Kein Storno oder Anzahlung am Defreggerhaus

„Hallo Ferdinand,  danke fürs Bescheid sagen.  Es war definitiv die beste Entscheidung – heute ist niemand zum Großvenediger aufgestiegen …. Fein, wenn ihr das nächste Jahr kommt. Schöne Grüße, Barbara.“ Das Wetter hat uns  einen Strich durch unseren Plan gemacht. Wir wollten vom Defreggerhaus auf den Großvenediger (3.674m) aufsteigen.  Wir sind gestern ob der miserablen Wettervorhersagen ins Tal abgebogen.  Telefonisch konnten wir die Hütte nicht erreichen. So habe ich ein kurzes Email mit dem Smartphone aus dem Tal geschrieben. Wir waren angemeldet.  Man meldet sich ab. Heute kam dieses Email von der Berghütte „herunter“. Continue reading

Finis Terrae am Johannesweg

Eine Idee wurde umgesetzt. Ein Wunsch gehört. Immer wieder haben Pilgerinnen und Pilger am Johannesweg geäußert, „dass es kein Ziel gibt“. Ich selber habe kurz nach der Eröffnung dazu meine Erfahrungen niedergeschrieben unter dem Titel „In 21 Stunden das eigene Leben umpilgern„. Ja, es war bis dorthin auch für mich ungewöhnlich, nicht auf ein Ziel „hinzupilgern“. Continue reading

Ich und mein

6 x steht „Ich“. 4 x „mein“. Wir starteten um 6 Uhr beim Glockenleuten der Kirche im Bergdorf „hinüber auf den Pöstlingberg“. Nicht ganz drei Stunden sind erforderlich, um zu Fuß die Strecke von etwa 13 Kilometern zurückzulegen. Wir wollten heute eine großes Danke „hinübertragen“ und auch die Bitten für die Zukunft. Es gibt Menschen, die uns ans Herz gewachsen oder die uns anvertraut sind, deren Anliegen wir hier mitgenommen haben. Am Ende haben 12 Lichter geleuchtet als Danke und Bitte.  Zwölf für alle. Continue reading

Wie soziale Lebewesen lebendig werden und (wieder) wachsen können

Wir wissen heute über die lebendig machenden Dynamiken von Organisationen, Betrieben, Vereinen, Bewegungen, Initiativen oder Communities. Meine Erfahrungen in den letzten zehn Jahren bestätigen sie. Es geht hier nicht um die „lauten und künstlich erzeugten Attitüden auf dem Werbemarkt“ sondern um die kraftvollen und nachhaltigen inneren Prozesse und Vorgänge, die tiefen Dynamiken des Geistes und der Seele und ihre Bedürfnisse.

Mein DREIRAUMMODELL

Das DREIRAUMMODELL habe ich zusammengetragen und zusammengefügt aus meiner Erfahrung meiner Arbeit in den letzten zehn Jahren in verschiedenen Bereichen. Das Modell war selbst in Einzelteilen immer hilfreich, Lebendigkeit, Zukunft und wesentliche Aspekte von „Gemeinschaften“ sichtbar zu machen. Jetzt habe ich es zusammengefügt. Continue reading

In den Tagesrhythmus eingebunden

„Grüß Gott und vielen Dank für Ihre Email. Durch den geregelten klösterlichen Tagesrhythmus – in den ich wie meine Mitschwestern auch als Äbtissin eingebunden bin- komme ich nicht immer sofort dazu Ihre Email zu bearbeiten.  Dafür bitte ich um Ihr Verständnis – ich werde mich sobald wie möglich Ihres Anliegens annehmen! Behüt‘ Sie Gott!“ Das ist eine automatische Antwort, wenn man einer mir persönlich gut bekannten Äbtissin in Deutschland schreibt. Der Tagesrhythmus setzt Prioritäten. Continue reading

Österreich’s Mitwelt war schon im April erschöpft

@kroneHeute ist Welterschöpfungstag und viele wissen gar nicht, dass Österreich die Ressourcen, die die Welt uns zur Verfügung stellen kann, schon am 9. April aufgebraucht hat. Junge Leute erinnern uns zurecht, dass wir ihre Zukunft zerstören. Neun Monate lang im Jahr. Und das Jahr hat zwölf davon. Die Welt ist erschöpft von unserem Lebensstil, der immer mehr und das in größerem Tempo einfach wegnimmt, von dieser Welt, die unsere Lebensbasis ist. Continue reading

