Christsein ist ein Auswärtsspiel oder Kirche in der City braucht extrovertierte PR

Nicht dort, wo wir ChristInnen selber den Ort oder das Format bestimmen, sondern dort, wo wir im Fremden angenagelt werden, bewährt sich das jesuanische Christentum. Die heutige Marktsituation ist Realität und als Handlungsrahmen bestimmend. Das ist als Ausgangspunkt zu aktzeptieren.  Aufmerksamkeit muss man sich verdienen und das mit einem professionellen Vorgehen. Es braucht eine neue Inszenierung der Mitte und Markierungen aus dem Evangelium für die Zeit heute. Citypastoral ist daher in Zukunft extrovertierte PR-Arbeit. Diese Logik ist mir absolut nicht fremd und bei der Tagung in Köln fühlte ich mich sehr verstanden und bestärkt, Seelsorge in der Stadt poinitierter, profilierter und mit dem Heute kompatibler zu sehen.

Die Stadt zeigt dir, was zu tun ist

Matthias Sellmann, Pastoraltheologe zu Bochum, hat mit den mehr als 140 TeilnehmerInnen an der Tagung die Erfahrungen pastoraltheologisch „eingeordnet“. Er wurde damit zum Stachel für die zukunftige Arbeit. Nicht wir bringen etwas in die Stadt, sondern die Stadt lehrt uns, was heute aus dem Evangelium heraus zu tun ist. Die Stadt ist nicht oberflächlich oder gottlos (wie von Bischöfen und anderen immer wieder zu hören ist), sondern artikuliert jene Sehnsucht der Menschen, die wir in der Citypastoral aufgreifen und ansprechen können. Nur mit den Menschen der Stadt zusammen können wir glaubhaft erlebbar machen, was Glaube, Hoffnung, Liebe, Auferstehung, Gemeinschaft, Leid usw. bedeuten. Radikal im Erfahrungshorizont und in der Sprache der städtischen Menschen. Das heißt vor allem, hinauszugehen aus den kirchlichen Räumen und Einrichtungen an jene Plätze, wo sich Menschen aufhalten und ihr Leben gestalten. Aus dem Coaching kann ich immer nur daran erinnern, dass zwei Drittel der Lösungen unserer Probleme außerhalb der eigenen Abteilung oder Organisation liegen und dass 80 % der Akquisitionen im Büro, als daheim vorloren gehen.

Kirche in der City hat Verkündigung und Kommunikation als Hauptaufgabe

Ohne die vier Hauptaufgaben von Kirche zu schmälern (Diakonie, Liturgie, Verkündigung, Koinonia), muss in der Stadt das Augenmerk auf der Verkündigung liegen. Die Botschaft von einem liebende Gott in einer Sprache und Körpersprache des heutigen Menschen zu inszenieren, ist die Herausforderung. Gefragt sind Menschen, die „hinaus wollen“.  Gefragt sind Menschen, die sprachlich und thematisch „provozieren“, also stark extrovertierte Frauen und Männer. Es kommt nicht darauf an, noch mehr „Wohlfühloasen“ anzubieten. Das Denken und Fühlen der Menschen soll auf sympatische und originelle Art gekreuzt werden mit den Ideen und Verhaltensweisen Jesu. Es braucht deshalb eine starke „extrovertierte Public Relation Arbeit“.

Jedes Jahr zwei „Skandale“

Charakteristisch für diese Arbeit ist die volle Nutzung des Web 2.0. Liturgien sind kurz, stark und berührend. Stadtkirchen werden zu performtiven Orten. Die Straße wird der Ort der Verkündigung und des anrührenden Moments.  Es braucht Skandale. „Eigentlich müßte jeder Bischof bei seinen Citypastoralleuten jedes Jahr zwei öffentliche Skandale bestellen“, behauptete Sellmann und meinte aber nicht die Missbrauchsskandale, sonder originelle Ideen, wie die Botschaft herausragend dargestellt wird. Persönlich bin ich überzeugt und fühle mich bestätigt, dass wir viel mehr „vagabundierende Kirche“ werden müssen. Eine wunderbare Zukunftsperspektive – zumindest für mich.  Wie gesagt: Auswärtsspiele sind nicht einfach aber mit viel neuem Publikum.

Sakrament an der Brücke

Das Programm der Tagung

Besichtigt wurden im Rahmen des zweitägigen Netzwerktreffens evangelische und katholische Citykirchenprojekte in Bonn, Köln, Düsseldorf und Wuppertal. Mit dem neuen EKD-Vorsitzenden Schneider und dem Kölner Kardinal Meißner kam es zu Begegnungen am Abend des zweiten Tages im Domforum Köln.

Mehr zum Citykirchennetzwerk auf: http://www.citykirchenprojekte.de/

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