Weltgestaltung gegen Selbsterhaltung

Der Zug bringt mich des nächstens von Linz wieder zurück nach Wien. Heut ein zweites Mal. Otto Hirsch hat zu einem Benefiz-Abend „Hope for Future“ eingeladen. Sepp S. hat mir seine Gastfreundschaft an seinen „gekauften Tisch“ angeboten. Nachdem ich Otto schon seit der Dompfarre kenne und Sepp noch ein Stück länger, „konnte und wollte“ ich nicht nein sagen.

Zupacken

Otto unterstützt mit einem unglaublich engagierten Netz von UnterstützerInnen die Arbeit von Sr. Lydia in Nairobi. Sie hat sich um die „Müllkinder“ angenommen. Hope for Future hat alleine aus Spenden 309.000.- EUR zur Verfügung gestellt und Leben gerettet und Leben entwickelt. Im Zug auf der Rückfahrt vermischen sich die Gedanken dieses Abends mit dem Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils. Aufbruch war überall zu spüren. Anpacken war gefragt und wurde als „Wille Gottes“ verstanden. Die Kirche als Werkzeug und nicht als Selbstzweck. Die gesellschaftlichen Wirklichkeiten galt es nach dem Evangelium zu gestalten. Große Vorbilder wie M.L.King „tauchten“ auf und inspirierten eine ganze Generation. Das Christentum hat Welt gestaltet. Edi Ploier weitete den Blick auf die ganze Welt und entwickelte Entwicklungshilfe. Junge Leute gingen als Entwicklungshelfer in andere Kontinente. Missionare verstanden sich im Dialog mit dem vorhandenen Kulturen. Das Christentum inspirierte, motivierte zur „Weltgestaltung“.

Anhalten

In der Nähe von St. Pölten waren meine Gedanken bei der Theologie der Befreiung. Sie wurde radikal angehalten, nein abgewürgt. Inkarniertes gelebtes Christentum auf Seite der Armen war der Hierarchie zu gefährlich. Wer an Selbsterhalten denkt, der hat große Angst, sich in der Welt zu verlieren, auch wenn es um Gerechtigkeit und Menschenwürde geht. Sr. Lydia und Otto Hirsch denken nicht an Selbsterhaltung. Ihnen geht es um Weltgestaltung im Dienst der Ärmsten. Ganz konkret und ohne Wenn und Aber. Der Zug fährt in Wien ein und ich bin dankbar für die Einladung. Der Abend hat die Richtung des Vat II wieder in Erinnerung gerufen. Ich habe Zeugnisse gesehen, die den Kern der Botschaft Jesu leben. Es geht um Weltgestaltung und nicht Selbsterhaltung. Ordensfrauen sind in diesem Fall die „Täterinnen“, Menschen der Tat. Beunruhigt gehe ich schlafen. Und das ist gut so.

 

Folge per Email