00e4ftig und m\u00e4chtig im Raum stand. Beide haben sich nicht aussprechen getraut, was ihnen so gefehlt hat. Mein Cousine fasste sich den Mut und sagte zu ihrem Mann: \u201eMir fehlen die K\u00fche.\u201c Er ganz spontan darauf: \u201eMir auch. Ich habe es mir nicht zu sagen getraut.\u201c Sie auch nicht. Sie waren froh, es ausgesprochen zu haben, was ihnen gefehlt hat. Dieses regelm\u00e4\u00dfige \u201ein den Stall gehen\u201c und die Liebe zum Vieh. Sie haben ihre Wanderwoche fertig gemacht, sich daheim wieder Vieh eingestellt. Alles hatte auf einmal eine gro\u00dfe befreite Leichtigkeit. Wie ein tiefes Ritual gingen sie wieder in den Stall. Und wenn sie einmal Hilfe brauchten, weil sie f\u00fcr ein paar Tage \u201efrei\u201c sein wollten, waren die Kinder zur Stelle und haben sie ersetzt. Auch befreiter, wie sie meinten.<\/p>\n<p>Ich selber stamme von einem Bauernhof ab. \u00d6fter habe ich bewundernd zu meinem Bruder und meiner Schw\u00e4gerin gemeint, dass sie das Stundengebet mindestens so intensiv leben als so mancher Priester oder M\u00f6nch. Dieser Rhythmus zu einer bestimmten Tageszeit in der Regelm\u00e4\u00dfigkeit mit der fundamentalen Erfahrung zusammen in der Tierwelt pr\u00e4gt. Auch wenn er oft als zwingend erlebt wird, gibt der Rhythmus und die konkrete Aufgabe doch Halt. Das merken wir erst, wenn die Aufgabe nicht mehr da ist. Rituale und Rhythmus wollen und k\u00f6nnen helfen. K\u00f6nnen allerdings auch Zwang werden, wenn der innere Zugang nicht mehr gegeben ist.\u201c<\/p>\n<p><em>Jeder Mensch braucht Rituale, ein Rhythmus kann helfen, dazu eine Aufgabe, die in einem gr\u00f6\u00dferen Rahmen steht, um sich zugeh\u00f6rig zu f\u00fchlen. Wenn nach Weihnachten wieder so vieles durch den Lockdown3 still gestellt wird, dann fehlt den Menschen genau das. Die Aufgabe, gr\u00f6\u00dfere Rituale und eine tiefe Zusammengeh\u00f6rigkeit. Das fehlt \u00fcberigens auch den Fl\u00fcchtlingen in den Fl\u00fcchtlingslagern von Lesbos. Daher die tiefe Bitte: Holen wir sie auf rascheste Weise nach \u00d6sterreich. Wir haben Platz.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Hier die <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/fkaineder\/videos\/10215294348270808\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte im<span style=\"color: #ff9900;\"> Video<\/span><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach mehreren Jahren habe ich meine Cousine und ihren Mann zuf\u00e4llig in einem Gasthaus getroffen. Beide sind von einer Wanderung eingekehrt. Genauso wie wir. Irgendwie haben wir uns aus den Augen verloren. Beide sind vor kurzem in Pension gegangen. Er hat am Finanzamt gearbeitet und sie daheim den Bauernhof mit dem Vieh versorgt. 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