Das letzte „wachgerüttelt“: Heimwärts zum Neuaufbruch

In diesen Tagen kommen die ON Ordensnachrichten zu den LeserInnen. Seit 2013, wo wir diese ON NEU geschaffen haben, schreibe  ich auf der Rückseite das „wachgerüttelt“.  Aus verschiedensten Perspektiven auf persönliche Art das Leben betrachten und dort und da einen Anstupser geben.  In diesem Fall ist es der Anstupser an mich, wach zu bleiben.

Müde heimwärts zum Neuaufbruch

„Natürlich bin ich auch etwas müde“, gestand ich dieser Tage einer neugierigen Fragerin, warum ich in Wien bei den Ordensgemeinschaften aufhöre. Sieben Jahre lang als „Vagabund an der Westbahnstrecke“ mit zwei Lebensmittelpunkten unterwegs zu sein verbraucht. Die entscheidende Frage, die jeden Menschen früher oder später ereilt, hat sich gestellt: Was ist wirklich, wirklich wichtig in deinem Leben? Die Beziehung zu meiner Frau Gerlinde, die in Oberösterreich mit viel Tatkraft und Geduld die Aufgaben erfüllt hat, die ganze Familie mit unseren Kindern und Schwiegerkindern, die drei Enkelkinder, die 96-jährige Schwiegermutter in Pflege und die Freunde, die immer mehr auf der Strecke blieben. Ich durfte wunderbare sieben Jahre in Wien verbringen, in der Ordenskirche unglaublich viel lernen und bekam von Beginn an viel Vertrauen und Gestaltungsraum im Sinne von „Freiraum für Gott und die Welt“ geschenkt. Meine Fähigkeiten und mein Können wurden gebraucht.  So etwas ist schön, Ansporn und nährend.
„Was nimmst du mit?“, fragte sie weiter. Unglaublich schöne, tiefe und coole Begegnungen, die Annäherungen an das Ordensleben in den Themen „viel. mehr. wesentlich. weniger.“, „gottverbunden – freigespielt“ oder umgekehrt, „5vor12.at“ mit den Themenflächen und das #EinfachGemeinsamWach. #wach möchte ich bleiben. Gerüttelt und geschüttelt soll ich werden, wenn ich müde und schläfrig werde. Das tiefe Hören, Hinhören, Zuhören, Aufhören ist heute das „Notwendendste“. Dafür möchte ich arbeiten. Deshalb nehme ich mir dieses „wachgerüttelt“ mit. Ich sage ein DANKE allen in der hoffnungsgetränkten und ungestümen Gewissheit: Gott geht unsere Wege mit.

Offen für Neues

Und damit keine Zweifel aufkommen. Das offizielle Ende ist der 31. Aug 2019. Und es geht nicht in Pension. In den nächsten Monaten möchte ich mich wieder ganz weit öffnen, „um mich von einer wunderbaren Aufgabe finden zu lassen und/oder meine Fähigkeiten als Selbständiger zur Verfügung stellen“.  Der Umbau meiner Website ist schon ein Anzeichen dafür, was meine Identität betrifft.  _AM GEHEN _ AM TUN _AM PUNKT.  Zuvor aber werde ich im September und Oktober das Bisherige „hinausgehen (lassen)“. „Weitgehen ist heilsam“ nennen sich meine Vorträge und das möchte ich mir am Benediktweg auf Etappen in Italien und in Österreich gönnen. Es ist die Zeit und die Geöffnetheit, Offenheit, der ich mich hingeben möchte. Vielen Menschen ist das nicht geheuer, weil ich noch nicht weiß, wie es weitergeht. Aber wie soll Neues an- oder einbrechen können, wenn wir schon wieder alles „verplant“ haben? Das Leben kommt uns entgehen. Mit der „weiten Offenheit“ kann das Neue für die nächsten sieben Jahre wieder gut Platz nehmen. Übrigens: Die Ordensgemeinschaften haben mich 2013 im März auf meinem 26-tägigen Weg ins Kloster Volkenroda in Thüringen gefunden. Und daraus wurden sieben gute Jahre.

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