Spring auf, Kirche

Sicher mehrmals am Tag gehe ich in den Garten, um die Knospen der Pfingstrose zu beobachten, zu betrachten, „anzufeuern“. Seit einiger Zeit schauen sie aus, als ob sie „jetzt“ aufspringen wollten. Das kühle, ja kalte Wetter auf fast eintausend Meter hält sie zurück. Im Sprung gehemmt. Die Pfingsttage der Kirche rücken Tag für Tag näher. Und immer wieder der Gedanke: Springt auf, Knospe und Kirche.

Die katholischen Bischöfe Österreichs haben uns ein Hirtenwort geschenkt, geschrieben in Tirol, erzählt man einander. Schon die „keywords“ (Worte mit Schlüsselfunktion) der Zwischenüberschriften in den Kirchenzeitungen lassen aufhorchen, aufschauen, sogar Mut fassen. Geist der Versöhnung, Verbundenheit, Aufmerksamkeit, Solidarität, Lernbereitschaft, Achtsamkeit, Entschlossenheit, Lebensfreude, Geduld, Vertrauen und Zuversicht.  Damit es zwölf sind, nenne ich den Geist der Dankbarkeit, der angesprochen wird und immer mitschwingt. „Dankbarkeit ist der Königsweg zu Gott, die Not höchstens der Fluchtweg.“ Natürlich verleitet das Schreiben, eine Kritik, eine persönliche Einschätzung hier beizusteuern. Das braucht es nicht, weil jede und jeder sich selber beim Lesen der achtzehn A5-Seiten seine Gedanken machen, seine Schlussfolgerungen ziehen und seine Sprungkraft entfalten kann. Ich meine: „Gut geschrieben zu Innsbruck.“

Das Ur-Wunder der Verständigung und des Aufbruchs

Im Endeffekt ist es die Einladung zum gemeinsamen Springen hinein in eine „geistvoll erneuerte Normalität“, wie sie es nennen. Ich würde eher „Wirklichkeit“ sagen, weil Normalität so normal ist, dass sie uns in ihrer Normalität wieder zu abnormem Verhalten führt, wenn wir #LaudatoSi und die dort geschilderten Parameter und „nicht technologischen Paradigmen“ anlegen. #LaudatoSi sehen die Bischöfe nach fünf Jahren alle gemeinsam als Geschenk der Geistkraft Gottes, formuliert durch Papst Franziskus. Der Klimapilger von 2015 in mir jubelt und ist wieder dankbar. Aufgesprungen sind sie jetzt, alle Bischöfe mit diesem Hirtenwort. Das finde ich wunderbar. Viele Frauen und Männer, vor allem auch Jugendliche sind schon aufgesprungen, sind zu Demos gegangen und haben einen neuen Lebensstil angefangen, um das „Virus Klimawandel“ zu bekämpfen. Viele haben sich auf den Weg in eine „klima- und mitweltgerechte Zukunft“ gemacht. Jetzt auch die Bischöfe und mit ihnen die Ordinariate und Finanzkammern, die Pastoralämter und Gremien, die Pfarren mit ihren Verantwortlichen, mit allen PionierInnen und ProphetInnen, die bisher nicht wirklich in deren Mitte angekommen sind oder angenommen wurden. Das darf sich nicht als Selbstbeschäftigung oder gar Gewissensberuhigung herausstellen. Wir sind in unserer Wirkmacht als Sauerteig an vielen Lern-, Denk- und auch Gebetsorten dieser Welt gefordert. Unsere „pfingstliche Liebe“ wird erwartet. Ich bin Realist: nicht bei den Gewinnern dieser jetzigen Situation. Aber springen wir und nehmen die Bischöfe mit. Ihre Zeilen künden davon, dass sie mitgenommen werden wollen auf diese Reise. Sie sind bereit, wie sie schreiben, weil sie wie wir das Pfingstereignis als pure Wirklichkeit sehen. „Die verängstigten Jünger (die Bischöfe sehen in ihrem Hirtenwort gleich zu Beginn leider noch keine Jüngerinnen) wurden durch diesen Geist ermutigt, ihre Isolation zu verlassen und freimütig das Evangelium zu verkünden.“ Dieser „Neue Geist“, diese Geistkraft wird uns in einem „Ur-Wunder von Verständigung und Aufbruch“ in eine neue Wirklichkeit führen. Wir werden überrascht sein und staunen, wozu wir als Christinnen und Christen zusammen mit allen Menschen befähigt und fähig sind.

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