{"id":9744,"date":"2021-01-09T13:56:55","date_gmt":"2021-01-09T12:56:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/?p=9744"},"modified":"2021-01-09T14:59:08","modified_gmt":"2021-01-09T13:59:08","slug":"dem-convivialen-leben-mehr-raum-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/dem-convivialen-leben-mehr-raum-geben\/","title":{"rendered":"Dem convivialen Leben wieder mehr Raum geben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9751\" src=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-300x174.jpg\" alt=\"Alles Smartphone\" width=\"300\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-300x174.jpg 300w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-1024x595.jpg 1024w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-150x87.jpg 150w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-768x446.jpg 768w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-1536x892.jpg 1536w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-2048x1190.jpg 2048w, https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_2764-750x436.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Kompass nennt sich das zweite Buch in <a href=\"https:\/\/www.furche.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DIE FURCHE<\/a> und behandelt Gesellschaft. Seit 75 Jahren sucht diese Wochenzeitung eine tragf\u00e4hige Spur durch die Wirren der Zeit. In der Ausgabe vom 7. J\u00e4n 2021 wird beispielsweise der allgegenw\u00e4rtigen Sicherheit unter den Stichwort Covid19 nachgegangen. Dieser Sicherheit wird vieles geopfert. Ein lebendiges Miteinander, ein conviviales Leben wurde per Gesetz heruntergefahren. Eine technogene Sicherheit dagegen hochgefahren. Kann das gut gehen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Sozial- und Erziehungswissenschafterin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marianne_Gronemeyer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marianne Gronemeyer<\/a> ortet in Zeiten der Krise und Bedrohung in ihrem <a href=\"https:\/\/www.furche.at\/gesellschaft\/marianne-gronemeyer-was-haelt-uns-noch-lebendig-4460904\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel &#8222;Was h\u00e4lt uns lebendig?&#8220;<\/a> zwei Kulturen von menschengemachter Sicherheit: &#8222;Die conviviale Sicherheit entsteht aus dem Vertrauen auf das Gegebene, auf die in der jeweiligen Lebenswelt vorgefundenen M\u00f6glichkeiten, die zu immer neuen Formen der wechselseitigen Entfaltung dr\u00e4ngen: zu diesen Gegebenheiten geh\u00f6ren die Gaben der Natur ebenso wie die Begabungen der Menschen; ihre F\u00e4higkeit, sich zu verst\u00e4ndigen, die Geschicklichkeit ihrer H\u00e4nde, ihre Erfahrungen, Phantasien und Tr\u00e4ume, ihre Lust am Lernen und T\u00e4tigsein \u2013 und ihre Bereitschaft, es sogar unter widrigen Umst\u00e4nden, leidlich miteinander auszuhalten. Diese M\u00f6glichkeit, sich hinreichend sicher zu f\u00fchlen, tragen wir also am eigenen Leibe, denn wir Menschen sind an sich sehr gut geeignet, unser Leben convivial, d. h. in gedeihlichem Miteinander, zu meistern, und die Natur ist an sich in der Lage, es mit uns auszuhalten. Alles in allem beruht diese Sicherheit darauf, dass wir uns den Unw\u00e4gbarkeiten des Lebens als daseinsm\u00e4chtige Wesen gewachsen f\u00fchlen in dem Bewusstsein, dass wir nun einmal sterblich sind und dem Tod sein Daseinsrecht inmitten des Lebens einr\u00e4umen m\u00fcssen.&#8220; Auch in meinen Arbeiten zu <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Anpacken-nicht-einpacken-Gemeinschaft-begeistert\/dp\/3451388383\/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meinem Anpacken-Buch<\/a> habe ich von verb\u00fcndenden Werten, von Ritualen, Symoblen und Aufgaben in einer tiefen Zugeh\u00f6rigkeit und Solidarit\u00e4t geschrieben. Gerade das aktive Musizieren, die gemeinsame Bewegung und Sport und die Kultur im Kreis und auf B\u00fchnen sind essentielle Elemente eines convivialen Lebens, das ihre Widerstandsf\u00e4higkeit und ihre Sinngebung aus dem Inneren &#8211; intrinsisch &#8211; generiert. Genau daf\u00fcr ist jetzt kein oder kaum Platz.<\/p>\n<h3>Technische Standards statt lebendige Balance<\/h3>\n<p>Hochgehalten und &#8222;\u00fcberschattet&#8220; wird derzeit alles von einem anderen Lebensmodell. Gronemeyer nennt es &#8222;technogen&#8220;. Papst Franziskus spricht in #LaudatoSi vom technologsich-technokratischen Welt- und Menschenbild. Der Mensch und die Welt wird als Maschine oder zumindest maschienen\u00e4hnlich gedacht. Fabian Scheidler hat das <a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/solidarisch-wandeln\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Buch &#8222;Die Megamaschine&#8220;<\/a> vor ein paar Jahren in die Welt geworfen und genau diese m\u00e4chtige, allgegenw\u00e4rtige Techno-Logik herausgesch\u00e4lt. Gronemeyer schreibt \u00fcber diese technogene Sicherheit, in der wir uns gerade befinden und die wir weiter ausbauen: &#8222;Nicht das Zusammenspiel der in einer Gemeinschaft vorhandenen Kr\u00e4fte und Talente, sondern