Auf dem Weg in die Tätigkeitskultur

„Glück, Leistung, das Leben definieren sich über sinnvolle Tätigkeiten, ob bezahlt oder nicht“, schreibt David Bosshart in seinem Artikel „Workstyle“ im neuesten GDI Impuls. Es besteht die Aussicht, dass unsere Existenz wieder herausfindet aus dem neoliberal geprägten Markt, den Zahlenparametern und dem immer „Mehr“. In absehbarer Zukunft wird es kein Zurück zur Lifestyle-Dominanz geben. Dafür nennt Bosshart verschiedene Faktoren, die hier nur einmal so in den Raum gestellt werden: Schulden-Faktor, Pleite-Faktor, Moral-Faktor, Motivations-Faktor, Alters-Faktor und Ökologie-Faktor. „Wenn die Menschen evolutionär überleben wollen, müssen sie sich als tätige Wesen definieren. Dafür muss Arbeit eingebettet sein in das, was wir Lebensqualität nennen, und darf nicht davon abgetrennt werden: Der richtige «Workstyle» bestimmt letztlich den Lifestyle.“ – heißt es in den Summeries.

Etwas Sinnvolles tun und beitragen

Im Sinne der Lifestyle-Gesellschaften haben sich Scheinwelten aufgebaut. Nicht Tätigkeiten stehen im Vordergrund, sondern Inszenierung und „so tun als ob“. Die Medien unterstützen diese Scheinwelten und die Wirtschaft ist eifrig, diese gestylten Welten mit allerlei Produkten zu bedienen. Den Selbstdarstellern und der Inszenierungsindustrie zur Hilfe. Das gerät ins Stocken, wie wir allseits mit offenen Augen wahrnehmen können. Die Menschen suchen etwas anderes: sinnvolle Tätigkeiten, die den Alltag ausfüllen. Die gestylten Gesellschaftsfragmente werden immer suspekter. „Im Age of Less können auch jene, die es könnten, keinen hedonistischen Lebensstil wagen“, meint Bosshart. Da stimme ich ihm voll zu. Diesen hedonistischen Lebensstil auf Kosten der Vielen kann heute kein Verantwortungsträger mehr wagen. Das ist gut so. Ich plädiere dafür, dass die „abgehobenen Hubschrauber wieder landen bei den Menschen“ und dass wir gemeinsam etwas langsamer und intensiver unterwegs sind. Viele Entscheidungsträger tun das schon. Soziale Verantwortung wird nicht nur auf die Fahnen geheftet, sondern praktisch und konkret zu leben versucht. Außerdem tauchen gemeinsam betriebener Gärten auf, Wandern in der nächsten Umgebung ist wirklich heilsam , Fahrgemeinschaften und mehr Sensibilität für „Enkel-Tauglichkeit“ ist ein guter Beginn. Woran wir aber wirklich arbeiten werden müssen ist, dass jeder der „Menschengemeinschaft“ mit sinnvollen Tätigkeiten das dankbar zurück geben kann, was wir schon empfangen haben. Commons und Gemeingüter werden zukünftige Begriffe sein, jetzt noch abseits vom wirtschaftlich geprägten Mainstream. Ob diese Tätigkeiten bezahlt oder nicht bezahlt sind, bleibt aufgrund der ungleichen Ressourcen-Voraussetzungen doch ein zentrales Thema, außer:

Man denkt ernsthaft das bedingungsloses Grundeinkommen weiter.

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