Das Magazin „kirchenreform.at“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe Nr. 131 das „Taufbewusstsein“ in den Mittelpunkt gerückt. Als Christinnen und Christen sind wir zu Prophetinnen, Königinnen und Priesterinnen getauft. Was bedeutet das in unseren Pfarrgemeinden und darüber hinaus? Ich durfte meine Erfahrungen beisteuern für den Bereich der Leitung. Berührend schildert darin Harald Prinz ab Seite 7 seine Erfahrungen zur Predigt bei der Eucharistie.
„Wenn du predigen gehst, dann ist das Gehen die Predigt.“ Franz von Assisi hat zu seinen Zeiten schon gemerkt, wie wesentlich Körpersprache ist. Sie spricht lauter als das Gesagte. Deshalb ist es ganz entscheidend, wie jemand sein Leitungsamt „angeht, anlegt“. Immer noch erlebe ich im kirchlichen Kontext Leitende, die ihr Amt auf Status, Repräsentanz, Macht, Durchsetzung, Befehl, oben-unten und Tradition anlegen. Sie predigen dann „königlich“ in barocken Ornaten von männerbesetzten Presbyterien aus über die Liebe Gottes, die Geschwisterlichkeit und vielleicht sogar die Option für die Armen. Auf diesen offensichtlichen Widerspruch wurden wir nicht getauft, schon gar nicht geweiht. Genau an diesem Widerspruch schmilzt die Glaubwürdigkeit der Institution Kirche. Gerade als Präsident der Katholischen Aktion Österreich ist mir das synodale Prinzip nicht erst seit Papst Franziskus „geläufig“. Schon im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die synodale Körpersprache der Kirche festgelegt. Dorthin zu wechseln ist an der Basis durch viel Priester und Synoden in den Jahren danach angeleiert worden, kirchenrechtlich und verfassungsmäßig aber nicht nur nicht gelungen, sondern sogar von Päpsten behindert worden. Privilegien wären geschmolzen, das Volk wäre ermächtigt worden. „Im Sprung gehemmt“ hat Weihbischof Helmut Krätzl richtig diagnostiziert.
Wer partizipativ, synodal, gemeinschaftlich leitet, in ein Amt gewählt oder beauftragt ist, die der weiß, dass es bei Kirche um die handelnde Person geht, ihr Können, die Begabungen und Möglichkeiten, die gelebten Werte und die damit verbundene Wirkkraft. Jesuanisch heißt im Grunde: Gott wirkt durch mich. Wem es nicht gelingt, die Ebene der Institution und der Gesetze, Normen zu verlassen in Richtung Person und Werte, bleibt „kristallin kalt“. Das „fluid Wärmende“ geht von Personen und von ihnen geprägten Resonanzräumen aus, die Vertrauen und Zutrauen in die Beziehungen auf Augenhöhe einfließen lassen. An der leitenden Person wird das Ganze spürbar und erlebbar. Wenn diese Personen selber ganz authentisch die Vielfalt, das Neue und das Fremde lieben, dann entstehen Biotope der gemeinschaftlichen Lebendigkeit. „Convivialität“ (gemeinschaftlich leben) ist ein Fremdwort, das uns in der digitalisierten Welt haptisch-analog entgegenkommen will. Es geht nie um Alleinstellungsmerkmale, wie sie die Werbung oder das Marketing kreieren. Es geht schlicht um die Richtung, die Blick- und Gehrichtung, in die wir uns bewegen wollen, die persönliche Bereitschaft zu Verbündungen und die Bewegungsfähigkeit, vielleicht noch viel mehr um die Bewegungswilligkeit.
„Verkünde das Evangelium, im Notfall nimm Worte dazu.“ Im Notfall. Auch Franz von Assisi. So wie wir leben, sind wir die Botschaft. So und/oder so. Getauft sind wir darauf, das in königlicher Würde zu tun. Gottes Diamant strahlt aus jedem Menschen. Die Taufe ist die Bestätigung dafür. Die Folge? Die Wirkung? Dieses Leben, dieser Glaube in der Folge Jesu hebt auf, richtet auf, verbindet und verbündet auf Augenhöhe, gibt Orientierung hin auf ein einfaches, waches und gemeinsames Leben. Wenn ich das als Mensch, Christ und Präsident der KAÖ so schreibe, dann bin ich mir bewusst, dass wir nicht mehr und nicht weniger sind als „Pilger und Pilgerinnen im Jetzt“. Als Guide vieler Gruppenpilgerungen weiß ich: Die Kraft und die Verantwortung liegt im Gemeinsam. Als Leitender gehe ich die gemeinsam vereinbarte Richtung und achte, dass wirklich alle im gemeinsamen Gummiringerl, das uns innerlich verbindet, bleiben (können). Und wenn wir nicht weiterwissen, ermüden oder sitzen bleiben wollen, dann kommt meist die Frage: Was nun? Als Leitender ist es Aufgabe, die Geschichten des Ursprungs hervorzuholen, die Ziele und das Wofür wieder in Erinnerung zu rufen und die Lust am Aufbruch vorzuleben, voranzugehen. Vom Pilgern und Weitgehen, alleine und in Gruppen, weiß ich: Eine Schweißperle im Gesicht ist ein gutes Zeichen für ein lebendiges Leben.

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