Würzburg wurde für ein paar Tage zum Zentrum der deutschsprachigen Kirche. „Katholikentag“ ist das Schlüsselwort und ZdK das Kürzel, wer federführend dahinter steht. Als KAÖ-Präsident war ich eingeladen, im Vorfeld bei der Generalversammlung des ZdK Grußworte zu sprechen. Hier meine Worte der Ermutigung:
Sehr geehrte Versammelte!
Zu allererst herzlichen Dank für die Einladung hierher nach Würzburg und in diese Generalversammlung. Herlichen Dank für die profunde Orientierung über die Jahre auch für uns in Österreich, die von der Arbeit des ZdK immer wieder ausgeht, gerade auch in Hinblick auf den synodalen Weg und der Suche nach einer „synodale Kirchengestalt“, einer entsprechenden Körpersprache. Danke vor allem auch für die gemeinsame Erklärung ZdK und Katholische Aktion Österreich „Für einen Katholizismus der universellen Menschenwürde“. Neo-Integralismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus sind international und nicht kirchenfern.
Wenn ich hier als Präsident der KAÖ stehe, soll bei allen mitschwingen, dass die KA die offizielle Laienbewegung in Österreich ist und Kinder, Jugend, Frauen, Männer, Arbeitnehmer:innen, Akademiker:innen und Forum Beziehung, Ehe und Familie umfasst. Fast so wie das ZdK, aber strukturell anders.
Wenn ich hier das KA-Dossier „Demokratie leben und gestalten“ herzeige, dann ist das der Tatsache geschuldet, dass menschenrechtsbasierte liberale Demokratie nicht nur in Österreich, sondern global unter Druck geraten ist und unter Druck steht. Wer oder was bedroht sie? Ein paar Blitzlichter: Eine breite Gleichgültigkeit, das Konsum- und Produktdenken auch der Politik gegenüber, das Missverständnis von Politik als Dienstleisterin. Dann das bewusste Zertrümmern der öffentlichen Diskurs- und Dialogräume, breit ermöglicht durch die algorithmusbasierten Digital-Plattformen. Der Mensch ist dabei, in die „Undinge“ – wie es Byung-Chul Han nennt – also in die Informationen über die Dinge, zu übersiedeln. Digitales kann nicht staunen, nicht schweigen, nicht in Stille verweilen, lässt keine Dankbarkeit aufkommen, ist immer im Produktionsmodus. Die Wahrheitssuche ist dort sekundär, wenn sie überhaupt noch stattfindet. Wirklichkeiten werden geschaffen, nicht wahrgenommen. Auch benennen möchte ich die rasant wachsende Ungleichheit in unseren Gesellschaften. Es sind fragmentarische Andeutungen.
Was brauchen wir? Ganz sicher eine neue Sachlichkeit, ein Langsamer, an der Wirklichkeit – also nicht an den Undingen – ausgerichtet. Unsere Handlungsprozesse sollten sich durch ein Hinschauen und Hineinfühlen in die Natur (LaudatoSi: Alles ist mit allem verbunden) sozial-ökologisch-spirituell gestalten. Als KA werden wir (siehe Dossier) Dialogräume aufmachen. „mitunter|gegenüber“ werden wir sie nennen mit dem Ziel, bewusst und gezielt „blasenübergreifend“ einzuladen und so Widersprüchen Raum zu geben. Ziel ist auch, das Aushalten von Widerspruch, gegenteiliger Weltsichten zu trainieren. Wir wollen in die Zwischenräume gehen, auch mit der Gefahr des Scheiterns. Das tun wir in der tiefen Haltung der Gastfreundschaft und dem Grundgedanken, dass „geöffnet“ immer das Stichwort ist, geöffnet auch für das Fremde, das Andere, das Überraschende, das Unverfügbare, das Geheimnisvolle, – für Gott.
Die „Main-Post“ ist mir gestern abends zufällig in die Hände gefallen. Der Kommentator titelt ganz groß: Der Katholikentag kommt zur rechten Zeit. Warum? Es gibt eine Sehnsucht nach Austausch, echter Debatte und Tiefe. Unser Job als ZdK und KA ist hier auf den Punkt gebracht. Also: Schöpfen wir Mut und stehen wir auf. Danke.
(Würzburg, 12. Mai 2026)

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