Corona, Klima und Biodiversität hängen aneinander

Gerade ist die SOL-Konferenz zum Thema „Ich habe genug“ von 22.-24. Mai 2020 #online im Gange. Solidarität, Ökologie und Lebensstil werden seit mehr als vierzig Jahren hier reflektiert und in praktisches Tun gewandelt. Helga Kromp-Kolb formulierte gerade die Rahmendaten und Klima-Vorgänge. Diese Wissenschaftlerin durfte ich mehrmals persönlich treffen. Sie besticht durch ihre nüchterne wissenschaftliche Expertise und die konkreten Schritte, die sie benennt und selber geht.

Wir leben in einem Wirtschaftssystem, das Gewinne über alles stellt, das Effizienz vor Resilienz reiht und glaubt, dass das Optimum des einzelnen das Optimum für alle darstellt. Gerade jetzt in der zum Klimawandel vergleichweise kleinen Coronakrise stellt sich das als großer Irrtum heraus.  Diese tief verankerten Werte gilt es fundamental zu überdnken und auf Langfristigkeit abzuklopfen. Steigt die Temeratur weiter an, so wie es in den letzten Jahrzehnten der Fall war, steuern wir – für viele ohnehin bekannt – auf eine noch größere Katastrophe zu als wir zu glauben vermögen.

Es wäre fatal, die Coronakrise nicht zusammen mit der Klimakrise zu sehen und zu lösen. Beides hängt innen zusammen und beide begründen sich in der radikal abnehmende Biodiversität. Kromp-Kolb zeigt ein Chart, das mit voller Wucht zeigt, wie fatal es wäre, jetzt die Corona-Krise lösen zu wollen und später die Klimakrise. Beides braucht es jetzt. Alle Investititonen oder auch „Aufbau-Maßnahmen“ brauchen einen Klima- und Sozial-Check. Die Politik ist gefordert,  dafür den Rahmen zu definieren. Sei es gelegen oder ungelegen.

Den metabolischen Riß heilen

Der amerikanische Evolutionsbiologe und Phylogeograph Rob Wallace schildert im Interview im Publik-Forum Dossier „Arbeiten und Leben nach Corona“ sehr anschlaulich, wie das vermehrte Auftreten von Viren mit dem Abnehmen der Biodiversität und der Zunahme der „industriellen Landwirtschaft weltweit, die immer tiefer in die letzten Urwälder vordringt“.  Den dortigen Kleinbauern werden von großen Agrar-Konzernen die letzten von ihnen ökologisch bewirtschafteten Flächen gestohlen. Wallace an die Politik: „Die hoch industrialisierete Produktion von Nahrungsmitteln hängt von Praktiken ab, die die gesamte Menschheit gefährden und in diesem Fall dazu beitragen, eine neue tödliche Pandemie auszulösen.“ Nahrungsmittelsysteme sollten verstaatlicht werden, damit Landwirtschaft wieder Nahrungsmittel produziert anstatt mit viel Gift und Technik Gewinne für die Börse. Die Nahrungsmittelproduktion muss wieder an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden.  „Es baucht agro-ökologische Praktiken, die die Umwelt und die Bäuerinnen und Bauern beim Anbau der Nahrungsmittel schützen. Der große Rahmen ist: Wir müssen den metabolischen Riss heilen, der unsere Ökolgoie von der Ökonomie trennt.“

Der Konfliktforscher und jahrzehntelange Beobachter des Bauernlebens in Österreich Franz Rohrmoser aus Kuchl in Salzburg hat dieser Tage eine besondere Analyse präsentiert, die verstehen macht, wie Bauern bewusst in diese prekären wirtschaftlichen Abhängigkeiten gekommen sind und gezielt geführt wurden. Die Analyse „Eine klima- und mitwelt-gerechte Landwirtschaft braucht eine Ökologisierung der Beziehungen“ ist lesens- und bedenkenswert.

 

 

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