Der Weltpilgertag und die inneren Wege

Mitten im Sommer wird der Weltpilgertag begangen. 25. Juli. Es gibt viele Gründe, die Füsse in Gang zu setzen auf einen der zahllosen Pilgerwege in und quer durch Europa. Lange und kurze. Tagelang und wochen- oder monatelang. Die Erfolgsgeschichte der Pilgerwege in Europa ist mit rein religiösen Motiven nicht zu erklären. Es kommt mir vor, dass sogar nur eine kleine Minderheit „aus Glaubensgründen“ unterwegs ist. Dieser Ausspruch ist legendär: „Du suchtst Gott und kommst bei dir an. Der andere sucht sich selbst und trifft Gott.“ Oder so ähnlich. In jedem Fall ist ein äußerer Weg, der vielleicht zuerst nur körperlich gesehen und in den ersten Tagen gespürt wird, mit einem inneren Weg verbunden. Die Frage ist nur: Wann treffen sich die beiden Wege und werden zum tiefen und weiten einen Pilgerweg. „Weitgehen ist heilsam“ erkläre ich in meinen Vorträgen. Mittlerweile kann ich das durch meine jahrelangen persönlichen Erfahrung „belegen“. Ähnliche Erfahrungen wurden mir immer wieder erzählen. Unser letztes Pilgern am „Weg des Friedens“ hat am Ende eine Teilnehmerin nach 150 km und annähernd 5.000 Höhenmetern sagen lassen: „Noch nie habe ich mich so erholt gefühlt.“
Das Gehen reinigt die inneren und äußeren Kraftflüsse in Körper, Geist und Seele.

Wir suchen eine Friedensnote

Der Alpe Adria Trail führt uns auf den Weg des Friedens – Pot Miru in Slowenien. Zu Fuss sind wir von Faak am See bis nach Cividale (150 km) unterwegs. 28 Frauen und Männer, die sich über Weltanschauen „gesammelt“ haben. Am vierten Tag erreichen wir Kobarid. Diese wunderbare Kleinstadt an der slowenisch-italienischen Grenze hat im vorigen Jahrhundert 10 x den Staat, die Staatszugehörigkeit gewechselt. Im ersten Weltkrieg war sie Hotspot der Auseinandersetzung an der 93 Kilometer langen Grenze, an der eine Million Menschen gestorben sind. Wir sind tief betroffen und gleichzeitig froh, dass diese tödliche Grenze heute als Mahnmal und Weg des Friedens ausgewiesen wird. Wir gehen pilgernd auf diesem Weg und wollen mithelfen, „die kriegerische Grenze in eine verbindende Brückengegend zu verwandeln“. „Frieden ist nicht selbstverständlich, weil die Jungen nur mehr den friedlichen Zustand kennen. Aber Salvini zündelt wieder. Das macht uns unruhig.“ Das hören wir nicht nur einmal.

Bilder des Grauens und Frieden für die Zukunft

Unser Guide Jozef im Museum ist sofort am Punkt: „Wir suchen eine Friedensnote, um bewusst zu machen, wie wertvoll Friede ist.  Die Jungen sehen ihn als selbstverständlich. Ist er aber nicht. Deshalb arbeiten wir täglich mit diesem Museum, den Führungen und dem Besucherzentrum für den Frieden.“ Katja vom Besucherzentrum: „Die Grenze wäre schlimm, wenn sie wieder aktiviert würde. Wir werden dagegenhalten, wenn bestimmte Kräfte wie Salvini diese Grenzen wieder aktivieren wollen. Da müssen wir dagegenhalten.“ Wir spüren in der Runde, dass es gut ist, dass wir hier gehen und damit mithelfen dagegenzuhalten. Die Bilder, die Installationen und die Schauplätze des Krieges werden im Museum in Themenräumen ungeschminkt gezeigt. Diese Gegend an der Soca / am Isonzo war ein Hotspot der damaligen Weltpolitik. Und eines wird uns glasklar vermittelt: Der Mensch hat damals in keinster Weise eine Würde oder einen Wert. Er war einfaches Kriegsmaterial der Mächtigen.

Wie sich Grenzen auflösen

Mir selber wird im Laufe der Zeit immer bewusster, wie wichtig in diesem Zusammenhang die Idee des gemeinsamen Europa ist. Durch den „größeren Rahmen der Zusammengehörigkeit“ hat sich die Grenze heute einfach aufgelöst. Das Soca-Tal ist ein unglaublich schönes Wassersport-Zentrum für Kajak und Raften. Sehr viele Radfahrer tummeln sich im Tal und fast jeder vierte trägt einen Rucksack. Was gibt es Schöneres als diese neue Bestimmung: Völkerübergreifend dem Frieden auf vielfältige Weise Platz geben. Außerdem ist Slowenien das Land mit der höchsten Biodiversität. Also: Hier ist ein einfaches und wunderbares, langsames naturverbundenes Leben möglich. Wir spüren und genießen es. Und ich denke mir: Damit ist schon eine Friedensnote, ein Friedenslied angestimmt. Und über die Grenze in Italien kommen wir in das „Slow Valley“. Aber das ist wieder eine andere wunderbare Geschichte.