die Spitzenleistungen der Besten, die sich in \u201ebelebender\u201c Konkurrenz zu immer gr\u00f6\u00dferen Anstrengungen anfeuern, lassen ein Mehr an Sicherheit erhoffen. Sicherheit ist dann nicht im Spiel mit den Gegebenheiten zu suchen und zu finden, sondern in der Herstellung eines wissenschaftlich-technischen Milieus, das umso besser funktioniert, je vorausschauender die Experten sind. Immer neue Gefahrenquellen werden von den zust\u00e4ndigen Thinktanks aufgesp\u00fcrt, immer neue Risiken entdeckt und durch Pr\u00e4vention unsch\u00e4dlich gemacht. Nicht mehr einzelne Personen und Gemeinschaften entscheiden, welches Ma\u00df an Sicherheit ihnen gen\u00fcgen soll, damit die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit gewahrt wird, sondern die Sicherheitsstandards, die nach Ma\u00dfgabe des technischen Fortschritts st\u00e4ndig neu justiert werden.&#8220; 1999 hat mir ein Coaching-Ausbildungskollege, der im IT-Bereich einer f\u00fchrenden Bank gearbeitet hat,\u00a0 erz\u00e4hlt, dass die 100%ige Sicherheit sehr viel Geld kostet: &#8222;Um von 98 auf 100 zu kommen, verdoppelt sich der Einsatz.&#8220;\u00a0 Das uners\u00e4ttliche Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit ist der perfekte Motor der Wachstumsgesellschaft, die auf Versorgungsl\u00fccken nur mit der Vermehrung der Vorr\u00e4te reagieren kann, niemals mit der M\u00e4\u00dfigung des Begehrens. Eine &#8222;<a href=\"https:\/\/www.kaineder.at\/wordpress\/solidarisch-wandeln\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gl\u00fcckliche Gen\u00fcgsamkeit<\/a>&#8220; oder das <a href=\"https:\/\/www.ordensgemeinschaften.at\/wesentlich\/1570-videoreihe-viel-mehr-wesentlich-weniger-ist-jetzt-komplett\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;einfache Weniger&#8220;<\/a> werden als destruktiv betrachtet. Nach wie vor bin ich \u00fcberzeugt, dass ein einfaches, ein waches und ein gemeinsames Leben die L\u00f6sungslinie andeutet. Die tief drinnen liegende Dynamik eines technogenen Lebens ist: gr\u00f6\u00dfer, schneller, mehr. Das conviviale Leben kennt die &#8222;freiwillige Selbstbegrenzung&#8220; und den &#8222;heiteren Verzicht&#8220; (Ivan Illich).<\/p>\n<h3>Das offene ungesch\u00fctzte Antlitz<\/h3>\n<p>Es wird gelingen m\u00fcssen, dass sich eine neue Art von Sicherheit breit machen kann, die nicht aus dem &#8222;kalten technogenen Milieu&#8220; heraus konstruiert wird unter riesiger Verschwendung von Erdressourcen udn Schuldenanh\u00e4ufung auf die n\u00e4chsten Generationen.\u00a0 Auch in #LaudatoSi spricht Papst Franziskus von einem neuen Paradigma, von einer Transformation hin\u00fcber in ein &#8222;sozial-\u00f6kologisch-spirituelles Menschen- und Weltbild&#8220;. Gronemeyer nimmt daf\u00fcr das Urbild der Konvivialit\u00e4t, den gastlichen Tisch, um den sich die Tischgenossinnen und Tischgenossen zum gemeinsamen Mahl und zur freien Unterredung versammeln. &#8222;Auf dem Tisch liegt ein Laib Brot, der gebrochen und miteinander geteilt wird, ein Krug Wein, der ausgeschenkt wird, und eine Kerze, die f\u00fcr den oder diejenige steht, die vielleicht an die T\u00fcr klopfen und Einlass begehren werden. Denn eine Tischgesellschaft darf nie geschlossen sein. Die Tischgemeinschaft lebt davon, dass die Menschen leibhaftig beieinander sind, dass sie sich von Angesicht zu Angesicht gegen\u00fcbersitzen und sich vertrauen, gerade weil sie einander das offene, ungesch\u00fctzte Antlitz darbieten.&#8220; F\u00fcr mich habe ich das elliptische Denken entdeckt. Es geht nicht um das Eine oder das Andere. Das UND ist oder w\u00e4re entscheidend.\u00a0 Es ist nur so, dass die technogene und technokratische Weltgestaltung derzeit die alleinige Sichtweise in der Krise geworden ist. Aus der Kraft der Wissenschaft UND aus der Kraft der Konvivialit\u00e4t sollte die Zukunft des Menschen geformt werden. Das Virus hat die Balance der beiden Brennpunkte gekippt. Als Beispiel\u00a0 nenne ich die heilende und tragende Kraft der Kultur, die eingefroren wurde und auf deren Heilungskr\u00e4fte wir im Gegensatz zur Bewegung in der Natur &#8222;verzichten&#8220;.<br \/>\nMassenhafte, ungesch\u00fctzte &#8222;Spazierg\u00e4nge&#8220; sind kein Ausdruck von Konvivialit\u00e4t sondern eher von eingebildeter und arroganter \u00dcberheblichkeit. Meine ich.<\/p>\n<p><em>Der<a href=\"https:\/\/www.furche.at\/gesellschaft\/marianne-gronemeyer-was-haelt-uns-noch-lebendig-4460904\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> ganze Furche-Artikel von Marianne Gronemeyer<\/a>\u00a0 in DIE FURCHE *1 ist dankenswerter Weise freigeschaltet.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kompass nennt sich das zweite Buch in DIE FURCHE und behandelt Gesellschaft. Seit 75 Jahren sucht diese Wochenzeitung eine tragf\u00e4hige Spur durch die Wirren der Zeit. In der Ausgabe vom 7. J\u00e4n 2021 wird beispielsweise der allgegenw\u00e4rtigen Sicherheit unter den Stichwort Covid19 nachgegangen. Dieser Sicherheit wird vieles geopfert. 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