Begegnungszonen schaffen den synaptischen Menschentyp

Im FALTER-maily#76 greift Klaus Nüchtern einen Gedanken auf, der das Prinzip Begegnungszone thematisiert. Wir erinnern uns an die lautstarken Auseinandersetzungen um die Mariahilferstraße in Wien vor Jahren. Fast wäre die Auto-Welt von Wien aus zugrunde gegangen. Heute ist der Nutzen der Begegnungszonen von allen erkannt, auch von den früher dagegen kämpfenden Geschäftsleuten. Beim abendlichen Griff in die Kassa spüren sie es. Zwei Gesellschaftskonzepte haben gerungen. Das synaptische Menschenbild ist etabliert.

Disziplin oder Begegnung

Das Prinzip Begegnungszone bringt einen neuen neuen Typus von VerkehrsteilnehmerIn herovr bzw erfordert ihn. Die Philosophin Isolde Charim hat im Buch „Ich und die Anderen“ die Straßenverkehrsordnung und die Begegnungszone als zwei unterschiedliche Gesellschaftskonzepte beschrieben. Die StVO repräsentiert eine Disziplinarmacht, deren Regeln alle unterworfen sind. Die Begegnungszone dereguliert und schafft Freiraum: Es ist nicht immer und überall klar, wer wann was zu tun und zu lassen hat. Folge: „Die Unsicherheit des Einzelnen erzeugt eine sicherere Gesamtsituation.“  Die StVO fördert Law-and-Order-Typen, die sturheil dieselben Regeln befolgen. Die Begegnungszone bringt hingegen „pluralisierte Subjekte“ herovr, aufmerksam und souverän in der Haltung, keine übergeordneten Autorität bedürfend. Sie machen sich das selbst untereinander aus. Die Bürgerin, der Bürger wird wieder zum denkenden und verantwortenden Subjekt. Eine gute Entwicklung, das Prinzip Begegnungszone. Neue, sich verknüpfende, synaptische Menschen werden dort gebildet.

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