Fressen die Alten den Kuchen weg? Nein

Die Einladung ins Parlament zu einer Buchpräsentation ist schon vor längerer Zeit hereingeflattert. Nach einem Gespräch mit Sr. Kunigunde Fürst, der Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, war mir klar, dass ich diese Gelegenheit nutzen werde. Sie hat erzählt, dass gerade in den Ordensgemeinschaften die Generationenfrage beispielhaft gelöst wird. Dort haben Schwestern eigentlich das, was auch einen Altbauern oder einen Seniorchef im besten Fall beschäftigt. Die Schwestern gehen „nicht in Pension“, sondern verändern ihre Tätigkeit als Beitrag für das Ganze. Das bestätigt wieder, was der Mensch braucht: Anerkennung, eine sinnvolle Beschäftigung und das Eingebunden-Sein in ein größeres Ganzes. Mich persönlich irritiert die allgegenwärtige Frage nach der Pensionserwartung: „Wie viel Jahre hast du noch?“ Und dann redet man heute den Jungen Leuten ein: „Wenn ihr einmal alt seid, gibt es ohnehin keine Pension mehr!“ – und hat eine „private Pensionsvorsorge“ parat. Experten aller politischen Richtungen geben dann ihren Senf dazu: „Jeder bekommt das, was er eingezahlt hat.“ Un-Solidarität pur.

Kohl wörtlich: „Übelster Raubtierkapitalismus“

Der Plenarsaal des Parlaments ist voll. Wir nehmen Platz. Neben mir Seniorenvertreter. Viel graues oder schütteres Haar. Das Enkerl der Autorin Christa Chorherr meldet sich als Ausnahme immer wieder zu „Wort“. Es stört nicht, sondern lässt die Seniorenvertreter Blecha und Kohl immer wieder einhellig auf den gültigen und funktionierenden Generationenvertrag hinweisen. Als der oben erwähnte Vorschlag artikuliert wurde, hob Andreas Kohl (Klubobmann der VP zur Privatiesierungzeit) ordentlich aus: „Was hier vorgeschlagen wird, stammt von übelstem Raubtierkapitalismus.“ Blecha nickt kräftig. Sie sind sich einig: „Unser Pensionssystem ist auf Solidarität gebaut und ist absolut leistbar.“ Sie wollen mit dem Buch Transparenz schaffen und Fakten auf den Tisch legen gegen das Mobbing und das schlechte Image den Pensionisten gegenüber. Der Buchtitel ist entstanden, weil man provozieren will. Am Ende der Diskussion war klar: Dieses solidarische Pensionssystem ist sicher. Querschüsse kommen von privaten Pensionsvorsorgern, die mit viel Marketing  und Medienkontakten jene Verunsicherung schaffen wollen, damit der Glaube an dieses Solidarsystem schwindet. Dafür gibt es ordentliche Provisionen. Der heutige Pensionist trägt viel zum gesellschaftlichen Leben bei. Er gibt im Schnitt pro Monat 258.- EUR an die nächste Generation weiter.  Sie fordern ein flachere Lohnkurve und das Aus für Bienal-Sprünge. Zwei No-Goes benennen Blecha und Kohl: Tüchtige ältere Arbeitnehmer werden heute „aus Kostengründen“ hinausgemobbt. Arbeitnehmer fliehen die Arbeit weil auf der Karibik ein guter Platz für sie ist. Da bin ich wieder bei den Ordensschwestern: Sie verbindet eine tiefe lebenslange Loyalität miteinander. Das trägt.

Warum sind Pensionisten so mächtig?

Diese Frage wird immer wieder aufgeworfen. Sie exerzieren es vor. Sie sind sich in den wesentlichen Einschätzungen einig. Sie bauen auf Solidarität der Generationen und nicht auf die leeren Versprechen der kaptialistischen Pensionsvorsorgen. Sie vertreten ausschließlich die Interessen ihrer Zielgruppe. Sie kommunizieren unendlich viel miteinander. Kohl:“Ich rufe bei wichtigen Dingen immer alle durch.“ Und Josef Ratzenböck in der ersten Reihe nickt und bestätigt. Partizipaton und Involvierung – das ist das Rezept. Jetzt haben sie konkret vor, dass am Runden Tisch auch die Jungen teilnehmen müssen. Das ist nicht einfach, meinen sie, aber wir bestehen darauf. Es geht um ihre Zukunft, um die Verteilung des Kuchens. Ich selber denke mir immer wieder, ob es tatsächlich um den Kuchen geht. Geht es nicht für viele einfach um das Brot zum Überleben? In jedem Fall gehe ich beruhigt aus dem Parlament, dass das solidarische System so klar als Lösung gesehen wird. Privatvorsorgern und Unken-Rufern sei gesagt: Dieses Sozialsystem ist nicht nur leistbar, sondern ein wichtiger Wirtschaftsmotor.  Den Jungen sei gesagt: Baut auf Solidarität und nicht auf „lebenslanges Ansparen“. Da brauchen wir nur in die Bibel schauen, wo es zu solchen Leuten heißt: „Du Tor!“
Freda Meissner-Blau urgiert am Schluss noch sehr einfühlsam: „Nehmen wir die Umwelt, die Erde auch in den Generationenvertrag auf und behandeln wir sie gut.“

 

 

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