Contrario ist nicht verkehrt

Drei Wochen waren meine Frau und ich zu Fuß am Benediktweg von Montecassino  Richtung Nursia (Geburtsort des hl. Benedikt) unterwegs. Angekommen sind wir  wieder einmal freudig und erfüllt in Assisi. Der hl. Benedikt ist auf Montecassino oberhalb der Stadt Cassino gestorben und begraben. Zusammen mit seiner Schwester, die hl. Scholastika. Der Benediktweg ist von der Geburt zum Sterben markiert. Wie fast alle Wege, die einem Heiligen oder einer Heilige gewidmet sind. Wir gehen ihn „umgekehrt, verkehrt“. Oder wie die Italiener, die wir gefragt haben, immer meinten: „Ah, contrario“. Einen Aspekt „unseres Benediktweges contrario nach Assisi“ nehme ich heraus.

Verkehrt ist eine gute Übung

Etwas umgekehrt oder verkehrt anzugehen, ist keine leichte Übung. Schon die Entscheidung dazu. In diesem Fall waren die Markierungen immer auf der „anderen Seite“ des Baumes, des Mastens. Bei einer Gabelung, wo die Normalrichtung ankommt, ist nicht gleich weitermarkiert. Es ist dann ein besonderes Suchen und machmal auch Versuchen, ob das der Weg sein könnte. Es ist ein Gehen „mit Rückspiegel“ und dem Einsatz der Intuition, wo der Weg sein könnte. Es ist mühsam, verunsichert, braucht Umwege und ein tiefes Gespür und Vertrauen in das Geführt-Sein. Es ist aber eine gute und wertvolle Übung. Der Mainstream der Gesellschaft braucht dieses „verkehrt“ gehen mehr denn je. Es erhöht die Aufmersamkeit, bietet andere Perspektiven und die Menschen kommen dir entgegen. Begegnungen sind Begegnungen. Die Anzahl der Gespräche steigt, das Wissen über Unterkünfte können wir schon am Weg mit denen austauschen, die von dort kommen, wo wir hingehen. Die Tipps gehen hin und her. Wir haben keine Unterkünfte reserviert und doch jeden Tag eine gefunden. Manchmal habe ich an Pippi Langstrumpf gedacht: Sie ist auch immer verkehrt am Pferd gesessen und hat ganz andere „Sichten“ gehabt als alle anderen. Nur Mut dazu.