Guten Morgen, Heute

Heute morgen steige ich schon etwas früher in die U-Bahn. Der Zeitungsstapel ist „Heute“ noch ziemlich voll. Die Schlagzeile verleitet mich, das bedruckte Papier mitzunehmen. Aus Erfahrung weiß ich: Fünf Stationen genügen, und das Papier wandert beim Umsteigen auf die Straßenbahn in den Mistkübel. Es gibt keinen Behälter für schon „durchgeblättertes Papier“.

Facebook ist der neue Liebes-Killer

Auf der Titelseite springen mich zwei Begriffe an: Studie und Facebook. Nachdem die sogenannten Experten und manchmal auch Expertinnen zu den Hohenpriestern der Jetzt-Zeit aufgestiegen sind, ist das Wort „Studie“ in göttliche Nähe gerückt. Alles, was in einer Studie präsentiert wird, liegt obenauf und erklärt den Zustand des Jetzt und vor allem die Zukunft. Liebe, Ökonomie und Digitales sind die tragenden Pfeiler der Studien-Liturgien. „Heute“ eben aus dem Bereich Liebesleben kombiniert mit der Welt des Digitalen. Schon die Untertitel sagen uns: Digitale Eifersucht boomt und jede fünfte Ehe scheitert wegen Internet. Bei etwa 2,8 Millionen FB-User in Österreich kann es nicht sein, dass diese Welt spurlos an den realen Lebenswelten vorbeigeht. Das ist reale Lebenswelt. Und da fördert ganz „überraschend“ erst eine Studie zu Tage:  Das Leben ist, wie es ist. Da werden in Kanada 300! Studenten (wahrscheinlich online) befragt und als großer Satz nach dem Studien-Halleluja steht: „Es zeigt sich, dass unsere Probanden (drei Viertel waren Frauen) umso eifersüchtiger waren, je mehr Zeit sie mit Facebook verbrachten.“ Die Studienkosten sind nicht benannt. Aber das hätte ich ihnen auch sagen können: Wer öfter und länger im im digitalen Wirtshaus sitzt, der oder die schürt auch so etwas wie Eifersucht. Das ist „ganz normal“. Chancen und Gefahren sind da abzuwägen. Wer etwas auf Teufel komm raus betreibt, sollte sich nicht wundern, das normale Lebensvollzüge aus dem Lot geraten. Mit oder ohne Studie.

Wer „Heute“ von der Eifersuchtsseite eine Seite zurückblättert, der stößt auf den wahren Grund der „Verwirrungen“, wenn es heißt: Noch zwei Mal schlafen bis zum neuen iPhone. Wer Leser und Leserinnen so „infantilisiert“, der schürt sogar den Gedanken, dass wir heute gar nicht mehr wissen, was Eifersucht tatsächlich ist.

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