Moralisch noch nicht berechtigt

Gestern hat der Jungvater und Finanzminister Gernot Blümel bei der Pressekonferenz eine besondere Redeweise aufgesetzt, um die Journalistenfrage nach dem Zeitpunkt der Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu beantworten.  Für mich hat sie etwas von einer „therapeutischer Redeweise“ an sich. Oder wie wir sie auch im Coaching verwenden. Wenn ein Gespräch mit einem schweren Trinker auf das Why seines Trinkens kommt, dann fragen wir auch nicht: Warum trinkst du? Nein, wir stellen eine „moralische Instanz“ in das Gespräch und fragen beispielsweise: „Wer hat dir erlaubt, so viel zu trinken?“ Das löst ganz andere Gedankengänge aus und ermöglicht ein anderes Gespräch als die einfache Frage : Warum?

Continue reading

Kauf das Gute und Wertvolle in deiner Nähe

Kauf Oberösterreich“ heißt die Aktion der OÖN. Gesichter werben für diese neue und ausgesprochene Nähe am heutigen Titelblatt. Wir gehen allerdings noch näher, seit Jahren, im Bergdorf. Das hängt ein wenig damit zusammen, dass ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, wo schon immer direkt vermarktet wurde. „Eder-Speck“ oder „Eder-Wurst“ sind Ausdrücke, die über Jahre mit positiven Assoziationen verbunden sind, mit Beziehungen, Begegnungen und sogar Freundschaften. Und natürlich dem feinen Geschmack. Jetzt muss ich aufpassen, dass diese Zeilen nicht zu direkt werben. Aber wenn ich so nachdenke, dann will ich in die Nähe werben.  Auch für unseren Nahversorger und den Lamm-Bauern. Deshalb erzähle ich das hier.

Continue reading

Zukunftsfilme jetzt in das Hauptabendprogramm

Da gibt es die einen, die derzeit überbeschäftigt sind. Sie erleben sich gerade so, als würden die Kinder dauernd ins Büro sein. Nur umgekehrt: Homeoffice. Oder alle, die gerade als „Helden der Krise“ bezeichnet werden. Zu recht. Ein wunderbarer Zusammenhalt der zivilgesellschaftlichen Kräfte. Da sind aber auch jene, die ganz konsequent #stayhome leben, ihre Arbeit und Aufgabe verloren haben, denen alles abgesagt wurde. Das Gefühl, der Lebenssinn „rinnt gerade aus“. Wie soll es weitergehen?

Continue reading

Eine Quellensuche am Sonntag

Der Bus fährt am frühen Sonntagvormittag aus dem Bergdorf auf über 900 m hinunter in die Stadt Linz. Er ist ganz leer, wo sonst viele Wanderer mitfahren. Ich steige hinten ein. Das ist jetzt so. Kein Kontakt zum Busfahrer. Meine OÖV-Jahreskarte zeige ich bewusst nach vorne. Sie hat in diesen Tagen Identitätsprobleme. Sie wird nicht gebraucht. #stayhome.  Aber heute fahre ich auf Quellensuche in die größte Kathedrale Gottes, die Natur. Fast 500 Höhenmeter kurvt der Busfahrer mit mir hinunter. In der Speichmühle steige ich aus. Zwei große Bäche münden hier zusammen. Den linken nehme ich.  Großes Wasser. Es weht ein kalter Nordwind. Auf zur Quelle. Schritt für Schritt.

Continue reading

Ökosoziale Wende und Wirtschaft jetzt unmittelbar koppeln

„Ich frage mich, ob soviel Geld, das zurecht für „die Wirtschaft“ in die Hand genommen wird, nicht mit der bis vor kurzem diskutierten ökosozialen Wende gekoppelt werden könnte. Krise heißt ja auch Chance für Veränderung. Ein Zurück zum Ist-Zustand davor kann es ja nicht sein.“ So schreibt Christian Wlaschütz in einem Posting heute auf FB. Er schreibt: „könnte“.  Aus meiner Sicht muss dort „muss“ stehen. Ich bin überzeugt, er meint das auch so.

Continue reading

Distanzzeiten sind gute Zeiten für tiefe Selbstreflexionen

Irgendwie komme ich mit dem Lesen gar nicht nach. Seit vorgestern habe ich in meinen Timelines auf Twitter, Facebook und Instagram neben den „Achtung-Geschichten“ zu COVID19 und den zum Teil absurden Reaktionen vieler Bevölkerungsteile (Hamster) wunderbare und feine „Solidaritäts- und Ermutigungs-Geschichten“. Es erinnert mich an 2015. Die einen verfielen in Ohnmacht und Panik und andere nutzten die Herausforderung für das neue Einüben von Solidarität, neuen Beziehungen und eine Lebensvertiefung mit der Folge von Verlebendigung.

Continue reading

Das reduzierte Leben beginnt

Corona hat das geschafft, was so viele ökologische und nachhaltige Konzepte und Impulse seit Jahren und Jahrzehnten fordern: Eine Reduktion der überdynamisierten und durchökonomisierten Gesellschaft. Alles ist irgendwie zittrig und kurzatmig geworden. Für das Klima und die Weltkugel war 2008/09 ein Erholungsjahr dank der Finanzkrise. Die CO²-Ausstöße reduzieten sich auf ein normales Maß. Für „die Wirtschaft“ war es ein Desaster. Sagen alle. Es wurde damals nicht im Sinne von „weniger“ gelernt. Nein, noch mehr, noch größer, noch internationaler, damit der Dollar, der Rubel, der Euro rollt.

Continue reading

Die Bühne macht lebendig

Wir betreten den Kirchenraum der Urfahrer-Stadtpfarrkirche. Diese Pfarrgemeinde hat Glück. Sie ist auch Jugendkirche „Grüner Anker“ und verwandelt sich so mit jedem Projekt der Jugendlichen. Und Verwandlung gehört zum Höchsten in der Kirche. Siehe Eucharistie. Der Raum ist in ein Blau-grün getaucht. Der Techniktisch erhöht, die Bühne quer zum Längsraum, die  Lichtstrahler überall montiert. Die Sesselreihen warten auf Besucherinnen und Besucher. „Ein Sommernachtstraum“ haben die Jugendlichen einstudiert. Heute ist es so weit: Premiere.  Geschäftige Vibrationen liegen in der Luft. Eine wunderschöne Stimmung.

Continue reading